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16.10.1998 - 

Die Krise bei Massenspeichern

"Der Lagerbestand der PC-Hersteller reichte bis August"

CW: Wieso geht es der Festplattenindustrie so schlecht?

Haggerty: Unser Geschäft unterlag immer Schwankungen, ertragreiche Phasen wechselten sich mit verlustreichen ab. Vor dem Oktober vergangenen Jahres hatten wir zweieinhalb Jahre mit Wachstum.

CW: Die derzeitige Krise hält aber schon nahezu ein Jahr an.

Haggerty: Richtig. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe. Zum einen versuchen die PC-Hersteller immer zum Jahresende, ihren Distributoren und Händlern möglichst viel Ware in die Regale zu stellen, so auch Ende 1997.

CW: Dieses Spielchen wiederholt sich jedes Jahr.

Haggerty: Nur blieb die Nachfrage diesmal weit hinter den Erwartungen zurück. Es gibt Leute, die behaupten, daß beispielsweise Compaq PCs für 16 bis 18 Wochen in den Vertriebskanal gepumpt hatte. Das Problem wurde im Januar dieses Jahres erkannt und in der Folge die PC-Produktion reduziert ...

CW: ... und die Nachfrage nach Festplatten damit ebenfalls.

Haggerty: Der zweite Faktor für die Speicherkrise ist vielleicht noch bedeutsamer. Die großen Original Equipment Manufacturers (OEMs) stellten nämlich Anfang des Jahres ihr Geschäftsmodell um. Statt wie bisher in ihren Fabriken Komponenten für vier bis zwölf Wochen vorzuhalten, reicht die Lagerhaltung für die Produktion nur mehr ein oder zwei Wochen lang.

CW: Bedeutet das, daß die Hersteller von PC-Komponenten ab Jahresbeginn rund 20 Wochen lang nichts verkaufen konnten?

Haggerty: Naja, der Lagerbestand ist jetzt so ziemlich abgebaut, ich schätze zu 85 Prozent.

CW: Wir wirkte sich das auf die abgesetzten Stückzahlen aus?

Haggerty: Wir mußten den Produktionsplan für das Geschäftsjahr 1998, das eben zu Ende ging, um ein Drittel reduzieren: von den geplanten 32 Millionen auf 21 Millionen Stück. Aber jetzt verzeichnen wir wieder eine steigende Nachfrage nach PCs.

CW: Seit wann macht sich der Aufschwung bemerkbar?

Haggerty: In den USA seit August, in Europa war das schon eher der Fall, und die Nachfrage fällt auch stärker aus.

CW: In welchem Umfang ist Western Digital von der Krise in Asien betroffen?

Haggerty: Zum Glück nicht so stark. Wir erzielen dort nur rund elf Prozent unseres Umsatzes. Europa steuert dagegen 35 Prozent und die USA 50 Prozent bei.

CW: Wieso haben Sie sich im Herbst vergangenen Jahres aus dem Geschäft mit Festplatten für Notebooks zurückgezogen?

Haggerty: Wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen und wollten uns lieber auf die Ausstattung von Desktops und Servern konzentrieren. Gerade bei den Tischgeräten verzeichnen wir eine zunehmende Segmentierung des Marktes mit unterschiedlichen Anforderungen.

CW: Wie spiegelt sich das in der Produktpalette von WD wider?

Haggerty: Wir unterscheiden bei Desktops zwischen der Value- und der Performance-Produktlinie. Hinzu kommen die Festplatten für den High-end-Markt.

CW: Sie haben seit Juni des Jahres ein Technologieabkommen mit IBM und beziehen von dort wichtige Komponenten. Kooperieren Sie nicht mit einem Konkurrenten?

Haggerty: Wir konkurrieren nicht bei den Desktops, das war nie IBMs wirkliches Geschäft. Deshalb ziehen beide Unternehmen Vorteile aus der Vereinbarung: WD hat damit Zugang zur gesamten IBM-Technik in diesem Bereich und Big Blue kann seine Entwicklungen in Stückzahlen verkaufen, die sie selbst nie erreichen.

CW: Aber IBM produziert doch selbst Festplatten ...

Haggerty: ... für ihre Server. Das Abkommen zwischen IBM und WD bezieht sich nicht auf Technik für SCSI-Laufwerke.

CW: Was kaufen Sie von IBM?

Haggerty: Nicht nur Schreib-Lese-Köpfe, sondern wir nutzen auch Disk-, Firmware- und Chiptechniken. Wir erwarten, daß im Lauf der Zeit der Anteil von IBM-Teilen in unseren Desktop-Platten auf 40 bis 50 Prozent steigen wird.

CW: Von wem beziehen Sie Teile für SCSI-Drives?

Haggerty: Hauptsächlich von TDK, Read-Write, und die Disks kommen von einer amerikanischen Hitachi-Tochter.

CW: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Wann werden wieder schwarze Zahlen geschrieben?

Haggerty: Wir mußten unsere Belegschaft von 16000 auf 13000 Angestellte verringern. Im abgelaufenene Geschäftsjahr erzielten wir bei einem Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar einen Verlust von 280 Millionen. Für das laufende Jahr planen wir, Produkte für 4,3 Milliarden zu verkaufen. Bereits das Ergebnis des zweiten Quartals sollte ausgeglichen sein, und ab dann hoffen wir, wieder Gewinne zu machen. Bedenken Sie, daß laut Disk Trend Report erst ein Prozent der weltweiten Information digitalisiert ist. Massenspeicher werden also nach wie vor gebraucht.