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15.06.1979

Der Krisenplan geht jeden EDV-Leiter an!

Leiter der Elektronischen Datenverarbeitung, Deutsche Rockwool, Mineralwoll-GmbH, Gladbeck

Fallende Hardware-Preise bringen im Unternehmen immer mehr die Auffassung, das Budget der Fachabteilung EDV müßte ebenfalls gesenkt werden.

Ich habe mir die Frage gestellt: Was mache ich, wenn ich eine extreme Einsparung meines Budgets an

EDV-Aufwendungen bringen müßte? Es gibt mehrere Aspekte die in eine grundsätzliche Überlegung hineingehören:

l. Hardware

2. Software

3. Personalkosten.

Hardware

Der allgemeine Trend - Trennen der Software der Computer-Hersteller in gesonderte Zahlungen - läßt erkennen, daß die Hardware immer preiswerter wird. Man braucht die Preisspirale zu diesem Problem nur von 1975 bis gegenwärtig zu betrachten, um die Entwicklung zu erkennen. Wir haben in der Hardware Senkung der Kosten, unabhängig ob Kauf- oder Mietverträge gemacht werden. Die neuen Systeme, Hersteller-unabhängig gesehen, machen mir die meisten Sorgen, da grundsätzlich eine enorme Steigerung der Software-Kosten zu planen ist.

Software

Hier möchte ich diesen Punkt von zwei Seiten betrachten. Einmal Unternehmens-Software und zum anderen die kaufende oder die zu mietende Hersteller-Software, die für die Funktionsfähigkeit erforderlich ist.

Bei der Hersteller-Software ist klar eine Verlagerung der Kosten von der Hardware zur Software zu verzeichnen. Jeder muß diesen Punkt berücksichtigen und kann ihn nicht verschweigen.

Die Unternehmens-Software vollzieht aber im gleichen Maße eine Steigerung, ohne daß wir das in vielen Bereichen wahrhaben wollen. Zwar ist durch Dialog-Programmierung, Steuersprachen-Programmierung die Programmierung im Unternehmen effektiver geworden, aber gleichzeitig ist das Verlangen nach mehr Automatisierung größer geworden. Ein Mehr an EDV-Produktivität bedeutet gleichzeitig, oft vergangene Organisationen neu zu konzipieren. Hier liegt das Übel im Detail, denn viele von uns werden diesen Aspekt nicht wahrnehmen und gewachsene EDV-Anwendungen nur an neue Systeme angleichen.

Personalkosten

In Deutschland sind nun mal qualifizierte EDV-Fachleute, egal zu welcher Gruppe sie innerhalb einer EDV-Organisation gehören, die zur Zeit bestbezahltesten Berufsbilder. Durch die Kostenverlagerung zur teuren Software wird sich dies auch nicht ändern. Die Stellenanzeigen über zu besetzende Positionen lassen auch einen großen Fehlbestand an Personal erkennen. Fazit: - Was ist zu tun, wenn die Vorgabe "Einsparung im EDV-Bereich" kommt?

Hier bin ich folgender Auffassung:

1. Grundsatz

Jeder sollte überprüfen, inwieweit seine Verwaltungskosten noch relevant sind. Durch die Historie gewachsen, werden oft viele Output-Ausdrucke gemacht, die bei Überprüfung teilweise eine sofortige Einstellung ergeben.

2. Grundsatz

Bei Personalbestands-Erhöhung muß grundsätzlich geprüft werden:

Wie lange ist der zusätzliche Mitarbeiter erforderlich. Oft ergibt sich nach einer genauen Analyse, daß sich der Personalbedarf nur auf eine kurze Zeit erstreckt, wobei ich der Meinung bin, daß drei bis fünf Jahre noch eine kurze Zeit sind.

Hier muß dann unter Berücksichtigung aller tarif- und personalpolitischen Gesichtspunkte geprüft werden, ob sich die Vergabe des zu erledigenden Auftrages an

Service-Firmen nicht eher lohnt. Man muß für seine in der EDV beschäftigten Mitarbeiter die Beschäftigung auch für die Zukunft erhalten. Was nützt es, EDV-Mitarbeiter kurzfristig zu beschäftigen und dann bei Rationalisierungsfragen zu qualifizieren und Entlassungen vorzunehmen. Entweder habe ich nur Mitarbeiter, die ihren Einsatz durch qualitative Arbeit bringen, oder ich nehme einen Austausch vorher vor. Deshalb kann oft die Vergabe für einzelne Projekte an Software-Firmen kostenpolitisch günstiger sein als die Kurzbeschäftigung und ökonomisch nicht vertretbare Kurzbeschäftigung von Mitarbeitern.

3. Grundsatz

Bevor Kauf- oder Mietverträge über Hersteller-Software oder Anwendung von Software-Häusern gemacht werden, muß das Angebot des Marktes gründlich untersucht werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß angebotene Software bei gleicher Qualität und Leistung von drei Unternehmungen einen Preisunterschied von 50 Prozent ausgemacht hat. Hier sehe ich für die Zukunft einen Schwerpunkt meiner Kostenüberlegungen.

4. Grundsatz

Die Hardware, die gekauft oder gemietet werden muß, sollte einer gründlichen Angebotsanalyse unterzogen werden. Bei den in Ende '78 und Anfang '79 angekündigten System-Erneuerungen und in '79 noch zu erwartenden Neuankündigungen von Computer-Herstellern ist zu erwarten, daß eine Hardware-Angleichung in den nächsten Jahren unter den relevanten Herstellern stattfindet. Hier werden sich bei einem Vergleich ebenfalls enorme Preis-/Leistungsverhältnisse ergeben, die mein Budget beeinflussen werden. Ich bin sogar der Meinung, daß durch die enorme Preisreduzierung sowie Preisangebote bei Neusystemen der IBM noch einiges zu erwarten ist.

Obwohl ich in der Vergangenheit ein Gegner von Mixed-Hardware war, muß ich auch hier, teilweise sogar notgedrungen, meine Meinung ändern.

Zum einen ist dieser Bereich qualitativ besser geworden, und zum anderen zwingt oft der Computer-Hersteller des Zentral-Systems zu solchen 'Vorgehensweisen wegen :Fehlens der Produkt-Palette oder zu hoher Lieferzeiten. Alles zusammen betrachtet habe ich auch kein Patentrezept für den Alltag, keine Vorgabe zur Einsparung in meinem Schreibtisch. Nur: Jeder muß sich bewußt sein, daß die Frage der Einsparung im EDV-Budget in der jetzigen Zeit eine Alltagsfrage ist. Somit sollte man sich vorher einen Notplan erstellen, um auf Unternehmensdiskussionen vorbereitet zu sein. Die Zeit zeigt, daß der Fall schneller eintreten kann, als man vermutet.

Ich wollte hier nur ein paar Überlegungen festschreiben, die Initiative bei viele: Betroffenen hervorrufen sollte. Vorbereitet meistert man die Situation am besten!