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09.02.1990 - 

RKW untersucht bundesdeutsche Fertigungsindustrie

Der Mangel an Experten hat die CIM-Misere verursacht

MÜNCHEN (CW) - Der Einsatz von Systemen für die rechnerintegrierte Produktion in der Bundesrepublik ist weitaus seltener als dies die aktuellen Diskussionen über CIM vermuten lassen. Ein Grund dafür ist der Mangel an Spezialisten, meint das Aachener Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft e.V. (RKW).

Das Ziel der Untersuchung war, den derzeitigen Entwicklungsstand bei CIM und mittelfristige Perspektiven aufzeigen. Die Bestandsaufnahme von Computer-Integrated-Manufacturing-Systemen in bundesdeutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes wurde durchgeführt vom Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V. (FIR) an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen und dem Münchner Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF).

Anhand von neun aufeinanderfolgenden Betriebsuntersuchungen erfaßte das FIR die mit fortschreitender Technikeinführung einhergehenden betriebswirtschaftlichen, arbeitsorganisatorischen und sozialen Veränderungen im CIM-Bereich. Zur besseren Abschätzung aktueller Trends und künftiger Entwicklungen wurden begleitend überbetriebliche Gespräche mit Spezialisten sowie eine schriftliche Befragung von Experten durchgeführt.

Angesichts mangelnder Praxiserfahrung stellt sich immer wieder die Frage, ob es denn überhaupt schon CIM-Experten geben kann? Welche Personengruppe kann zu diesem Kreis der Sachverständigen gehören? Sind es Techniker, Organisatoren, Personalfachleute oder Betriebswirte? Sind es vor allem die CIM-Anbieter oder primär die CIM-Anwender oder die -Berater? Man möchte beinahe sagen, jeder von ihnen und doch keiner. Zu den verschiedenen Themenschwer-punkten der Befragung (Technik, Betriebswirtschaft und Arbeitsorganisation) mußten somit Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen angesprochen werden.

Für die Praxis stellt sich unweigerlich die Frage, wer CIM realisieren soll, wenn es dafür keine Experten gibt? CIM erfordert zum einen Strategien und zum anderen mühevolle Kleinarbeit. Alle Beteiligten eines so umfangreichen Projektes können dabei immer nur einen Teilbereich als wirkliche Experten beurteilen. Für die angrenzenden Bereiche müssen sie ein "offenes Ohr" haben, damit alle Aktivitäten ineinandergreifen können und es nicht zu unabgestimmten Einzelstrategien kommt. Diese haben eher den Charakter von Störmanövern als daß sie ein Unternehmen in seiner Entwicklung weiterbringen können.

CIM-Experten sind mit Sicherheit zahlreiche "Namenlose", die nicht auf Fachkongressen oder in Fachzeitschriften in Erscheinung treten. Es sind viele, die nicht unbedingt "den Überblick" darüber haben, was es alles gibt und was technisch machbar ist, sondern die sich primär mit der Frage auseinandersetzen: Was ist für das Unternehmen sinnvoll? Wem nützen welche Veränderungen? Wer kennt das anstehende Problem am besten? Wem müssen die Veränderungen erklärt werden? Wer braucht Hilfe?

Sicher ist, daß die Realisierung einer rechnerintegrierten Produktion zahlreiche Probleme im technischen, wirtschaftlichen, arbeitsorganisatorischen und sozialen Bereich in sich birgt. Mit CIM ist die Chance, aber auch das Problem einer organisatorischen Umgestaltung verbunden. Die hohen Erwartungen, die heute mit CIM einhergehen, werden sich erst dann realisieren lassen, wenn alle Beteiligten, ob Anbieter, Anwender oder Berater CIM als (Umgestaltungs-)Prozeß und nicht als kauffähiges Produkt verstehen.

Standard-CIM gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Trotzdem dürfte es kaum einen größeren DV-Hersteller geben, der sich nicht als

CIM-Anbieter versteht. Nicht zuletzt deshalb, weil potentielle Anwender das von einem kompetenten DV-Anbieter erwarten. Man sollte jedoch aus den Erfahrungen vergangener DV-Projekte erkennen, daß die Realisierung von CIM auf der Anwender- und Anbieterseite einen Lernprozeß bewirken wird. Auch Berater können sich diesem Vorgang nicht entziehen, wenn sie für das Unternehmen eine wirkungsvolle Unterstützung bieten wollen.

Anbieter von CIM-Komponenten kennen die Möglichkeiten und Grenzen ihrer realisierten DV-Programme und Datenverwaltungsfunktionen. Aus dieser Kenntnis heraus sind sie prinzipiell in der Lage, Lösungsmöglichkeiten für bestimmte Problemfelder zu entwerfen. Anbieter, die sich als ClM-Experten bezeichnen, fällt damit die Rolle zu, dem Anwender ein kompetenter Gesprächspartner in der Diskussion von Alternativen zu sein.

Nur die Anwender allein sind in der Lage, zu beurteilen, ob eine bestimmte Lösung auch ihre Schwierigkeiten lösen kann. Techniker oder Ingenieure, die sich als CIM Spezialisten bezeichnen, müssen anstehende Investitionen und Veränderungen aus unternehmenspolitischer Sicht bewerten und verantworten können. Zudem müssen sie in der Lage sein, im Rahmen der CIM-Realisierung den Überblick zu halten.

Die Rolle der Berater als CIM-Experten orientiert sich jeweils situationsabhängig an den Defiziten dieser beiden (Haupt-)Parteien. Sie können spezielles Know-how beisteuern. Eine wesentliche Aufgabe auf dem Weg zu CIM können Berater auch dadurch übernehmen, daß sie dem zukünftigen Anwender durch Analysen einen "Spiegel vorhalten". Zudem können sie die Aufgabe der Anpassungen von Software an betriebsindividuelle Anforderungen übernehmen.

CIM erfordert Experten mit verschiedenen, sich ergänzenden Qualifikationen. Interdisziplinäre Teamarbeit ist nicht nur CIM-förderlich, sondern eine unabdingbare Voraussetzung, die Fabrik von Morgen Realität werden zu lassen.

Die Erkenntnis, die einen Spezialisten auszeichnet, läßt sich mit den Worten Keil-Slawiks wohl am besten umschreiben: Lernen im Kontext sozialer Verständigung ist die wesentliche Voraussetzung für intelligentes Verhalten. Wissen ist nicht ein Zustand oder etwas das man hat oder nicht hat. Wissen ist auch nicht das Geschriebene; Wissen manifestiert sich in Kommunikationen, in denen sich das Geschriebene entfaltet.

Es ist nicht auszuschließen daß die besten CIM-Experten diejenigen sind, die sich unter Umständen am wenigsten dafür halten. Der Grund dafür ist, daß sie durch zahlreiche Erfahrungen in der Anwendung ihres Fachwissens gelernt haben, daß eine Umgestaltung, wie sie mit CIM propagiert wird, nicht angeordnet werden kann sondern nur durch das aktive Mitwirken aller Beteiligten zu leisten ist. +