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28.03.2003 - 

E-Mail statt Feldpost

Der Krieg findet auch im Internet statt

MÜNCHEN (CW) - Das Internet ist im bisherigen Verlauf des Irak-Kriegs zur Informationsquelle Nummer eins geworden. Websites offizieller wie inoffizieller Stellen haben einen regelrechten Ansturm zu bewältigen. Daneben nutzen Hacker die Gunst der Stunde, um ihre Kräfte zu messen.

Bereits kurz nach der Rede zur Kriegseröffnung von US-Präsident George W. Bush schnellte rund um den Globus die Zahl der Internet-Nutzer in die Höhe. Wie die Experten der Marktforschungsfirma Comscore Media Metrix mitteilten, erhöhten sich allein die Besuche der 15 wichtigsten Nachrichtenseiten in den Vereinigten Staaten um mehr als 40 Prozent. Yahoo berichtete, dass seine US-Site dreimal so viele Klicks wie sonst nach einer Präsidentenansprache üblich verzeichnete.

Auch in anderen Ländern kam es zu einem vehementen Ansturm auf die Online-Angebote. In Deutschland waren vor allem die Auftritte der verschiedenen Nachrichtenmagazine gefragt. So verzeichnete "Tagesschau.de" eine Verdreifachung der Aufrufe, "Spiegel Online" und "Tomorrow-Focus" sprachen von einer Verdopplung. Aus England meldete Freeserve eine Beteiligung an Diskussionsforen, die das übliche Maß um das Dreifache übersteige.

In China zogen die Nachrichtenportale Sohu.com und Sina.com die Neugierigen an. Sohu bietet mittlerweile sogar einen Service an, bei dem sich die Besucher für einen SMS-Nachrichtendienst registrieren lassen können, um die jüngsten Entwicklungen über das Handy zu erfahren. Rund 20000 Menschen machten angeblich bereits von diesem Dienst Gebrauch.

Dabei sind es nicht nur die letzten Neuigkeiten oder Meinungen, die die Menschen zum Thema Irak ins Netz ziehen. Die US-amerikanische Armee stellte beispielsweise einen Frage- und Antwort-Katalog ins Netz, in dem sich besorgte Angehörige von Soldaten informieren können. Zur Unterstützung der Truppen vor Ort hat das Militär unter www.defendamerica.mil außerdem zahlreiche Links zur Verfügung gestellt, mit denen Grußkarten an die Lieben in der Ferne geschickt werden können.

In eine ganz andere Richtung zielen dagegen Sites wie www.iraqbodycount.net, hinter der sich eigenen Angaben zufolge eine Gruppe international tätiger Wissenschaftler verbirgt, die die Zahl der Toten und Verletzten des Konflikts aus unterschiedlichsten Quellen zusammenzählt. Unter www.arabnews.com berichten Journalisten aus der Region. Sie nutzen das Forum jedoch auch zur Meinungsäußerung wie jüngst in einem offenen Brief an den US-amerikanischen Präsidenten.

Doch neben der offiziellen Berichterstattung von Medien und kriegsführenden Parteien veröffentlichten auch mehrere HackerGruppen ihre Botschaften im Web. Dabei sind die bevorzugten Mittel so genannte Defacements, in denen Internet-Seiten geknackt und mit eigenen Texten überschrieben werden. Außerdem sind Würmer im Umlauf, die mit Irak-bezogenen Betreffzeilen um Aufmerksamkeit buhlen.

Nach Angaben der Sicherheitsspezialisten von F-Secure lassen sich dabei drei unterschiedliche Gruppen von Hackern klassifizieren: Einerseits hätten amerikanische Patrioten das Bedürfnis, ihren eigenen Kriegsbeitrag zu leisten. Sie versuchen in der Regel, DoS-Attacken (Denial of Service) gegen E-Mail-Server irakischer Botschaften oder Unternehmen zu starten. Daneben finden sich islamistische Extremisten, die die US-Infrastruktur schwächen wollen, indem sie amerikanische Websites angreifen. Drittens bedienen sich Friedensaktivisten des Internets, die weder auf der Seite der USA noch auf der des Irak stehen.

In den ersten 48 Stunden nach Kriegsbeginn wurden bereits über 200 Web-Seiten gehackt. Bis zum vergangenen Wochenende waren es nach Einschätzung der Experten über 1000. Darunter waren beispielsweise ein Webmail-Server des US-Militärs, das US National Center for Agricultural Utilization Research (siehe Screenshot), die kalifornische Community-Site Pacifica sowie das in Vietnam tätige Frachtunternehmen Seabornes.

Wurmbefall weitet sich aus

Würmer mit Bezug zum Irak wurden bereits im Dezember 2002 entdeckt. Im Gegensatz zu den politisch motivierten Hackern nutzen die Virenschreiber das Interesse am Krieg, um ihre Schadroutinen nach altbekanntem Muster zu verbreiten. So locken zum Beispiel Betreffzeilen infizierter E-Mails wie "G.W. Bush animation" zum Klick auf Dateien. Seit Mitte März sind die Würmer "Prune" und "Ganda" im Umlauf, die sich via E-Mail verbreiten. Experten raten wie immer, keine Nachrichten unbekannter Herkunft zu öffnen und aktuelle Antivirensignaturen einzuspielen. (rs/lex)