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Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung installiert neuen Rechner:


25.06.1982 - 

Der Overhead erschien ungerechtfertigt hoch

BAD GODESBERG - Die wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen im Bereich Raumordnung und Städtebau liefert die Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (BfLR) in Bonn-Bad Godesberg. Zur Unterstützung ihrer Tätigkeit nahm die BfLR jetzt eine neue Rechenanlage in Betrieb.

Die Forschungsarbeit des Instituts enthält eine sehr starke räumliche Komponente, und das geeignete Darstellungsmittel dafür ist die Karte. Durch die visuelle Umsetzung sind die regionalen Ungleichheiten in der Verteilung der Lebensqualität sofort im Überblick erkennbar. Die grafische Datenverarbeitung ist der wichtigste Teil des Systems.

Mit Hilfe des Computers kann nun der Bedarf an thematischen Karten für Forscher und politische Entscheidungsträger zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten gedeckt werden. Ein kleiner, aber in Zeiten leerer Kassen wichtiger Nebeneffekt ist die Kostensenkung im reprographischen Bereich: Die vorhandene Hardware und Software erleichtert die Herstellung von mehrfarbigen kartographischen Vorlagen für die hauseigenen Publikationen, unter anderem den "Atlas zur Raumentwicklung".

Im Gegensatz zur manuellen Herstellung von Karten sieht Referatsleiter Wolf-Dieter Rase Vorteile: "Die Schnelligkeit, mit der eine Karte computerunterstützt gezeichnet werden kann, ist zwar manchmal ein wesentlicher Faktor. Für unsere Arbeit spielen aber die Herstellungskosten und die Fehlersicherheit eine mindestens genauso wichtige Rolle."

"In früheren Zeiten war es überhaupt nicht möglich, Karten für die Forschungsarbeit in dieser Menge wie jetzt zu zeichnen, weil die Personalkosten viel zu hoch gewesen wären, abgesehen davon, daß das dazu erforderliche Fachpersonal nicht vorhanden war (und auch heute nicht vorhanden ist)."

Die grafische Ausgabe ist sozusagen die Spitze des Eisbergs; der Teil, der dem Betrachter von außen am meisten ins Auge fällt. Voraussetzung für die Kartenzeichnung ist eine umfangreiche Datenbasis, die möglichst auf dem neuesten Stand sein soll. Eine Datenbasis allein ist aber ein Zahlenfriedhof, wenn nicht die passende Software für Auswahl und Umrechnung von Indikatoren statistische Analysen, Modellrechnungen und noch andere Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, daß man in Bad Godesberg bewußt auf die Implementierung eines auf dem Markt erhältlichen allgemeinen Datenbanksystems verzichtet hat. Der mit einem solchen System verbundene "Overhead" in Systemressourcen und Personal schien für die spezielle Anwendung ungerechtfertigt hoch.

An Peripherie nutzt die Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung neben den VT 100-Bildschirmen einen Tektronix-Bildschirm als grafisches Sichtgerät und ein grafisches Eingabetableau (Digitizer). Der DIN-A0-Zeichentisch wird offline betrieben; der Datentransfer erfolgt über Magnetbänder.

Um die "aus allen Nähten platzende PDP-11" (Rase) zu ersetzen, führte die Anstalt einen Benchmarktest durch. Die Ergebnisse waren überraschend. Ein deutscher Hersteller, der sich bei der öffentlichen Hand relativ stark etablieren konnte, zog sich vornehm zurück, weil die Tests offenbar nicht konkurrenzfähig ausgefallen sind.

Man testete auch andere Minihersteller, die aus preislicher Sicht hochinteressant waren. Doch schon der Blick auf ein längeres Fortran-Programm für diese Rechner war ausreichend, um Abstand von weiteren Tests zu nehmen. So blieb als Alternative nur noch die VAX-11/780 von Digital Equipment übrig.

Dieser Hersteller versicherte die Aufwärtskompatibilität vom PDP-11-System, worauf es dem Anwender schwergewichtig ankam. Schließlich ist die personelle Ausstattung der BfLR nicht so üppig, daß man weitere Mannjahre in das Umstricken der Programme investieren kann.

Die Frage nach dem "Wie-geht's-weiter" steht im Raum. Dazu DV-Leiter Wolf-Dieter Rase: "Wir wollen den grafischen Dialog zum System verbessern. Ferner werden wir unsere Textverarbeitung erweitern. Dazu wollen wir uns in Kürze mit dem Paket 'DECtext' befassen, um zu sehen, was es leistet".

"Schließlich ist noch ein Nahziel, die Textverarbeitung mit dem vorhandenen Lichtsatzsystem zu verbinden. Das wird nicht einfach sein denn die Satzsystem-Hersteller zeigen sich recht verschlossen und wenig informationsfreudig."

Heinz Bernutz ist freier DV-Journalist, Altenriet.