Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.01.2009

Der Mythos vom Kostenkiller

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Viele Unternehmen wollen mit Open-Source-Software Geld sparen. Doch nur wenige messen den wirtschaftlichen Nutzen, wie eine exklusive Studie der COMPUTERWOCHE zeigt.

Die Rezession ist in den IT-Abteilungen angekommen. Das belegt eine aktuelle Umfrage der computerwoche unter 147 IT-Entscheidern und -Spezialisten aus mittleren und großen Unternehmen. Bei 45 Prozent steht das IT-Budget wegen der konjunkturellen Lage auf dem Prüfstand. Kann Open-Source-Software von dieser Entwicklung profitieren? Anzeichen dafür gibt es. So denkt mehr als die Hälfte der Befragten angesichts der Krise über eine verstärkte Nutzung quelloffener Systeme nach oder hat sie bereits fest geplant.

"Das Interesse an Open Source nimmt zu", bestätigt Marcel Warmerdam vom Marktforschungsunternehmen IDC. "Viele IT-Anwender ändern angesichts der bevorstehenden härteren Zeiten bereits ihre Prioritäten, verschieben Projekte oder blasen sie gleich ganz ab." Das beflügle den Markt für Open-Source-Software, weil Firmen damit Lizenzkosten reduzieren könnten.

Tatsächlich wollen 77 Prozent der von der CW interviewten IT-Manager mit quelloffener Software in erster Linie Kosten sparen. Gut 60 Prozent hoffen zudem, die Abhängigkeit von Herstellern zu verringern (siehe Grafik: "Gründe für Open Source"). Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So befragte die amerikanische CW-Schwesterpublikation CIO im vergangenen Jahr 328 Führungskräfte aus der IT und anderen Abteilungen. 59 Prozent gaben an, mit Hilfe von Open-Source-Produkten Betriebskosten (TCO = Total Cost of Ownership) senken zu wollen. Fast ebenso viele (56 Prozent) erwarten günstigere Konditionen bei der Beschaffung. Auch das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology analysiert in einer Studie vom Dezember 2008 die Motive für den Open-Source-Einsatz. Anschaffungskosten stehen für Anwenderunternehmen demnach ganz oben auf der Liste.

Schätzen statt messen

Umso überraschender erscheint ein anderes Ergebnis der CW-Umfrage: Trotz der überragenden Bedeutung des Kostenarguments erklärten 53 Prozent der Interviewten, den wirtschaftlichen Nutzen der Open-Source-Software in ihrem Unternehmen gar nicht zu messen. Knapp ein Viertel vergleicht zumindest Anschaffungs- und Lizenzkosten von kommerzieller und quelloffener Software. Eine Analyse der gesamten Betriebskosten (TCO) über die geplante Nutzungsdauer der Systeme nehmen lediglich 23 Prozent vor.

Knackpunkt Betriebskosten

Viele Unternehmen fischen also mit ihrem Open-Source-Engagement im Trüben. Und das ist problematisch, nimmt man die Prognose des Gartner-Analysten Mark Driver ernst: Bis zum Jahr 2013 werden demnach 50 Prozent der IT-Projekte, die Open-Source-Software nutzen, keinerlei Einsparungen gegenüber Closed-Source-Alternativen bringen. "Gehen Sie davon aus, dass die operativen Kosten vieler Open-Source-Lösungen auf lange Sicht ähnlich hoch sind wie die proprietärer Systeme", lautet seine Empfehlung, und weiter: "Erwarten Sie nicht, dass sie ohne ein effektives Finanz-Management mit Open Source oder irgendeiner anderen Technologie Kosten sparen."

Trotz solcher Einwände berichten Leser der computerwoche durchaus von konkreten Einsparungen. Gemessen an ihrem gesamten IT-Budget haben knapp 16 Prozent der Studienteilnehmer eigenen Angaben zufolge zwischen einem und fünf Prozent gespart, 14 Prozent nannten eine Spanne zwischen fünf und zehn Prozent. 15 Prozent gelang es sogar, die Kosten um zehn bis 15 Prozent zu reduzieren. Unterm Strich haben demnach knapp 45 Prozent der Befragten mit Hilfe von Open-Source-Software zwischen einem und 15 Prozent ihrer IT-Budgets gespart.

Sparen beim Einkauf

Was solche Aussagen wert sind, wenn ein Großteil der Verantwortlichen den wirtschaftlichen Nutzen des Open-Source-Einsatzes gar nicht beziffern kann, lässt sich schwer ermessen. Einige Hinweise geben die IT-Bereiche, in denen die Befragten eigenen Angaben zufolge Einsparungen erzielt haben. 71 Prozent nannten die Softwarebeschaffung, also beispielsweise Lizenzkosten. In der Softwareentwicklung und -anpassung verzeichneten 32 Prozent gesunkene Aufwendungen. Dagegen konnte nur knapp ein Drittel im Softwarebetrieb und im Support (TCO) Kosten reduzieren. 15 Prozent erreichten keinerlei Einsparungen.

Wunsch und Wirklichkeit

Noch etwas mehr Licht ins Dunkel bringt die Frage, in welchen Bereichen IT-Verantwortliche grundsätzlich Einsparpotenziale durch den Einsatz von Open-Source-Software sehen. Die Prozentwerte für die Softwarebeschaffung (74 Prozent) und die Softwareentwicklung (28 Prozent) decken sich etwa mit den tatsächlich erreichten Einsparungen. Anders stellt sich die Situation bei der Messgröße TCO dar: 44 Prozent sehen diesbezüglich Sparpotenzial, gegenüber 30 Prozent, die bereits Ergebnisse vorweisen können. Diese Diskrepanz lässt sich als Indiz dafür werten, dass Gartner-Analyst Driver mit seiner Einschätzung richtig liegen könnte. Anders ausgedrückt: Die mit Open-Source-Software verbundenen Einsparungen über die gesamte Nutzungsdauer sind in vielen Fällen mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Die meisten IT-Manager wollen mit quelloffener Software Kosten senken.
Die meisten IT-Manager wollen mit quelloffener Software Kosten senken.
Nur wenige Unternehmen analysieren die Kosteneffekte eines Open-SourceEinsatzes.
Nur wenige Unternehmen analysieren die Kosteneffekte eines Open-SourceEinsatzes.

Wie sich Kosten und Nutzen von Open-Source-Systemen messen lassen, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

Gründe gegen Open Source

Den Vorzügen von Open-Source-Lösungen stehen aus Sicht der COMPUTERWOCHE-Leser eine Reihe von tatsächlichen oder erwarteten Nachteilen gegenüber.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet den IT-Verantwortlichen der ihrer Meinung nach unzureichende Support. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt diesen Aspekt.

Für 40 Prozent stehen mangelnde Fachkenntnisse im eigenen Unternehmen einem Einsatz quelloffener Software im Weg.

Jeweils ein Drittel der IT-Verantwortlichen hegt Sicherheitsbedenken und sorgt sich um den Reifegrad der Software.

Die diversen Lizenzbedingungen quelloffener Systeme und damit verbundene Risiken sind dagegen lediglich für 17 Prozent ein Thema.

Immerhin ein Fünftel klagt über mangelnde Rückendeckung aus dem oberen Management.

Wo Unternehmen Open Source einsetzen

Mehr als die Hälfte der von der COMPUTERWOCHE befragten IT-Verantwortlichen setzt Open-Source-Software in der IT-Infrastruktur ein. Dazu zählen etwa Betriebssysteme, Web-Server und Middleware. 29 Prozent erledigen Datenhaltungsaufgaben mit quelloffener Software (Datenbanken, Data Warehouse etc.), weitere 26 Prozent nutzen Entwicklungs-Tools und -Frameworks aus der Community.

Geht es um klassische Business-Anwendungen wie ERP oder CRM, greifen lediglich elf Prozent auf Open-Source-Programme zurück. Dagegen verwendet knapp ein Drittel quelloffene Office-Programme und Collaboration-Tools. Ein Viertel der Befragten verzichtet ganz auf Open-Source-Software.

International angelegte Studien großer Marktforscher wie IDC, Gartner oder Saugatuck kommen hinsichtlich des Einsatzgrades quelloffener Software in der Infrastruktur und im Bereich Business Applications teilweise zu höheren Werten.