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16.04.1999 - 

IT im Maschinen- und Anlagenbau/Noch stehen bescheidene Lösungen im Vordergrund

Der Mittelstand auf dem Weg zum E-Business im Extranet

Von Sabine März* Die Maschinenbauindustrie ist im Internet vielfach vertreten. Bislang beschränken sich ihre Aktivitäten allerdings meist auf die Darstellung der Unternehmen. Das Ziel heißt dedizierte Kunden-Lieferanten-Kommunikation via Extranet.

Außenstehende dürften Maschinen- und Anlagenbauer mit den Attributen traditionsbewußt und konservativ versehen. Doch schon bei oberflächlicher Suche im Internet erweist sich die Branche als sehr präsent. Oliver Blank vom Fachverband Informationstechnik (FVIT) im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) nennt einen Grund: "Die Internationalisierung des Markts forciert E-Business im Maschinenbau."

Zu dieser Entwicklung hat nicht zuletzt der IT-Fachverband der Branche beigetragen, der das Thema frühzeitig aufgriff. Er hat beispielsweise das Forum E-Business ins Leben gerufen, in dem sich Vertreter aus IT-Unternehmen, dem Handel, Banken sowie dem Maschinenbau engagieren. Deutschlandweit wurden 24 regionale Kompetenzzentren für den elektronischen Geschäftsverkehr sowie zusammen mit den VDMA-Landesgruppen eine Workshop-Reihe ins Leben gerufen.

Leitfäden mit Praxisbeispielen sollen besonders den kleineren und mittleren Unternehmen Hilfestellung geben. Einer Studie des European Information Technology Observatory (EITO) zufolge setzten 31 Prozent aller deutschen Unternehmen E-Business ein, allerdings nur wenig kleine und mittelständische.

"Wir sprechen von E-Business und nicht von E-Commerce", betont Blank und bestimmt damit die Richtung, die künftige Internet-Engagements der Maschinenbauindustrie nehmen werden. "E-Commerce beschreibt primär die Abwicklung von Geschäften mit dem Endverbraucher. Bei uns geht es jedoch um Business-to-Business." Die Verzahnung und Optimierung von Geschäftsprozessen stünden im Vordergrund.

Noch aber geht es den Unternehmen um Web-Seiten, die nicht mehr als Informationen bereitstellen - auch im Maschinenbau erfolgt der Einstieg ins Online-Zeitalter in den gewohnten Schritten. Längst aber sind es nicht mehr nur große Konzerne, die sich und ihre Produkte im Web vorstellen. Auch mittelständische Unternehmen zeigen Flagge.

Ein exemplarischer Mittelständler ist die RMT - Rostocker Maschinenbau und Technologie GmbH & Co. (www.rmt.de). Volker Spiegelberg, Geschäftsführer des 100 Mitarbeiter starken Betriebs, erwartet sich positive Signale von der neuen Technik: "Es ist wichtig, die Möglichkeit des Daten- und Informationsaustauschs via Internet anbieten zu können."

Das Unternehmen legt den Schwerpunkt auf die Bearbeitung von Bauteilen sowie die Herstellung von Sondermaschinen, -werkzeugen und Vorrichtungen. Mit seinen Bemühungen im Internet möchte der Zulieferer neue Kooperationspartner gewinnen.

"Das eigentliche Thema ist nicht die Präsenz im Internet, um Neukunden zu gewinnen", merkt Rainer Glatz, Leiter der Abteilung Informatik und Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Software im VDMA, an: "Wichtiger ist das Extranet, also die direkte Kommunikation von Kunden und Lieferanten. Wir reden hier von Anwendungen wie Ersatzteilbeschaffung, Kundenservice, Austausch von Engineering-Informationen etc."

Die unterschiedlichen Internet-Dienste wie E-Mail, World Wide Web, File-Transfer oder Telnet bieten die verschiedensten Ansätze für eine Optimierung von Geschäftsprozessen. Elektronische Post stellt eine Alternative zu klassischen Kommunikationsmitteln wie Brief, Telefax oder Telefon dar und wird bei den Maschinenbauern bereits intensiv genutzt.

Die Amazonen-Werke H. Dreyer GmbH & Co, Hasbergen bei Osnabrück, konstatiert durch E-Mail eine starke Vereinfachung der Geschäftsprozesse, vor allem im Auslandsvertrieb in den osteuropäischen Ländern. RMT bietet seinen Kunden an, CAD-Daten als Anhang an elektronische Nachrichten über das Internet zu senden. "Kunden können uns so auch ihre Programme zukommen lassen, die wir dann verwenden", erläutert Geschäftsführer Spiegelberg.

Geschlossene Benutzergruppen werden üblicherweise im World Wide Web eingerichtet. Derartiges hat sich zum Beispiel die Rafi GmbH (www.rafi.de), Ravensburg, für das nächste Jahr vorgenommen. Man möchte ein dediziertes Forum für Händler und Vertreter einrichten und zudem den kompletten Produktkatalog als Datenbank mit Such- und Warenkorbfunktion bereitstellen. Kunden könnten so elektronisch Support bekommen, Dokumentationen online zur Verfügung stehen. Autorisierte Gruppen könnten auch Konstruktionszeichnungen oder andere spezifische Informationen einsehen.

Geht es um die Einbindung in die Geschäftsprozesse, registriert der VDMA bei den kleinen und mittleren Unternehmen allerdings noch Zurückhaltung. "Gerade für diese Firmen bieten sich hier gute Chancen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen", bemerkt Blank. Support ließe sich überregional anbieten, elektronische Kommunikation gestattet schnelle Reaktionen. Allerdings ist zuvor eine genaue Analyse von Chancen und Risiken nötig, die Lösungen müssen genau auf die Prozesse abgestimmt werden, sonst werden die Erfahrungen nicht sehr positiv ausfallen.

Für die Unternehmen bedeutet Internet-Nutzung immer Investitionen. Der FVIT hat als wesentliche Kostenfaktoren den Internet-Zugang, den Zugang zum Service-Provider, die Sicherheit, die Präsenzentwicklung und -gestaltung, den Informationszugriff, Hard- und Software, Training sowie Betrieb ausgemacht.

Laut FVIT fallen im Beispiel eines mittelständischen Unternehmens für eine Internet-Präsenz einschließlich Datenbankanbindung, Bulletin-Board und Diskussionsforum bei 500 HTML-Seiten etwa 72500 Mark Startkosten und bis zu 10000 Mark monatlicher Pflegeaufwand an. Die Ausgaben für Hard- und Software - unter anderem die Kosten für Router, die Rechner für Firewall-Software und Internet-Anwendungen sowie für sonstige Sicherheitsvorkehrungen wie Virenschutz, Authentifzierungs- und Verschlüsselungssysteme etc. - sind da nicht einmal mit eingerechnet.

E-Business-Anwendungen gibt es bereits als fertige Lösungen, wobei noch die Online-Shopping-Systeme etwa von Intershop oder INT dominieren. Für weiterführende Anwendungen wie Ersatzteilbestellung ist meist individuelle Programmentwicklung nötig. Immerhin existieren diverse Redaktions- und Autorensysteme, die von der klassischen HTML-Programmierung zum Beispiel mit "Hotmetal" bis zum grafischen Gestalten im Wysiwyg-Modus mit Tools wie "Frontpage" reichen.

Je enger Kunden und Lieferanten ans Unternehmen angebunden werden und je wichtiger und vertraulicher die übertragenen Daten sind, um so wichtiger sind Sicherheitsaspekte. RMT-Geschäftsführer Spielberg hat noch große Vorbehalte gegen eine enge Integration: "Wirklich sensitive Daten gehen bei uns bislang nicht über das Internet." Verschlüsselungstechnologien gestatten jedoch schon heute einen sicheren Datenaustausch via Internet - vorausgesetzt, es werden 128 Bit lange Schlüssel verwendet.

Kryptografie ist auch die Basistechnologie für Extranets. Zum einen erfolgt die Authentifizierung der Gegenstelle auf der Grundlage kryptografischer Verfahren, zum anderen werden die Daten selbst entsprechend verschlüsselt. Hinzu kommen digitale Signaturen, die derzeit vor allem im E-Mail-Verkehr verwendet werden. Bestellungen lassen sich damit dediziert einer Person zuordnen.

Diese Technologien erweitern die Nutzungsmöglichkeiten des Internet für E-Business. So gilt das Netz heute oftmals noch als ungeeignet für Electronic Data Interchange (EDI), obwohl es sich dem FVIT zufolge auch dafür als kostengünstiges Transportmedium nutzen läßt.

Infos zum Thema

"Leitfaden Electronic Business. Chancen für den Mittelstand." vom Fachverband Informationstechnik (FVIT) im VDMA und ZVEI: Fax: 069/66 03-15 10; E-Mail: fvitfvit-eurobit.de; Preis: 12 Mark.

Netzwerk der Initiative Kompetenzzentren Elektronischer Geschäftsverkehr zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie des Handwerks: www.ec-net.de.

Anbieter von Lösungen und Systeme für E-Business: www.fvit-eurobit.de/pages/fvit/members.html.

Angeklickt

Maschinen- und Anlagenbauer haben das Thema Internet sehr schnell aufgegriffen. Doch je kleiner die Firmen, desto größer ihre Distanz dazu, insbesondere wenn es darum geht, nicht nur Präsenz zu zeigen, sondern das junge Medium für neue oder intensivere Geschäftsbeziehungen durch Electronic Business zu nutzen. Der IT-Fachverband der Branche versucht seine Klientel diesbezüglich anzutreiben. Allerdings wirken sich nicht zu übersehende laufende Kosten für eine gute Nutzung des Internet und technische Schwächen in besonders interessanten Bereichen hinderlich aus.

*Sabine März ist freie Journalistin in München.