Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.04.1985

Der neue Führungsstil bringt Akzeptanz durch Kompetenz

Professor Dr. Reinhard Höhn

Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft Bad Harzburg (Teil 1)

Der folgen schwerste Fehler, der bei der Einführung der neuen Techniken begangen wurde und immer wieder begangen wird, besteht in folgendem:

Die Einführung wird in die Hände der Computer-Fachleute gelegt, die sich zu einer Priesterkaste entwickelt haben deren Weissagungen die Unternehmensführung absoluten Glauben schenkt.

Die mit den neuen Techniken entstehenden Probleme werden dementsprechend nur von der technischen Seite gesehen und damit isoliert betrachtet.

Die Frage nach dem Verhalten von Mitarbeitern und Vorgesetzten bei und nach Einführung der neuen Techniken - und damit der gesamte Bereich der Führung der im Betrieb tätigen Menschen - wird weitgehend außer acht gelassen.

Bei den Auswirkungen der neuen Techniken auf den Führungsstil des Unternehmens gilt es zwei Fälle zu unterscheiden:

Werden die neuen Techniken in einem Unternehmen eingeführt, das mehr oder weniger mit dem autoritären Führungsstil arbeitet, so sieht man in der neuen Technik den willkommenen Bundesgenossen.

In Unternehmen, die den kooperativen Führungsstil praktizieren, fragt man sich, ob dieser sich überhaupt mit den neuen Techniken verträgt oder ob der technische Fortschritt die Rückkehr zur autoritären Führung notwendig macht.

Die Unsicherheit über die Auswirkung der neuen Techniken auf den Führungsstil des Unternehmens ist weitverbreitet. Sie wird durch die Diskussion über Wert oder Unweit der neuen Techniken noch verschärft. Horrorvisionen im Orwellschen Sinn werden nicht zuletzt durch die Medien zum Ansatzpunkt weitgehend emotional bestimmter Kritik. So kommt es zu einer verhängnisvollen Zuspitzung in der Frage: "Humanisierung der Arbeitswelt oder neue Technologien. "

Darin drückt sich zugleich die Furcht aus, daß, was bisher im Hinblick auf die Humanisierung durch die technische Entwicklung erreicht wurde, wieder in Frage gestellt wird und von Lebensqualität oder Selbstverwirklichung, die in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert haben, könne in Zukunft nicht mehr die Rede sein. Die so wichtige Erkenntnis, daß es nicht um Humanität oder neue Techniken geht, sondern um Humanität im Rahmen der neuen Techniken ging dadurch verloren.

Die Auswirkung der neuen Techniken auf Gesellschaft und Betrieb führen zu unterschiedlichen Denkanstößen.

Die neuen Techniken sind eine Gegebenheit. Wir müssen mit ihnen leben. Es kommt nur darauf an, wie wir mit ihnen zu leben vermögen.

Wir haben eine bestimmte Stufe gesellschaftlicher Entwicklung im Rahmen der Demokratie erreicht. Eine Gesellschaft, die auf dieser Stufe steht, kann nicht mehr zu autoritären Formen zurückkehren.

Die Gesellschaft im Wandel besitzt ihr Gegenstück im Betrieb. In der Standardformel "Kooperativer Führungsstil" kommt dies zum Ausdruck. Mit seiner Verwirklichung soll der einzelne vom Betriebsuntertanen zum Mitarbeiter werden. Dies bedeutet, daß der autoritäre Führungsstil geistig überwunden ist, auch wenn man in der Praxis immer wieder rückfällig wird.

Die entscheidende Frage lautet daher: Läßt sich der kooperative FührungsstiI angesichts der mit den neuen Techniken gegebenen Veränderungen aufrechterhalten, oder haben diejenigen recht, die sein nahes Ende prophezeien?

Mit diesem Problemkreis beschäftigen sich seit einigen Jahren die Untersuchungen der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft, Bad Harzburg. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich in einigen Thesen zusammenfassen.

Erstens: Je umfassender der technische Einsatz ist, desto höher sind die Anforderungen die an die Führung der Menschen zu stellen sind, die damit umzugehen haben, desto wichtiger wird der kooperative Führungsstil. Nur mit dieser Form der Führung lassen sich die neuen technischen Möglichkeiten voll nutzen.

Zweitens: Die Arbeit mit den neuen Techniken bedeutet nicht das Ende, sondern die Verstärkung des selbständigen Handelns und Entscheidens der Mitarbeiter. Die vom Computer gelieferten Daten beinhalten noch keine Entscheidung. Sie sind vielmehr Elemente der Entscheidungsvorbereitung und erleichtern den Prozeß der Entscheidungsfindung.

Drittens: Der im Rahmen seiner Aufgaben und Kompetenzen selbständig handelnde Mitarbeiter ist also die Voraussetzung dafür, um den mit den neuen Techniken verfolgten Zweck - die Beschleunigung der Arbeitsabläufe und die Steigerung der Effizienz - erreichen zu können.

Viertens: Die weitverbreitete Befürchtung, daß die neuen Techniken zwangsläufig zur Totalkontrolle zurückführen und die Mitarbeiter in ihrer Arbeit wie in ihrem persönlichen Verhalten einer lückenlosen Überwachung unterwerfen, geht an der Wirklichkeit vorbei. Dazu folgendes:

Es kann nicht geleugnet werden, daß alle Sachverhalte, deren Abläufe erfaßbar und damit programmierbar sind, auch total kontrolliert werden können. Die so ermittelten Daten besitzen jedoch nur eine sehr begrenzte Aussagekraft. So sagt zum Beispiel eine Statistik über Anschlage, Fehler und Papierverbrauch einer Schreibkraft in der Textverarbeitung noch nichts aus über den Schwierigkeitsgrad der Schreibarbeiten. Die Zahl und Dauer der Telefongespräche eines Mitarbeiters besagt noch nicht, ob diese Telefonate notwendig oder überflüssig, erfolgreich oder erfolglos gewesen sind, gut oder schlecht geführt wurden.

Besonders wichtige und hochsensible Aufgaben liegen außerhalb der computermäßigen Kontrolle. Im Bereich der Führung kann beispielsweise nicht kontrolliert werden, wie der Vorgesetzte mit seinen Mitarbeitern umgeht. Das gleiche gilt für den so wichtigen Umgang mit den Kunden sowie für weite Bereiche aus der Tätigkeit des Personalleiters, des Betriebsleiters, des Verkaufsleiters, bis hin zur Tätigkeit der Sekretärin.

Aber selbst wenn eine Totalkontrolle in technischer Hinsicht bis zu einem gewissen Grad theoretisch machbar wäre, so widerspricht sie doch letztlich den Interessen der Unternehmensführung. Dieser muß es darauf ankommen, selbständig denkende und handelnde Mitarbeiter im Unternehmen heranzuziehen und zu erhalten. Diese Zielsetzung würde durch die totale Kontrolle, die notwendigerweise zu einer völligen Frustrierung der Mitarbeiter führen muß, nicht mehr zu verwirklichen sein. Eigenständiges Handeln der Mitarbeiter und Totalkontrolle schließen sich gegenseitig aus.

Wer also behauptet, die Unternehmensführung müsse ein Interesse daran haben, die Vorstellung vom "gläsernen Menschen" durch die Totalkontrolle mit Hilfe der neuen Techniken zu verwirklichen baut eine Feindposition auf, die den Realitäten nicht entspricht. Ganz abgesehen davon ist dem Mißbrauch der Kontrolle durch die Mitbestimmung des Betiebsrats mit einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom Sept. 1984 ein Riegel vorgeschoben wird fortgesetzt