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12.05.2000 - 

Preisanalyse bietet Unternehmen Orientierung

Der Markt für IV-Dienste ist kaum überschaubar

MÜNCHEN (CW) - Der Markt für Dienstleistungen zur Informationsverarbeitung (IV) ist unübersichtlich. RZ-Betreiber, Outsourcer und andere IT-Verantwortliche stoßen beim Kostenvergleich auf gravierende Unterschiede. Eine Orientierung können Einzel- und Durchschnittspreise bieten, die der Neusser Unternehmensberater Jochen Michels in seiner jährlichen Marktpreisanalyse ermittelt.

"Die Preisgestaltung im Bereich IV-Infrastruktur ist - gelinde gesagt - nebulös." Zu diesem Ergebnis kommt Michels in seiner jüngsten Untersuchung. Die Preisdifferenzen für typische IV-Dienstleistungen - beispielsweise für eine CPU-Stunde oder für ein MB Speicherplatz - fielen diesmal noch deutlich größer aus.

So veranschlagte etwa ein Anbieter für eine CPU-Stunde rund 33 Mark, ein anderer dagegen stolze 1844 Mark. Eine MIPS-Stunde (MIPS = Million Instructions per Second) wird mit 5,87 Mark oder auch 179,94 Mark berechnet. IT-Kunden können ihre Daten für 0,06 Mark pro MB und Monat, aber auch für 41,07 Mark von einem Dienstleister vorhalten lassen.

Michels nennt diese Erkenntnisse ernüchternd, geht es ihm doch in seiner Analyse darum, mehr Transparenz in den Kostenwirrwarr zu bringen. Für seine Untersuchung nahm der Finanzexperte die Kosten von 65 IV-Betreibern und -Nutzern unter die Lupe. Dazu zählen Outsourcing-Anbieter ebenso wie deren Kunden, Konzernrechenzentren, reine Mainframe-Datenzentren oder auch Betreiber von gemischten Mainframe-/Client-Server-Rechenzentren (Details zur Untersuchung im Kasten "Marktpreisanalyse").

Selbst wenn man der Tatsache Rechnung trägt, dass derartige IV-Dienste meistens als Koppelprodukte verkauft werden, wo also eine Leistungsart die andere im "Bundle" mitfinanziert, sind die Ergebnisse immer noch fernab jeder normalen Marktsituation. Nimmt man nämlich einen typischen mittleren Warenkorb aller gängigen Leistungen der IV-Infrastruktur, so kostet er beim billigsten Anbieter 43,6 Millionen Mark, beim teuersten rund 489 Millionen Mark. Das ist mehr als zehnmal so viel, und dabei sind die Ausreißer über 586 Millionen Mark noch nicht einmal mitgerechnet.

Wegen dieser eklatanten und gegenüber den letzten Jahren deutlich verschärften Missverhältnisse sind auch die aus diesen Daten errechneten Durchschnittspreise (siehe Tabelle "Preisentwicklung IV-Dienste") nicht als Patentlösung zu betrachten.

Sie geben zwar im Zeitverlauf ein gutes Bild über die Entwicklung des Marktes. Bei der Anwendung für die betriebsinterne Preisliste oder für einen Outsourcing-Vertrag muss man sie aber immer im Kontext des ganzen Warenkorbes sehen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Die größten Preissprünge ergeben sich beim Vergleich der Kosten in den Jahren 1999 und 2000. Hier reichen die Aufwendungen sage und schreibe von rund 58 Millionen Mark bis zu 1,7 Milliarden Mark für das gleiche Mengengerüst. In früheren Jahren waren die Unterschiede deutlich geringer.

Interessant ist die Zunahme der Rechner bei den untersuchten Firmen: Während noch vor einem Jahr 536 Systeme betrieben wurden, sind es jetzt fast 3300 - eindeutig eine Folge der starken Server-Konjunktur jenseits des Mainframes.

Vergleicht man die ermittelten Marktpreise der Leistungseinheiten mit den Vorjahren, so sind sie fast überall gesunken. Lediglich bei den typischerweise personalbezogenen Diensten ist in den meisten Jahren ein höheres Preisniveau zu erkennen, so auch diesmal. In der aktuellen Analyse fallen andererseits auch einige Leistungen in Zusammenhang mit Druckdiensten durch höhere Preise auf. Es ist noch nicht klar, ob dies auf höhere Kosten, geringere Mengen oder andere Faktoren zurückzuführen ist.

Für einige typische Leistungsarten sind in der zweiten Tabelle ("Mittelpreise typischer IV-Dienste") die wichtigsten mittleren Preise zusammengestellt. Es handelt sich um die Rechnerzeit, den Plattenspeicherplatz, einen PC-Arbeitsplatz und eine Anwendungsentwicklungs-Stunde. Während sich Anwendungen, weil maßgeschneidert, nicht vergleichen lassen, ergibt eine Gegenüberstellung der Personenstunden von Systemanalytikern, Organisatoren und Programmierern durchaus Sinn.

Diplomingenieur Jochen Michels ist selbständiger Unternehmensberater und untersucht seit 16 Jahren unter anderem die Marktpreise von IV-Diensten. Er koordiniert ein gemeinsames IV-Benchmarking in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben seiner Beratungsarbeit setzt er sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit dem Thema "Betriebswirtschaft für die IV" auseinander. Weitere Informationen unter www.jomi.com.

MarktpreisanalyseUntersucht wurden Datenprofile von 67 Teilnehmern, davon stammen 22 aus den Jahren 1999/2000, die anderen aus den letzten vier Jahren. Fast zwanzig ältere oder nicht plausible Datenprofile wurden ausgesteuert. 28 Datenprofile kommen aus Individualanalysen, sechs aus Outsourcing-Analysen. Bei diesen ist die Datenqualität meist deutlich besser, als wenn ein Teilnehmer nur sein Profil einreicht.

Die Branchen der Teilnehmer reichen von typischen IV-Dienstleistern über Banken, Versicherungen, Energie-Unternehmen, Handel, Fertigung, Medien bis zum öffentlichen Dienst. Dieses breite Spektrum ist sinnvoll, weil tatsächlich nur die IT-Infrastruktur untersucht wird. Alle Preis- und Kosteneinflüsse, die unternehmens- oder branchentypisch sind, werden bewusst außen vor gelassen, weil sie nicht vergleichbar sind.

Die Bedeutung des Teilnehmerkreises wird verdeutlicht durch das wertmäßige Gesamtvolumen an IV-Diensten: Es beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Mark und umfasst Teilnehmer mit Jahreserlösen von knapp zwei Millionen Mark bis über 580 Millionen Mark. Die mittlere Größenordnung liegt bei einem Jahresbudget oder Erlös von 29 bis 39 Millionen Mark.

Teilnehmer, die ihre IV-Daten auf dem Excel-Kalkulationsbogen (www.jomi.com) einreichen, erhalten die monatliche Berechnungsliste zur Selbstkontrolle kostenlos. Die vollständige Analyse mit zirka 400 Seiten ist gegen einen Kostenbeitrag erhältlich.