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09.06.2000 - 

Hersteller reagieren auf veränderte Nachfrage

Der Markt für Server mit Spezialaufgaben wächst

MÜNCHEN (kk) - Rechnerhersteller beginnen in zunehmendem Maße, dedizierte Server für spezielle Aufgaben anzubieten. Diese "Appliance-Server" sind wegen ihrer Skalierfähigkeit vor allem bei Internet-Unternehmen und kleinen Firmen beliebt.

Die Marktforscher sind sich einig: Der Anteil der Server, die auf einen speziellen Einsatzzweck zugeschnitten sind, wird in den kommenden Jahren stark ansteigen. IDC beispielsweise schätzt, dass der Markt für solche Rechner im Jahr 2004 weltweit auf über elf Milliarden Dollar angewachsen sein wird. 1999 wurde dafür deutlich weniger als eine Milliarde Dollar ausgegeben.

Was einst damit begann, ausgediente PCs als Mail-Server einzusetzen, hat sich zu einem breit gefächerten Angebot entwickelt. Versehen mit der passenden Software, agieren die Rechner als Web-, Proxy-, Caching-, File-, Print- oder Sicherheits-Server. Dazu kommt die Vielzahl von Speicher-Servern, die oft als Network Attached Storage (NAS) bezeichnet werden und helfen sollen, den Hauptrechner von der Last der Speicheraufgaben im Netz zu befreien.

Die letztgenannte Rechnergattung bleibt nach Ansicht der Marktbeobachter von IDC weiterhin die am meisten verkaufte Gruppe. Speicher-Server stellen den Prognosen zufolge im Jahr 2004 rund die Hälfte des Gesamtmarktes für Appliance-Server. Das stärkste Wachstum erwarten die Analysten jedoch bei den Web-Servern, deren Verkaufserlöse jährlich um mehr als 130 Prozent steigen sollen. Der Markt für Spezialrechner insgesamt wird bis 2004 jährlich um 73 Prozent zulegen.

Die Aussicht auf verlockend hohe Absatzzahlen werde zusammen mit der Möglichkeit, in diesem Bereich höhere Margen als mit Allround-Servern zu erzielen, zu einem Boom führen. "Die wichtigsten Server-Hersteller werden spätestens in diesem Jahr in das Geschäft mit Appliance-Servern einsteigen und das Marktgefüge durcheinander wirbeln", erwartet John Humphreys, Analyst bei IDC.

Dabei bauen Hersteller per vorinstallierter Software und abgespeckten Harwarekomponenten generell einsetzbare Server um in solche für Spezialaufgaben. Im Zuge des veränderten Angebots gehen die erwarteten Steigerungsraten in diesem Segment zu Las-ten der traditionellen Allround-Server.

Als Zielgruppe haben die Analysten zwei Gruppen von Anwendern ausgemacht, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Große Unternehmen inklusive der Service-Provider und Dotcoms benötigen zuverlässige und skalierbare Lösungen für bestimmte Teilaufgaben der Gesamt-DV. Kleine Firmen suchen nach einer kostengünstigen und sicheren Möglichkeit, ihr Angebot mit dem Internet zu verknüpfen. Gefragt sind demnach nicht nur die bloße Hardware, sondern Komplettlösungen.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass mit den Appliance-Servern auch den kleinen Unternehmen Geräte angeboten werden, die es in puncto Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und einfachem Zugriff mit Mittelklasserechnern aufnehmen können. So hat IBM beispielsweise in ihre einbaufähigen "Netfinity 8500R"- und den ultraflachen "Netfinity 4000R"-Servern Funktionen integriert, die auch die hauseigenen Mainframes und großen Unix-Systeme bieten. Hinter dem Schlagwort "X-Architecture" verbergen sich technische Leckerbissen der Intel-basierten Geräte, wie Leuchtdioden, die dem Servicepersonal die Fehlerquellen anzeigen, oder die selbständige Warnung vor drohenden Komponentenausfällen.

Jeff Lynn, Chef von Compaqs Professional-Service-Abteilung, macht derzeit zwei zusätzliche Trends aus: Immer mehr Firmen lagern ihre IT an Outsourcing-Unternehmen aus. Andererseits zwingt die "Neue Ökonomie" alle Beteiligten dazu, mit der Geschwindigkeit des Internet zu handeln. "Früher ging man bei der IT-Beschaffung von Lebenszyklen von zwei bis drei Jahren aus. Das ist heute lächerlich. Jetzt bewegen wir uns im Rahmen von vier Monaten oder weniger", so der Manager. Welche Rolle das Outsourcing in Zukunft im Markt spielen könnte, verdeutlicht eine Studie von Forrester Research. Die Analysten erwarten, dass das Geschäft mit ausgelagerten Web-Servern im Jahr 2002 bereits 5,3 Milliarden Dollar betragen wird. Das ist mehr, als mit reinem Web-Hosting verdient wird.

Von den großen Hardwareherstellern dürfte sich die IBM am besten auf die neue Rolle des Service-Providers beziehungsweise des Lieferanten der Infrastruktur für Diensteanbieter eingestellt haben. Schon seit fünf Jahren wirbt IBM Global Services, Big Blues Service- und Beratungsabteilung, mit dem Slogan "Internet Solution Provider". Mittlerweile erzielt die Geschäftseinheit knapp 30 Milliarden Dollar Umsatz - mehr als jeder andere Hardwarehersteller.

Agiert ein Hardwareproduzent nicht selbst als Outsourcer, dann versucht er, zumindest die Service-Provider als Kundschaft zu gewinnen. Das zeigen unter anderem die Beispiele Sun Microsystems, Hewlett-Packard, Compaq, Fujistu-Siemens oder Dell.

Der PC-Direktvermarkter aus Texas kündigte kürzlich eine Reihe von Initiativen und Produkten an, die explizit für Internet- und Application-Service-Provider (ISPs und ASPs) vorgesehen sind. Bei den Neuvorstellungen fallen insbesondere die "Powerapp"-Server auf, die sich als ultraflache Spezialrechner in ein Rack einbauen lassen und unter Linux oder Windows laufen. Aus dieser Serie kann sich der Anwender den Powerapp-Server aussuchen, den er für sein Internet-Geschäft benötigt: "Powerapp-Web" ist für das Web- und Application-Hosting konzipiert, die "Powerapp. Cache"-Serie soll Zugriffe beschleunigen oder aber Aufgaben wie Filtering, Monitoring oder Authentifizierung übernehmen. In kleinen Netzen lassen sich diese Server auch als Router einsetzen.

Als Vorzüge nennt der Hersteller die mitgelieferten Programmpakete, die einerseits die einfache Verwaltung und andererseits das Agieren im Internet vereinfachen sollen. Dazu zählen der "Kickstart" für die schnelle Einbindung in das Netz, die grafische Konsole "Powerapp Admin Tools" für sofortiges Setup, das "Open Manage System" für die Verwaltung sowie Programme für Load Balancing. Vorinstalliert sind "Apache"-Web-Server sowie FTP-, DNS- und Mail-Server und die Möglichkeit, virtuelle Domains einzurichten.

Den Outsourcing-Markt beschreibt Firmenchef Michael Dell als "große Chance" für sein Unternehmen, denn nur fünf Prozent der für das Internet-Geschäft benötigten Server seien bislang installiert. Zusätzlich zu PCs, den klassischen Frontends, kämen jetzt noch Telefone und sonstige Internet-fähige Zugangsgeräte, die alle auf Server-basierte Informationen zugreifen würden.

Auch Hewlett-Packard positionierte sich nach Ansicht von Analysten relativ spät als Player im E-Business. Anfang Mai zeigte der Hersteller, neben diversen einschlägigen Dienstleistungsangeboten, die Risc-basierten Server "HP9000 A400" und "A500", die für das Internet-Geschäft tauglich sein sollen. Beide Maschinen (Codename "Piranha") lassen sich in ein Rack einbauen und unter HP-UX oder Linux betreiben. HP bündelt die Geräte mit für das E-Business wichtigen Programmen wie Nokias "WAP"-Server-Software, der Suchmaschine von Infoseek und einem Programm zur Lastverteilung, das von Resonate stammt.

Spätestens mit der Vorstellung des "Ipaq"-PCs läutete Compaq-Chef Michael Capellas auch für die Texaner das Internet-Zeitalter ein. Schon zuvor wurde mit der "Tasksmart"-Serie eine Reihe von Appliance-Servern vorgestellt, die als Web-Cache-Maschinen positioniert wurden. Per Konfigurations-Tools lassen sich die Rechner remote über Java-fähige Browser oder mit dem hauseigenen "Insight"-Manager verwalten. Auch zukünftige Erweiterungen kommen über einen Browser direkt in den Rechner. Programme wie "Client Accelerator" oder "Forward Proxy Cache" sollen den Internet-Verkehr beschleunigen und für mehr Datendurchsatz sorgen.

"Computerknoten" nennt Fujitsu-Siemens seine stapelbaren Server aus der "Primergy"-Reihe. Die Münchner setzen in Zukunft auf die Ausrüstung von Rechenzentren mit heterogenen Systemen, wobei "jede Plattform die Anwendung bedient, die auf ihr am besten läuft". Neben den Intel-basierten Primergy-Servern sollen im Herbst leistungsstarke Unix-Rechner auf Sparc-Basis auf den Markt kommen. Dann wird auch das "Universal"-Rack fertig sein, das alle angebotenen Server - Primergy, RM, Primepower - auch im gemischten Betrieb aufnehmen kann.

Appliance-ServerAppliance-Server sind Rechner im unteren und mittleren Leistungsbereich, mit meist nicht mehr als vier Intel- oder Risc-Prozessoren. Als Betriebssysteme tauchen Microsofts Windows NT und Windows 2000 sowie diverse Unix-Varianten und Linux auf. Neben der Möglichkeit, die Spezialrechner in ein Rack einzubauen, spielt die mitgelieferte Anwendungssoftware die zentrale Rolle. Dabei stehen Funktionen für einfache und zentrale Verwaltung, Konfiguration und Installation der Geräte, hohe Verfügbarkeit (inklusive Cluster) sowie Caching-Mechanismen im Vordergrund.

Abb: Neben den klassischen Rechnern für Anwendungen und Datenbanken sollen Appliance-Server vor allem Aufgaben zur Internet-Anbindung übernehmen. Dazu zählen unter anderem Caching, Routing oder Load Balancing. Quelle: Dell