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15.06.2001 - 

Gastkommentar

Der Mobilfunk und die Fantasie

Bis vor einem Jahr bedeutete der Begriff "fantastisch" quasi unbegrenztes Branchenwachstum, immer neue Handy-Anwendungen und die Lizenz zum Gelddrucken für die Mobilfunkgesellschaften. Heute sollte man die Wortbedeutung "irreal" favorisieren, denn so passt der Begriff besser zu den nicht mehr nachvollziehbaren Zahlendimensionen in der UMTS-Welt. Von Daniel Evensen*

Als Tropfen auf den heißen Stein kommentiert man in der UMTS-Welt beispielsweise die Entscheidung der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, die eine Zusammenarbeit der verschiedenen UMTS-Lizenznehmer in Deutschland ermöglicht. Dabei rechnen Experten mit einem Einsparpotenzial zwischen 400 Millionen und vier Milliarden Mark, je nachdem, wer mit wem wie stark kooperiert. Behördenpräsident Mathias Kurth hat den Mobilfunkern am vergangenen Dienstag grünes Licht für die gemeinsame Nutzung von Antennenstandorten und sogar Basisstationen gegeben. Die Erlaubnis kommt einer geteilten Nutzung der Netze - die laut Lizenzverträgen verboten ist - schon sehr nah.

Regulierer hat sich bewegt

Dennoch ist der Oberregulierer den Telecom-Anbietern mit diesem Schritt deutlich entgegengekommen, um die Unternehmen zu entlasten. Knapp 100 Milliarden Mark haben die deutschen Frequenzblöcke insgesamt gekostet, auf mehr als 120 Milliarden Euro summierte sich der Verkauf sämtlicher europäischer Lizenzen. Doch damit nicht genug: Für die Infrastruktur werden die Telefongesellschaften weitere 100 Milliarden Mark zahlen müssen.

Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Mark oder drei bis vier Milliarden Mark - in der UMTS-Welt macht diese Summe angesichts der Gesamtausgaben tatsächlich keinen bedeutenden Unterschied. Daher reagierten die Börsenkurse auf die gute Nachricht aus der Regulierungsbehörde kaum.

Die Anleger lassen die Finger von Telecom-Papieren, was vor allem an den Bilanzen liegt. KPN hat sich beispielsweise im vergangenen Jahr vom Rausch der dritten Mobilfunkgeneration mitreißen lassen und die Vernunft dabei völlig über Bord geworfen. Ergebnis: Mehr als 23 Milliarden Euro Schulden haben die Niederländer angehäuft. Der jährliche Umsatz des Konzerns erreicht dabei nicht einmal 15 Milliarden Euro, ganz zu Schweigen vom Gewinn.

Am Börsenparkett kursieren Gerüchte, die Telefongesellschaft brauche dringend frisches Kapital und plane die Ausgabe neuer Aktien oder gar den Verkauf der Mobilfunksparte. Angesichts dieser Spekulationen ergriffen die alten Anleger die Flucht, was dazu führte, dass das KPN-Papier allein in den vergangenen Wochen über 30 Prozent an Wert verloren hat. Für die Niederländer geht es nach den milliardenteuren UMTS-Investitionen schon nicht mehr nur um die Belastung der Bilanz, es geht um die Existenz.

Zugegeben, KPN ist einer der schlimmsten Fälle, aber ohne Fusionen und weitere drastische Einsparungen werden auch die anderen größeren Telefongesellschaften wie Deutsche Telekom, France Télécom oder British Telecom in den nächsten Jahren auf keinen grünen UMTS-Zweig kommen.

Die Sparmaßnahmen der TK-Unternehmen werden wiederum die Netzausrüster treffen. Die Subventionierung von Prepaid-Handys haben die Mobilfunker in weiten Teilen Europas bereits eingeschränkt. Der gemeinsame Aufbau der UMTS-Netze wird ebenfalls zu Lasten der Infrastruktur-Lieferanten Nokia, Ericsson & Co. gehen.

Darüber hinaus ist das Zeitalter der hohen Wachstumsraten im Handybereich an ein natürliches Ende gelangt. Das Marktforschungsinstitut Gartner Dataquest rechnet zwar für das laufende Jahr noch mit guten Verkaufszahlen, geht aber gleichzeitig von einem anschließenden Abflachen der Wachstumskurve aus.

Handy-Euphorie ist abgekühlt

Der Kunde ist es, der Anbieter wie Ausrüster und Investoren aus der Fantasiewelt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat. Die Bedürfnisse des durchschnittlichen Nutzers wurden bis vor einem Jahr falsch eingeschätzt, die Attraktivität zusätzlicher Angebote für Mobilfunkgeräte ebenfalls. Handyspiele über Wireless Application Protocol (WAP) erreichen keine fantastischen Dimensionen, das Einkaufen per Handy gestaltet sich noch mühsam, und unterhaltend ist keine der Aktionen.

Fazit: Gegenwärtig ist die positive Fantasie aus der TelecomBranche gewichen, die unvorstellbar hohen Investitionen haben leider Bestand. Solange sich an diesem Missverhältnis nichts ändert, sollten Investoren die Finger von Telekom-Aktien lassen.

*Daniel Evensen ist Redaktionsleiter bei Stock-World in Leverkusen.