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17.08.2001 - 

Der PC wird 20 Jahre alt

Der Mann des Jahres 1982 war kein Mann

Am 12. August 1981 stellte die IBM mit dem "5150 PC" ihren ersten marktreifen Mikrocomputer vor. Ganz gegen ihr bisheriges Vertriebskonzept war er nicht für die Unternehmensklientel gedacht. Das Konzept des Rechners für jedermann hatte seine Geburtsstunde zwar mit Computerbausätzen etwa von Altair oder Apple schon früher. Aber nur ein Riesenkonzern wie IBM war in der Lage, dieser technologischen Minirevolution den nötigen Schub zu geben, der den Erfolg des PCs garantierte.

Natürlich spielt bei der Entwicklung des PCs Microsoft neben IBM die Hauptrolle. Auch ein Unternehmen wie Intel verdankt seinen heutigen Reichtum und seine Monopolstellung in erster Linie der Tatsache, dass IBM damals eine wegweisende Entscheidung traf: Der zu entwickelnde PC sollte nicht im Hause Big Blue entworfen werden. Der Computerriese mit einer unangefochtenen Machtstellung im Großrechnergeschäft sprang über seinen eigenen Schatten und kaufte sich die Technologie, die für den PC nötig war, bei Drittfirmen zusammen. Damit entschied IBM auch, dass die Architektur der Volksrechner offen sein sollte - für ein Unternehmen, das es gewohnt war, mit seiner proprietären Mainframe-Hard- und -Software jahrzehntelang gigantische Gewinne einzustreichen, eine sensationelle Entscheidung.

Grund für IBMs Entscheidung, nicht selbst hausintern einen PC zu entwickeln, war eine selbstkritische Einschätzung des damaligen Laborleiters der Systemabteilung in Boca Raton, Bill Lowe. IBM werde wegen seiner umfangreichen Qualitätssicherungsverfahren von der Konstruktionsphase bis zum fertigen Produkt mindestens vier Jahre brauchen - viel zu lang, um mit dem damals schon erkennbaren schnellen Entwicklungszyklus bei Mikrocomputern Schritt halten zu können. Lowe schlug ein für IBMs Hierarchieverständnis völlig untypisches Vorgehen vor: Das PC-Entwicklungsteam sollte aus Programmierern und Verkaufs- sowie Marketing-Experten bestehen, die alle für den PC benötigten Komponenten am Markt zusammensuchen sollten. Tandon lieferte denn auch die Diskettenlaufwerke, Zenith die Stromversorgung, und SCI Systems produzierte die Systemplatine. Codename des Projekts war "Chess", der Tarnname desRechners lautete "Acorn". Frank Cary, damals IBM-Chairman und seit Mitte der 70er Jahre zunächst gegen die Meinung seines höheren und mittleren Managements Verfechter eines Lowend-Computing-Konzepts, kommentierte dieses für Big Blue revolutionäre Vorgehen mit dem legendär gewordenen Satz: "Wie bringt man einen Elefanten zum Steppen?"

IBMs PC war nicht der erste MikrocomputerSchon lange vor IBMs "5150 PC" hatten etwa Steve Wozniak und Steve Jobs im Juli 1976 ihren "Apple I" der Öffentlichkeit präsentiert, einen so genannten Board-Level-Computer, eigentlich eine bessere Holzkiste mit Tastatur. Dessen Nachfolger im darauf folgenden Jahr, der "Apple II", kostete 1298 Dollar und besaß den riesig großen Arbeitsspeicher von 4 KB. Zeitgleich präsentierte auch Commodore auf der West Coast Computer Fair in San Francisco seinen legendären "Pet". Sehr viel mehr, nämlich rund 20000 Dollar, kostete der "Alto"-PC, der 1973 im Forschungszentrum Xerox Park entwickelt wurde (wo übrigens auch die erste PC-Maus herstammt); auch der "Altair"-Rechner erlebte Mitte der 70er Jahre seine Geburtsstunde.

Der Ruhm, den weltweit ersten kommerziell vermarkteten Mikrocomputer überhaupt entwickelt zu haben, kommt John Blankenbaker zu: Er hatte 1971 den "Kenbak-1" (von Blankenbaker) entworfen, der äußerlich nicht viel mit einem heutigen PC gemein hatte. Blankenbaker baute seine Maschine, wie es sich seinerzeit gehörte, in einer Garage, nämlich in Brentwood im US-Bundesstaat Kalifornien.

Der Kenbak-1 konnte rund 1000 Wörter speichern. Blankenbaker hoffte, sein System an Schulen, aber auch an Privatanwender und sogar im kommerziellen Sektor verkaufen zu können - was sich als großer Irrtum herausstellte. Genau 40 seiner 750 Dollar teuren Konsolen brachte er in zwei Jahren an den Mann. Vielleicht lag Blankenbakers Misserfolg auch daran, dass der heute 68-Jährige selbst nichtan seine Maschine und die Potenziale dieser Technologie glaubte: "Ich hatte immer das Gefühl, dass der Computer nicht besser werden könnte."

Erfolg weit unterschätztDas sah man bei der IBM 1980 schon anders. Obwohl die "Mainframe"-Denke im Unternehmen dominierte und dessen Vertriebsleute im Nadelstreifengewand vor allem darum buhlten, wer wie schnell in die elitäre IBM-Vereinigung "Club 100" der umsatzstärksten Verkäufer aufstieg - trotz der eindeutigen Großrechnerorientierung des blauen Riesen also erkannte man im Management um Chairman Cary, dass mit diesen Mikrocomputern, wie PCs damals gemeinhin genannt wurden, ein sehr lukratives Marktsegment entstehen könnte.

Allerdings verschätzten sich auch die Marktstrategen der IBM wie schon Blankenbaker mit ihrer Prognose über die zu erwartenden Verkaufszahlen gewaltig. Während Letzterer allerdings das Interesse der Konsumenten weit überschätzt hatte, legte Big Blue die Messlatte viel zu niedrig: Genau 241 683 PCs glaubten die Verkaufsexperten bei Big Blue in den ersten fünf Jahren verkaufen zu können. Die hatte IBM dann innerhalb von vier Wochen an den Mann gebracht.

Dabei war der erste IBM-PC technologisch gesehen keine Offenbarung: Der 8-Bit-Prozessor "8088" von Intel erwies sich mit einer Taktrate von 4,77 Megahertz als sehr leistungsarm. Außerdem führte er technologisch ins Abseits, weswegen schon 1980 ein Kooperationspartner der IBM namens Microsoft darauf hinwies, dass der ebenfalls von Intel gelieferte 8086-Prozessor zukunftsträchtiger, weil bereits in 16 Bit ausgelegt sein würde.

Daten konnten beim IBM-PC lediglich auf einen Kassettenbandspeicher oder ein Diskettenlaufwerk (160 KB Fassungsvermögen pro Diskette) gespeichert werden, weil der 5051 keine Festplatte besaß. Das Wort Grafik war mit dem IBM-Rechenknecht überhaupt nicht kompatibel, lediglich die Darstellung von Text möglich - und das auch nur monochrom und bei einer dermaßen niedrigen Bildwiederholrate, dass einem nach kürzester Zeit am Monitor die Augen flimmerten. Ohne Software, Verkabelung und Drucker kostete IBMs erster PC 1595 Dollar.

100 Sechser im LottoApropos Leistung des 5150-PCs: Dessen Betriebssystem, das eine kleine Firma mit Namen Microsoft aus Bellevue im Westküsten-Bundesstaat Washington lieferte, war mit dem "CP/M"-Betriebssystem von Digital Research nicht vergleichbar. Dessen Gründer und Chef, Gary Kildall, dürfte aber 1980 mindestens 100 Sechser im Lotto in den Sand gesetzt haben, als er eine einmalige Chance nicht nutzte. Kildall war gerade, so die immer wieder gern erzählte Story, als Hobbypilot über die Bucht von San Francisco abgehoben. Statt seiner empfing seine Ehefrau mit Firmenanwälten die Big-Blue-Abordnung, um über die Konditionen für die Lizenzierung des CP/M-Betriebssystems zu verhandeln. Die Gattin reagierte allerdings auf das IBM-übliche Gebaren beim Abschluss von Kooperationsverträgen sehr eigenwillig, manche sagen sogar zickig. Die Big-Blue-Delegation legte als erstes eine Nondisclosure-, also eine Stillschweigevereinbarung, auf den Tisch und darauf die weiteren Bedingungen, zu denen die große IBM bereit war, überhaupt mit sich über die Lieferung des Betriebssystems reden zu lassen. Das im Gespräch offenbar werdende Partnerschaftsgefälle irritierte Kildalls Frau dermaßen, dass sie die Verhandlung platzen ließ. CP/M wurde nicht IBMs PC-Betriebssystem.

Der Rest ist Geschichte: Ein unbekannter junger Mann Mitte Zwanzig mit zu großer Brille und modisch eher unaufdringlichem Dresscode hatte sich in einen so recht und schlecht sitzenden Anzug gezwängt, auf dessen Revers kontinuierlich Schuppen rieselten. Kein Gegner für IBM, dachten die Männer des Big-Blue-Verhandlungsteams. Sie hatten übersehen, dass der schmächtige Youngster nicht nur aus einer der Oberschichtfamilien von Seattle stammte und von einer Mutter Erbanlagen besaß, die nicht nur als Juristin Haare auf den Zähnen hatte; sondern dass dieser William H. Gates III, wie er offiziell hieß, mehr Erfahrung mit Computern hatte als die meisten seiner Gegenüber am Verhandlungstisch. Er und sein Geschäftspartner Paul Allen hatten bereits 1975 die Programmiersprache Basic für den Minicomputerbausatz Altair der Firma Micro Instrumentation and Telemetry Systems(MITS) entworfen und Fortran und Cobol für Mikrocomputer nachgeschoben.

Den arrogant auftretenden IBM-Emissären entging auch, dass Gates hochintelligent und ausgebufft war und genau wusste, welche Konditionen er für sein "QDOS"-Betriebssystem (Quick and Dirty Operating System) aushandeln wollte. QDOS hatte Gates gerade erst einem Programmierer namens Tim Patterson für 50000 Dollar abgeschwatzt. Jetzt handelte er bezüglich der Lizenzrechte für QDOS mit IBM aus, dass Microsoft an jeder Kopie des Betriebssystems mitverdienen sollte, das auf einem IBM-PC ausgeliefert werden würde. Selten dürfte jemand einen so intelligenten, durchdachten und cleveren Schachzug gelandet haben.

In drei Jahren Milliarden UmsatzIm Dezember 1980, einen Monat, nachdem Microsoft mit IBM den Vertrag über die Lieferung eines PC-Betriebssystems unterschrieben und den ersten IBM-PC-Prototypen erhalten hat, arbeiten rund 40 Angestellte in der Firma von Gates und Allen. Der Jahresumsatz beträgt acht Millionen Dollar. Ein Jahr später und vier Monate nach der Markteinführung des 5150-PC beschäftigt Microsoft 125 Angestellte und erwirtschaftet einen Umsatz von 16 Millionen Dollar. 1990 ist Microsoft die erste Softwarefirma der Welt, die über eine Milliarde Dollar Umsatz macht. Erwirtschaftet haben ihn 5200 Microsoft-Mitarbeiter.

Das IBM-Team um Lowe und dessen fähigen Nachfolger Don Estridge, der eigentlich das Ur-PC-Team der IBM in Boca Raton zusammenschmiedete, hatte mit dem 5150-PC ein Geschäftsfeld geschaffen, das der IBM innerhalb von drei Jahren einen Umsatz von vier Milliarden Dollar einbrachte - und den ehrenvollen Titel "Mann des Jahres 1982". Die Auszeichnung verleiht das US-Magazin "Time" einmal pro Jahr an eine herausragende Persönlichkeit. Im Jahr 1982 hörte sie auf den Namen "5150 PC", und in der Laudatio schrieb "Time": "Es gibt manchmal Umstände, da ist nicht ein einzelnes herausragendes Individuum die treibende Kraft für Entwicklungen, sondern ein Prozess. Der Mann des Jahres 1982, der den größten Einfluss im Guten wie im Bösen ausübte, ist kein Mann. Es ist eine Maschine: ein Computer...".

Jan-Bernd Meyer

jbmeyer@computerwoche.de

Der PC - nur ein Missverständnis der DV-Geschichte?Es würde wohl bedeuten, die viel zitierten Eulen nach Athen zu tragen, wenn man nach 20 Jahren "IBM-PC" auschließlich die Irrungen und Wirrungen des Beginns dieser (Erfolgs)geschichte in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen würde. Natürlich war Big Blue seinerzeit nicht der erste PC-Hersteller; zweifellos hat Bill Gates dem damals unentschlossenen und von falschen Annahmen ausgehenden IBM-Management (und seiner eigenen Chuzpe) viel zu verdanken - und selbstredend lesen sich diese alten Geschichten immer wieder gut. Doch es gibt mindestens noch eine aussagekräftige Story über Gewinner und Verlierer der PC-Entwicklung - jedenfalls aus dem Blickwinkel derer, die heute und vor 20 Jahren Desktop-Rechner in der Unternehmens-DV einsetz(t)en. In diesem Zusammenhang existiert vermutlich kein Bild, das - um noch einmal die Historie zu bemühen - besser die Hoffnungen der "Generation PC" symbolisierte als der inzwischen berühmt gewordene TV-Spot der kalifornischen Rechnerschmiede Apple, die Anfang 1984 eine attraktive Blondine auf einen fiktiven Marathonlauf schickte, vorbei an grauen, scheinbar willenlosen Menschenmassen, die alle der von einem weit überdimensionierten Bildschirm kommenden Botschaft von Big Brother lauschten. Am Ende ihres Laufes zerstörte die sportive Heldin mit einem einzigen entschlossenen Hammerschlag den Bildschirm, und quasi im Abspann des Spots kam die eigentliche Botschaft: "Am 24. Januar wird Apple Computers den Macintosh vorstellen. Und Sie werden sehen, dass 1984 nicht so sein wird wie 1984!"

Die Aussage der Kalifornier im Orwell-Jahr war unmissverständlich: Die Herrschaft von "Big Brother" IBM und damit der abgeschotteten Rechenzentren respektive Großrechner ist gebrochen; künftig geht am Desktop die Post ab. Gemeint waren Techniken, IT-Konzepte und Anwendungen, die findige Tüftler allerdings schon Jahre zuvor nicht bei Apple, sondern im berühmten Palo Alto Research Center von Xerox entworfen hatten und die sich nun etablieren sollten: Lokale Netze, Objektorientierung, grafische Benutzeroberflächen, Workgroup-Computing und natürlich das Client-Server-Prinzip.

Unstrittiger ParadigmenwechselIn der Tat war der PC, um noch einmal auf den "großen Irrtum" der IBM zurückzukommen, mehr als eine weitere Etappe in der ereignisreichen DV-Geschichte, er war - und ist es bis heute - Beleg für eine nachhaltige Zäsur, für einen Paradigmenwechsel. Denn Big Blue hat sich nicht nur bei den zu verkaufenden Stückzahlen und damit im Markt verschätzt. Nein, innerhalb der blauen Welt verstand man bald die Welt nicht mehr! "IBM - das große MISverständnis" titelte die CW, und legte jahrelang mit gutem Recht den Finger in die Wunde derjenigen, die den Anschein erweckten, als hätten sie den Übergang vom dummen Terminal zum leistungsfähigen Desktop und damit von der Daten- zur Informationsverarbeitung nicht geschafft. Womit beileibe nicht nur der Hersteller und langjährige Großrechner-Monopolist IBM kritisiert wurde, sondern auch die Bunkermentalität der alten Mainframe-Apostel in den Anwenderunternehmen. Die im Übrigen auch keine schlechten Argumente hatten: Wildwuchs und damit Unkontrollierbarkeit der Anwendungen, Begehrlichkeiten der Fachabteilungen, die nicht unbedingt im Einklang mit einer effizienten und ökonomischen unternehmensweiten IT-Strategie stehen, sowie in Konsequenz daraus ausufernde Anschaffungs- und Administrationskosten samt Konflikten zwischen Fachabteilungen und IT-Management.

Die Vorbehalte gegenüber dem "Trojanischen Pferd", das sich da in die unternehmensweite DV einschlich, waren jedenfalls groß und sind es zum Teil bis heute noch, vielfach auch berechtigt. Denn die Befürchtungen des "IT-Establishments" in den Rechenzentren haben sich weitgehend bewahrheitet. Nicht umsonst stellt man seit 20 Jahren regelmäßig die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des PCs; diskutiert(e) kontrovers und leidenschaftlich über Downsizing, Total Cost of Ownership oder die Vor- und Nachteile eines Thin beziehungsweise Thick Client. Ganz zu schweigen von Problemen wie Virenschutz und allgemeiner IT-Sicherheit, die spätestens mit dem Erfolg des Internet eine dramatische Dimension erreicht haben.

Was wäre ohne den PC?Die entscheidende Frage kann heute aber nicht mehr sein, was ohne besagten Irrtum der IBM geschehen wäre. Erst recht nicht, ob die IT ohne PC heute besser dastehen würde und ob wir dann das Internet in seiner heutigen Form kennen und nutzen würden. Der vielleicht wichtigste Aspekt könnte indes - gerade angesichts eines solchen Jubiläums - sein, ob es die IT jetzt (endlich) schafft, den oft versprochenen Beitrag zur Produktivitätssteigerung zu leisten.

Ein neuer Markt entstandDoch zurück zum Geburtstagskind. "Eine beigefarbene Box aus Florida eroberte die Welt", hieß es dieser Tage in den zahlreichen Elogen auf den IBM-PC. Bisher weltweit rund 500 Millionen verkaufte "IBM-Kompatible" sprechen in der Tat Bände. Auch die Marktentwicklung, die damit einherging. Schließlich sind nicht nur die Anwender, sondern auch die IT-Chefs als Einkäufer durch den PC mündig geworden.Kein Geringerer als Intel-Gründer Andrew Grove wies vergangene Woche darauf hin, dass - wenn IBM den Bau seiner Rechner nicht lizenziert hätte - wohl ein anderer Hersteller, vermutlich Apple, das Rennen gemacht hätte. Einiges spricht für, vieles gegen diese These. Doch während man bei der Apfel-Company, die weiland so publicityträchtig "Big Brother" den Garaus machen wollte, bis heute nicht so recht weiß, ob man sie zu den Gewinnern oder Verlierern des PC-Zeitalters zählen soll, machen fünf andere Namen deutlich, warum es auch in marktpolitischer Hinsicht berechtigt ist, den PC als Zäsur zu begreifen: Compaq, Dell, HP sowie natürlich Intel und Microsoft. Und man könnte, um die jüngere Vergangenheit zu strapazieren, ohne weiteres auch AOL, Yahoo, E-Bay und Amazon.com nennen.

Nichts ist also mehr so, wie es vor dem PC war. Auch in Zukunft? Schon seit geraumer Zeit läuten (interessierte) Untergangs-Propheten das Ende des PC-Zeitalters ein. Wer macht das Rennen als kommendes Internet-Zugangsgerät, kombiniert dabei besser die Erfordernisse von Business- und Consumer-Markt? Die illustre Schar der "Gegner" reicht von digitalen Handys, Handhelds und Notebooks bis hin zum - zumindest im Marketing der einschlägigen Hersteller immer noch existenten - Internet-fähigen TV-Gerät samt Settop-Box. Argumentieren können die PC-Skeptiker auch mit der aktuellen Marktentwicklung. Wie kaum ein anderes Segment leiden die PC-Firmen unter der derzeitigen Konjunkturflaute; erstmals seit 15 Jahren musste die nur auf Wachstum geeichte Branche im zweiten Quartal einen Nachfragerückgang hinnehmen.

Rolle zementiertVieles spricht allerdings dafür, dass sich an der heutigen Rolle des PC als einer der tragenden Säulen der privaten und unternehmensweiten DV so schnell nichts ändern wird. Zumindest dürfte es abwegig sein, das baldige Verschwinden der Desktops zu prophezeien. So wie der Mainframe bis heute alle Downsizing-Trends überlebt hat und man bei vielen Anwendern pragmatisch dazu übergegangen ist, einfach nur zu fragen: "Welcher Server ist der richtige?", könnte es in fünf, zehn oder auch 15 Jahren heißen: "Welche individuelle Kommunikationsplattform ist die richtige?"

Gerhard Holzwart

gholzwart@computerwoche.de