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28.03.2003 - 

CW-Diskussionsrunde auf der CeBIT

Der Mittelstand benötigt Wissenstransfer

HANNOVER (jha) - Der deutsche Mittelstand investiert verstärkt in die IT-Landschaft. Anwender und Outsourcer diskutierten auf der CeBIT kontrovers, ob und wie viel fremde Hilfe für die anstehenden Aufgaben erforderlich ist.

Einen schweren Stand haben die Anbieter von Outsourcing-Diensten für den hiesigen Mittelstand. Das zeigte sich in der Diskussionsrunde "Problem Service - Wie auch mittelgroße Unternehmen ihren Anspruch auf guten Service durchsetzen können". Das Komplett-Outsourcing inklusive Mitarbeiterübergang wird kaum nachgefragt. Chancen haben in diesem Markt nur Service-Provider mit punktuellen Lösungen. "Die Kunden zeigen viel Interesse, spezielle Serviceleistungen auszulagern", schildert Harald Schwalm, Geschäftsführer der EDS-Midmarket Solutions, Koblenz. Als typisches Beispiel nennt er remote Supportdienste für Oracle-Datenbanken, die Anwender nach einem Migrationsprojekt für eine Übergangszeit beziehen können, solange die eigene Mannschaft sich das erforderliche Betriebswissen noch nicht angeeignet hat.

Bei Claus-Michael Sattler, CIO der Zimmermann - Zimbo - Unternehmensgruppe, stoßen die Anbieter mit ihren Consulting- und Outsourcing-Offerten jedoch auf grundsätzliche Skepsis. "Berater sind nicht erforderlich. Trainer, deren Aufgabe der Wissenstransfer ist, umso mehr", verlangt der IT-Experte. "Ich möchte, dass in der IT-Abteilung das Wissen vorhanden ist, um die Finanzbuchhaltung, die Datenbank, die Applikationen und die Parametrierung eigenverantwortlich betreiben zu können." Der Wurstwarenhersteller hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren von seinen Outsourcern getrennt und konnte damit in vielen Bereichen Kosten sparen. Insgesamt, so räumt Sattler jedoch ein, sei das IT-Budget leicht gestiegen. "Zimbo hat durch diese Maßnahmen an Flexibilität gewonnen", argumentiert der CIO.

Häufig verfügen die IT-Abteilungen allerdings nicht über genügend Ressourcen, um intern auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben und den ständig veränderten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. "Die Mittelständler sollten sich die Frage stellen, ob sie die kritische Masse und erforderliche Mitarbeiterzahl in der IT haben, um in verschiedenen Fachgebieten nicht von einzelnen Kräften abhängig zu sein", gibt Gerhard Schoch, Hauptgeschäftsführer des Lösungs- und Outsourcung-Anbieters Orga GmbH in Karlsruhe, zu bedenken. Insbesondere bei der Personalabrechnung, so der Manager, müssten Systeme ständig der sich ändernden Gesetzeslage angepasst werden.

Zudem haben viele Mittelständler erheblichen IT-Nachholbedarf, weil sie Systeme und Lösungen betreiben, die dem Ende ihres Lebenszyklus entgegensteuern. Weitere Aufgaben stehen aufgrund neu erschlossener Geschäftsfelder an. Günter Turré, IT-Leiter beim Pharma- und Kosmetikhersteller Weleda, Schwäbisch Gmünd, bezeichnet das Kundenbeziehungs-Management als ein solches neues Thema: "Von den Unternehmen wird immer mehr Kundennähe verlangt, so dass das CRM-Thema an Bedeutung gewinnt. Gerade im Kosmetikbereich treten die Kunden direkt an uns heran, um sich über Substanzen oder Herstellungsmethoden zu informieren. So nimmt die Zahl der Kunden zu, die wir mit Services versorgen müssen. Zwangsläufig steigt auch das IT-Budget."

Damit folgt Weleda dem Branchentrend. Einer Erhebung des Kasseler Marktforschungshauses Techconsult zufolge legen die IT-Ausgaben deutscher Mittelständler im laufenden Jahr um fünf bis sechs Prozent zu. Für den gesamten hiesigen IT-Markt rechnet Andreas Zilch, Managing Director Consulting bei Techconsult, mit einem Wachstum von lediglich drei Prozent. Eine weitere Umfrage der Marktbeobachter belegt, dass kleine und mittlere Unternehmen im Vergleich zu Konzernen wesentlich mehr Aktivitäten bei der Umgestaltung ihrer IT-Landschaft an den Tag legen. 86 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 500 PC-Arbeitsplätzen planen Neuanschaffungen. Unter den Großkonzernen hegen nur 68 Prozent ähnliche Vorhaben. "Mittelständler sind in diesem Jahr im Vergleich zu den Großunternehmen sehr viel dynamischer", schildert Zilch.

Tagessätze fallen

Kein Wunder, dass um die IT-Budgets des Mittelstands ein heftiger Wettbewerb entbrannt ist. Wer als IT-Dienstleister zum Zuge kommen will, muss vor allem schlank und schnell sein. Lange Entscheidungswege und aufgeblähte Teams sind den Kunden ein Greuel.

Doch zunehmend wird der Wettbewerb auch über Preise geführt. "Keine Frage, die Beratersätze sind derzeit in der Diskussion", räumt Orga-Manager Schoch ein, "denn es gibt einen harten Kampf um Projekte." Bisher marktübliche Tagessätze von 1000 Euro und mehr sind derzeit schwer durchsetzbar. Techconsult-Manager Zilch berichtet etwa von Börsen, in denen Berater für 300 oder 400 Euro gehandelt werden. "Qualität kann man dort nicht erwarten. Billig bringt dem Mittelstand überhaupt nichts", winkt Zilch ab. Schoch bestätigt diese Entwicklung: "Zum Teil kursieren im Markt Angebote, die sich nach meinem Dafürhalten nicht rechnen."

IT-Berater selbst aussuchen

Um dieser Entwicklung zu begegnen, ist Orga dazu übergegangen, Festpreisprojekte anzubieten. Das bedeutet zwar Mehraufwand im Vorfeld, doch die Anwender haben Gewissheit, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. "Das ist ein gangbarer Weg, um finanzielle Risiken zu vermeiden, weil dem Vorhaben eine sehr genaue Vorkalkulation vorangeht", pflichtet Weleda-IT-Chef Turré bei. "Doch was mache ich mit Anforderungen, die vergessen wurden? Ich benötige einen Partner, auf den ich mich verlassen kann. Ich muss darauf vertrauen, dass er den Aufwand richtig abschätzt und in seiner Kalkulation auch möglichen Mehraufwand berücksichtigt."

Zu vermeiden sind Diskussionen um Mehraufwand selten, doch die Basis eines konstruktiven Gesprächsklimas lässt sich schon im Vorfeld eines Projekts schaffen. "Wichtig ist vor allem, sich die Mitarbeiter des IT-Dienstleisters auszusuchen", rät Zilch, "die Anbieter mögen so etwas zwar nicht, doch nur so ist die Kontrolle über die Leute gewährleistet. Der falsche Weg ist sicher, sich eine bloße Zahl an Beratertagen einzukaufen." Zudem plädiert Zilch dafür, dass Kunde und Lieferant früh den angestrebten Nutzen eines Projektes definieren und quantifizieren. Ohne eigenes Know-how, so ergänzt Turré funktioniert das nicht: "Es ist gefährlich, ohne eigene Urteilsfähigkeit externe Dienstleister zu beschäftigen."