Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.04.1991 - 

DV im Wandel: Aber noch spielen Hosts die Hauptrolle

Der Mittelstand erkennt strategische Wichtigkeit von IT

Gleichgültig, in welcher Branche die befragten Unternehmen tätig sind, eines haben sie offenbar gemeinsam: Zwar spiegelt sich in der Hard- und Software-Ausstattung die Vielfalt des Marktes wider, die DV-Organisation jedoch ist zumeist noch zentralistisch angelegt. Unix- und Client-Serrer-Konzepte beginnen offenbar erst in den Köpfen der mittelständischen Anwender Gestalt anzunehmen. Soweit Neuanschaffungen ins Haus stehen, denkt man über Unix-basierte Systeme nach, aber die Installationswirklichkeit ist nach wie vor proprietär. PC-Netze sind oftmals erst geplant. Das zweite durchgängige Phänomen ist der Werdegang der DV-Leiter in mittelständischen Unternehmen. Es handelt sich durch die Bank um Quereinsteiger beziehungsweise um "Männer der ersten Stunde". Sie haben die Datenverarbeitung nicht als universitäre Informatik- Veranstaltung kennengelernt, sondern per Ochsentour - im Selbststudium, auf Herstellerschulungen und in privaten Instituten - mußten sie sich ihr Handwerkszeug hart erarbeiten.

Sechs der acht befragten DV-Leiter verfügen über eine kaufmännische Ausbildung als Großhandels- oder Industriekaufmann. Nur einer hat ein Studium absolviert; ein anderer begann seine Karriere als Elektro-lnstallateur. Dabei handelt es sich keineswegs um Männer, die kurz vor dem Pensionsalter stehen, sondern um Leute zwischen 30 und 50 Jahren, die den Zenit ihrer Karriere noch nicht erreicht haben.

Ralf Mulsow (31) arbeitet seit zwei Jahren bei einem mittelständischen Teigwarenhersteller im süddeutschen Raum als Organisationsprogrammierer und stellvertretender DV-Leiter. Zusammen mit seinem Chef und zwei weiteren Mitarbeitern einem Operator und einem Juniorprogrammierer, versorgt er das 200-Mann-Unternehmen über eine AS/400, Modell B35, mit den notwendigen DV-Dienstleistungen. Zur Datenverarbeitung kam Mulsow nach seiner Bundeswehrzeit, der er eine anderthalbjährige Ausbildung als Organisationsprogrammierer folgen ließ: "Ich bin gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann", berichtet er. Bevor er seinen jetzigen Job übernahm, war er mehrere Jahre in einer Unternehmensberatung für DV-Fragen zuständig. "Diese Erfahrungen helfen mir heute."

Der IBM-Rechner verfügt über 16 MB Hauptspeicher, 3,2 GB Plattenspeicher und versorgt 35 angebundene Terminals. Bewältigt werden müssen mit diesem Equipment in erster Linie Auftragsbearbeitung, Vertrieb, Finanzbuchhaltung und diverse Statistiken. Mit produktionstechnischen Abläufen hat Mulsow nichts zu tun: "Das wird völlig unabhängig gehandhabt."

Den Zweig dezentrale DV gibt es in dem Unternehmen so gut wie noch gar nicht. Zwar existieren einige PCs in den Fachabteilungen, doch bis auf einen Mikro, der an die AS/400 angebunden ist, fungieren sie als Standalone-Systeme. "Wir wollen unsere Terminals teilweise durch PCs ersetzen", erläutert Mulsow. So kann den in Frage kommen den Abteilungen DV-Intelligenz vor Ort aber auch - per Emulation - eine Verbindung zum Host geboten werden, ohne daß der oftmals beklagte Wildwuchs um sich greift.

Die Software des Hauses basiert auf modifizierten Standardlösungen, die jedoch zum Teil bereits auf den Vorläufermodellen (/3X) der erst seit gut einem Jahr installierten AS/400 im Einsatz waren. Hier soll dem nächst Abhilfe geschaffen werden. So steht man kurz vor der Inbetriebnahme einer neuen Auftragsbearbeitung- und Vertriebssoftware. Ferner ist für das nächste beziehungsweise übernächste Jahr die Implementierung eines PPS-Systems geplant. "Dann müssen wir allerdings die Maschine aufrüsten, denn mit den heutigen 16 MB Hauptspeicher stoßen wir bereits jetzt an die Grenzen unserer Kapazität", gibt der stellvertretende DV-Leiter zu bedenken.

Das einzige Unternehmen, das sich ganz auf dezentrale Datenverarbeitung stützt, ist auch das kleinste unter den befragten. Bei der Kloft-Guth & Partner GmbH mit Sitz in Frankfurt handelt es sich um einen Dienstleister, der neben Adreßvertrieb und Telefon-Marketing auch kundenspezifische Lagerhaltung und Versandarbeiten anbietet - offensichtlich eine DV-intensive Angelegenheit, denn nach Angaben von Uwe Gülich (30), verantwortlich für die Informationsverarbeitung des Hauses, haben 25 der insgesamt 70 Angestellten direkt oder indirekt mit Datenverarbeitung zu tun: "Wir benötigen unser System in erster Linie für Adreßvertrieb und -verwaltung sowie für das computergestützte Telefon-Marketing.- Die gesamte, aus 20 intelligenten Terminals bestehende Anlage inklusive Betriebsystem, Netzwerk-Software, Datenbankstruktur und Textverarbeitung stammt aus dem Hause Egs GmbH. So wohl bei den Workstations als auch bei der Betriebs- und Netzwerk-Software handelt es sich um Eigenentwicklungen des Lieferanten. Dabei verfügt das als Multi-DOS bezeichnete Betriebssystem sowohl über Multitasking- als auch Multiuserfähigkeit. Das Netz ist laut Gülich seiner Struktur und Auslegung nach am ehesten mit Arcnet zu vergleichen.

Gülich selbst ist gelernter Elektro-Installateur, der wie Mulsow nach der Bundeswehr einen Programmierlehrgang besuchte. Nach Abschluß dieser Zusatzausbildung begann er bei einem DV-Vertriebsunternehmen als Programmierer. Seinen jetzigen Posten bei Kloft-Guth & Partner bekleidet er seit fünf Jahren. Neben ihm arbeiten noch zwei festangestellte Anwendungsprogrammierer in der DV-Abteilung. "Ich bin hier für alles da, was an der EDV dran hängt. Das reicht von der Organisation über die Auftragsabwicklung bis hin zum Testen und Implementieren neuer Systeme ins Netz", erklärt er Wenn es um die "interne DV-gestützte Organisation" gehe, wird die Abteilung der Geschäftsführung zugeordnet, sobald es aber um Auftragsbearbeitung oder -Abwicklung geht, fungiert die koordinierende Betriebsabteilung als Dienstherr von Gülich.

Auch das Equipment der Hamburger Schiffsmakler und Linienagentur Unimar GmbH besteht in erster Linie aus Terminals. Allerdings haben die 35 Arbeitsplätze des Hauses keine eigene Intelligenz. Gerechnet wird von einem Hamburger Rechenzentrum namens Documenta, das alles für das Schiffsmakler-Geschäft Notwendige zur Verfügung stellt. "Die ganze Palette wie Manifestierung, Fakturierung, Finanzbuchhaltung und anderes wird uns als Dienstleistung bereitgestellt. In unseren Fachabteilungen stehen bis auf einige nicht angebundene PCs nur Bedienungsterminals", erläutert der DV-Verantwortliche Michael Gerwin (36).

Der gelernte Schiffsmakler, der mit seinem jetzigen Job das "Hobby zum Beruf gemacht hat", kümmert sich um alle DV-Belange der Maklerfirma, die rund 150 Mitarbeiter hat. "Das reicht von der Programmdefinition über die Eigenanalyse der Arbeitsabläufe bis hin zu Softwaremodifikationen." Letzteres wird allerdings in Zusammenarbeit mit Documenta bewältigt, wobei auch die Anwendungsprogramme vom Rechenzentrum nach Unimar-Vorgaben entwickelt werden.

Allerdings will Gerwin schon bis Mitte dieses Jahres die Terminals durch ein aus 70 Arbeitsplatz-Rechnern bestehendes PC-Netz auf Novell-Basis ersetzt haben. Davon bleibe die Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum jedoch unberührt: "Die Massendaten werden auch weiterhin dort bearbeitet. Wir wollen den Mitarbeitern deshalb Intelligenz vor Ort bieten, damit sie über eine eigene Textverarbeitung und andere kleinere Anwendungen verfügen können, mit denen wir das RZ nicht belasten wollen", betont Gerwin.

Ein umfassendes DV-Konzept ist hingegen bei dem Kfz-Zubehörproduzenten Beru & Ruprecht realisiert. Dort verläßt man sich nicht auf einen externen Dienstleister. DV-Leiter Gerhard Regner berichtet: "Wir haben im vergangenen Jahr von einer Nixdorf 8890 auf eine IBM 4381 umgestellt. Außer den Platteneinheiten arbeiten wir allerdings noch mit umfangreicher Nixdorf-Peripherie." Dieser Schritt war Regner zufolge notwendig geworden, weil "Nixdorf angekündigt hatte, sich komplett aus dem 8890-Geschäft zurückzuziehen".

Noch ist die Umstellung nicht ganz vollzogen: "Deshalb fahren wir derzeit noch Nidos unter VM, implementieren aber jetzt VSE/SP." 180 Terminals und umfangreiche Plattenperipherie hängen an der Maschine. Außerdem betreut Regner mit seiner Mannschaft noch zwei im Aufbau befindliche PC-Netze. In den beiden über Standleitungen verbundenen, anderthalb Kilometer auseinanderliegenden Produktionsstätten des Unternehmens sollen demnächst 120 PCs im Ethernet-Verbund Dienst tun. "Noch sind nicht alle Mikros vernetzt, und bisher haben wir nur in einem Werk die HostAnbindung über TCP/ IP realisiert", erklärt Regner. Neben den PCs, die zur Zeit in erster Linie als Büroarbeitsplätze, aber teilweise auch in der Fertigung und Qualitätssicherung zum Einsatz kommen, hat der DV-Leiter eine RS/6000 installiert, mit deren Hilfe er die Betriebsdatenerfassung des Unternehmens realisieren will. Als erste BDE-Komponente wird momentan ein Zeiterfassungssystem eingeführt.

Die AIX-Maschine - ebenfalls über TCP/IP an den Host angebunden - soll vor allem deswegen im technischen Bereich eingesetzt werden, "weil dort Unix einfach am besten ist. Unsere kommerziellen Aufgaben wickeln wir weiter über die 4381 ab", erläutert Regner die Strategie des Hauses. Dort liegen die Schwerpunkte bei der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, Verkaufsabwicklung, Kostenrechnung und der Materialwirtschaft. Eine wesentliche Rolle bei der Konzeption der Datenverarbeitung spielt die Möglichkeit zur Datenfernübertragung. "Mit unseren Kunden praktizieren wir neben Lieferabruf- und Lieferschein auch Rechnungserstellung per DFÜ", erklärt der DV-Leiter. "Wir müssen uns an die Just-in-Time-Philosophie der Automobilhersteller anpassen. Deshalb wird die jährlich ausgehandelte Gesamtlieferquote in kleineren Posten zu bestimmten Terminen abgerufen."

Außerdem ist Regner dabei, Anwendungssoftware und Programmiersystem zu vereinheitlichen. "Wir wollen alles unter eine einheitliche Oberfläche bringen, deshalb stellen wir jetzt alle Programme auf das Programmiersystem der Firma Portasoft um." Man habe sich deshalb für das Produkt entschieden, weil es weitgehend herstellerunabhängig sei. Das Unternehmen biete das System bereits für Siemens-, IBM- und Unix-Umgebungen an. "Die Schnittstellen sind sehr gut und erlauben eine einfache UmstelIung", lobt Regner.

Der Mann, der diese vielfältigen Aufgaben koordiniert und kontrolliert, hat vor Jahren im gleichen Unternehmen als Industriekaufmann angefangen: "Wir arbeiteten damals eng mit einem anderen Unternehmen zusammen, das auch DV-Personal ausbildete. Dort durchlief ich 1977 eine halbjährige Ausbildung, an die sich dann Herstellerschulungen anschlossen."

Siegfried Hartmann (41), beim Hamburger Elektro-Vollsortimenter Walter Kluxen GmbH als Org./DV-Leiter verantwortlich für 33 Mitarbeiter und eine H60F von SNI unter BS2000 mit rund 270 angeschlossenen Terminals, favorisiert offenbar ein zentralistisches DV-Konzept - gepaart mit Standardsoftware. Er will seinen Anwendern zumindest solange keine dezentralen Rechner anbieten, wie das erst im vergangenen Jahr eingeführte System, auf dem verschiedene R/2 Module laufen, nicht "rund" arbeitet. Von der vorher installierten Unisys Anlage habe man sich vor allem deshalb getrennt, "weil zu wenig Standardsoftware zur Verfügung stand" und weil die benutzte Individualsoftware überaltert und damit nicht mehr pflegbar war. Den heute mit 90 Prozent angegebenen Anteil der Standardsoftware - vorher sei das Verhältnis umgekehrt gewesen - führt Hartmann auf die erst relativ kurze Benutzungsdauer des neuen Systems zurück: "Wir fangen erst an, uns in der neuen Umgebung zu etablieren."

Der hardwareseitige Umstieg auf das SNI-System habe eigentlich keine Probleme mit sich gebracht. Viel schwieriger sei es gewesen, berichtet der DV-Leiter, die Anwender in den Fachabteilungen an die neue Software zu gewöhnen. "Das dauert einfach seine Zeit. Da herrschen andere Eingabemodalitäten, und die Leute müssen sich in den neuen Masken zurechtfinden. Deshalb haben wir intensiv geschult und betreuen die Anwender auch jetzt noch in ganz starkem Maße." Interessant ist Hartmanns Unterstützungsstrategie, die er mit Hilfe von DV-Koordinatoren in den Abteilungen realisiert: "Das sind Fachabteilungs-Mitarbeiter, die unseren verlängerten Arm darstellen. Sie werden von ihren Kollegen auf Probleme aufmerksam gemacht und lösen sie - soweit das möglich ist - selbst. Der Rest kommt dann zu uns." Daneben bietet die DV-Abteilung einen hausinternen Support per Hotline.

Die SAP-Software sei auch deshalb - zumindest zu Beginn - nicht einfach zu handhaben, weil sie für eine heterogene Welt geschaffen worden sei. "Da gibt es natürlich Dinge, die wir als Großhandel gern anders gelöst hätten", mäkelt Hartmann. Er hofft deshalb, daß man bei künftigen Releases Einfluß auf die Walldorfer Softwareschmiede nehmen kann. "Da, wo Modifikationen unabdingbar sind, müssen wir natürlich tätig werden." Allerdings wünscht sich Hartmann für diese Fälle, daß die Änderungen in spätere Releases der Standardsoftware einfließen. Nicht zuletzt deshalb ist die Kluxen GmbH der Siemens Anwendervereinigung SAVE beigetreten. Dort will man Kontakte zu anderen SAP-Usern knüpfen, die eventuell ähnlich gelagerte Forderungen haben.

Im übrigen wünscht sich Hartmann einen "durchdachteren" technischen Support im Hardewarebereich: "Wir hatten ein paar Probleme, die zuerst nur punktuell behoben wurden, ohne daß der Kern der Störung beseitigt worden wäre. Erst nach längeren Gesprächen konnten die eigentlichen Fehler aus der Welt geschafft werden. Mir wäre da eine größere Anwenderbezogenheit des Herstellers lieber."

Der Org./DV-Leiter begann seine Karriere ebenfalls als Industriekaufmann, wechselte aber schon früh ins Fach Datenverarbeitung. Fast 14 Jahre lang sammelte er als DV-Berater Erfahrung, bevor er vor fünf Jahren bei Kluxen seine jetzige Position übernahm. Als Bereichsleiter ist er heute neben vier Warenbereichsleitern Mitglied der Geschäftsleitung eines 500 Mitarbeiter umfassenden Unternehmens, das einen jährlichen Umsatz von 200 bis 300 Millionen Mark ausweist.

Ein kleineres BS2000-System, nämlich eine 75/40C von SNI mit einer Leistung von 1,2 MIPS, setzt die Münchener Technocell AG ein. Aber auch Hans-Joachim Stahl (35) hat sich im kommerziellen Bereich für R/2 von SAP entschieden. Mit seinen sechs Mitarbeitern sorgt sich der Wirtschaftsingenieur aber noch um drei Sicom M 70 Prozeßrechner, die in zwei der drei Technocell-Werken zur Auftragsverfolgung eingesetzt werden. Von den insgesamt 120 Terminals, die teils an der BS2000-Anlage, teils an den unter "BSM-Amboß" arbeitenden Prozeßrechnern hängen, sind lediglich zehn PCs. "Von dort können zwar Daten vom Host abgerufen werden, aber den Rücktransport bearbeiteter Files erlauben wir nur in Ausnahmefällen", erklärt Stahl, der seinen Posten bereits seit vier Jahren bekleidet. Vorher war er im gleichen Unternehmen Assistent der DV-Leitung. Sein Computer-Wissen eignete er sich zum Teil während des Studiums an, zum Teil aber auch auf Schulungen von Hardwarelieferanten und Softwarehäusern.

Technocell hat folgende R/2 Module implementiert: Finanz- und Anlagenbuchhaltung, Materialwirtschaft sowie Vertrieb; die Personalwirtschaft-Software befindet sich zur Zeit im Test. "Derzeit läuft noch eine angegraute Individualsoftware, die wir aber bis Mitte des Jahres ersetzen wollen", berichtet Stahl.

Für SAP habe man sich deshalb auch bei der Personalwirtschaft entschieden, weil die Basis-Komponenten bereits vorhanden gewesen seien: "Das bietet sich für uns an, weil wir bereits andere Module im Einsatz haben."

Obwohl die Einführungszeit der Software sehr kurz war - "wir sind innerhalb eines halben Jahres in Produktion gegangen"- bereiteten die umfangreichen Programme keine Schwierigkeiten. "Wir haben bislang keine Modifikationen durchführen müssen", berichtet der DV-Leiter. Wenn Änderungen dennoch notwendig werden, muß Stahl allerdings die SAP-Consult, die Mittelstandsorganisation der Walldorfer, damit beauftragen. Für Anwender die auf die Bereitstellung des; Source-Codes verzichten, bieten die Walldorfer nämlich günstigere Konditionen an. Infolgedessen kann der Benutzer dann jedoch selbst keine Änderungen an der Software vornehmen.

Mit offenen Systemen hat man sich bei der Technocell erst am Rande befaßt: "Die Prozeßrechner sind jetzt bereits seit fünf Jahren in Betrieb, und wenn die ersetzt werden, dann vielleicht durch Unix-Systeme." Weil der Papiererzeuger Technocell aber rund um die Uhr an 350 Tagen im Jahre produziert und deshalb extrem hohe Anforderungen an die Systeme hat, "stellen wir uns für die Zukunft fehlertolerante Anlagen vor".

In einer reinen Nixdorf- beziehungsweise SNI-Umgebung arbeitet Jörg Junghanns, Org.-Leiter bei der VW-Tochter Votex GmbH. Bereits 1969, zu der Zeit; noch bei Volkswagen selbst in der "Verkaufsförderung Ersatzteile" beschäftigt, mußte er sich erstmals mit der DV auseinandersetzen. "Wir haben damals das sogenannte Remida-System, Rechnungslegung mit Datenverarbeitung, eingeführt."

Gestärkt durch diese und andere DV-Erfahrungen ging er 1974 zum Tochterunternehmen Votex, für das er den Aufbau der DV übernahm. "Die erste Maschine war eine Nixdorf 880/ 55, ein Rechner, der noch mit 2 x 7-MB-Plattenspeicher auskommen mußte." Anfang der 80er Jahre stieg man auf eine 8870 um, "die wir im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut haben". Seit 1987 verfügt Junghanns über eine 8890/D23 mit 16 MB Hauptspeicher, die unter VM/ESX arbeitet. An dieser Maschine hängen neben anderer Peripherie etwa 70 Arbeitsplätze und vier Platten mit jeweils 730 MB. Weitere 40 Arbeitsplätze, darunter auch die BDE-Terminals für Zeiterfassung, sind an eine 8870 Quattro 75 angeschlossen. Außerdem tun noch 16 PCs Dienst bei Votex, die zum Teil auf die 8870 und die 8890 zugreifen können.

Softwareseitig setzt Junghanns - zumindest in den für ihn strategischen Feldern Auftragsabwicklung, Einkauf und Lagerverwaltung - auf Individualsoftware: "Ich sehe auch in , Zukunft für diesen Bereich keine Standardsoftware bei uns. Denn wir haben maßgeschneiderte, flexible Programme geschaffen, die uns durchaus Wettbewerbsvorteile bieten."

Im operationalen Bereich - in der 8870-Umgebung - werden bei Votex jedoch Nixdorf-Standardlösungen wie Comet-Top-Fibu, Flexzeit und Nixdorf Word eingesetzt. Im übrigen entwickelt das DV-Team die Individualsoftware auf dieser Maschine und übergibt sie erst nach Fertigstellung an die 8890.

Obwohl Junghanns mit der Performance und dem Support durch SNI zufrieden ist, sieht er doch ein gravierendes Problem auf sich zukommen: "Die Maschine wird nicht mehr weiterentwickelt. Deshalb werden wir mittelfristig auf offene Systeme umsteigen." Bis Mai 1992 sei man zwar noch durch einen Leasingvertrag gebunden, aber erste Kontakte zu Herstellern sind bereits geknüpft. "Wir werden unser jetziges System schon allein aus wirtschaftlichen Gründen noch eine Zeit lang nutzen." Der Org.-Leiter peilt für 1993/94 die Installation einer neuen Systemplattform an die "aus heutiger Sicht wohl Unix-basiert sein wird".

Allerdings wird er im Pflichtenheft für die neue Anlage ein Migrations-Tool fordern, damit gewährleistet ist, daß er die heutige in Basic geschriebene Software "wenigstens für eine Übergangszeit nutzen" kann.