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19.10.1990 - 

"Systec" will sich als europäische CIM-Messe etablieren

Der Mittelstand hat bei CIM noch nicht richtig angebissen

MÜNCHEN (CW) - Zum dritten Mal versucht die Münchner Systec vom 22. bis 26. Oktober 1990 ihrem Ruf als internationale Drehscheibe für Produktionsunternehmen und als Informationsplattform für den gesamten Markt moderner Fertigungstechnologien gerecht zu werden. Zumindest die Besucher- und Ausstellerzahlen geben dem Veranstalter recht, daß er mit dem Fachmessen-Konzept richtig liegt.

Zur ersten Systec 1986 stellten 313 Unternehmen aus, zwei Jahre später waren es 516, und heuer werden es 720 sein. Auch mit der Entwicklung der Besucherzahlen kann die Messeleitung zufrieden sein: Die Statistiken weisen einen Zuwachs von 20 500 im Jahre 1986 auf 32 000 im Jahre 1988 aus. In diesem Herbst erwartet die Münchner Messegesellschaft über 40 000 Gäste.

Als positiv wertet der Veranstalter auch die Zufriedenheit der Aussteller mit der Systec. So sprachen 1988 etwa 90 Prozent der ausstellenden Unternehmen von einem guten Ergebnis, 97 Prozent erhielten neue Kunden, und 62 Prozent berichteten von konkreten Exportkontakten.

Die Systec hat den Anspruch, als erste CIM-(Computer-Integrated-Manufacturing-)Messe Europas den Besuchern ein umfangreiches Angebot der C-Technologien zu präsentieren: Von Basis- und Systemkomponenten über erforderliche Betriebssoftware bis hin zu unternehmensweit integrierten Lösungen.

Hinter dem Schlagwort CIM verbirgt sich der Zusammenschluß aller in einer Produktion vorhandenen computergestützten Maschinen zu einem Systemverbund. Einzelsysteme müssen also mit einem Rechner sowie dem administrativen Bereich des Unternehmens - etwa Rechnungsschreibung und Auftragsbearbeitung - vernetzt sein. Alle in der Fabrik stehenden Terminals oder PCs haben ihre Daten sofort an einen Zentralrechner weiterzugehen. Dieser wiederum muß mit den Systemen der administrativen Geschäftsbereiche kommunizieren können. Wichtig dabei ist die Verbindung aller computergestützten Einheiten über ein Netzwerk. Als Protokoll für diese Anwendungen hat sich das MAP (Manufacturing Automation Protocol) durchgesetzt. Dieses Protokoll arbeitet mit demjenigen für den administrativen Bereich (TOP = Technical Office Protocol) zusammen.MAP wartet auf den Durchbruch

Als MAP bezeichnen die Fachleute den Netzwerkstandard für die Fabrik der Zukunft. Seit der Vorstellung von MAP 3.0 im Sommer 1988 hat sich dieses Protokoll zu einem Standard entwickelt. Derzeit soll es nach Hersteller-Angaben über 40 Unternehmen geben, die MAP-3.0-Produkte anbieten.

Auf der diesjährigen Systec stehen auf der europäischen Gemeinschaftsausstellung "MAP in Europe", die von der EMUG (European MAP Users Group) veranstaltet wird, Steuerungen mit integrierten MAP-Adaptern im Vordergrund. Hersteller zeigen laut Messegesellschaft Anwendungen von der Auftragserfassung über Steuerung von Fertigungszellen bis zur eigentlichen Maschinensteuerung. Des weiteren wollen 20 Unternehmen auf einem Gemeinschaftsstand MAP-Produkte vorstellen.

Parallel zur Ausstellung will die EMUG in einem MAP-Forum über den neuesten Stand der Entwicklungen berichten, aber auch Anwender sollen mit ersten Erfahrungen zu Wort kommen. Vorgesehen sind halbtägige Workshops am 23. und 24. Oktober 1990 für Projektleiter und Fabrik-Manager.

CIM besteht aus verschiedenen Bausteinen. Dazu gehören die Betriebsdatenerfassung (BDE), Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS), wie auch Lagerverwaltung und Materialdisposition.

Vor allem BDE-Geräten wird eine große Zukunft in der "CIM-Familie" vorausgesagt. Neben ihrem Einsatz bei der Arbeits- und Personaldatenerfassung setzen einige Unternehmen BDE-Systeme auch für den Ablauf in der Produktion ein. Jeder Auftrag erhält beispielsweise einen Barcode.

Vor und nach jedem Fertigungsschritt werden die neuen Bearbeitungsdaten per Lesestift in den Rechner eingelesen. Somit weiß der übergeordnete Rechner immer, welcher Auftrag gerade in welchem Fertigungszustand ist. Dieses Verfahren erlaubt auch festzustellen, wie lange jeder einzelne Arbeitsschritt in der Fertigung genau benötigt.

Ein solches System kann auch die, Materialplanung erledigen. Jedes eingehende Teil wird mit einem Barcode versehen und wenn das Teilstück dann das Lager verläßt, wird es dem zu bauenden Teil zugeordnet. Der Rechner weiß somit, wie viele und vor allem welche Teile noch im Lager vorhanden sind.

Eine der wichtigsten Grundlagen für CIM ist ein griffiges PPS-Konzept. Es ist das am weitesten entwickelte und implementierte Element von CIM-Systemen.

PPS-Systeme haben je nach Anbieter einen unterschiedlichen Funktionsumfang von der Basisdaten-Verwaltung über Bestellwesen, Materialwirtschaft und Fertigungssteuerung bis hin zur Bedarfsermittlung, Disposition und Produktions-Programmierung.

Das Problem einiger PPS-Systeme besteht allerdings darin, daß die älteren Konfigurationen nicht auf Kommunikation und Integration ausgelegt sind und daher ein Hindernis auf dem Weg in Richtung CIM darstellen. Merkmal moderner PPS-Systeme sind kurzfristige Planung und Just-in-Time-Fertigung. Weitere wichtige Module von PPS-Systemen dienen der Arbeitsplanerstellung sowie der Material- und Kapazitätsplanung.

Flexible Fertigungssysteme (FFS) ermöglichen, kleinste Losgrößen herzustellen. So lassen sich beispielsweise in der Automobilindustrie noch während der Fertigung, der Produktionsstufe entsprechend, Änderungen vornehmen. Vor allem bei Fahrzeugen der gehobenen Klasse kann der Kunde, so die Hersteller, neben Farbe und Innenausstattung selbst kleinste Details bestimmen, um "sein" Fahrzeug wie aus einer Menükarte zusammenzustellen.

Der Aufbau von solchen Systemen beginnt mit flexiblen Fertigungszellen, die in der Regel aus einer computergesteuerten Bearbeitungsmaschine (CNC), einem Lager für Betriebsmittel, einer Werkzeug-Wechseleinrichtung und einer Transferstraße bestehen. Verschiedene Zeilen werden dann zu Inseln mit unterschiedlichen und sich ergänzenden Bearbeitungsmaschinen zusammengefaßt.

Wie stark sich durch FFS Kosten sparen lassen, errechnete das Beratungsunternehmen McKinsey zusammen mit dem Verband Deutscher Automobilhersteller und der Universität Darmstadt: Durch den höherenAutomatisierungsgrad könne die Personalproduktivität um bis zu 35 Prozent steigen. Weitere Vorteile kämen hinzu: Die Produktion könne sehr schnell der veränderten Nachfrage beziehungsweise den kürzeren Produktlebenszyklen angepaßt werden und die Lagerhaltung würde auf ein Minimum reduziert.

Mittelständische Unternehmen befinden sich oft in einem Dilemma: Auf der einen Seite bieten sie wegen ihrer organisatorischen Übersichtlichkeit und der überaus großen Flexibilität eine günstige Ausgangsposition für CIM. Andererseits sprengen die für den integrierten Rechnereinsatz nötigen Investitionen oft den finanziellen Rahmen des Mittelständlers. Weniger als ein Viertel aller mittelständischen Unternehmen, so die Erkenntnis der Deutschen Gesellschaft für Mittelstandsberatung (DGM), setzt Rechner zur umfassenden Informationsverarbeitung ein. Durch den Preisverfall in der Hardware sehen die Chancen des Mittelstandes für einen CIM-Einstieg besser aus.

Für den Mittelstand kann die Einbeziehung der Computertechnik in ihr Unternehmen zur Überlebensfrage werden, wenn man sich folgendes Beispiel vor Augen hält: Großunternehmen binden ihre Zulieferfirmen in das eigene DV-Netz ein. Daten von CAD-Zeichnungen werden nur noch elektronisch weitergeleitet, die Disposition erfolgt online.

Der Einsatz von neuen Techniken am Arbeitsplatz wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. So hat die rapide Entwicklung der CAD/CAM-Techniken das Zeichenbrett weitestgehend aus dem Büro des Konstrukteurs verdrängt und sowohl den Arbeitsplatz als auch das Berufsbild erheblich beeinflußt. Insgesamt wird der Einsatz von Rechnern im CIM-Verbund von den Mitarbeitern nicht nur praktisches Wissen für die Produktion abverlangen, sondern auch DV-Kenntnisse und Kostenbewußtsein für den effektiven Einsatz von Computersystemen.

Über die Zukunftschancen in computergestützten Berufen informiert das Karrierezentrum des IDG-Verlags. Ziel dieser Einrichtung ist es, den Kontakt zwischen Hochschulabsolventen und Wirtschaft herzustellen.