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09.01.1981 - 

Trotz H-Serie wird das Hardware-Jahr 1980 schnell vergessen sein:

Der Lichtcomputer nimmt Gestalt an

MÜNCHEN - 1980 wird keinen DVler vom Hocker gerissen haben. Zwar kam endlich IBMs H-Serie, wurden die Dünnfilmplatten mit vervielfachter Kapazität serienreif und traten die Mikro- und Personal Computer aus dem Hobby-Schatten ins Licht der kommerziellen Anwendung. Dennoch: Das angekündigte H-Serienmodell 3081 enttäuschte, die dünnen Filme sind eine erwartete Weiterentwicklung der Magnetspeicher-Technologie, und fleißige Programmierer erhöhten die Möglichkeiten der Klein- und Kleinstrechner. Insbesondere der bekannte Hardware-Preisverfall erleichterte dies. Wirklich Interessantes vermochte nur die Forschung zu bieten: Der Lichtcomputer nimmt Gestalt an.

Natürlich wurden im Jahr 1980 auch Prognosen abgegeben. So sagt Diebold einen Boom in Taschenrechnern voraus und sieht bis Ende der achtziger Jahre 800 000 neue Anwender. Gene Calvano von Digital Equipment verfünfzehnfacht in seiner Vorausschau das Geschäft mit Bürosystemen zum Preis von weniger als 100 000 Dollar. Sein Vorhersagezeitraum bezieht sich auf die gesamten Achtziger.

Besser nachprüfbar, weil inzwischen eingetreten, ist ein Ereignis, auf das die Branche schon länger wartete: Im April 80 berichtete die COMPUTERWOCHE mal wieder von IBMs H-Serie. US-Analysten hatten ihre Nasen offenbar in die IBM-Labors gesteckt und waren vom baldigen Erscheinen der Serie überzeugt.

Die Ankündigungen der 303X-Erweiterungen vom Mai schienen diesen Spekulationen ein Ende zu machen, aber die Branchenauguren ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Gegen Ende des Jahres verdichteten sich die Anzeichen immer mehr, bis es

endlich soweit war.

Das Modell 3081, dessen Sinn bei den Anwendern nicht immer verstanden wurde, läutete die H-Serie ein. US-Marktkenner behaupten dabei zum Beispiel, die Wasserkühlung der 3081 sei so nicht geplant gewesen. Überhaupt werde es dramatische Veränderungen an der H-Serie geben.

IBM-Konkurrenten

Der Universalrechner-Markt bot auch 1980 allerhand zum Staunen. Nicht nur, daß die /38-Besteller jetzt sicher sein können, daß das System existiert und offenbar auch funktioniert. Die Interessenten können damit rechnen, einen solchen Rechner auch tatsächlich zu bekommen: Die Auslieferung in der Bundesrepublik begann im September.

Mit dem Kauf eines Software-Hauses in den USA startete Nixdorf Mainframe-Aktivitäten Im Herbst kündigte das Unternehmen dann seine Hardware 8890, ein israelisches Produkt, an. Das Modell, das den 4300-Markt beackern soll, bekam gleich Konkurrenz durch IBM selbst, die das Modell 2 der 4341 vorstellte. Die damit ungefähr leistungsgleiche 3031 scheint auf diese Weise ins Museum abzuwandern.

Zum selben Zeitpunkt kam auch Burroughs mit der 4300-Konkurrenz B5900 auf den Markt. Siemens mochte da nicht zurückstehen und präsentierte Modelle gegen die 4331/2 sowie die 303X-Modelle.

Und Sperry Univac holte die E-Serie hervor, um damit am 3031/32-Kuchen zu naschen. Die BASF endlich entschloß sich, mit japanischen Großrechnern auf dem Mainframe-Markt anzutreten.

TV/DV-lntegration

Weiter zeichnete sich im Laufe des vergangenen Jahres immer mehr das Bemühen der Hersteller ab, Text- und Datenverarbeitung zu integrieren. Da ist zum einen ICL, die mit der ME 29 "Informationsverarbeitung total" auf den Markt brachte. Das Maschinchen soll Text- und Datenverarbeitung, internen Bildschirmtext sowie Datenbankanwendungen aus einem Stück bieten. Wangs integrierte Informationssysteme liegen gleichfalls in diesem Trend und sollen Text- wie Datenverarbeitung zusammenführen. Auch IBM folgt diesem Pfad und bot zunächst ein Software-Paket IPDT an, um dann mit einigen Hardware-Neuerungen wie dem Schreibsystem nachzuziehen .

Ein weiterer Trend des 80er Jahres zeigte sich im Bestreben von Herstellern und Anbietern, die Hard- und Software-Kosten zu entwirren. Kienzle wurde auf diesem Sektor am deutlichsten und kündigte mit seinen Abc-Computern ein rigoroses Unbundling an

Mittlerweile sollte der Anwender eines Systems, gleich welchen Herstellers, genaue Erkundigungen einziehen, ob in dem genannten Preis wenigstens das Betriebssystem enthalten ist.

800 Mops zu langsam

Auf dem Sektor der sogenannten Superrechner präsentierte sich Control Data mit der Cyber 205. Obwohl dieser Rechner theoretische 800 Millionen Operationen pro Sekunde leisten soll, ist er nach Ansicht spezieller Benutzer wie der Meteorologen immer noch zu langsam.

Ein Kongreß über Superrechner in den USA ergab, daß wegen der Software die Hardware-Möglichkeiten nicht ausgenutzt werden können. Zwischen Hard- und Software liege bei den Rechengiganten eine große Kluft.

Neu auf dem Markt europäischer IBM-PCMs versucht die Magnuson Ltd. Fuß zu fassen. Mit einer Produktreihe, die den 4300-Rechnern Konkurrenz machen soll, behauptete das Unternehmen, es sei kompatibler mit IBM als IBM mit sich selbst.

Überarbeitete Itel-Rechner sind die Waffe der National Advanced Systems im Kampf um (IBM-) Marktanteile.

Wenig Dramatisches ereignete sich im Bereich der Mini- und Mikrocomputer. Die Unternehmen auf diesem Markt beschränkten sich im wesentlichen darauf, ihre Rechnerfamilien abzurunden. Es wurden Lücken gestopft, Computerserien nach unten erweitert und nach oben aufgestockt.

Die Mikrocomputerpreise fielen bei steigender Leistungsfähigkeit immer weiter, die Anzahl der für Mikros und Personal Computer angebotenen Software-Pakete wuchs mindestens im gleichen Maße. Software-Hersteller preisen die mit ihrer Hilfe mögliche leichte Bedienbarkeit beliebiger Mini- und Mikro-Systeme, ohne daß DV-Kenntnisse erforderlich wären. Glaubt man ihren Worten, dann ist die Zeit, in der die Beschaffung von DV-Fachkräften schwierig war, bald vorbei. Jeder wird sein eigener Profi.

32-Bit-Trend

Die Anwender machen dabei eine betrübliche Erfahrung: Der Preis für ein Gesamtsystem ändert sich kaum. Die fallenden Hardware-Preise werden durch die Kosten für die rechnerlebensnotwendige Software aufgefangen .

In dem Mini-/Mikro-Hardware-Bereich zeichnete sich im Verlauf des Jahres 1980 ein 32-Bit-Trend ab. Immer mehr Hersteller von Minicomputern sehen darin Erfolgschancen. Diesen Weg bestätigt auch eine Studie des US-Marktforschers MSRA Inc. Danach habe der 32-Bit-Rechner dem Mini-Markt echte Impulse gegeben. Es kann nicht mehr lange bis zum 32-Bit-Mikroprozessor dauern.

In den Labors werkeln die Entwickler fleißig an der optischen Datenverarbeitung. Der Begriff Lichtcomputer steht hier stellvertretend für den Lichttransistor, den holografischen Datenspeicher und nicht zuletzt auch für die optische Datenübertragung.

Diese hat in New York bereits Anwendung gefunden. Eine Versuchsstrecke arbeitet mit 6,3 MBit pro Sekunde. Zum Vergleich: Mit 54 KBit pro Sekunde sind heutige DÜ-Strekken oft schon am Ende.

In der Schaltkreis-Technologie konkurrieren zur Zeit zwei Techniken miteinander: Chips auf Galliumarsenid-Basis und Ausnutzung des Josephson-Effektes. Für die erste Forschungsrichtung steht Rockwell, denen es gelang, einen GaAs-Chip mit 70 logischen Funktionen zu fertigen. In die gleiche Bresche scheinen die japanischen Entwickler zu schlagen; die Marktanalysten zufolge in zwei bis drei Jahren mit Galliumarsenid-Bauelementen für spezielle Anwendungen auf den Markt kommen wollen.

Am absoluten Nullpunkt

Ab 1985, so rechnen die Japaner, sind die GaAs-Chips endgültig serienreif. Den Vorzug dieser Bauelemente (sehr kurze Schalt- und Signallaufzeiten) erfüllen auch die Josephson-Chips, mit denen sich neben anderen auch IBM befaßt. Mit diesen Bauteilen sind sehr kleine Packungsdichten möglich, jedoch ist das Kühlsystem entsprechend aufwendig.

Schließlich müssen Temperaturen nahe des absoluten Nullpunktes erreicht werden. Das sind immerhin 273 Grad unter dem Nullpunkt auf der Celsius-Skala.

Höhere Packungsdichten erreicht die Industrie auch durch Verkleinerung der Strukturgrößen der, Chips. Mit Hilfe der Elektronenstrahl-Lithografie gelingen den Chip-Herstellern bereits Strukturbreiten unter einem Mikrometer.

Zu experimentellen Zwecken brachte IBM die Zentraleinheit eines 370-Rechners auf einem Chip unter.

Auf Veranstaltungen wie Hannover-Messe, Interkama oder Orgatechnik kam für die Datenverarbeiter nichts Umwerfendes heraus. Lichtblick beispielsweise im Hannover-Trubel war eine Uraltrechenmaschine. Von Herrn Schickard 1623 gebaut, dürfte sie die erste Maschine ihrer Art gewesen sein.

Blaise Pascal baute seine, die lange für die erste gehalten wurde, erst im Jahr 1642. Alle anderen Geräte auf den diversen Messen sahen zwar überwältigend neu aus, der Inhalt jedoch war meist der vergangener Zeiten.

Es war ein ruhiges Jahr.