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10.11.1995

"Der Markt respektiert keine proprietaeren Systeme" CW: Was verlangen Unternehmen von Standardsoftware?

Baan: Frueher tendierten die meisten Kunden dazu, zuerst ihre Geschaeftsprozesse neu zu gestalten und sich erst dann nach Technologien umzuschauen, mit denen sie diese Veraenderungen realisieren konnten. Heute suchen Anwender nach Fertigprodukten, die ihnen helfen oder die sie sogar zwingen, ihre Prozesse zu reorganisieren. Das verschiebt den Fokus von der extremen Funktionalitaet auf die Dauer der Einfuehrungszeit. Schnelle Implementierung erlaubt nicht nur die Amortisierung der Software- Investition in kurzer Zeit, sondern ermoeglicht es dem Unternehmen auch, schneller mehr Geld zu verdienen. Laesst sich die Auftragsbearbeitung um 50 Prozent beschleunigen, der Lagerbestand um 60 Prozent reduzieren und der Kundenservice um 99 Prozent verbessern, dann koennen die Systemkosten ruhigen Gewissens als Peanuts betrachtet werden.

CW: Wie stellen Sie kurze Einfuehrungsphasen sicher?

Baan: Jedes Produkt hat charakteristische Eigenschaften. Wenn Sie ein Auto erwerben, akzeptieren Sie viele dieser Charakteristika, legen aber grossen Wert auf die Dinge, die Sie zusaetzlich kaufen koennen, um dem Auto die gewuenschten Eigenschaften zu geben. Dasselbe gilt fuer Software. Die Konfiguration kann man bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Um das moeglichst einfach zu gestalten, geben wir dem Kunden "Templates" an die Hand, in denen die Geschaeftsregeln und -verfahren enthalten sind. Damit lassen sich fruehere, erfolgreich verlaufende Implementierungen bei weiteren Betriebsstaetten oder neuen Kunden schnell wiederholen.

CW: Versucht Baan, sich auf diese Weise von seinen Wettbewerbern SAP und Oracle abzugrenzen?

Baan: Das sind nicht unsere eigentlichen Gegner. Beim Kunden konkurrieren wir zunaechst gegen Maschinen und Beton, die aus dem gleichen Topf finanziert werden wie Informationssysteme. Es ist sehr schwer, einen Manager davon zu ueberzeugen, in Software zu investieren, der sich mit Maschinen und Gebaeuden besser auskennt. Erst wenn wir mit ihm ueber Software reden, koennen wir zeigen, dass unser Produkt weniger kostet und schneller einzufuehren ist als die von SAP oder dass es flexibler ist als Oracle.

CW: Unterscheiden sich die Geschaeftsregeln in den USA und Europa?

Baan: Ob es Unterschiede gegeben hat, spielt keine Rolle mehr, weil sich alles hin zu einem weltweiten Ansatz veraendert. Deshalb bestand die wichtigste Herausforderung fuer uns darin, eine globale Perspektive zu entwickeln.

CW: Welche Rolle spielt der Client-Server-Ansatz?

Baan: Der Markt respektiert keine proprietaeren Systeme mehr. Die Anwender wollen einfach einsetzbare Client-Server-Loesungen. Ausserdem eignen sich C/S-Systeme fuer Unternehmen besser, die sich einem Business-Re-Engineering-Prozess unterziehen. Ohne C/S wird Re-Engineering zum Himmelfahrtskommando. Heute muss ein Unternehmen in der Lage sein, Information ueberall dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird - und sie wird ueberall benoetigt.

CW: Ueberall?

Baan: Wir reden nicht mehr ueber Megabytes oder Gigabytes, heute reden wir von Terabytes an Informationen. Und das birgt Probleme: Wir haben zu viele Informationen! Die Frage muss also lauten: Ist die verfuegbare Information relevant?

CW: Welcher Unterschied besteht zwischen Daten und Informationen?

Baan: Viele betrachten Information als Summe von Daten (output of data), ich definiere sie als Input fuer Entscheidungen.

CW: Was hat das mit dem von Ihnen propagierten Money Ressource Planning (MRP III) zu tun?

Baan: Informationen stimulieren Geschaeftsprozesse. Wir koennen mit ihrer Hilfe den Geschaeftsverlauf simulieren und auf diese Weise erkennen, was verschiedene Methoden bringen. MRP (Material Requirement Planning) und MRP II (Manufacturing Resource Planning) stellen Algorithmen und Datenstroeme zur Verfuegung, mit denen sich Funktionen planen lassen. MRP III laesst sich als Simulations-Tool fuer das Gesamtgeschaeft verwenden. Es benutzt alle Informationen und verfuegbaren Ressourcen fuer einen Management-Ansatz, der alte Denkstrukturen in Frage stellt.

Mit Jan Baan, dem Gruender und Chef des gleichnamigen Softwareanbieters sprach Tom Inglesby von der CW- Schwesterzeitschrift "Computerworld".