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04.06.1982

Der Mikro mausert sich zum Favoriten der Softwareentwickler

Der Kleincomputerboom hat auch vor den Programmierern nicht haltgemacht. Immer mehr Softwareentwickler steigen auf die preiswerten Mikros um. Vor allem die besseren Betriebssystemfunktionen rechtfertigen nach Meinung von Sodecon-Chef Reinhold Thurner den Trend zu den Rechnerzwergen als Hilfsmittel zur Programmentwicklung. In dasselbe Horn stößt auch Beratungsprofi Dieter Heyde: "Flexibilität in der Hardwareanpassung" und "Optimale Arbeitsbedingungen" seien potente Faktoren, die den verstärkten Einsatz der Mikros rechtfertigen. Als eines der Hauptprobleme sehen DV-Kritiker indes die Softwarekonstruktion außerhalb des "Zielrechners" an. Einen weiteren Vorbehalt hat Dieter Hallauer von der Frankfurter Mikro-Schmiede Fortune: "Fehlende Kompatibilität ist noch immer eines der größten Probleme bei der Anwendung von Mikros in der Programmentwicklung ".

Dieter Heyde Geschäftsführer der Heyde & Brandt GmbH, Bad Nauheim

Programmentwicklung auf einem dedizierten Mainframe (IBM 4331) hieß vor knapp zwei Jahren unsere Entscheidung. Ist diese Entscheidung heute angesichts der ständig steigenden Leistungsfähigkeit von Mikrocomputer-Systemen revisionsbedürftig?

Um diese Frage zu beantworten, muß man zunächst einen Blick auf die Vorteile von Mikrocomputersystemen für die Programmentwicklung werfen:

- Kostengünstige Hardware: Mit 14 aktiven Bildschirmarbeitsplätzen ist unser System nahezu voll ausgelastet. Das ergibt eine Hardwareinvestition von etwa 40 000 Mark pro Arbeitsplatz. Dem stehen 15 000 bis 20 000 Mark je Mikrocomputer-Arbeitsplatz gegenüber.

- Flexibilität in der Hardwareanpassung: Bei wachsender Entwicklungsmannschaft kann die Hardwareausstattung der Arbeitsplätze nahezu stufenlos angepaßt werden. Es entstehen keine sprungfixen Kosten und keine Leistungssprünge.

- Optimale Arbeitsbedingungen: Die Mikrocomputersysteme sind so konfigurierbar, daß dem Programmierer optimale Antwortzeiten am Terminal und hervorragende Turn-around-Zeiten für Umwandlungen und Tests geboten werden - unabhängig von der jeweiligen Belastung des Großrechners.

- Komfortable Systemfunktionen: Die Möglichkeiten und Funktionen in Mikrocomputer-Betriebssystemen (insbesondere UNIX) kommen den Anforderungen der Entwicklungsarbeit sehr entgegen.

Doch neben diesen Vorteilen muß eine Reihe von Problemen gesehen werden, die dem erfolgreichen Einsatz von Mikrocomputern in der Programmentwicklung entgegenstehen. Diese Probleme sind in den einzelnen Projektphasen sehr unterschiedlich.

- Konzeption (Entwurf und Beschreibung der Anwendungsfunktionen und des EDV-Konzepts): In dieser Phase wird der Entwicklungsrechner im wesentlichen als Test-Editierungs- und -ausgabesystem benutzt. Die im MC-Betriebssystem standardmäßig vorhandenen Funktionen unterstützen diese Tätigkeiten wirkungsvoll, besondere Probleme sind nicht zu erwarten.

- Feindesign (bis zur codierreifen Programmvorgabe): Weitgehend gilt das für die Konzeption Gesagte; sollen jedoch Arbeitsergebnisse aus gemeinsamen Bibliotheken abgerufen oder dort abgelegt werden, ist - bei Einsatz mehrerer MC-Systeme - bereits ein höherer technischer und Koordinationsaufwand erforderlich.

- Programmierung (bis zur fehlerfreien Umwandlung): Quellencode-Editierung ist problemlos. Seitdem auch für MC-Systeme Cobol-Compiler mit nahezu vollem ANSI-74-Sprachumfang verfügbar sind, sollte auch eine erste Umwandlung eines Programmes auf dem MC-System möglich sein.

- Test von Programmen: Aufgrund von Unterschieden im Data-Management, in der Zeichendarstellung (ASCII-EBCDIC) und der unterschiedlichen Umsetzung von einigen Cobol-Befehlen in Maschinenbefehle, erscheint der Test von Programmen derzeit noch nur auf der Zielmaschine, also dem main frame, sinnvoll. Sollen die Tests als reine Batch-Tests durchgeführt werden, so sollte der Mikrocomputer mindestens als RJE-Terminal mit dem Host kommunizieren können (für IBM zum Beispiel: 3780 Prozedur). Soll interaktiv getestet werden, ist es erforderlich, daß der Mikrocomputer auch als Dialog-Terminal betrieben werden kann (für IBM zum Beispiel: 3270-Prozedur).

Ergebnis: Soweit der Mikrocomputer in der Systementwicklung als Editierungs- und Bibliotheksverwaltungssystem eingesetzt wird, ist er in Verfügbarkeit und Komfort dem Terminal am Großsystem überlegen. Für Umwandlung und Tests dagegen ist eine Verlagerung auf den Mikrocomputer nur sehr begrenzt und gegebenenfalls unter hohen Infrastrukturaufwendungen möglich.

Dieter Hallauer

Direktor für Marketing und Vertrieb der Fortune Systems GmbH, Frankfurt

Es ist sicher noch etwas zu früh, von einer Trendwende zum Mikrocomputer im Bereich der Softwareentwicklung zu sprechen. Man darf diesen Trend allerdings erwarten, denn in jüngster Zeit wird der Bedarf an Hostunabhängigen, intelligenten und preiswerten Softwareentwicklungsarbeitsplätzen immer deutlicher.

Noch vor zehn Jahren gingen die Rohprodukte der Softwareentwicklung den langen und oft langsamen Weg alles "edv-lichen" - durch die Datenerfassung über die Arbeitsvorbereitung in den Batch.

Heute geht das wesentlich komfortabler - online über Fernleitungs- oder lokale Terminals. Die Gesamtdurchführungszeit ist damit bedeutend schneller geworden. Trotzdem ist die Begeisterung der Softwareentwickler gedämpft. Das nicht immer zufriedenstellende Antwortzeitverhalten sowie das Störverhalten der Großsysteme bei oft über 100 Online-Usern drängt die Anwender zu Alternativen. Außerdem sind schon nur wenige Stunden Rechnerkapazität so teuer, daß man für den gleichen Betrag leicht mehrere Mikrocomputer erhält. Aus dieser Sicht heraus ergibt sich eine vielversprechende Lösung durch den Einsatz von Mikrocomputern.

Auch gegen die meisten semi-intelligenten Terminals gewinnt heute fast jeder Mikro im Preis-/Leistungsverhältnis.

Die integrierten Speicherkapazitäten - heute oft schon über 10 MB Disk und Mikro-Newcomer mit nicht weniger als 1 MB Hauptspeicher sind durchaus auch für die Entwicklung und den Test umfangreicher Softwarepakete ausreichend, wobei der Vorteil der dezentralen Offline-Verarbeitung noch nicht berücksichtigt ist.

Woran liegt es also dann, daß solche Systeme im Bereich der Softwareentwicklung noch keine sehr große Verbreitung haben?

- Erstens daran, daß Mikrosysteme mit dieser Leistung erst recht neu auf dem Markt sind (Einführung der 16- beziehungsweise 32-Bit-Rechner 1979/80)

- zweitens, daß die meisten Mikrohersteller noch über keine, für den sicheren Datenaustausch geeigneten RJE- oder Netzwerkschnittstellen mit entsprechenden Protokollen verfügen, und

- drittens, daß die gängigen Mikrobetriebssysteme und die von ihnen unterstützten Compiler selten untereinander und zu anderen Systemen kompatibel sind.

Dr. Reinhold Thurner

Direktor der Sodecon AG Schwerzenbach/Schweiz

Der Großcomputer-Anwender tendiert dazu, die Minis und Mikros zu unterschätzen, während die Mini- und Mikro-Leute ihre Maschinen häufig überbewerten.

Die wichtigsten Elemente der neuen Mikros sind vor allem die besseren Betriebssystemfunktionen. Nach unseren Erfahrungen rechnen wir damit, daß in absehbarer Zeit Unix zu dem Entwicklungsbetriebssystem schlechthin wird. Unix, das von einigen Leuten bei Bell entwickelt wurde, ist das einzige wirklich benutzerfreundliche, einfache und breit portable Entwicklungsbetriebssystem. Die Mikros gestatten heute bereits den problemlosen Anschluß verschiedener Hardware.

Die Behelfslösung der Simulation einer Remotestation mit 19 200 Band führt rasch zu verstopften Leitungen. Sie wird abgelöst durch lokale Netze und Zusammenschlüsse wie sie etwa durch den Hyperchannel bereits realisiert sind.

Das größte Fragezeichen für Entwicklungsrechner-Konzepte ist jedoch nach wie vor die Konstruktion der Software außerhalb des Produktiv- oder Zielrechners. Auf dem gleichen Rechner entwickeln und testen zu können, bot bisher immer noch große Vorteile. Mit zunehmender Vielfalt der DV-Anlagen in den Unternehmen und den neueren Möglichkeiten der Softwaretools, tritt hier ein Wandel auf der Bedarfs- und der Lösungsseite ein.

Die Cross-Generierung mit einigen Softwaretoolsystemen gestattet, auf dem Entwicklungsrechner vollständig fertige Programme für andere Rechner herzustellen, sodaß auf dem Zielrechner nur mehr die Compilation und der Abschlußtest durchgeführt werden muß.

Diese Möglichkeit ist für professionelle Softwareentwickler zunehmend von Interesse, da das Anwendungswissen zunehmend wichtiger wird und die Spezialisierung auf die Anwendung bei breitem Hardwareeinsatz ein Schlüssel zum Erfolg von Softwarepaketen wird. Nicht portable Anwendungssoftware wird sich angesichts der Entwicklungen auf dem Hardwaresektor immer schwerer verkaufen lassen.