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Der neueste GPL-Entwurf bleibt umstritten

02.04.2007
Novell kann aufatmen, Linus Torvalds äußert sich skeptisch.

Die Free Software Foundation (FSF) hat den dritten und letzten Hauptentwurf der nächsten Version ihrer General Public License (GPL), der wichtigsten Lizenzform für freie und quelloffe- ne Software, vorgelegt. Die bis dato gültige Version 2 aus dem Jahr 1991 entspricht Bedingungen nicht mehr, die sich inzwischen aus technischen Entwicklungen, insbesondere durch Verknüpfungen von Software- elementen im Web 2.0, ergeben haben. Allerdings hat sich die Formulierung erheblich verzögert - insbesondere weil die FSF einen weiteren "Novell-Fall" verhindern wollte.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

590700: Statement von Linux Torvalds;

590758: Reaktionen von Anwälten und aus der IT-Industrie;

1216878: Vertrag Microsoft-Novell;

sowie FSF-Erläuterungen: http://gplv3.fsf.org/ gpl3-dd3-rationale.pdf

Ein Damokles-Schwert

Der Suse-Distributor hatte im November letzten Jahres einen Vertrag mit Microsoft unterzeichnet. Dieser schloss explizit alle Suse-Anwender und -Entwickler von juristischer Verfolgung wegen möglicher Patentrechts-Verletzungen aus. Implizit hängt damit ein Damokles-Schwert über allen anderen Engagierten in der Open-Source-Bewegung. Der Vertrag entsprach den Vorschriften der GPL 2; wäre sein Inhalt grundsätzlich im neuen Werk untersagt worden, hätte Novell weiter den Linux-Kernel verwenden können, weil dessen Entwicklergruppe bei der GPL 2 bleiben will. Aber weil die anderen Bestandteile einer Distribution künftig mehrheitlich unter der GPL 3 stehen werden, wäre die weitere Entwicklung von Suse so gut wie unmöglich gewesen.

Die wichtigen Formulierungen zur Reichweite von Patentrechten finden sich nun im elften Paragrafen des GPL-3-Entwurfs. Laut Absatz 4 "erweitert ein Versprechen patentrechtlichen Schutzes sich automatisch auf alle Empfänger von Kopien der betroffenen Arbeiten", nämlich der GPL-Software. Spräche also Microsoft noch einmal für eine Distribution einen Schutz vor Verfolgung wegen möglicher Verletzung von Patenten aus, würde sich dieses Versprechen automatisch auf alle Entwick- ler und Anwender sämtlicher Software, die in dieser Linux-Variante enthalten ist, beziehen.

Mit dem Absatz 5 von Paragraf 11 des GPL-3-Vorschlags setzt die FSF noch eins drauf. Er untersagt es Unternehmen, Software mit GPL-Bestandteilen zu verbreiten, wenn sie mit Bedingungen verbunden ist, die über GPL-Formulierungen hinausgehen. Dies macht Verträ- ge der Art Novell-Microsoft unmöglich. Der Absatz endet aber mit einem in Klammern gesetzten Zusatz, der eine Ausnah- me schafft für Verträge, die "vor dem 28. März 2007" geschlossen wurden.

Die Großvater-Klausel

Damit wäre Novell außen vor, denn der die Formulierungen des Paragraf 11 verletzende Vertrag mit Microsoft wurde Anfang November 2006 unterzeichnet. Durch die Ausnahmeregelung wird der Distributor nicht gezwungen, den Vertrag mit Microsoft aufzulösen oder Suse zu verkaufen. Novell-Sprecher Bruce Lowry war erleichtert: "Nichts im neuen Entwurf unterbindet Novells Möglichkeiten, Techniken unter der GPL in unsere Open-Source-Angebote zu integrieren - weder jetzt noch in Zukunft." Und Microsofts Vice President Intellectual Property and Licensing, Horacio Gutierrez, jubelte: "Der GPL-3-Entwurf reißt die Brücken nicht ein, die Microsoft und Novell für ihre Kunden gebaut haben." In der Community wird die entscheidende Ausnahmeregelung bereits als "Groß- vater-Klausel" kritisiert.

Besser als zur Hölle damit

Linus Torvalds, der Leiter des Linux-Kernel-Projekts, war neben einigen Maintainern dieser Gruppe einer der profiliertes- ten Kritiker der bisherigen GPL-Entwürfe. Mit dem jetzt präsentierten Entwurf zeigte er sich "ziemlich zufrieden", er sei "viel besser, als ich ihn nach den bisherigen Vorlagen erwartet hätte". Der Finne hatte bisher vor allem Vorschriften gegen Digital-Rights-Management (DRM) kritisiert. Ferner hatte er sich gegen Klauseln ausgesprochen, die es bei bestimmten Vorgängen ermöglicht hätten, Firmen von der Verwendung von GPL-Software auszuschließen. Das ließ Torvalds eine Spaltung der Community in eine GPL-2- und eine GPL-3-Fraktion befürchten.

"Ich bin immer noch skeptisch, ob es wirklich eine bessere Lizenz ist als die GPL 2", sagte Torvalds, "aber lieber bin ich skeptisch als zu sagen: zur Hölle damit!" Eine Übernahme der GPL 3 für den Linux-Kernel steht für ihn immer noch nicht zur Diskussion.

Ein Großteil der Kritik am neuen GPL-3-Entwurf bezieht sich auf dessen juristische Fachsprache. John Ferrell, Mitbegründer der Kanzlei Carr & Ferrell, meint: "Die einstige GPL for Dummies bedarf jetzt einer Rechtsabteilung, um sie zu interpretieren und zu verstehen." Andere Juristen geben zu bedenken, dass die Sprache der GPL lediglich die zunehmende Kompliziertheit des Lizenzrechts in den USA reflektiert. Dieser Faktor könne die Verbreitung von Open Source erschweren. Die FSF musste dem Entwurf eine 61 Seiten umfassendes Erläuterung beifügen.

Verabschiedung Ende Juni

Der dritte Entwurf der neuen GPL steht nun für 60 Tage zur öffentlichen Diskussion. Danach wird es einen letzten Entwurf geben, der vom jetzigen nicht mehr stark abweichen dürfte. Dieser kann weitere 30 Tage diskutiert und geändert werden, bevor die endgültige GPL veröffentlicht wird. Das dürfte Ende Juni 2007 der Fall sein. (ls)