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07.03.2005

"Der Linux-Markt wird erwachsen"

Die Dynamik im deutschen Linux-Geschäft lässt nach. Zugleich aber dringt das Open-Source-Betriebssystem immer tiefer in die Unternehmens-IT ein.

Rund 27 Prozent der deutschen Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern setzen derzeit Linux auf dem Server ein. Bis Ende nächsten Jahres soll der Wert auf 29 Prozent steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungs- und Beratungshauses Techconsult. Zwar habe sich in vorangegangenen Erhebungen ein wesentlich schnelleres Wachstum angedeutet, erläutert Techconsult-Mitarbeiter Carlo Velten. Doch für Unternehmen, die bereits Linux nutzten, gewinne das Betriebssystem einen immer höheren Stellenwert: "Linux ist in der betrieblichen IT-Praxis angekommen und hat sich einen Platz als Enterprise-fähiges Betriebssystem erkämpft."

Festzustellen sei allerdings auch, dass ein Großteil der deutschen Unternehmen keine Linux-Systeme verwende und dies auch nicht plane. Diesen Firmen fehle es an Know-how und Erfahrung. Dennoch erwarten die Analysten steigende Ausgaben für Linux-basierende Hardware, Software und zugehörige Dienstleistungen. Bis zum Jahr 2007 soll sich das Marktvolumen in Deutschland von derzeit 480 Millionen auf 750 Millionen Euro vergrößern.

Dass die Geschwindigkeit, in der Anwender Linux für sich entdecken, in der Breite leicht abnimmt, wertet Techconsult als Zeichen dafür, dass der Markt erwachsen wird. Bei Betrachtung der Firmengrößen ergibt sich ein differenzierteres Bild: Während sich der Anteil großer und mittelständischer Linux-Anwender innerhalb der nächsten zwei Jahre nur leicht erhöht, holen kleine Unternehmen auf, wenn es um den Server-Einsatz geht. Grundlage der Studie sind Befragungen von rund 1200 Unternehmen in Deutschland; etwa 400 IT-Entscheider waren zu einem längeren Interview bereit.

Demnach setzen IT-Verantwortliche das Open-Source-Betriebssystem immer häufiger auch in unternehmenskritischen und rechenintensiven Bereichen ein. Velten nennt diesen Trend "Linux-Deepening" und belegt ihn mit Zahlen: So gaben 37 Prozent der Linux-Nutzer an, auch Datenbank-Server unter Linux zu betreiben, gegenüber 30 Prozent im Jahr zuvor. Neben einer Linux-basierenden Web-Infrastruktur, die sich vielerorts als Standard etabliert hat, greift rund ein Drittel der Befragten auch auf entsprechende Application Server zurück. Außer zertifizierten ISV-Produkten, etwa von IBM, kommen dabei zunehmend Open-Source-Systeme wie Jboss oder Jonas zum Einsatz.

Auftrieb erhalten auch ERP-Anwendungen auf Linux-Plattformen. SAP etwa habe laut eigenen Angaben "mehrere tausend" Systeme weltweit im Einsatz, so Velten. Demgegenüber stellten sich CRM-Anwendungen unter Linux derzeit noch als "zartes Pflänzchen" dar, allerdings ebenfalls mit guten Wachstumsaussichten.

Im Allerheiligsten

Die am meisten genutzten Anwendungen auf Linux-Systemen sind Security-Systeme und speziell Firewalls, lautet ein weiteres Ergebnis. Velten: "Linux hat sich im unternehmenskritischen Bereich der Sicherheitsarchitektur eine zentrale Position gesichert." Fast ebenso weit verbreitet seien Internet/Intranet-Server und Mail-Server.

Dass Linux den Sprung ins Allerheiligste der Unternehmens-IT geschafft hat, belegen auch die Einschätzungen der befragten CIOs. So stimmen 60 Prozent der Aussage zu, Linux werde etablierte Unix-Derivate ersetzen. Dagegen erwarten nur 27 Prozent, dass auch Microsoft-Server-Betriebssysteme verdrängt werden. Damit bestätigt sich ein schon länger zu beobachtender Trend: Die wachsende Linux-Popularität geht vor allem zu Lasten von Unix-Installationen auf klassischen Risc-Servern. In den meisten Ablösungsprojekten nehmen Intel-basierende Ein- und Mehrprozessorsysteme ihren Platz ein.

Nischenthema Desktop-Linux

Ein ernüchterndes Bild zeichnen die Marktforscher für Linux auf dem Desktop. Die installierte Basis, sprich der Anteil von Linux-PCs an sämtlichen installierten Desktop-Rechnern in Deutschland, habe sich im Jahresvergleich nur minimal von 3,13 Prozent auf 3,43 Prozent erhöht. Lediglich sieben Prozent der befragten Unternehmen setzen überhaupt Linux auf dem Desktop ein, wobei auch dieser Wert nicht steigen werde. "Die Euphorie ist verflogen", interpretiert Velten die Zahlen. Entgegen vielen Erwartungen seien die großen Migrationsprojekte ausgeblieben. Lediglich die öffentliche Hand bilde eine Ausnahme.

Unverändert kritisch werteten auch die von Techconsult interviewten IT-Manager die Zukunftsperspektiven: Nur 13 Prozent stimmten der Aussage zu, Linux werde Microsoft-Betriebssysteme im großen Stil verdrängen. Ein Jahr zuvor waren es 14 Prozent. Demgegenüber sehen 56 Prozent Linux als Nischenlösung auf dem Desktop (Vorjahr 38 Prozent). Vor allem hohe Migrationskosten und unzureichendes internes Know-how führten die IT-Verantwortlichen als Gründe gegen Linux ins Feld. Aber auch die niedrige Penetrationsrate in Unternehmen und die damit fehlenden Referenzen spielten eine Rolle.

Trotz solcher Erkenntnisse ist in Deutschland ein stetig wachsender Bedarf an Linux-Dienstleistungen erkennbar, konstatiert Techconsult-Experte Andreas Zilch. Dabei gestalteten sich die Angebote immer umfangreicher und differenzierter: So nähmen Großunternehmen häufig strategische Beratung sowie Migrations- und Integrationsservices in Anspruch; kleine und mittlere Organisation kauften in erster Linie einfache Installations- und Wartungsdienste ein.

Jeder vierte braucht Services

Rund 25 Prozent der deutschen Linux-Nutzer greifen derzeit auch auf entsprechende Services zurück. In großen und komplexen Projekten fordern die Kunden neben Betriebssystem-spezifischem Wissen auch Erfahrung mit Prozessen und Enterprise-Architekturen. Insbesondere Dienstleistungen im Rahmen von System-Management-Lösungen würden verstärkt nachgefragt. Vor diesem Hintergrund verändern sich laut Zilch auch die Geschäftsmodelle der etablierten Linux-Distributoren und -Spezialisten. Sein Fazit: "Linux-Services werden immer komplexer und der Wettbewerb noch intensiver."