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27.03.1987

Der letzte Versuch

"IBM zeigt durch die Veröffentlichung der Architekturbeschreibungen auf, wie Anwendungen zum Betrieb unter SAA zu gestalten sind und lädt die unabhängigen Software-Hersteller ein, ihre Produkte auf dieser Basis zu entwickeln. Dadurch entsteht ein reichhaltiger Markt mit einer breiten Auswahl flexibler und mächtiger Anwendungen."

Aus: IBM-Broschüre "System Anwendungs-Architektur - Die einheitliche Gesamtlösung im Unternehmen".

"Stell Dir vor, es ist Krieg - und keiner geht hin." Mauerspruch

Die SAA-Ankündigung der IBM (siehe Seite 1) hat neben dem politischen auch einen technischen Aspekt. Der ist schnell abgehandelt: In der IBM-Welt (aber nur dort!) wird die 370-Architektur nun auch PC-Standard - die Mikros sollen unter einer einheitlichen Benutzerschnittstelle im SNA-Verbund arbeiten. Auf dem Midrange-Sektor (/36 und /38) sieht die Sache anders aus: Ob die Schrägstrich-Maschinen langfristig überleben werden - das SAA-Papier läßt alle Spekulationen zu.

Was die politische Seite der SAA-Medaille betrifft, so geht es für die IBM ans Eingemachte: Sie wiId nur solange marktbeherrschend sein, wie ihre Konzepte der "De-facto-Standards" greifen. Auf einen kurzen Nenner gebracht: SAA ist der Versuch, gegen den Strom (Open Systems Interconnection, kurz: OSI) zu schwimmen, eine Extrawurst zu braten, die den Entwicklern einmal im Halse steckenbleiben könnte. Die IBM braucht die Hilfe der Software-Unternehmen.

Es dürfte der letzte Versuch bleiben: Die SAA-Rechnung kann nämlich nicht aufgehen, wenn die unabhängige Softwarebranche ihrem Namen Ehre macht und mauert. Das Problem von heute ist doch nicht die Inkompatibilität in der IBM-Welt (DOS, CPF, OS/MVS, MVS/XA, 370, System /36 und /38, 8100, Serie/1, 9370, PC etc.) - sosehr sie in vielen Anwendungsffällen Ärger macht - , das Problem ist vielmehr die Unentschlossenheit und Uneinigkeit der DV-Industrie.

Es gibt - aus Sicht der Softwarehäuser und der Anwender - nur zwei Alternativen: Markt oder IBM-Bürokratie, die eigenmächtig und zum eigenen Vorteil Standards diktiert. Das bedeutet: Wer etwa bei OSI oder Unix zaudert, entscheidet sich damit buchstäblich für eine "IBM-Diktatur" - toleriert zumindest, daß sich Big Blue wettbewerbsschädlich verhält.

Eine Bürokratie benötigt Macht. Der Mainframe-Marktführer mußte indes zuletzt erleben, daß ihm Marketingfehler und Produktschwächen von den Anwendern nicht wie früher verziehen wurden. Die These steht, daß viele Third-Party-Softwerker noch nicht begriffen haben, woher jetzt der Wind weht (kritische IBM-Kunden!). Wie könnten sich die IBM-Strategen sonst so sicher geben, daß die SAA-Architektur vom Markt akzeptiert wird (siehe oben). Doch gemach: Die Zeiten sind vorbei, in denen die IBM beispielsweise die genormte Prozedur zur Steuerung der Datenübertragung HDLC einfach ignorieren und statt dessen SDLC in ihrem SNA-Konzept durchsetzen konnte.

Dieselbe IBM traut sich zu, mit SAA das Rad der DV-Geschichte zurückdrehen zu können. Sie wird es nicht schaffen. Schon mit den Programmiersprachen RPG und PL/1 schaffte sie es nicht - beide werden in den SAA-Spezifikationen nicht einmal mehr erwähnt. Fazit: Die Anwender sind dabei, erwachsen zu werden, sich von Big Blue abzunabeln. Auch die Softwarefirmen könnten mittlerweile auf IBM pfeifen und sich für den Markt entscheiden.