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02.09.1988

Der Markt quillt über von verschiedenen Versionen:Streit um Unix-Führerschaft spitzt sich zu

02.09.1988

FRAMINGHAM - Unix ist ein heißes Eisen. Es ist heißer als ein heißes Eisen. Es ist siedend heiß. Es ist kochend heiß. Es ist Quecksilber und Blitz mit einem Laserstrahl-Rückstoß. Versuchen Sie einfach die Geschäftigkeiten um Unix im Auge zu behalten - Bündnisse, Partnerschaften und eine Vielzahl neuer Produkte von verschiedenen Anbietern.

Für gewöhnlich bedeutet so etwas, daß eine Firma oder Firmengruppe, die als Sieger aus dem Kampf um Marktanteile hervorgegangen ist, Standards setzt und einen Rahmen absteckt, innerhalb dessen kleinere Firmen mitmischen dürfen - ungefähr so, wie IBM anfangs der 80er Jahre den PC-Boom einleitete.

Gibt es also heute eine ähnliche Gruppe von Firmen, die Unix kontrollieren? Wer steht dahinter und worum geht es dabei? Die Antwort ist ziemlich verwirrend. Sie wollen einen Marktführer für Unix? Kein Problem. Sie haben die Wahl zwischen Dutzenden von Marktführern. Unix-Marktführer zu sein, war schon immer eine merkwürdige Sache. Zuerst wollte keiner diese Position haben. Nun reißt man sich darum.

Unix wurde in den späten 60er Jahren von Bell Laboratories entwickelt, mehr oder weniger als reine Forschungsübung. Es war nicht geplant, dieses Produkt zu vermarkten, teils wegen des nur beschränkten Zuganges, den AT&T damals zum Computermarkt hatte und teils, weil Rechner, die den größten Nutzen aus dem Betriebssystem gezogen hätten - leistungsstarke und zugleich hochgradig dialogfähige Systeme - nur in geringer Zahl existierten.

Unix-Führung zunächst bei den Universitäten

Dieses Hindernis war der Grund dafür, daß die Unix-Führung zunächst den Universitäten zufiel. AT&T gab hauptsächlich Kopien des Quellcodes des Betriebssystems an praktisch jede Organisation aus, die sie haben wollte. Hochschulen waren dabei eine ganz natürliche Zielgruppe, da sie schon immer an neuen Entwicklungen interessiert waren. Das erste wirkliche Standard-Unix kam aus einer dieser Hochschulen, der University of California in Berkeley, nämlich die Unix-Version 4.2. Der akademische Rahmen trug auch zu den ersten kommerziellen Erfolgen des Betriebssystems bei. Dazu gehört unter anderem die Sun Microsystems Inc., die von einem ehemaligen Schüler der University of California in Los Angeles, Bill Joy, gegründet wurde.

Anfang der 80er Jahre erfolgte die gerichtlich verordnete Spaltung von AT&T, was zur Folge hatte, daß das Unternehmen die Manege der Computerwelt betreten durfte. Die Firma entdeckte Unix wieder, produzierte seine System-V-Version und bot dieses Produkt als neuen Standard an. Sie offerierte Unix praktisch als den natürlichen Erben von Microsofts MS-DOS und als ein MS-DOS ähnliches Betriebssystem für alle Rechner vom Minicomputer zum Mainframe. Eine Tochterfirma, AT&T Information Systems, wurde gegründet, um AT&T im Computerbereich zu repräsentieren.

Zunächst, vor allem in den Jahren 1984 und 85, schien es, als ob der Erfolg von AT&T Information Systems gesichert wäre. 1986 hatte AT&T bei der Erschließung des Computermarktes Millionen von Dollar verloren, Information Systems existierte von da ab ebensowenig als eigenständiger Firmenname, wie eine andere Organisation, die 1987 mit der Muttergesellschaft zusammengelegt wurde.

Warum war AT&T Information Systems so erfolglos? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wen man fragt. Kritiker von AT&T führen den Niedergang auf AT&Ts Unfähigkeit zurück, den Sprung von einer technologieorientierten zu einer marktorientierten Firma zu tun.

AT&T krankte am falschen Timing

AT&T-Anhänger sehen das natürlich ganz anders. Eines ihrer Argumente ist, daß AT&T Information Systems ganz schlicht und ergreifend am falschen Timing krankte. "Das ist der Grund", sagte ein AT&T-Angestellter, der nicht genannt werden möchte, "Unix braucht einen großen Prozessor, um effektiv arbeiten zu können. Damals wurde der PC-Markt von 16-Bit-Systemen dominiert. Sicher, es gab ein paar (Intel) 80286er, aber eben nicht sehr viele. Hätten wir den Vorstoß 1986 gemacht, als mit dem (Intel) 80386er gearbeitet wurde, die Geschichte wäre ganz anders verlaufen."

Was auch immer die Ursache war, AT&T hatte 1986 bei der Unix-Angelegenheit das Nachsehen. Die Luft schien rein für jemanden, der den Willen mitbrachte, einen Anspruch auf die Unix-Führerrolle zu erheben.

Eine ganze Reihe von Firmen war überglücklich, bei der Vergabe dieser Rolle mitbieten zu dürfen. Eine Gruppe unabhängiger Unix-Anbieter, die sich mit Mühe und Not um das Posix-Komitee des Institute of Electrical and Electronic Engineers, Inc. geschart hatten, gingen mit Sun als Primus inter pares als Alternative zu AT&T aus diesem Wettstreit hervor. Es war ein starkes Bündnis, das auf der festen Grundlage des gemeinsamen Interesses all seiner Mitglieder basierte, Unix so offen wie möglich zu erhalten.

Bündnis mit Sun erschütterte Unix-Welt

Die Bombe explodierte Ende letzten Jahres. Sun, der Champion offener Systeme, der Feind des Eigentumsrechts (Proprietary-Systeme) und der gute Ritter des Posix-Komitees gab bekannt, er hätte sich mit AT&T zusammengetan.

Das Bündnis von AT&T und Sun erschütterte die Unix-Welt wie nie zuvor. Es war undenkbar. Es war unglaublich. Es war, als hätte Luke Skywalker einen Vertrag als Captain des Todessterns unterzeichnet. Die Unabhängigen wurden in Angst und Schrecken versetzt, sahen sie doch die AT&T-Sun-Union bereits ein eigenes Unix-System entwickeln.

Gemäß den Vertragsbedingungen konnte AT&T ungefähr 20 Prozent von Sun erwerben. Zudem würden die beiden Firmen an einer gemeinsamen Version von Unix für das Sun-Prozessorsystem Sparc (Scalable Processor Architecture) arbeiten.

Kurze Zeit vor dem Bündnis zwischen AT&T und Sun hatte Sun Sparc vorgestellt. Das Produkt wurde zum Alptraum der Unix-Anbieter, da sie nun mit der Möglichkeit konfrontiert wurden, Unix könnte von AT&T auf die Sun-Prozessoren abgestimmt und optimiert werden. Während andere Anbieter Lizenzen sowohl für das neue Unix als auch für Sparc erhalten könnten, wären sie weiterhin gewaltig im Nachteil, denn AT&T könnte den Markt dominieren.

Sun und AT&T haben mit all ihren Mitteln die Furcht genommen, Unix könnte ihr höchstpersönliches Eigentum werden. Was die Unix-Gemeinschaft jedoch darüber denkt, wurde im kürzlich erschienenen Bericht von Sanjiv G. Hingorani zusammengefaßt, dem Vizepräsidenten der Salomon Brothers Inc. mit Firmensitz in New York: "AT&Ts Vertrag mit Sun Microsystems, eine modifizierte Version des Unix System V zu entwickeln, ist ein Versuch von AT&T, die Kontrolle über Unix wiederzuerlangen."

Fachleute streiten über die Beweggründe

Und der Pakt ist ein hervorragendes Mittel, den Unix-Thron zurückzuerobern. Die meisten großen Industriebeobachter stimmen darin überein, daß jede Firma einen nicht unerheblichen Teil zum Vertrag beigetragen hat, wobei der eine mitbrachte, was dem anderen fehlte. Merkwürdigerweise streiten sich Fachleute darüber, wer dabei was auf den Vertragstisch legte. Der allgemeine Tenor geht dahin, daß Sun nun Marktführer in der Unix-Technologie ist, und daß AT&T genau hinter dieser modernen Technologie her war.

Andere Fachleute sprechen von anderen Beweggründen. "AT&T wollte Suns Marketing-Fähigkeiten", sagt Gig Graham, Direktor der Softwareabteilung von Gartner Inc., einem Marktforschungsinstitut mit Sitz in Stamford, Connecticut. "Sun sieht sich gerne als eine Technik-Gesellschaft, obwohl sie eigentlich ein Marketing-Apparat ist. In Wirklichkeit sind sie Kosmetiker. Das alte Mädchen (Unix) herauszuputzen, war ganz ihre Sache. Sie waren in der Lage, aus dem häßlichen Entlein eine Märchenfee zu machen."

Suns Pressesprecher gehen den Mittelweg. Bill Woo, Suns Manager für strategische Planung und Businessentwicklung, bezeichnet die technische Seite der Gleichung vielmehr als ein Übereinkunft zwischen Gleichen, bei der der Marktführer der Unix-4.2-Welt, Sun, und der Marktführer der Unix-System-V-Welt, AT&T, mit vereinten Kräften arbeiten. "Der Beteiligungsvertrag hat wenig mit dem technischen Bündnis der beiden Gesellschaften zu tun," sagt er. Er "spiegelt die Tatsache wider, daß Sun viel Geld für das Wachstum der Firma benötigt. Wir hatten vor, eine zweite Aktienausgabe durchzuführen, doch dann kam AT&T und sagte ,hey, wir haben nichts dagegen, zu investieren.' Es war wirklich nur eine günstige Geldquelle für uns."

Laut Woo läßt sich auch die Tatsache, daß AT&T ganze 20 Prozent von Sun erwerben kann, ganz einfach erklären. "Mehr (als 20 Prozent von Sun) können sie nur dann bekommen, wenn jemand anders auch mehr bekommt", bemerkt er. "Sie können das als eine Art Guter-Ritter-Vereinbarung betrachten, um feindliche Übernahmen zu verhindern."

Gute-Ritter-Vereinbarung gegen feindliche Übernahme

Andere sehen AT&T als einen Ritter mit wesentlich schlechterem Charakter. Die unabhängigen Unix-Anbieter machten sich ernste Gedanken darüber, daß die Vereinigung sie ganz und gar aus dem Unix-Geschäft ausschließen könnte; deshalb bildeten sie eine Organisation. Ende 1987 begann eine Anti-Sun-AT&T-Front Form anzunehmen. Im wesentlichen, so ein Unix-Insider, der nicht genannt werden möchte, bestand diese Opposition aus "einem Häufchen Leuten, die nichts gemeinsam hatten, außer, daß sie alle bekloppt waren."

Laut Salomon Brothers' Hingorani waren die Anführer dieser Gruppe Digital Equipment Corp., Hewlett-Packard Co. und Apollo Computer Inc. Einige Beobachter der Szene zählten zu Beginn auch Motorola Inc. zu dieser Gruppe - was, wäre diese Firma tatsächlich beteiligt gewesen, hätte entscheidend sein können. Motorola-Chips hatten den Unix-Markt nämlich nahezu bestimmt, bis Sun mit Sparc. abtrünnig wurde und Apollo sich in diesem Jahr mit seiner eigenen Prisma-Prozessoren-Baureihe abspaltete.

Erstes Treffen in Hamilton-Avenue

Die Organisation nannte sich The Hamilton Group, weil, wie Gerüchte besagen, ihr erstes Treffen in einem DEC-Gebäude in der Hamilton Avenue in Palo Alto, Kahfornien, stattfand. Palo Alto ist der Sitz eines Labors für Ultrix-Anwendungsentwicklung, DECs eigene Unix-Version. Die Hamilton Group begann, die Einführung eines neuen Unix-Standards zu diskutieren, etwas, das der Sun-AT&T-Version zwar ähnlich sein, den Anwender jedoch vom Unix System V unabhängig machen sollte. Für kurze Zeit schien es, als ob die Unix-Welt, vielleicht sogar für alle Zeiten, sauber gespalten wäre in ein System-V- und ein Hamilton-Group-Unix-Lager.

Realisierbare Alternative zu System V gesucht

Da die Hamilton Group nach einer realisierbaren Alternative zu System V suchte, taten Sun und AT&T ihr Bestes, die Mitglieder der Gruppe abzuwerben. Kurz nach der Uniforum Unix-Präsentation im Februar geben AT&T und Motorola bekannt, sie hätten eine Einigung erzielt. Beide Firmen würden an einer gemeinsamen Unix-Version arbeiten, die auf allen Motorola-Systemen lauffähig wäre. In Wirklichkeit bekam Motorola, was Sun schon hatte, den Zugriff auf den Unix-Quellcode. Ähnliche Übereinkünfte mit anderen Chip-Anbietern waren angeblich in Sicht.

Die Hamilton Group blieb weiterhin ein Anwärter auf die Unix-Führerschaft, vor allem, weil die Unternehmungen von Sun-AT&Ts sich im März plötzlich destabilisierten. Um diese Zeit kehrte der Kopf von AT&Ts Computerunternehmen, Vittorio Cassoni, von einem Tag auf den anderen in sein Heimatland Italien zurück und zwar zu seinem früheren Arbeitgeber, Olivetti & Co. Die Bedeutung dieses Schrittes für AT&Ts Stellung in der Computerwelt liegt noch im dunkeln.

DEC stellt sich als Unix-Anhänger dar

In der Zwischenzeit nahm die Hamilton Group ein neues Mitglied auf. Im Laufe dieses Jahres festigte sich die Gruppe um ihre engagiertesten Mitglieder - DEC, HP und Apollo - und einen neuen Mitstreiter, IBM.

DEC ging es vor allem darum, sich selbst als Unix-Anhänger darzustellen. Zu Beginn dieses Jahres führte die Firma eine Meinungsumfrage durch, in der Industriebeobachter gefragt wurden, wen sie mit den Bemühungen um Posix-Standards verbanden, und ob DEC eine Hauptrolle bei diesen Unternehmungen spielen konnte oder sollte.

Im Mai schlossen sich die Hamilton-Mitglieder und einige andere zusammen, um eine weitere Organisation zu bilden - die Open Software Foundation (OSF). Diese Zusammensetzung kann, muß aber nicht, ein Versuch sein, eine neue Unix-Version zu erstellen. Im Moment ist dies noch unklar.

Mitte 1988 wurde offensichtlich, daß niemand die Führerrolle bei Unix innehatte. Besser gesagt, die Unix-Führerschaft bleibt was sie immer war, eine Hydra, ein Wesen mit vielen Köpfen. Hingorani stellt fest, daß "das endgültige Unix der Zukunft weder ein einziges Betriebssystem sein wird noch eine einzige Betriebssystem-Umgebung. Es wird vielmehr eine Gruppe von Betriebssystemen sein, die sich auf hoffentlich nur einem oder zwei Standards aufbaut."

Anwender von Unix wissen inzwischen längst nicht mehr, was sie von der ganzen Sache halten sollen. "Die einzige Wirkung von alldem war, daß die Anwender jetzt total verwirrt sind", sagt Robert Ackermann, Vizepräsident von X/Open, einer Unix-Standard-Gruppe, deren Mitglieder Hardware-Anbieter sowohl aus den USA als auch aus Europa sind. "Es sah aus, als bekämen wir endlich einen Standard. Jetzt sieht alles wieder eher nach einem Chaos aus".

X/Open: Rettungsboot für offene Systeme

In den vergangenen Wochen ist X/Open tatsächlich ein Rettungsboot für offene Systeme geworden. Flüchtlinge der verschiedenen Unix-Gemeinschaften, die ihre Zukunft in einem verschwommenen Licht sahen, erschienen bei X/Open-Versammlungen.

Was aber ist der Auslöser für diese Aktivität? Warum Unix, das in Marktanteilen gemessen hinter MS-DOS zurückbleibt, plötzlich so wichtig? Der Schlüssel zur Antwort liegt vielleicht im Intel 386.

Heutzutage sind 386-Systeme relativ verbreitet. Auch kommen andere kostengünstige 32-Bit-Prozessoren auf den Markt. Logischerweise müßte also Microsoft, der Hersteller von Xenix, wohl das älteste und am besten bekannte Desktop-Unix, in einer hervorragenden Position sein, um einen wachsenden Markt für Desktop-Unix zu erobern.

Wachsender Markt für Desktop-Unix

Dennoch heißt es, Microsoft hätte sich zurückgehalten, was die Vermarktung von Xenix für 386-Systeme anbelangt. Während dies nur schwer bewiesen werden kann, so ist es sicher, daß Vertreter von Microsoft in letzter Zeit bei Konferenzen gesagt haben, sie planten Xenix als ein Betriebssystem für Multiuser-Umgebungen. Für den Single-User-Markt ist die firmeneigene Version von IBMs OS/2 reserviert, das zwar ein Multitasking-Betriebssystem ist, aber, zumindest in den aktuellen Versionen, eben kein Multiuser-Betriebssystem. Microsoft-Vertreter gestehen im Vertrauen, daß ihr größtes Problem darin liegt, zu erklären, warum OS/2 und Xenix nicht miteinander konkurrieren.

Die in der Unix-Gemeinschaft vertretene Meinung darüber ist, daß dieses Problem sich nie lösen läßt, weil die beiden eben doch miteinander konkurrieren. Man glaubt, das Problem würde höchstens noch angeheizt durch die Tatsache, daß OS/2 zunehmend die Merkmale von Xenix annimmt.

Bisher ist die IBM der größte Einzelkunde von Microsoft. IBM wirbt für OS/2 für ihre Personal System/2-Produkte und selbst, wenn dies nicht der Fall wäre, hätte die Firma bereits ihre eigene Unix-Version - AIX. IBM hat bekanntgegeben, daß AIX in absehbarer Zeit auf sämtlichen Produkten laufen wird, vom PS/2 bis zum Mainframe. Daher, so erzählt man sich, kann es sich Microsoft nicht leisten, Xenix zu weit voranzutreiben, da man es sonst als Konkurrenz von OS/2 ansehen würde.

SCO sieht Xenix als OS/2-Alternative

Wenn die öffentliche Meinung richtig liegt, so würde sie in der Unix-Gemeinschaft verbreitete Meldungen erklären, aus denen hervorgeht, daß die Santa Cruz Operation, Inc (SCO) mit Firmensitz in Santa Cruz, Kalifornien, die Führerrolle über Unix übernommen hat. SCO ist die von Microsoft autorisierte zweite Quelle für Xenix. Die Gesellschaft hat Xenix in Richtung des AT&T-Lagers geschoben, und zwar als Alternative zu OS/2.

Der Grund, aus dem Unix wieder wichtig geworden ist, ist also die Tatsache, daß Unix-Anbieter - und Unix-Rivalen - sagen, sie sähen eine Chance für Unix, die Bürowelt zu dominieren. Sie behaupten, es eröffneten sich Möglichkeiten auf 32-Bit-Personal-Computern, während OS/2 noch immer in den Geburtswehen liege.

"Wir glauben, der zentrale Punkt sind die Bürosysteme", sagte Suns Woo. "Deshalb wird Unix mit OS/2 zusammenstoßen. Wir glauben, daß Unix OS/2 aus dem Rennen schlagen kann, die Schlüsselrolle jedoch spielen die Anwendungen." Er sagt außerdem voraus, daß innerhalb von 18 Monaten auf Sparc basierende Bürosysteme erhältlich sein werden, die mit 386-PCs und PS/2 konkurrieren werden.

Legitime Option für den Mainframe

"OS/2 betrifft viele Leute", sagt Herb Gepner, Verantwortlicher für den Software-Bereich bei der Marktforschungsfirma Datapro Research Corp. in Delran, New Jersey. "Es ist nicht klar, wie es mit OS/2 weitergeht. Unix, andererseits, ist eine bekannte Größe."

"Dem stimme ich zu", sagt Eric Miles, Vizepräsident von Systemsoftware bei Amdahl Corp. in Sunnyvale, Kalifornien. "Es wird einen Kampf um die Bürosysteme geben, der in einen Minicomputer-Kampf münden wird. Am Ende wird Unix als die legitime Option für den Mainframe dastehen."

Kurz gesagt: Unix rutscht die Preiskurve der 32-Bit-Prozessoren hinunter. Plötzlich hat es die Chance, Erbe von MS-DOS zu werden.

Es ist noch immer unsicher, ob Unix es schaffen wird, den Thron zu besteigen, der so lange für OS/2 reserviert wurde. Woo empfiehlt deshalb "Augen und Ohren offen zu halten. Es kommen interessante Zeiten auf uns zu."