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27.11.1974

DER LANGE WEG DER SYSTEMAUSWAHL

MÜNCHEN - Vorab ein paar Sätze zur Entwicklung der EDV in unserem Hause.

Von 1958 bis Ende 1966 arbeitete man mit einer Tab.-Maschine. Ende 1966 erfolgte die Installation einer IBM 360/20 8K-Kartenanlage. Die Anlage wurde zunächst für Lohn- und Gehaltsabrechnung mit selbst entwickelten Programmen und betriebswirtschaftlichen Arbeiten, die von der Tab.-Maschine auf die 360/20 übernommen wurden, eingesetzt. Ein externer EDV-Organisations-Berater plante die maschinelle Stücklistenauflösung, Teile- und Materialdisposition, Arbeitsplan- und Auftragsverwaltung. Es blieb bei der Planung. Die IBM offerierte für diese Zwecke eine Erweiterung der 360/20 auf Magnetplatten. Die Geschäftsleitung lehnte die Erweiterung wegen der hohen monatlichen Belastung und Unsicherheit bezüglich des erfolgreichen Einsatzes ab. Im Jahr 1968 standen weder Modularprogramme für diese Anlagengröße und dieses Einsatzgebiet zur Verfügung, noch waren Einsatzbeispiele bekannt.

Lösung Ormig/EDV am Ende

1969 wurde von firmeneigenen Leuten die Planung zur Lösung der Probleme Stücklistenverwaltung, Teile- und Materialdisposition, Fertigungsauftragserstellung, Arbeitsplanverwaltung und Zeitwirtschaft mit Hilfe eines Ormig-Systems AV 56/20 (Umdruck von Flächen und Lochkarten sowie Vorstanzen der fixen Daten in die Lochkarten) begonnen. Anfang 1970 wurde das Ormig-System installiert und mit der praktischen Arbeit begonnen. Die Zusammenarbeit Ormig-EDV führte zu wesentlichen Verbesserungen im Stücklisten- und Arbeitsplanwesen. In der Teile- und Materialdisposition, sowie zu nicht unerheblichen Personaleinsparungen nach der Aufbau- und Einführungsphase. Im Laufe der letzten Jahre wurden Jedoch die Grenzen dieser Kooperation deutlich. Die Kartenanlage arbeitete nicht mehr schnell und rationell genug für die ständig steigenden Anforderungen.

Präzise Bewertungskriterien

So begann man, sich nach einem geeigneten System mit Magnetplatten umzusehen, nachdem ein Angebot über Verarbeitung in einem Service-Rechenzentrum für unsere Anforderungen weder finanziellen noch sonstigen Vorteil versprach. Die wichtigsten Kriterien für die Systemauswahl waren: Preis-Leistungsverhältnis der Hardware, zur Verfügung stehende System- und Anwender-Software, Software-Preise, Installationsvoraussetzungen wie Klimatisierung und doppelter Boden, zu

erwartende Mehrkosten bei Erweiterung des Systems für Terminalbetrieb.

Die Software sollte mit möglichst wenig Aufwand an unsere Bedürfnisse angepaßt werden können, das heißt, es sollten alle von uns benötigten Funktionen im Software-Paket vorhanden sein und der Aufbau so modular sein, daß die Verwendung unserer Feldgrößen ohne Eingriff in den Verarbeitungsteil der Programme möglich ist. Die monatlichen Hard- und Softwarekosten ohne Terminaleinsatz wurden auf maximal 11 000 Mark festgelegt.

IBM-System 3

Man begann bei IBM. Ein System 3 Modell 10 (24 K) mit 4 x 2,5 Millionen Plattenkapazität wurde angeboten. Die Software (Bomp, IRP, SLC) erschien gut, obwohl wir uns im Dispositionsbereich mit einer Addition der Bedarfspositionen in eine Terminleiste nicht zufrieden geben wollten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß wir auf den Nachweis der Einzelbedarfspositionen nicht verzichten können. Der Grund der Ablehnung dieser Konfiguration war jedoch die LK-Peripherie für die 96stellige Lochkarte und die Magnetplattenkapazität. Seit dem Einsatz des Ormig-Systems wird die mit den Arbeitsgangdaten bedruckte und vorgestanzte Lohnlochkarte zugleich im Betrieb als Lohnschein für die Rückmeldung der Ist-Daten verwendet. Das Ormig-System arbeitet jedoch mit 80stelligen Lochkarten. Die 96stellige Lochkarte wäre für diesen Einsatz bei uns ungeeignet. Da die monatliche Belastung durch dieses System jetzt nach Ablauf der Mietkaufzeit sehr gering ist, hat man sich entschlossen, die bewährte Anlage auch bei Einsatz eines EDV-Systems mit Magnetplatten für die Auftragserstellung zu verwenden.

Die ursprünglich von IBM angebotene Magnetplattenkapazität von 4 x 2,5 Millionen reichte bei mehr als 22 000 Teile-Stamm-Sätzen zirka 5 000 Baukastenstücklisten und zirka 10 000 Arbeitsplänen nicht aus. Daraufhin offerierte IBM das System 3 Modell 10 mit dem inzwischen anschließbar gewordenen Lochkartenleser für 80stellige Lochkarten (2501) und einer zusätzlichen Magnetplatte mit 20 Millionen Bytes. Abgesehen von der nicht sehr vorteilhaften Konfiguration bezüglich der Magnetplattenspeicher überstieg das System unter Einbeziehung der Software-Kosten unsere Preisvorstellungen, vor allem, wenn man auch noch eine Terminalanwendung in die Preisüberlegungen einbezog.

Nixdorf 880/65

So wandte man sich anderen Herstellern zu. Bei den ersten Kontakten stellten wir fest, daß besonders der Vergleich der Anwender-Software in erster Linie in bezug auf Stücklistenverwaltung, Material- und Zeitwirtschaft schwierig ist. Wir engagierten deshalb über ein Wirtschaftsinstitut eine Unternehmensberatung mit dem Auftrag, im Rahmen einer Kurzberatung den Hersteller mit der für uns am besten geeigneten Software zu finden. Das Ergebnis bezog sich jedoch mehr auf die Hardware als auf die Software. So blieb uns nichts übrig, als selbst die Analyse der Anwender-Software vorzunehmen.

Nixdorf bot das System 880/65 mit 24 K, Drucker, LK-Leser und 2 x 28 Millionen Magnetplattenspeicher an. Unsere Aufgaben sollte "Infest" lösen. Das System hätte bei einem Dreijahresvertrag und bei Leasing der Anwender-Software auf drei Jahre zirka 14 000, - Mark pro Monat gekostet.

Honeywell Bull 61/60

Das System 61/60 von Honeywell Bull erschien Interessanter.

Bei einem Fünfjahresvertrag hätte das System mit zwei 23-Millionen-Magnetplatten zirka 11 100, - Mark gekostet. Die zur Verfügung stehende Software wäre kostenlos gewesen. Das Anwendungspaket Miacs 50 betrachteten wir dann genauer. Dabei stellte sich heraus, daß der Teilestammsatz wesentlich weniger Daten enthält als der bei uns in Kartenform verwendete. Unter anderem fehlte auch ein Programm für die automatische Dispositionsstufenvergabe.

NCR Century 75

Wir suchten weiter. NCR bot die Century 75 und das Materialwirtschaftssystem Immac an. Dieses Paket kam vom TSS-Aufbau, von der Abwicklung und von den Ergebnissen unseren Vorstellungen am nächsten. Daß die Teileverwendungsdatei eigens gespeichert wurde, war nur ein schwacher Minuspunkt. Sehr vorteilhaft erschien uns die Verarbeitung der Ausfaßlisten. Bei der Hardware lag das Problem in der Magnetplattenkapazität: Drei beziehungsweise vier Fünf-Millionen-Plattenstationen erschienen uns nach eindringlichen Überzeugungsversuchen durch NCR für Stapelverarbeitung ausreichend, bei nicht allzu bescheidener Terminalanwendung vermuteten wir jedoch Probleme. Die Kostenseite sah wie folgt aus: Das System mit 32 K und 20 Millionen Plattenkapazität kostete bei einem Vierjahresvertrag 9300, - Mark. Die gesamte Software Immac, Lohn-, Gehalts- und Finanzbuchhaltung wurde allerdings für unsere Verhältnisse mit einem zu hohen Wert angeboten. Wir konnten uns nicht eindeutig dafür, aber auch nicht dagegen aussprechen.

Siemens 4004/35

Eine gebrauchte 4004/35 bot Siemens im Mietkauf (ZE) auf drei Jahre an. Da die Software kostenlos beigestellt worden wäre, hielt sich der Preis zunächst bei 11 500, - Mark, sank später noch etwas. Die Software ISI erschien gut.

Das Ganze scheiterte jedoch am enormen Raumbedarf, an den Installationsvoraussetzungen (Vollklimatisierung mit doppeltem Boden usw.) und an den unverhältnismäßig hohen Mehrkosten bei Terminaleinsatz.

Da wir vermuteten, daß die Software für die größeren Modelle der Serie 60 von HB komfortabler sein würde, betrachteten wir das System 62/60 etwas näher. Der Mietpreis betrug für 64 K und zwei 29-Millionen-Plattenstationen bei einem Fünfjahresvertrag, einschließlich Kosten für System-Software, zirka 13 200, - Mark. Miacs sollte von der Serie 200 verwendet und angepaßt werden. Der Preis und die für unsere Anforderungen nicht sehr geeignete Anwender-Software brachten uns von diesem System ab.

Univac 90/30

Mittlerweile stellte Univac das System 90/30 vor. Ein Blick auf die für unsere Bedürfnisse sehr komfortable Hardware zeigte, daß der Preis bei 48 K und zweimal 29 Millionen Plattenkapazität, einschließlich der zu erwartenden Miete für das Anwendungspaket UNIS 90, etwas über unseren Vorstellungen lag. Trotzdem untersuchten wir die angekündigte Software und stellten fest, daß es sich um die umfangreichste und komfortabelste unter der bisher untersuchten handelte. Da bei uns jedoch für die nächsten Jahre keine Aussicht auf betriebliche Expansion besteht, erscheint uns das System 90/30 von Univac nur zur Lösung unserer eigenen Probleme um eine Nummer zu groß.

Kooperation mit Kollegen

Wir haben deshalb mit einer ähnlich gelagerten Firma, die noch ohne EDV arbeitet, Kontakt aufgenommen, um über Zusammenarbeit auf dem EDV-Sektor zu sprechen. Bei einer Übereinkunft bestünde für beide Seiten die Möglichkeit, auf einem modernen System zu arbeiten und nicht aus Kostengründen auf ein System umstellen zu müssen, das im Preis-Leistungs-Vergleich der Hard- und Software wesentlich schlechter abschneidet. Vor allem wäre auch das spätere Ziel einer Terminalanwendung mit der Univac 90/30 leichter zu erreichen.

Sollte es jedoch nicht zu einer Zusammenarbeit kommen, so wurden wir der NCR-Century 75 den Vorzug geben, da es sich um ein intern verhältnismäßig leistungsfähiges System handelt und die Software sowie die angebotene Einführungsunterstützung versprechen, bald zu guten Ergebnissen zu kommen. Dazu lägen wir mit den monatlichen Kosten kaum höher als jetzt mit der 360/20.

Natürlich haben wir in unsere Untersuchungen auch jeweils die übrige Anwender-Software wie Lohn- und Gehalts-, Finanzbuchhaltung usw. sowie das Betriebssystem, die interne Geschwindigkeit, die übrige Peripherie wie Lochkartenleser und Schnelldrucker und die Programmiersprachen einbezogen. Wenn die Leistungen in obigen Punkten in einem durchschnittlichen Rahmen lagen, wurden sie akzeptiert.

Mit der Unterschrift Zeit lassen

Um zu einer wohlüberlegten Entscheidung zu kommen, bedarf es eingehender Gespräche mit den Vertretern der Hersteller, denn oft reichen die Angaben in den Prospekten und Broschüren nicht aus, das angebotene Produkt in die Vergleichsreihe einzubeziehen Bei diesen Gesprächen stellt sich auch schnell heraus, wie qualifiziert die für die Unterstützung vorgesehenen Spezialisten sind, da diese meist hinzugezogen werden

Abschließend ist zu sagen, daß es sich lohnt, sich eingehend mit den Herstellern und deren Angeboten zu beschäftigen und mit der Unterschreiben der Mietscheine sich etwas Zeit zu lassen.