Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.04.1990

"Der Kunde soll sich seinem eigentlichen Geschäft widmen

Mit John Totman, Director of European Operations bei der X/Open Ltd., sprachen Karin Quack und Heinrich Vaske.

CW: Von Ihrem Präsidenten Geoff Morris stammt der Satz, daß öffne Systeme die Informationen aus ihrem Getto-Dasein befreien. Können Sie uns sagen, wie das gemeint ist?

Totman: Aufgrund proprietärer Computersysteme blieben die Informationen bislang auf einzelne Unternehmensbereiche beschränkt - Fnianzinformationen hier, Kundeninformationen dort und strategische Informationen an einer dritten Stelle. Morris entwarf eine Vision für die nächsten zehn Jahre, die besagt: Die Industrie muß sich der Aufgabe stellen, Brücken oder Bindeglieder zwischen den technologischen Inseln zu installieren, um Unternehmensinformationen innerhalb der gesamten Organisation verfügbar zu machen.

CW: Inwiefern sind die herstellergebundenen Systeme für die momentane Situation verantwortlich?

Totman: Die proprietären Systeme wurden isoliert entwickelt - ohne Standardisierung, also ohne die Option auf Informationsaustausch. Für dieses Problem gab es allerdings immer schon eine ganz einfache Lösung.

Und die bestand darin, bei der Beschaffung des Equipment durchgängig auf denselben Maschinentyp desselben Anbieters zurückzugreifen.

CW: Neben dem Portability-Guide gibt die X/Open neuerdings auch eine "Open Systems Directive" heraus. Welchen Zweck verfolgt diese Dokumentation?

Totman: Bis zur" vergangenen Jahr wurde die Arbeit an den Portability-Guides fast ausschließlich von den X/Open-Mitgliedern, also den Computer, herstellern, geleistet. Damals beschäftigten wir uns hauptsächlich mit Betriebssystemen, Compilern und Datenbank-Management-Systemen, also mit Bereichen, wo die Hersteller eine Menge Know-how haben. Dann bemerkten wir, daß wir uns auf Gebiete begeben hatten, wo die Anforderungen nicht von den Herstellern, sondern von den Software-Anbietern und den Anwenderunternehmem formuliert werden sollten.

Kurz gesagt, was einmal als eine Hersteller-Initiative begann, muß jetzt von Markt angetrieben werden.

CW: Und welchen Anteil hat die "Dirertive" daran?

Totman: Was dieses Dokument leistet, ist zweierlei: Zum einen beschreibt es die Ergebnisse einer Kundenbefragung zum Thema Anforderungen an offene Systeme; zum anderen sind darin unsere Pläne für die Umsetzung dieser Wunsche innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre veröffentlicht.

CW: Wie sieht Ihre Vision eines offenen DV-Markts aus?

Totman: Ein solcher Markt ist auf jeden Fall um ein Vielfaches größer als der heutige, weil die Barrieren für einen Markteintritt niedriger sein werden.

CW: Wird es nach wie vor Hardwarehersteller und Software-Anbieter geben?

Totman: Ja, aber daneben wird sich eine neue Art von Lieferanten herausbilden, nämlich die sogenannter Systemintegratoren. diese Anbieter können auf die Produkte der gesamten DV-Industrie zugreifen, wenn deren Schnittstellen standardisiert sind.

Damit nehmen die Integratoren zunehmend eine eine Last von den Schultern der Anwender, die diese Arbeit derzeit meist selbst leisten. Und das erfordert viel Aufwand in bezug auf Skills und Ressourcen. Künftig wird der Anwender nur noch seine Anforderungen nennen, worauf der Integrator den Rest erledigt.

Schließlich soll sich der Kunde nicht der Systemintegration, sondern seinem eigentlichen Geschäft widmen.

X/Open auf Anwenderkurs?

Die X/Open Ltd. scheint sich neu zu orientieren: vom Hersteller zum Anwender. Bis vor eine fahr noch haben sich die Anbieter ihre Richtlinien für offene Systeme im Rahmen der X/Open selbst gebastelt. Die Systemempfehlungen des Gremiums entstanden auf der Basis von Herstellervorschlägen. Erst seitdem das "Xtra"-Projekt im Januar 1989 ins Leben gerutfen wurde, rücken die User zusehends in den Mittelpunkt des Geschehens.

Intensive Marktforschungsaktivitäten dokumentieren das Umdenken des Gremiums. Die Mitglieder, zum großen Teil Hersteller, erhoffen sich von Anwenderbefragungen neue Impulse.

Die User nutzen die Gunst der Stunde und präsentieren eine Wunschliste, die von verteilten Anwendungen über objektorientierte Techniken bis hin zu mehr Datensicherheit reicht.

Bleibt die Frage, wie ehrenhaft die Absichten der X/Open sind. Böswillige Betrachter kannten auf die Idee kommen, die Vereinigung wolle lediglich neue Märkte für Systemanbieter ausloten.

Ob nun Taktik dahintersteckt oder nicht - derlei Spekulationen sind mäßig, solange der Anwender von der Neuorientierung Profitiert.

Mit ihrer neuen Machtstellung innerhalb der X/Open können die Anwender jetzt den Markt für offene Systeme mitgestalten. Ihr Drängen hat bereits dazu geführt, daß das Gremium mit den konkurrierenden Standards im EDI-Bereich aufräumen will.

Auch die Klagen über das derzeit größte Anwenderproblem, den chronische Mangel an kommerzieller Software für Unix-Systeme, will die X/Open - endlich - ernst nehmen. hv