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06.12.1991 - 

"Die Standards im Netz setzt zukünftig Microsoft"

Der LAN Manager geht in sein zweites, entscheidendes Jahr

Als Microsoft vor gut zwölf Monaten antrat, um mit einem eigenen Netzwerk-Betriebssystem dem LAN-Marktführer Novell Paroli zu bieten, sorgte dies für allerhand Aufsehen in der Branche. Einhelliger Tenor damals: Zweifel darüber, ob dem Unternehmen, das mit MS-DOS und Windows so überaus geschickt agiert hatte, ähnliches auf Anhieb auch im Netzwerk-Business gelänge. Kein geringerer als Microsoft-Gründer Bill Gates hatte denn auch die Meßlatte für den LAN Manager mit 50 Prozent Marktanteil in drei Jahren entsprechend hoch gelegt. Heute müßten dem Microsoft-Chef angesichts der bisher erzielten Installationszahlen - unter der Hand sprechen Branchen-Insider von weniger als zehn Prozent - die Ohren klingen. Auch die erfolgsverwöhnten Strategen in Redmond konnten, wie es aussieht, in einem für sie neuen Markt keine Wunder vollbringen. Das neue Release 2.1 soll nun den LAN Manager endlich aus dem Schatten von Novells Netware hieven. Mit viel Vorschußlorbeer bedacht, scheint das Upgrade auch auf vermehrtes Interesse bei den Anwendern zu stoßen. Trotzdem ist die weitere Zukunft des LAN Managers ungewiß. Neben der Öffnung hin zu Unix plaziert Microsoft das Netzwerk-Betriebssystem immer deutlicher in die Nähe des Erfolgskindes Windows. Der LAN Manager, so scheint es, könnte nun sehr bald vor dem Scheideweg stehen: aufgerieben in der Auseinandersetzung zwischen OS/2 und Windows NT, gegen Netware endgültig den kürzeren zu ziehen oder aber im Verbund mit Windows NT zu neuen, gewinnbringenden Ufern im LAN-Markt zu gelangen.

Für Hans-Jürgen Engelhardt, Product Manager Netzwerke beim Münchner Systemhaus Solution GmbH, liegen die Vorzüge von Microsofts LAN Manager auf der Hand. Bei den von ihm betreuten Kunden war die Wahl des Systems "in der Hauptsache eine strategische Entscheidung". Es herrschte, so der LAN-Manager-Verkäufer, vielfach die Überzeugung, daß das Microsoft-Produkt für Client-Server-Architekturen die ideale Plattform sei und erste Erfahrungen hätten dies auch bestätigt. Natürlich fand der LAN Manager auch, wie Engelhaft einräumt, von vornherein überall dort vermehrte Akzeptanz, wo zumindest mittelfristig geplant wurde, OS/2 einzusetzen.

Ins gleiche Horn stößt Eckhard Klockhaus, Gründer und Vorsitzender der Düsseldorfer Anwendervereinigung LAN-Man-User-Group. Wenn man sich auf Motivsuche für die Installation des LAN Managers begibt, ist seiner Ansicht nach zu allererst der Trend

zum Downsizing auf PC-Netze verbunden mit dem Prinzip des Client-Server-Computing, zu nennen. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von PC-Netzen in den Unternehmen macht Klockhaus eine einfache Rechnung auf: Wenn schon Betriebssystem und Applikationen

überwiegend von Microsoft stammten, dann, so der User-Group-Vorsitzende, sagten sich viele Benutzer: "Auch die Netzwerkkomponente von Microsoft."

Keine logische Konsequenz, eher schon eine Kompromißlösung war der Einsatz des LAN Managers für die DV-Planer bei der Asea Brown Bovery (ABB) Kraftwerke AG in Mannheim. Dort galt es laut Hans Martin Müller, Gruppenleiter PC-Management, mit einem

"gewissen Wildwuchs in der DV-Landschaft aufzuräumen." Die in dem ehemaligen BBC-Unternehmen gewachsenen Strukturen hatten dazu geführt, das hausintern verschiedene Abteilungen entweder mit IBMs LAN Server oder 3Coms 3 + Open arbeiteten. Ein für das DV-Management bei ABB einfach festzumachendes, gleichwohl unlösbares Problem: Die Kommunikation zwischen beiden Netzwerk-Betriebssystemen war nicht möglich, weil, so Müller, "die einen mit Netbios, die anderen mit XNS arbeiteten."

Seit Februar dieses Jahres läuft dort nun der LAN Manager auf zwei Ethernet- und 14 Token-Ring-Netzen mit rund 800 angeschlossenen PCs. Nach einem Jahr - die Planungsphase eingerechnet - wagt Müller denn auch ein erstes Fazit: "Es war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, aber es hat sich rentiert." Beide vorherigen Benutzergruppen, schiebt der IS-Manager als Begründung nach, "sozusagen upzudaten und auf Novell umzupolen, war unmöglich - sonst hätte es nur einen Sieger, nämlich die IBM-Seite, gegeben". Insofern war, wie Müller sich bestätigt fühlt, der strategische Ansatz mit dem LAN Manager hervorragend umzusetzen - auch andere Unternehmensbereiche von ABB hätten sich entsprechend umorientiert.

"Es war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, aber es hat sich rentiert"

Hans Martin Müller, Asea Brown Bovery Kraftwerke AG

Angesichts solcher Stimmen - und man hat keine Schwierigkeiten, weitere dieser Art im Markt zu finden - fällt es dem Betrachter zusehends schwerer, zum Ausgangspunkt zurückzukehren, sprich: zu der Frage, warum bis jetzt die Akzeptanz des LAN Managers im Markt nicht dem Umfang dessen, was er an Features zur Verfügung stellen konnte, entsprach. Blicken wir deshalb noch einmal kurz zurück auf den September 1989: Mit rund 100 Millionen Dollar Anfangskapital stattete Bill Gates seine Netzwerk-Division aus, um vor allem ein Ziel zu verfolgen: Nach dem, wenn man so will, Weltstandard Windows sollte ein weiterer, nämlich der LAN Manager, folgen und sich mit Novells Netware einen Kampf um die Marktspitze liefern.

Rekapituliert man das erste Jahr des LAN Managers, liest sich die Entwicklung jedoch etwas anders: nur stotternd in Gang kommender Absatz, wiederholte Änderungen in der Vertriebsstruktur, 3Coms Ausstieg aus dem LAN-Manager-Projekt - und der "Dauerbrenner" OS/2. Die bisher verkorkste Eröffnungsbilanz des LAN Managers ist denn auch - geht man den Ursachen intensiver nach - nicht nur mit den herkömmlichen Anlaufschwierigkeiten eines neuen Produktes zu erklären. Schon eher müßte in diesem Zusammenhang vielleicht die Rede sein von einer Fehleinschätzung bei Microsoft, wo man zunächst wohl allen Ernstes glaubte, ein Netzwerk-Betriebssystem quasi im Sog der Windows-Dynamik ohne nennenswertes, weiteres Zutun im Markt durchsetzen zu können.

Bei dieser Gelegenheit ist es wahrscheinlich auch angebracht, über den Support zu sprechen, dessen bisherige Kapazität mit den avisierten 50 Prozent Marktanteil auch beim besten Willen nicht in Einklang zu bringen war. Und - wer die Entwicklung des LAN Managers nachvollziehen will - muß wohl auch in die Niederungen der Spekulationen um das Thema "Windows und/oder OS/2" hinabsteigen.

"Der Kunde mußte die Hürde OS/2 nehmen"

Jean-Pierre Lucaire, LAN Manager Forum e. V.

"Der Kunde mußte die Hürde OS/2 nehmen." Mit diesem Statement weist Jean-Pierre Lucaire, Vorsitzender der Münchner Usergroup LAN Manager Forum e.V., auf die Achillesferse des LAN-Manager-Absatzes. Für den kritischen Wegbegleiter des LAN Managers

ist der bisher ausbleibende Durchbruch im LAN-Manager-Geschäft weitgehend an zwei Punkten festzumachen, nämlich an der Verunsicherung großer Teile der Kundschaft, als 3Com die Lizenzen am LAN Manager an Microsoft abtrat, und der bis dato nicht vorhandenen Verfügbarkeit von OS/2 im LAN-Manager-Paket.

Vor allem letzteres brachte laut Lucaire tagtäglich beim Verkauf große Probleme mit sich. Nachdem sich Microsoft zunächst entschlossen hatte, das in der OS/2-Umgebung plazierte Netzwerk-Betriebssystem ohne das zugehörige OS/2 auszuliefern, war der LAN Manager nach den Erfahrungen Lucaires zumindest den Kunden mit bereits installierten "No-Name-Maschinen" kaum vermittelbar, denn diese konnten IBMs OS/2 nur bedingt, und Compaqs OS/2 (beide in Version 1.2.1) überhaupt nicht verwenden. Dies hat, so

Lucaire lapidar, "einfach nicht funktioniert".

Hauptsächlich OS/2 macht Lucaires Verkäuferkollege Engelhaft für den bisherigen Mißerfolg des LAN Managers verantwortlich. Der nach wie vor negative Ruf des Betriebssystems sei, so der Product Manager, immer auf den LAN Manager projiziert worden

und man habe die Auseinandersetzung eigentlich immer mehr zwischen OS/2 und Novell und nicht zwischen dem LAN Manager und Netware geführt. Naheliegend war daher, wie Engelhaft fast bedauernd hinzufügt, "daß bei jedem Rückschlag, der mit der OS/2-Entwicklung einherging, zwangsläufig der LAN Manager darunter zu leiden hatte".

Das Wohl und Wehe des Schicksales des LAN Managers ausschließlich in Microsofts und IBMs Konflikt um OS/2 zu suchen, scheint jedoch nicht alle Fragen zu beantworten. Immerhin gibt es da ja noch Novells Status als Branchenführer im LAN-Bereich mit rund 70 Prozent Marktanteil für Netware. Wolfgang Koppermann, Mitinhaber der Koppermann Computersysteme GmbH in München, haut in diese marktpolitische Kerbe, indem er feststellt: "Ein Netware-Netz stellt man nicht von heute auf morgen um." Sein Systemhaus ist auf Designsysteme für die Textilbranche spezialisiert und hat Erfahrungen mit dem LAN Manager sowohl im eigenen Inhouse-Betrieb als auch bei der kundennahen Projektbetreuung.

Koppermann macht entscheidende Defizite beim LAN Manager vor allem in der Vertriebsstruktur fest. Netware hatte und hat, so der LAN-Manager-Spezialist, ein ausgeprägtes Standing im Handel, was dazu beitrage, daß sich die Fachhändler im Zweifel noch langsamer umstellten als die Anwender. Hier hat Microsoft dem Münchner LAN-Manager-Verkäufer offenkundig bisher zu wenig getan, denn "bevor sich ein Händler bewegt, muß er schon entsprechend bearbeitet werden".

Schützenhilfe bei seiner Argumentation leistet Koppermann auch LAN-Manager-Anwender Müller, für den der unzureichende Support in erster Linie eine Kapazitätsfrage darstellt: "Nicht daß die nichts können, aber sie ins Haus zu bekommen war in der Vergangenheit äußerst schwierig." Für den DV-Planer von ABB ist dieses Problem in gewisser Weise auch ein Teufelskreis. Solange hier nicht zehn bis 20 Prozent Marktanteil erreicht worden sind, gibt er zu bedenken, "ist der LAN Manager für die lokalen Händler kein strategisches Produkt."

"Ein Netware-Netz stellt man nicht von heute auf morgen um"

Wolfgang Koppermann, Koppermann Computersysteme GmbH

Schwächen im Vertrieb konzediert auch LAN-Manager-Verfechter Klockhaus, der freimütig einräumt, daß die Zahlen "nicht die sind, die man sich erträumt hatte - zumindest in der Vergangenheit".

Microsoft kam, so Klockhaus mit einem neuen Produkt mit entsprechenden Marketing-Maßnahmen auf einen Markt, wo die Konkurrenz von Novell schon über eine breitangelegte Basis an Know-how, vor allem auch in puncto Beratung, verfügte.

Ein Versäumnis allerdings schreibt der Düsseldorfer User-Group-Vorsitzende den Verantwortlichen in Redmond ziemlich deutlich ins Stammbuch: die wochenlang vorherrschende Unsicherheit bei den Anwendern, als 3Com sich vom LAN Manager zurückzog und

kein Mensch zunächst so recht wußte, wie es mit 3 + Open, 3Coms LAN-Manager-Version, weitergehe.

Zwischen der Information, daß es 3 + Open nicht mehr gibt, und der Mitteilung, daß Microsoft das Produkt im Prinzip im Direktvertrieb übernimmt, lagen Klockhaus zufolge mehr als vier Wochen - für ihn im Rückblick Grund zu der Feststellung: "Daß innerhalb eines Monats in Konzernen, die mit einem Vorlauf von zwei Jahren planen, Irritationen entstanden, ist klar." Hier hätte, wie Klockhaus zu bedenken gibt, eine Aktion von Microsoft erfolgen müssen, nach dem Motto: "Hier ist genau das gleiche Produkt, es gibt ein neues Release, und es gibt die und die Funktionen". Noch bis vor drei oder vier Monaten traf Klockhaus nach eigenen Angaben in der täglichen Praxis auf ehemalige 3 + Open-Benutzer, die nicht hinreichend über die Funktionen des LAN Managers 2.0 informiert waren.

Von Schwierigkeiten ganz anderer Art mit der Rolle 3Coms im LAN-Manager-Geschäft berichtet Solution-Manager Engelhaft. Das Unternehmen, das an der Entwicklung und Konzeption des LAN Managers nicht unwesentlich beteiligt war, hatte das Produkt nach Auffassung Engelhards "immer im Highend-Bereich positioniert", also für große heterogene Netze. Dafür war jedoch, so Engelhaft, der Markt zum Zeitpunkt der Einführung des LAN Managers noch nicht reif. Ergebnis: Novell, das Netware gezielt für den Massenmarkt vermarktete, gelang es quasi, "einen Standard von unten her zu setzen".

Nun hat der LAN Manager neben seiner großen Angriffsfläche, die er offensichtlich für strategische Überlegungen und Diskussionen bietet, auch noch eine technische Komponente, über die zu reden es sich lohnt. Bewertet man das Echo aus dem Markt, scheint in diesem Punkt zweierlei festzustehen: Mit dem Release 2.1 liefert Microsoft die wichtigsten, noch fehlenden Features nach, und als nunmehr ausgereifte Netzwerk-Lösung hat der LAN Manager nach Auffassung nicht weniger Branchenkenner die Defizite

wettgemacht und seine besten Zeiten noch vor sich.

"Die Version 2.1 macht den LAN Manager zu einem abgerundeten Produkt", stellt Engelhaft fest. Mit der Stabilität und der Geschwindigkeit von Version 2.0 war man, so der Solution-Manager, "zufrieden, aber nicht begeistert davon". Das Upgrade sei nun aber in allen Punkten vergleichbar zu Netware 3.11 und beinhalte bereits in der Basis-Version alle notwendigen Funktionen. Mehr Robustheit vom neuen Release verlangt Koppermann, auch wenn er im gleichen Atemzug einräumt, daß dieses Problem aufgrund bisher fehlender Treiber in erster Linie OS/2-spezifisch ist. Daneben sieht der Chef des Münchner Systemhauses, der den LAN Manager 2.1 selbst sofort installieren will, TCP/IP als den wichtigsten neuen Bestandteil.

Etwas zurückhaltender wird man zunächst bei ABB agieren. Zwar ist auch dort laut DV-Planer Müller "2.1 ein Thema", da mit der neuen Version Features kommen, "auf die wir in einigen Projekten warten". Bis auf weiteres wollen die Mannheimer jedoch

nicht umstellen. Müller nennt auch den Grund: "Im Moment wissen wir noch nicht mit Sicherheit, ob 2.1 alles hält, was es verspricht." Darüber hinaus seien er und seine Kollegen jetzt in einem Status, "wo wir die Version 2.0 voll beherrschen". Solange der Händler mit einem "Patch" die gröbsten Mängel beheben kann, gibt der IS-Manager unumwunden zu, "können wir damit leben".

Naturgemäß euphorischere Erwartungen verknüpft User-Group-Chef Klockhaus mit den neuen Features des LAN Managers. Er glaubt, daß mit Version 2.1 die Transparenz der Programme, der Applikationen und des Betriebssystems wesentlich deutlicher wird.

Wenn man sich die Windows-Unterstützung von 2.1 anschaue, so Klockhaus, werde deutlich, "daß das aus dem gleichen Haus kommt". Was die Implementierung in großen Netzen angeht, sieht auch er mit der Integration von TCP/IP und IPX einen weiteren Schritt in Richtung Marktakzeptanz getan. Von der strategischen Seite her ist für den Düsseldorfer, und da befindet er sich in Übereinstimmung mit den meisten seiner Kollegen, das Thema OS/2 entscheidend. In dem Punkt nämlich, daß Microsoft hier klar Stellung bezieht und, wie er es formuliert, sagt: "Wir haben OS/2 in der Box und sind nunmehr Hardware-unabhängig".

Keine Änderung hingegen will Klockhaus in der Strategie der Redmonder gegenüber Novell erkennen. Die Connectivity-Fähigkeiten des LAN Managers in bezug auf Netware, die Microsoft in jüngster Zeit immer deutlicher herausstellt, waren, so Klockhaus, immer schon verfügbar, auch wenn diese Features bis zur Version 2.1 von 3Com-Produkten abgedeckt wurden. Für den Anwender stelle sich daher gar nicht die Frage: "Treffe ich eine strategische Entscheidung für Novell oder Microsoft." Vielmehr könne im Einzelfall geprüft werden, für welche Bereiche im Netz Netware oder der LAN Manager die bessere Lösung darstelle.

Völlig normal ist für Klockhaus allerdings in diesem Zusammenhang, "daß man sich an den Standards, die ein Marktführer setzt, orientiert". Auch sei das Bestreben bei den Anwendern nicht zu leugnen, die installierte Basis zu nutzen. Hier aber von

einer Verwässerung des Wettbewerbs zu reden, hält der User-Anwalt für abwegig: "Die Tendenz bei Microsoft, den LAN Manager zu einem Glied in den Novell-Netzen zu machen, sehe ich nicht."

Bleibt die Frage nach Windows NT. Mit der Beigabe von OS/2 hat Microsoft zweifelsohne das größte strategische Defizit des LAN Managers wettgemacht. Nur, was machen Benutzer, die nun noch - wahrscheinlich recht zahlreich - bei der Installation des LAN Managers auf den OS/2-Zug aufspringen, wenn es nächstes oder übernächstes Jahr zur großen Entscheidungsschlacht zwischen Windows und OS/2 kommt? Für Mitte 1992 jedenfalls hat die Gates-Company das 32-Bit-Windows-Upgrade angekündigt, und die Spatzen

pfeifen es bereits von den Dächern, daß unter der neuen Firmenphilosophie des "Windows-Networking" hier nicht nur eine verbesserte Oberfläche, sondern ein komplettes PC-Betriebssystem inklusive weitreichender Netzwerk-Features auf den Markt kommen soll.

"Wir reden nicht mehr von einem Exoten"

Eckard Klockhaus, LAN-Man-User-Group

ABB-Planer Müller gibt sich hier gelassen. Er sieht in einer wieder aufflammenden Diskussion um Windows und OS/2 "überhaupt keinen Widerspruch", vorausgesetzt, OS/2 2.0 hält, was Big Blue verspricht - nämlich daß die Benutzer dann Windows-Applikationen direkt in OS/2 fahren können. Für den Praktiker bei ABB ist es dabei letztlich egal, "ob hinter der Anwendung DOS 5.0, DOS 3.3 oder OS/2 2.0 steht" - dies erst recht angesichts des Statements von Microsoft, daß es den LAN Manager künftig sowohl unter OS/2 als auch unter Windows NT geben soll.

Auch für Designentwerfer Koppermann ist dies nicht der Punkt. Beide Produkte sollen seiner Ansicht nach ruhig miteinander konkurrieren - zum Nutzen der Anwender. Solange das keine Konkurrenz hatte, gibt er zu bedenken, "ist es im Prinzip immer so geblieben, wie es war, nämlich schlecht". Wenn Microsoft den LAN Manager in Windows integriert, so Koppermann, werde das auch bahnbrechend für andere Netzwerk-Betriebssysteme sein - zudem: "wen stört es, außer die Anwender von IBMs LAN Server?" Daß Microsoft in Zukunft nur noch Windows NT als Server-Betriebssystem einsetzen wird, bezweifelt der Münchner Unternehmer jedoch stark. Zu dem Zeitpunkt, an dem Windows NT marktfähig sein wird, glaubt Koppermann auch an eine Verbreitung von OS/2.

Für den Microsoft-Kritiker Lucaire wird OS/2 als strategisches Betriebssystem innerhalb Big Blues SAA-Welt das Rennen machen. Im Marktsegment der Stand-alone- und vernetzten PCs sieht der Münchner LAN-Manager-Spezialist allerdings einen anderen Sieger - Windows NT, und in dessen Windschatten den LAN Manager. Gleichwohl dürfte Microsofts Netzwerk-Betriebssystem noch nicht auf Rosen gebettet sein. "Der Markt kommt nun erst in Bewegung", analysiert Lucaire, um zugleich wieder einzuschränken: "Ich habe ein bißchen die Befürchtung, daß die Leute angesichts der Debatte um OS/2 sagen, macht was ihr wollt, Novell ist die sichere Schiene".

Lucaires Antipode, LAN-Man-User-Group-Chef Klockhaus, möchte den Anwendern vor allen Dingen die Sicherheit vermitteln, "daß sie nicht auf Sand bauen". Dabei erscheint ihm Windows NT als die zweckmäßigere, weil universelle Lösung, unabhängig davon, daß das Windows-Upgrade "von der Funktionalität und den APIs her weitgehend dem entsprechen wird, was von IBM und Microsoft als OS/2 3.0 angekündigt wurde". Was die Netzwerkfähigkeit von Windows NT angehe, sieht Klockhaus in jedem Fall eine weitere Daseinsberechtigung für den LAN Manager, da nach seinen Informationen mit Windows NT ausschließlich Peer-to-peer-Networking betrieben werden kann.

Seine Prognose lautet daher: "Der LAN Manager hat eine Zukunft", - schon alleine deswegen, weil es nun gelungen sei, bei den Benutzern das Gefühl zu erzeugen, "daß wir nicht mehr von einem Exoten reden". Microsoft und der Handel hätten, so Klockhaus, hauptberuflich Product Manager bei Microsoft-Distributor Microware, ihre Hausaufgaben gemacht.

Ob Microsoft an der Marktführerschaft Novells etwas wird ändern können, bleibt abzuwarten. Systemhaus-Chef Koppermann, der den LAN Manager im wahrsten Sinne des Wortes von zwei Seiten begleitet, will dies nicht ausschließen. Zwar werde sich die Server-Technologie des LAN Managers, wie Koppermann meint, nicht so schnell gegenüber Novell durchsetzen, wohl aber der Front-end-Bereich, der "zehnmal schöner ist als der von Novell". Was dann dahinter letztlich für ein Server stehe, vielleicht sogar eine RISC-Maschine von IBM oder Apple, sei zweitrangig. Fest steht für ihn jedoch eines: "Die Standards im Netz setzt zukünftig Microsoft, nicht mehr Novell."