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24.01.1992 - 

Eine Börsen-Jahresvorausschau

Der Knoten ist geplatzt: 1992 ist die deutsche Börse Favorit

Die Siemens AG hat durch die Verdoppelung des Finanzergebnisses im Geschäftsjahr 1990/91 (30. September) den um 20 Prozent gesunkenen operativen Ertrag mehr als ausgeglichen. Der Jahresbericht spiegelt die Situation der deutschen Wirtschaft wider.

Die fehlende eine Milliarde Mark vor Steuern wurde durch die Verdoppelung des Finanzergebnisses der Siemens AG auf rund zwei Milliarden Mark erwirtschaftet.

Höhere Zinserträge und geringere Wertpapierabschreibungen haben zu dem Rekordfinanzergebnis geführt. Im Geschäftsjahr 1989/90 waren wegen des steilen Zinsanstiegs und der damit verbundenen Baisse der Rentenpapiere noch Abschreibungen von 725 Millionen Mark auf den Wertpapierbesitz notwendig geworden. 1990/91 erlöste Siemens eine Rendite von über zehn Prozent auf das liquide Vermögen.

"Siemens - ein Spiegelbild des deutschen Aktienmarktes", so lautete die Überschrift der Besprechung der Siemens-Aktie an dieser Stelle vor wenigen Monaten (vgl. CW Nr. 43 vom 25. Oktober 1991). Der Jahresbericht 1990/91 der Siemens AG kann als beispielhaft für die Situation der deutschen Wirtschaft gelten:

- Das Inlandsgeschäft verlangsamt sich weiter auf hohem Niveau, die Steuerquote ist kräftig gestiegen.

- Das Auslandsgeschäft ist eingebrochen, in den USA ist keine Verbesserung der Exportchancen für deutsche Unternehmen in Sicht.

- Es wurden schwierige Projekte in Angriff genommen, die weiter Geld kosten werden.

- Reserven mußten angegriffen werden, weitere Reserven sind nötigt, es existieren jedoch reichlich Reserven.

- Seit zwei Jahren befindet man sich in der Vorleistung.

- Die Stimmung ist ernüchtert.

- Aussichten: Nach den Vorleistungen und vor dem Hintergrund der ernüchterten Stimmung blendend.

Seit 1988 leidet der deutsche Aktienmarkt unter den ständig steigenden Zinsen. Als sich im Sommer 1991 eine Zinsentspannung abzeichnete, war die Furcht vor einer Enttäuschung der aus dem Boomjahr 1990 herrührenden Gewinnerwartungen groß. Fundamentale Bedenken bremsten Aktienkäufe.

Jetzt setzt sich die Zinsentspannung fort. Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich von fundamentalen Problemen, etwa ,von drohenden Arbeitskämpfen in der Metallindustrie, unbeeindruckt. Die Erkenntnis, daß sich die deutsche Wirtschaft in einer Talsohle befindet, ist Allgemeingut geworden.

1992 wird es aufwärtsgehen

Wegen der oben beschriebenen Vorleistungen im investiven Bereich wird aus der Talsohle - anders als in anderen Volkswirtschaften - keine Rezession werden. Fazit:

- Fundamental (Unternehmensgewinne) sind die Erwartungen gedämpft, das Enttäuschungspotential scheint insgesamt ausgeschöpft. Die Stimmung ist schlecht und kann sich verbessern.

- Monetär (Zinsen) geht die Entspannung wegen der Rezession in USA und Großbritannien, wegen der Wachstumsverlangsamung in Japan sowie der investiven Vorsicht im eigenen Lande (siehe oben) weiter.

- Markttechnisch (Timing) gibt es klare Kaufsignale. Die Stimmung ist schlecht, die Zeit für Käufer daher gut. Deutsche Wertpapierfonds sind in Aktien unterinvestiert, der Umsatz in spekulativen Optionsscheinen ist zusammengebrochen, die Barreserven der Institutionen sind hoch.

Jahresvorausschau: Es wird 1992 am deutschen Aktienmarkt aufwärtsgehen. Das Kurssteigerungspotential ist erheblich. Standardwerte, die auch von Auslandsanlegern gekauft werden, haben Vorrang. Zu diesen Standardwerten gehört auch Siemens.

Favoriten der Depotgewichtung sollten jedoch die seit Jahren zurückgebliebenen Versicherungswerte sein. Sinken die Zinsen, erhöht sich der Wert des zu Hochzinszeiten abgeschriebenen beziehungsweise angeschafften Anleihendepots. Drei Empfehlungen an dieser Stelle:

- Allianz Leben,

- Allianz Holding und

- Münchner Rück.

Wer es sich einfach machen möchte, kauft einen Call (Kaufoption) auf den deutschen Aktienindex.

Der US-Aktienmarkt befindet sich am Anfang einer heißen Übertreibungsphase. Die Rezession in den USA ist noch nicht ausgestanden. Durch die Politik leichten Geldes einerseits und durch fehlende Direktinvestitionsmöglichkeiten andererseits werden liquide Mittel den Wertpapiermärkten zur Verfügung stehen. Wegen der niedrigen US-Zinsen fließt die Liquidität nicht in Anleihen, sondern in Aktien. Im Laufe des Sommers sind "japanische Verhältnisse" mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 40 in Wallstreet möglich. Anschließend würde vom US-Aktienmarkt höchste Gefahr für die Weltbörsen ausgehen.

Japan sollte zunächst weiter abwärts tendieren Eigenkapital-Beschaffungskosten zu Weltmarktpreisen erlebt die amtierende Manager-Generation dort zum ersten Mal. Der Schock sitzt tief. Die Unternehmensgewinne werden weiter sinken.

Im Umfeld der Berichterstattung zum laufenden Geschäftsjahr - in Japan endet das Geschäftsjahr traditionell am 31. März - werden die Gewinnenttäuschungen noch einmal wachsen und sich in übersteigertem Pessimismus für das laufende Jahr fortsetzen. Bei einem Index Nikkei-Dow-Jones von 15000 bis 17000 (heute 22000) wird es an dieser Stelle Kaufempfehlungen für Aktien der stärksten Aktiengesellschaften Asiens geben. Doch zunächst ist die deutsche Börse Favorit.