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Die Fraktionen formieren ihre Bündnisse


16.04.1999 - 

Der Konflikt im Handheld-Markt spitzt sich zu

Von CW-Mitarbeiter Martin Bayer MÜNCHEN (CW) - Die Zuwachsraten im Markt für Westentaschenrechner lassen bei den Herstellern Goldgräberstimmung aufkommen. Doch hinter den Kulissen des boomenden Marktes brodelt es. Verschiedene Herstellerallianzen ringen um das Betriebssystem der Zukunft und die künftigen Standards.

Im Handheld-Markt steht die entscheidende Kampfrunde wohl kurz bevor. Es geht um die Plattform, die in Zukunft die Szene beherrschen soll. Auch um die Standards, nach denen künftig die Datenkommunikation der Minirechner funktionieren soll, wird verbissen gerungen. Die Kontrahenten Microsoft (Windows CE), Symbian (Epoc) und 3Com (Palm OS) formieren ihre Bündnisse. Die Beute lohnt sich: Laut einer Untersuchung der International Data Corp. (IDC) werden bis zum Jahr 2002 weltweit etwa 55 Millionen Handhelds im Einsatz sein.

Die Nummer eins im Markt ist nach wie vor der Palm von 3Com. Mit drei Millionen weltweit verkauften Geräten und einem Marktanteil von knapp über 40 Prozent behauptet das Unternehmen aus Santa Clara den Löwenanteil im Handheld-Geschäft.

Eine wichtige Funktion, die 3Com in die nächsten Palm-Generationen integrieren will und die den Vorsprung sichern soll, wird die drahtlose Anbindung an Internet- und Intranet-Daten sein, so Neville Street, General Manager bei 3Com. Dabei setzt das Unternehmen auf die sogenannte Web-Clipping-Technik. Internet-Inhalte werden damit ein speziell auf die Handhelds ausgelegtes Format erhalten. Große Internet-Unternehmen wie Yahoo, Etrade und Mastercard haben bereits entsprechend formatierte Web-Seiten angekündigt. Auch E-Commerce via Handheld wird laut Street eine große Bedeutung gewinnen. Deshalb plane seine Firma bereits, entsprechende Slots für Kreditkarten in die Geräte einzubauen.

Allerdings beurteilt man bei 3Com die nahe Zukunft realistisch. Zwar sei der Palm VII, der in den USA bereits angekündigt ist, schon für Datenkommunikation ausgelegt, aber man könne den Kunden die Mängel bei den Übertragungsstandards noch nicht zumuten, meint Markus Bregler, Sales Manager bei 3Com. Erst wenn Service-Provider und Telefongesellschaften mit dem Standard Universal Mobile Telecommunications Systems (UMTS) Übertragungsraten von 2Mbit pro Sekunde anbieten können, sollen die dafür geeigneten Geräte auf den Markt kommen. Die UMTS-Entwicklung stehe allerdings erst am Anfang, so Bregler.

War man bei 3Com in der Vergangenheit sehr auf die eigene Palm-Reihe und die firmenintern entwickelte Technologie fixiert, scheint sich jetzt eine strategische Änderung abzuzeichnen. So hat sich das Unternehmen mit der Übernahme von Smartcard Technologies eine Firma an Bord geholt, die die Kommunikationsplattform der Palm-Reihe weiter entwickeln kann. Das französische Unternehmen fertigt Applikationen wie Web-, Mail- und Fax-Clients. Qualcomm, der US-amerikanische Hersteller von Mobilfunkprodukten, plant, ein Smartphone mit Palm OS auf den Markt zu bringen, und mit Alcatel SA zusammen will 3Com an einem neuen Betriebssystem für Wireless Information Devices (WIDs) arbeiten.

Die zuletzt genannte Allianz richtet sich gegen Symbian. Das 1998 von Psion, Nokia und Ericsson gegründete Joint-venture arbeitet ebenfalls an einem neuen, auf Psions Epoc basierenden Betriebssystem, das zum Standard für mobile Endgeräte vom Handy bis zum Handheld werden soll. Inzwischen gehören auch Motorola und Sun offiziell dieser Allianz an. Erste erfolgversprechende Geräte erwartet Psion-Chairman David Potter allerdings erst nächstes Jahr. Genau in diese Wunde legen die Wettbewerber ihre Finger. Bislang habe es Symbian nicht fertiggebracht, ein aussichtsreiches Gerät zu präsentieren, kritisiert 3Coms europäische Marketing Managerin Anne-Marie Bourcier.

Um die Entwicklung seines Systems zu forcieren, hat Symbian das Mobile Application-Laboratorium von Ericsson in Ronneby, Schweden, übernommen. Hier soll die kürzlich von der STNC Ltd. in Lizenz genommene Browser-Technik sowie Suns Java-Technologie in das künftige Betriebssystem integriert werden.

Den größten Markt sieht Symbian in für Datenübertragung ausgelegten Handies, den sogenannten Smartphones. (siehe CW 13/99, Seite 27). Nach Ansicht von Symbian-CEO Colly Myers wird bis zum Jahr 2003 ein Sechstel der Bevölkerung weltweit mit einem Handy ausgerüstet sein, von denen dann ein Großteil Internet-fähig sein dürfte.

Analysten wie Alan Reiter von "Wireless Internet & Mobile Computing" erwarten noch einige technische Probleme für die Branche. "Was hier versucht wird, ist, Informationen, die für eine breite Pipeline gedacht sind, durch einen Strohhalm zu zwängen", meint Reiter. Es gebe verschiedene Ansätze, doch von einer standardisierten Lösung sei der Markt noch meilenweit entfernt.

Symbian setzt seine Hoffnungen auf zwei Standards, die momentan in der Entwicklung stecken: das Wireless Application Protocol (WAP) und Bluetooth. Mit WAP, einer ähnlichen Technologie wie 3Coms Web-Clipping, soll eine einheitliche Spezifikation geschaffen werden, um Internet-Inhalte auf mobile Endgeräte zu übertragen. Um dies zu erreichen, greift das Protokoll auf die Extensible Markup Language (XML) zurück und übersetzt die Web-Seiten in ein Handheld-gerechtes Format. Die Verabschiedung des endgültigen Standards wird für Mitte 1999 erwartet.

Auch der Standard der Bluetooth-Gruppe soll Mitte des Jahres festgeklopft werden. Die im Mai 1998 von Ericsson, Intel, IBM, Nokia und Toshiba gegründete Allianz, die mittlerweile 521 Mitglieder, darunter auch 3Com, aufweist, hat sich auf die Fahnen geschrieben, einen einheitlichen Standard für die drahtlose Kommunikation zwischen den Geräten zu entwickeln, zum Beispiel vom Handheld zum PC oder Drucker.

Das dritte Lager, das zur Zeit großen Zulauf und starke Zuwachsraten im Markt verzeichnen kann, ist die Windows-CE-Fraktion.

Zwar können die Hersteller von CE-Geräten bei den Marktanteilen 3Com längst nicht das Wasser reichen, aber die Zuwachsraten, die zum Teil deutlich höher liegen, deuten an, daß es bald eng werden könnte für 3Com. Und Microsoft macht bekanntlich keine halben Sachen. Auf der CeBIT ''99 präsentierten über 30 Hersteller Handhelds unter dem Betriebssystem Windows CE: Compaq, Hewlett-Packard, LG, Sharp und Casio, um nur einige zu nennen. Microsofts Strategie ist damit klar: den Markt mit Masse überrollen.

Das neue Betriebssystem bietet eine Reihe zusätzlicher Funktionen wie zum Beispiel die Unterstützung von Farb-Displays und ähnelt damit noch mehr seinen größeren Windows-Brüdern. Hier setzt auch die massive Kritik an. Viele bemängeln, Windows CE sei zu schwerfällig für die kleinen mobilen Endgeräte.

Die größten Chancen sieht der Softwarehersteller im professionellen Bereich. Hier wird der Handheld über kurz oder lang in die DV-Strukturen der Unternehmen eingebunden werden. In diesem Sektor arbeitet Microsoft mit anderen Firmen zusammen, zum Beispiel mit Fenestrae, das den "Mobile Data Server" für SAP entwickelt hat.

Wenn auf den Arbeitsplatzrechnern bereits Windows laufe, habe Microsoft einen Heimvorteil, so Produktmanager Greg Levin. Kaum jemand werde Experimente wagen und versuchen, unterschiedliche Systeme unter einen Hut zu bringen.

Windows CE soll sich als das Betriebssystem außerhalb des Desktop-Rechners etablieren. Auch andere Geräte, wie zum Beispiel Set-top-Boxen, sollen unter Windows CE laufen. Damit hätte Microsoft vom Server bis zum Minirechner das ganze Systemspektrum unter der Knute seines Betriebssystems. Auch der Handy-Markt wird von dem kalifornischen Softwarehersteller anvisiert. Erste Mobiltelefone mit Windows CE präsentierten auf der CeBIT ''99 Philips und Panasonic. Für die Internet-Anbindung hat Microsoft einen "Microbrowser" entwickelt, interessanterweise mit der Firma Qualcomm, die auch mit 3Com kooperiert. Zielscheibe von Microsofts Handy-Allianz: Symbian.

Aber auch die Softwareschmiede aus Redmond muß ihr System für die Zukunft vorbereiten. So wird Microsoft in den nächsten drei Jahren 20 Millionen Dollar in das Unternehmen Spyglass investieren, um Windows CE Internet-fest zu machen. Spyglass soll entsprechende Web-Applikationen entwickeln und in Windows CE integrieren, so Microsoft-Manager Tony Barbagallo. Die nächste CE-Version, Codename "Xena", soll Ende des Jahres herauskommen. Und auch die übernächste Generation, Codename "Cedar", ist bereits in Arbeit. Wichtige Funktionen werden Spracherkennung und die Implementierung von Java sein. Damit könnte jedoch die Lunte zu einem neuen Pulverfaß gelegt sein. Zwar hat Microsoft offiziell den Source-Code von Sun eingekauft, dann aber Java so manipuliert, daß es nur auf der Windows-Plattform funktionierte, so der Vorwurf Suns.

In den Gremien für die Entwicklung neuer Übertragungsstandards hält sich Microsoft vornehm zurück. Weder bei Bluetooth noch im WAP-Forum sitzt die Gates-Company mit im Boot. Allerdings hat Microsoft mit Compaq eine strategische Allianz vereinbart, Sales-Force-Automation-(SFA-) Applikationen auf Windows CE zu portieren, und mit HP ist vereinbart, ein Technologiezentrum für Minirechner einzurichten.

Zuletzt hat Intel angekündigt, sein Engagement zu verstärken. Mit neuen Modellen seiner Risc-CPUs, den ARM-Chips SA-1110 und SA-1500, beansprucht der Prozessor-Riese seinen Anteil an der noch nicht erlegten Beute. Und auch über Apple, den Erfinder des legendären Newton, des Urvaters aller Palm-PCs, kursieren Gerüchte, es sei mit einem neuen Gerät zu rechnen.