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12.02.1993 - 

Thema der Woche / Anwender ziehen das neutrale TCP/IP dem proprietaeren IBM-Protokoll vor

Der Markt widersetzt sich dem APPN-Diktat Big Blues

Die Produktpolitik von IBM ist nicht mehr zeitgemaess", beklagt Lothar Hirschbiegel, DV-Leiter der AMP Deutschland GmbH, exemplarisch fuer viele blaue Anwender den Status quo. Obwohl die DV-Landschaft von AMP, dem weltweit groessten Anbieter von Steckverbindern, stark SNA-gepraegt ist, spielt APPN als Loesungsansatz in den Planungen Hirschbiegels keine Rolle. "Das Protokoll APPN kommt viel zu spaet, der Zug in diese Richtung ist laengst abgefahren", kritisiert der Experte und meint, IBM habe die Entwicklung neuer Konzepte, zum Beispiel Client-Server-Computing, voellig verschlafen.

Aus ihrem Dornroeschenschlaf scheinen die Verantwortlichen in Armonk immer noch nicht aufzuwachen. Obwohl der Einbruch im Host- Geschaeft sowie der Trend zu verteilten, heterogenen Systemen laengst Realitaet sind, ist der Glaube in die eigene proprietaere Konzeption und in die Hoerigkeit der Anwender ungebrochen.

Anders ist der Inhalt von Networking Blueprint kaum zu deuten, den Petra Borowka, unabhaengige Unternehmensberaterin und IBM-Spezialistin, salopp als "Wischiwaschi hoch drei" bezeichnet. Big Blue habe sich mit dem Strategiepapier ihrer Meinung nach alle Tueren offengehalten, biete den Kunden aber keine Orientierungshilfen fuer die Zukunft.

Zum gegenwaertigen Zeitpunkt wissen die IBM-Anwender nur eines genau: Die streng hierarchische Struktur von SNA soll durch APPN aufgebrochen werden. Kuenftig soll zur Nutzung von Client-Server- Applikationen nicht mehr die Intervention des Hosts noetig sein, sondern Desktops koennen auf Basis von APPN und der darauf aufsetzenden High-Level-Protokolle LU6.2/APPC miteinander kommunizieren, sofern im Server statt IPX oder Netbios APPC implementiert ist.

Soweit die gute Nachricht, jetzt zur schlechten: APPN verkoerpert wieder nur eine proprietaere IBM-Spezifikation, die derzeit innerhalb der SNA- und SAA-Welt mangels Software nur bedingt einsetzbar ist und im Vergleich zu anderen routbaren Protokollen wie TCP/IP und IPX/SPX Maengel aufweist. Das Verfahren modifiziert zwar das veraltete SNA-Routing, laesst aber so wichtige Features wie End-to-end-Session-Addressing sowie Adaptive Routing vermissen. Im Klartext heisst das: Beim Zusammenbruch einer Verbindung sucht APPN keine Ausweichmoeglichkeit, und ausserdem gehen die Informationen der Session verloren.

Trotzdem muss APPN der diesbezueglich wenig verwoehnten IBM- Klientel, gemessen an dem bisher machbaren in der SNA-Welt, wie eine Revolution vorkommen. Aufgrund des halbdynamischen Routings entfaellt naemlich die manuelle Konfiguration der statischen, traditionellen VTAM-Routing-Tabellen im Host. Durch das Routing- Verfahren verstaendigen sich die Steuereinheiten und Front-end- Prozessoren kuenftig automatisch ueber die beste Verbindung, ohne dass der Grossrechner noch den Weg initiieren muss. Bis dato funktioniert dieses Procedere allerdings nur mit den Systemen AS/400, PS/2 und der Steuereinheit 3174. Informationen der IBM Deutschland GmbH zufolge soll die APPN-Software "ACF/VTAM 4.1" fuer MVS/ESA-Grossrechner, die schon fuer Anfang des Jahres angekuendigt war, jetzt Mitte 1993 auf den Markt kommen.

Mother Blue ist aus zwei Gruenden gut beraten, wenigstens dieses Auslieferungsdatum einzuhalten. Erstens sind ohne "ACF/VTAM" 3270- Terminal-Host-Applikationen ueber das Routing-Verfahren APPN nicht moeglich, kann also die immer noch breite Masse der 3270-Terminals nicht in die APPN-Strategie integriert werden. Zweitens droht eine Vielzahl von Netzadministratoren, auf das offene Protokoll TCP/IP umzusteigen, weil das Vertrauen in die herstellerspezifischen Announcements Big Blues und deren terminliche Einhaltung mehr und mehr schwindet.

"Wer soll denn an die APPN-Strategie glauben, wenn grosse, vor Jahren gemachte Ankuendigungen im Zuge von SAA und Officevision heute noch auf eine Realisierung warten lassen oder sich als Flop erwiesen haben?" stellt Horst Schaefers, Leiter des Bereiches Kommunikationstechnik der West LB in Duesseldorf, die Glaubwuerdigkeit IBMs in Frage. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die Bank schon vor Jahren begonnen, sich sukzessive aus der blauen Welt zurueckzuziehen und setzt heute nur noch im Grossrechnerbereich zur Haelfte IBM-Maschinen ein. Schaefers ist froh, diese Entscheidung bei der West LB mitbetrieben zu haben. In Sachen IBM ist fuer ihn nur noch die Host-Schnittstelle relevant, nicht aber APPN, das, so der Insider, nichts anderes sei als ein IBM- spezifisches Protokoll fuer die interne blaue Welt.

Mit dieser Feststellung steht Schaefers nicht allein. "APPN ist ein proprietaeres Protokoll", erklaert auch der Netzwerk-Manager einer grossen, in Hamburg ansaessigen Krankenversicherung, der anonym bleiben moechte. Tatsaechlich ist APPN das Resultat einer von der Mainframe-Company seit jeher halbherzig betriebenen LAN- Politik, die mit dem Protokoll-Stack Netbios zu Zeiten eingeleitet wurde, "als die LAN-Welt", so Beraterin Borowka, "fuer Big Blue noch etwas Schmuddeliges war, womit man nichts zu tun haben wollte". Netbios wurde von den "IBM-Architekten" deshalb auch die Zuordnung zur geheiligten SNA-Welt verwehrt, ein Schicksal, das zunaechst auch der Token Ring teilte. Die Netzwerktopologie musste lang allein als Basis (Schicht 1 und 2fuer Netbios herhalten und wurde erst in SNA aufgenommen, als in Armonk die Erkenntnis reifte, dass sich LANs nicht laenger aus SNA ausgrenzen lassen.

Die Entwickler begannen daraufhin, die Host- und LAN-Welt schrittweise zusammenzufuehren,

indem die Steuereinheiten und Front-end-Prozessoren durch Token- Ring-Interfaces LAN-faehig gemacht wurden und das ungeliebte TCP/IP Aufnahme in die IBM-Betriebssysteme MVS, OS/2 und AS/400 fand. Anstatt aber TCP/IP gleich als Transportprotokoll sowohl SNA- intern als auch extern zu Multiprotokoll-Netzen zu verwenden, haben sich die Strategen fuer das bereits 1986 aus der Taufe gehobene, keineswegs so effiziente APPN entschieden, in der Annahme, es als Industriestandard durchsetzen zu koennen.

Ein weiterer Grund fuer diese Entscheidung ist Borowka zufolge die bereits in APPN gesteckte Manpower. Die Expertin: "SNA ist leichter auf APPN aufzusetzen, waehrend die Portierung von SNA auf TCP/IP oder ISO-Routing viel mehr Aufwand erfordert haette." Obwohl IBM in Zeitdruck geraten ist, waere es nicht nur nach Ansicht der Unternehmensberaterin besser gewesen, SNA-Anwendungen gleich auf einer TCP/IP-Socket-Schnittstelle aufzusetzen.

"Warum entwickelt IBM wieder eine eigene Spezifikation neben den X.-Schnittstellen, anstatt TCP/IP zu nehmen?" fragt sich auch Baenker Schaefers, der nur eine Antwort auf seine Frage weiss: "Die IBM will mit Gewalt ihre proprietaeren Produkte durchsetzen."

Die Chefetage in Armonk hat mit ihrem Versuch, APPN als offenen Standard zu verkaufen, die Rechnung bisher jedoch ohne die Anwender und Drittanbieter gemacht. Die Kalkulation, durch horrende Lizenzgebuehren fuer die Network-Node-Spezifikationen von APPN die Entwicklungskosten zu amortisieren und das Protokoll als internationalen Standard zu etablieren, ging bislang jedenfalls nicht auf. Mit Ausnahme einiger "IBM-Partner" wie Novell, Apple, SNI und 3Com, die keine Lizenzgebuehren bezahlt haben, lehnen zahlreiche andere Hersteller die Lizenzierung vehement ab. Sie haben unter Regie von Router-Marktfuehrer Cisco eine Gegenoffensive gestartet. Mit "Advanced Peer-to-peer-Internetworking" (APPI) will das Konsortium eine eigene "offene" Loesung auf den Markt bringen. Die APPI-Protocol-Stacks sollen dabei die Verbindung von APPN- Nodes ueber TCP/IP-Backbones gewaehrleisten, ohne dass die APPN Network Nodes vollstaendig auf den Routern implementiert werden muessen.

Cisco hat sich extra zu diesem Zweck mit Gerard Rousset, European IBM Market Manager Cisco Systems, einen Insider eingekauft, der 22 Jahre fuer IBM arbeitete, auch im Entwicklungsstab fuer APPN. Nach Meinung Roussets bleibt dem angeschlagenen Multi gar keine andere Wahl, als den APPN-Quellcode kostenlos oder zu niedrigen Lizenzgebuehren zur Verfuegung zu stellen. "Wird APPN eine Totgeburt, stirbt auch SNA", prophezeit der Ex-IBMer, fuer dessen frueheren Broetchengeber es schon "fuenf nach zwoelf" sei. Das Ende von SNA wuerde aber nicht gleichzeitig das Aus aller Applikationen bedeuten, weshalb, so der Manager, auch weiterhin ein 3270-Markt fuer Router vorhanden sei.

Die Alternative APPI ist allerdings ebenfalls mit Vorsicht zu geniessen. "APPI ist ein hochgestochenes Kuerzel fuer eine platte Technik", warnt Internetworking-Spezialistin Borowka, weil Cisco nichts anders tue, als APPN in TCP/IP einzupacken und nach diesem Verfahren zu routen. Dieser Modus geht auf

Kosten der Performance. Audem benutzt Cisco ein eigenes Protokoll als Basis und ist daher, so Borowka, "genauso proprietaer wie IBM".

Insider sind sich sicher, haette der Brachenriese APPN fruehzeitig offengelegt, waeren vermutlich

alle Router-Hersteller laengst auf das Protokoll eingeschwenkt. Mit der Machtfuelle von IBM, nach Belieben einen Standard zu setzen, scheint es vorerst jedoch vorbei zu sein, auch wenn das 1974 eingefuehrte SNA weltweit das am haeufigsten genutzte WAN-Protokoll ist. Marktforscher gehen von ueber 50 000 SNA-Netzwerken aus - kein Wunder also, dass die Router-Produzenten in dieser gigantischen installierten Basis ein lukratives Geschaeft wittern.

Sie profitieren von dem Trend der SNA-Anwender hin zu Router- basiertem Internetworking, um sich insbesondere Wege zu lokalen Netzen zu ebnen. In den Geraeten werden durch Encapsulation- Verfahren (Tunneling process) nicht Routing-faehige Protokolle bevorzugt in TCP/IP umgewandelt und so durch das SNA-Backbone geleitet. APPN stellt dagegen zum momentanen Zeitpunkt lediglich ein auf Teile von SNA begrenztes Routing-Verfahren dar, dem es vor allem an Applikationen fehlt. Mit jedem Tag, den die IBM zoegert, die Spezifikation offenzulegen beziehungsweise gegen guenstige Lizenzgebuehren anzubieten, sinken die Chancen von APPN, weil es nicht in die Produkte der opponierenden Hersteller implementiert wird und sich nicht durch Multiprotokoll-faehige Netzwerke routen laesst.

Mit der Absichtserklaerung, andere Transportprotokolle wie OSI, TCP/IP, IPX sowie das eigene Netbios erst spaeter durch APPNi sowie APPNii zu unterstuetzen, treibt die IBM ihre Klientel geradewegs in die Arme von TCP/IP. Der herstellerunabhaengige De-facto-Standard hat im Zuge der verteilten Datenverarbeitung und intelligenten Desktops einen Siegeszug ohnegleichen angetreten und sich in Sachen LAN-Connectivity fest etabliert.

Fuer TCP/IP spricht ausserdem, dass es auf nahezu jeder Plattform laeuft, im Gegensatz zu APPN Tausende bewaehrte Applikationen auf dem Markt sind und deshalb die Akzeptanz beim Anwender sehr hoch ist. Schaetzungen der Analysten zufolge werden bereits jetzt in einem Fuenftel der weltweit installierten SNA-Netze LANs ueber TCP/IP integriert und mit Bridging und Routing gearbeitet. Beobachter raeumen aufgrund der Offenheit von TCP/IP und der international bereits mehr als 18 000 TCP/IP-WANs auch den angekuendigten verbesserten APPN-Versionen keine nennenswerten Marktchancen ein. APPN kann ihrer Ansicht nach TCP/IP an Funktionalitaet niemals ueberfluegeln, weil das Protokoll staendig einer raschen und vielseitigen Weiterentwicklung durch die Anwender unterworfen ist.

Big Blue hat sich deshalb mit der Entscheidung, SNA anstelle von TCP/IP auf APPN aufzusetzen, einen Baerendienst erwiesen. Daran aendert fuers erste auch die juengst von Ellen Hancock eilig unter dem Druck des Marktes gemachte Ankuendigung nichts, APPN und SNA staerker fuer TCP/IP zu oeffnen, um das Routing von SNA-Applikationen ueber TCP/IP-Netze zu ermoeglichen. Das Interesse der Netzverantwortlichen richtet sich, das zeigt das Verhalten der Anwender, eindeutig auf den Weltstandard TCP/IP.

"Ich bin von TCP/IP begeistert", gibt DV-Leiter Hirschbiegel zu, "weil es das am besten standardisierte und unter den Herstellern verbreitetste Verfahren ist". Der DV-Chef schaetzt vor allem, mit TCP/IP pragmatisch an die Verbindung unterschiedlicher Systeme herangehen zu koennen. Mit "TCP/IP fuer MVS" hat er bereits die Workstations des autonomen CAD-Netzes in seine SNA-Landschaft eingebunden und moechte jetzt auch die Client-Server-basierte Betriebsdatenerfassung sowie Fabrikationssteuerung auf diese Weise integrieren. "Das ist zwar nur eine Kruecke, funktioniert aber", bewertet Hirschbiegel die Loesung und glaubt, damit auch eine Gateway-Funktionalitaet zu haben, auf der aufgesetzt werden koenne.

Bei der LVM-Versicherung in Muenster bruetet derzeit eine Arbeitsgruppe ueber Moeglichkeiten, die SNA-Welt des Unternehmens zu oeffnen. Obwohl die Ergebnisse noch nicht vorliegen, steht fuer DV- Leiter Alois Lutz eines im Vorfeld bereits fest: TCP/IP wird in das SNA-Netz Einzug halten.

In die gleiche Richtung gehen die Ueberlegungen der Hamburger Krankenversicherer. Dort sollen im Lauf der naechsten fuenf Jahre LAN-WAN-LAN-Verbindungen geschaffen werden, ueber die sich sowohl IBM- als auch andere Routing-Loesungen in die Tat umsetzen lassen. Mittelfristig, so die Planung, werden maechtige Subsysteme mit Mach- oder RISC-Prozessoren die Grosssysteme abloesen und nur noch Routing-faehige Protokolle wie TCP/IP und IPX/SPX ueber das transparente Netzwerk gefahren.

In der gegenwaertigen Systemumgebung spielt APPN dem Netz-Manager der Krankenkasse zufolge nur eine untergeordnete Rolle, weil die Anwendungen auf die 3270-Welt abgestimmt sind. Das IBM-Verfahren werde aber, so der Informant, fuer das Unternehmen relevant, sobald die Umstellung der 3270-Bildschirme in Richtung SAA-Philosophie erfolge. "APPN hat den Vorteil, auf die Schnelle Peer-to-peer- Kommunikation realisieren zu koennen, ohne eine physische Konfigurationsaenderung durchfuehren zu muessen", erklaert er. Durch APPN seien in einer Uebergangszeit alte Anwendungen weiter nutztbar, waehrend neue Applikationen beispielsweise fuer Buerokommunikation, Filetransfer, E-Mail, Edifact und Sprache bereits implementiert werden koennten.

Trotz der Absicht einiger Unternehmen, APPN in ihrer SNA-Umgebung anzusiedeln, rechnen Marktforscher nicht mit einer raschen Verbreitung des IBM-Verfahrens. Bis 1995, so ihre Prognose, werde APPN maximal in jedem zehnten SNA-Netzwerk zum Einsatz kommen.

Proprietaere Loesungen wie APPN scheiden dagegen fuer die West LB generell aus. "Wir sind nicht mehr bereit, Systeme und Loesungen zu betreiben, die keine offenen Schnittstellen bieten", erklaert Netzspezialist Schaefers die Strategie seines Hauses und raet IBM dringend, sich gaengigem Standard zu oeffnen. Nach dem Motto "Friss oder stirb" koenne IBM, so Schaefers, den muendigen Anwender heute nicht mehr ueberzeugen. Das Unternehmen stehe vor dem Problem, dass die Funktionalitaet der Produkte zwar gut sei, den User in der Nutzung aber sehr einschraenke.

Als Hypothek erweist sich fuer Big Blue jetzt die Existenz so vieler unterschiedlicher, nur schwer kombinierbarer Systeme in der Produktpalette. Bei aller Kritik, so Consultant Borowka, muesse IBM aber zugute gehalten werden, den Kunden immer Abwaertskompatibilitaet geboten zu haben. "Deshalb sind viele Anwender bei IBM geblieben", resuemiert sie und sieht die einzige Chance des Mainframers ebenfalls in offenen Standards.

"Die IBM wird nur dann aus der Krise kommen, wenn sie sich oeffnet", ist auch DV-Leiter Hirschbiegel ueberzeugt. Seinen Wunsch, "mit IBM in eine offenere Umgebung hineinzuwachsen", wird er, wie es aussieht, vorerst auf Eis legen muessen. Die Chefetage in Armonk hat allem Augenschein nach nichts dazugelernt. Mit der Multiprotocol Transport Network Specification (MTNS), einem Software Layer, versucht Big Blue jetzt krampfhaft, eine weitere proprietaere Spezifikation in die Welt zu setzen. Die Gateway- Software ist nach Ansicht von Borowka eine Exotenloesung, womit "IBM durch die Hintertuer versucht, ihre SNA-Backbones zu konservieren". Nutzer von Unix-Systemen sollen mit MTNS dazu bewogen werden, SNA statt TCP/IP in Backbones zu fahren.

Angesichts solchen Eigensinns blickt auch Kommunikationsexperte Schaefers pessimistisch in die Zukunft des Konzerns. "Bekenntnisse zur Offenheit waren bei IBM meist Lippenbekenntnisse", reflektiert er und verweist auf OS/2 - seiner Meinung nach ein weiteres Beispiel gescheiterter Abschottungspolitik. Mit der Drohung, keine Bruecke mehr zu Windows anzubieten, werden die Kunden, so Schaefers, doch wieder nur abgeschreckt. Die West LB habe OS/2 deshalb schon ad acta gelegt. "Wenn Windows NT nur die Haelfte dessen haelt, was es verspricht, sehe ich keine Chance fuer OS/2 mehr", sagt Schaefers und fuegt unter Hinweis auf die derzeitigen Situation Mother Blues hinzu: "Hoffen wir nur, dass Bill Gates nicht so groessenwahnsinnig wird, wie es IBM schon war."