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21.08.1998 - 

Open-Source-Software/Aus zahllosen verschiedenen Patches entstanden

Der meistverbreitete Web-Server ist Open-Source-Software

Die Erfolgsstory von Apache begann Anfang 1995, als der NCSA-Web-Server den Markt beherrschte. Die Entwicklung dieses Produkts kam ins Stocken, als Mitte 1994 der Hauptentwickler die National Center for Supercomputing Applications (NCSA) verließ. Da der NCSA-Sourcecode jedoch frei verfügbar war, entwickelten einige Leute das Produkt in Eigenregie weiter.

Sie beseitigten zunächst in Form von sogenannten Sourcecode-Patches einige Fehler und fügten neue Funktionalitäten hinzu. Mehr und mehr Patches kamen auf diese Weise zusammen, und aus der Bezeichnung "a patchy server" entstand schließlich der Name "Apache". Es war bald unumgänglich, die Erweiterungsarbeiten zu koordinieren. Dazu schlossen sich acht der damaligen Entwickler zusammen und gründeten die Apache Group.

Im April 1995 erschien die erste Betaversion des Apache, die schon kurze Zeit später vielerorts eingesetzt wurde. Die mit zahl-reichen neuen Funktionalitäten und Verbesserungen ausgestattete Version 1.0 kam im Dezember 1995 heraus. Nicht ganz ein Jahr danach hatte der Apache den NCSA-Web-Server als meistgenutztes Produkt verdrängt.

Seitdem wurde Apache kontinuierlich weiterentwickelt und auf zahlreiche Plattformen portiert. Die aktuelle Version läuft auf nahezu jedem Unix-Derivat (Linux, Solaris, AIX, Digital Unix etc.), auf den Microsoft-Plattformen Windows NT, 95, 98, Amiga-OS und auch auf EBCDIC-Mainframes, zum Beispiel einem BS2000-OSD-System von Siemens.

Die Apache Group sieht sich in ihren Bemühungen durch die deutlich steigenden Nutzerzahlen bestätigt. Derzeit besteht die Gruppe aus 21 aktiven Mitgliedern in Kanada, England, Neuseeland, Italien, Deutschland und den USA. Zentrales Kommunikationsmedium ist eine Mailing-Liste, auf der alle Belange rund um den Apache diskutiert werden. Dort fallen insbesondere auch die Entscheidungen, welche Erweiterungen in den Apache eingebunden werden.

Ziel des Projekts ist es, eine lei- stungsfähige und zuverlässige Web-Server-Software, die auch höchsten Ansprüchen genügt, frei zur Verfügung zu stellen. Die Apache Group ist der Meinung, daß die Mittel des Web-Publishing für jeden frei verfügbar sein sollten, egal ob es sich dabei um einen Privatanwender oder eine große Firma handelt.

Es soll verhindert werden, daß eine Firma ein Monopol im Web-Markt aufbauen kann, was starken Einfluß auf die Zukunft des World Wide Web hätte und dieser Firma einen ökonomischen Vorteil verschaffen würde. Der Apache soll jedem als Referenzimplementierung zur Verfügung stehen und als Beispiel dafür dienen, daß Open-Source-Software nicht nur eine schöne Idee ist, sondern daß dieses Konzept auch erfolgreich sein kann.

Daß dieses Konzept aufgeht, zeigen die zahlreichen Beiträge der Apache-Gemeinde. Von ihnen lebt der Web-Server, egal ob es sich um Bug-Fixes, Erweiterungen oder einfach nur Anregungen und Ideen handelt. Wäre er nicht kostenlos und vor allem inklusive Sourcecode verfügbar, sähe es sicher anders aus. Denn nur die wenigsten DV-Profis dürften bereit sein, Fehler in einem Programm zu beheben, für das sie Geld bezahlt haben.

Für kommerzielle Entwickler sind die Lizenzbedingungen des Apache interessant, denn sie unterscheiden sich hauptsächlich in zwei Aspekten von anderen Lizenzvarianten für freie Software, etwa der GNU General Public License (GPL). Die Apache-Konditionen erlauben es, den Code in eigene Produkte zu integrieren beziehungsweise ein darauf basierendes Produkt kommerziell sowohl in Source- als auch in Binärform zu vertreiben. Lediglich Hinweise, daß das jeweilige Produkt auf dem Apache basiert, sind notwendig.

Die recht freizügige Lizenz soll Firmen dazu ermutigen, den Apache in kommerzielle Produkte zu integrieren oder als Basis für eigene Produkte zu verwenden. Exemplarisch sei hier auf die Firma Tenon hingewiesen, die einen auf Apache basierenden Server namens "Web-Ten" für Mac-OS vertreibt.

Erst kürzlich sorgte IBM mit der Ankündigung für Furore, ihren "Web-Sphere Application Server" zusammen mit Apache auszuliefern. Zudem will man sich an der Weiterentwicklung des Apache beteiligen und Support-Dienstleistungen für Apache-Anwender anbieten.

Die Apache Group bietet ihrerseits keinen direkten Support an, jedoch lesen die meisten Mit- glieder und zahlreiche andere Apache-Nutzer regelmäßig die relevanten Usenet-Newsgruppen, so daß selbst ausgefallenste Anfragen selten unbeantwortet bleiben.

Von der Support-Problematik abgesehen, haftet an freier Software oftmals das Vorurteil, daß es sich nur um Nischenprodukte handle und es mit dem Funktionsumfang auch nicht weit her sein könne. Apache beweist das Gegenteil, denn mit seinem enormen Funktionsumfang braucht er sich keinesfalls hinter anderen Web-Servern zu verstecken.

Durch ein modulares Konzept läßt sich Apache leicht um zusätzliche Funktionen erweitern, denn im Basisprodukt sind bereits eine Vielzahl von Modulen für die verschiedensten Anwendungsgebiete enthalten. Das reicht von Protokollierungsfunktionen und Zugriffskontrolle (zum Beispiel Paßwortschutz) über dynamische Erzeugung von Web-Seiten und URL-Manipulationen bis hin zu User-Tracking und (Reverse-)Proxy-Unterstützung.

Für Windows-Anwender dürfte noch das ISAPI-Modul interessant sein, das die Verwendung von Internet-Server-Applikationen erlaubt.

Unterstützung für Active Server Pages (ASP) bietet Apache zwar noch nicht, aber es gibt zahlreiche Alternativmodule, die ähnliche Funktionalitäten besitzen. Populärstes Beispiel ist das frei erhältliche PHP-Modul, dessen hervorstechendstes Merkmal die einfache dynamische Integration und Verarbeitung von Datenbankausgaben in Web-Seiten ist. Unterstützt werden dabei die meisten bekannten kommerziellen und freien Datenbanksysteme, etwa Oracle, Sybase, My SQL, Adabas oder Datenbanken mit ODBC-Schnittstelle.

Die meisten verfügbaren Zusatzmodule sind zentral in der Apache Module Registry erfaßt und größtenteils kostenlos verfügbar. Es gibt beispielsweise zahlreiche spezielle Authentifikations- oder Script- respektive Interpreter-Module für diverse Programmiersprachen, etwa für Java, Javascript, Perl, Python oder TCL. Die "Microsoft Frontpage 98 Server Extensions" sind ebenfalls für Apache zu bekommen.

Auch wenn SSL-Unterstützung benötigt wird, beispielsweise wenn es um Electronic Commerce geht, ist der Apache eine gute Wahl. Aufgrund der US-Exportrestriktionen gegen kryptografische Software bietet die Standardver- sion des freien Web-Servers keinerlei SSL-Unterstützung. Allerdings läßt er sich durch ein frei verfügbares Modul beziehungsweise einen Patch um diese Funktionalität erweitern.

Für die zusätzliche Arbeit wird der Anwender mit einem Web-Server belohnt, der mit wirklich starker 128-Bit-Verschlüsselung arbeitet und damit die - für sicherheitsempfindliche Anwendungen unzureichenden - 40-Bit-Varianten der Konkurrenten übertrumpft. Zudem ist man für die Zukunft gerüstet, denn es wird bereits das Protokoll Transport Layer Security (TSL), der Nachfolger von SSL, unterstützt.

Als kommerzielle Alternative steht der auf dem Apache-SSL basierende "Stronghold"-Server von C2Net Software zur Verfügung. Beim Thema Server-Zertifikat hat man relativ freie Wahl, was die Zertifizierungsinstanz anbelangt. Denn entsprechende Zertifikate für Apache-SSL und Stronghold sind mittlerweile von den meisten Zertifizierungsinstanzen, etwa Verisign oder Thawte, zu bekommen.

In Sachen kommerzieller Web-Server-Applikationen finden sich zwar einige Firmen, die ihre Produkte als natives Apache-Modul anbieten - etwa Live Software mit "Java Servlet Engine JRun Pro" oder Allaire mit "Cold Fusion" - aber ansonsten sind die meisten Firmen diesbezüglich noch eher zurückhaltend. Vielleicht kann die dieses Jahr erstmals stattfindende "Apachecon 98" dazu beitragen, diese Zurückhaltung etwas abzubauen.

Die Apache-Konferenz ist auf den 14. bis 16. Oktober in San Franzisko festgesetzt. Sie soll Anwendern und Entwicklern die Möglichkeit geben, mehr über den Apache zu erfahren sowie mit den hinter dem Apache stehenden Leuten in Kontakt zu treten. Die Konferenzthemen sind dynamische Erzeugung von Web-Seiten, Performance-Tuning, Sicherheitsaspekte sowie Fallstudien über E-Commerce, Datenbankanbindung etc.

Wie die Zukunft von Apache genau aussehen wird, läßt sich schwer abschätzen, aber eines ist sicher: daß der Web-Server kontinuierlich weiterentwickelt werden wird, damit er auch künftig als Referenzimplementierung dienen kann. Aufgrund der steigenden Akzeptanz des Produkts oder - besser gesagt - von Open-Source-Software allgemein ist anzunehmen, daß sich auch im kommerziellen Umfeld etwas tun wird.

Es dürften mehr Produkte und Applikationen herauskommen, die Apache unterstützen oder auf ihm basieren.

Abstract

Die Ankündigung der IBM, ihren Web-Sphere Applikation Server" zusammen mit Apache auszuliefern, hat kürzlich für Furore gesorgt. Es war der Ritterschlag für ein Proddukt, das sich ohne Marketing-Getäse zum weltweit meistgenutzten Web-Server gemausert hat. Damit wurde Apache zu einer der Vorzeigeapplikationen aus dem Bereich Open-Source-Software. Der Autor schildert die Geschichte, den aktuellen Stand und die absehbare Zukunft der Entwicklung.

Lars Eilebrecht, Kreuztal bei Siegen, ist Mitglied der Apache Group und Autor des Buchs "Apache Web-Server (ITP)".