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22.04.1994

Der PC-Direktanbieter bleibt bei Intel und Microsoft Dell: "Die Power-PC-CPU wird sich nicht durchsetzen koennen"

22.04.1994

KOELN (wm) - Die Dell Computer Corp. hat sich von dem Jahresverlust von 1993, der insbesondere wegen des sehr schlechten zweiten Quartals 35,8 Millionen Dollar betragen hatte, gut erholt. Ab August 1993 schrieb man wieder schwarze Zahlen, und das erste Vierteljahr 1994 (Beginn: 1. Februar) liegt im Aufwaertstrend. Firmengruender und CEO Michael Dell erwartet fuer den Rest des Jahres ein weiteres Umsatzwachstum und Gewinn. Mit Dell sprach CW- Redakteur Walter Mehl.

CW: Sie haben die Firma 1993 kraeftig umgebaut. Unter anderem haben Sie mehrere Positionen auf der Manager-Etage neu besetzt. Ist das Unternehmen jetzt fit?

Dell: Vor vier Jahren war Dell eine Firma mit 300 Millionen Dollar Umsatz, 1993 erreichten wir fast drei Milliarden Dollar. Wenn Sie sich die Manager und die Hierarchie einer 300-Millionen-Dollar- Firma vorstellen, dann verstehen Sie vielleicht, dass mit der gleichen Mannschaft ein Drei-Milliarden-Unternehmen nicht zu steuern ist. Einige Positionen wurden neu geschaffen, andere neu besetzt. Im Board of Directors sitzen heute unter anderem der CEO von Westinghouse (US-amerikanische Elektronikfirma, d. Red.) und der Executive Vice-President for Financials von American Airlines.

CW: Zeitweise steckten Sie im Maerz vergangenen Jahres auch in Finanzschwierigkeiten. Ein Aktienpaket im Wert von 200 Millionen Dollar blieb unverkaeuflich. Im zweiten Quartal haben Sie Ihren Kreditrahmen bis an den Rand des Moeglichen ausgeschoepft. Wie sieht es sechs Monate spaeter aus?

Dell: Zuerst einmal: Wir haben das Aktienpaket verkauft. In der zweiten Haelfe des vergangenen Jahres konnten wir 225 Millionen Dollar neues Kapital an Land ziehen. Aus dem laufenden Geschaeft ergab sich im gleichen Zeitraum ein Ueberschuss von 180 Millionen Dollar. Wir sind liquide genug, um auch in diesem Jahr zu wachsen.

CW: Um wieviel Prozent?

Dell: Wenn man davon ueberzeugt ist, dass unsere neuen Notebooks erfolgreich werden und bald wieder 25 Prozent unseres Umsatzes ausmachen, dann haben wir einen grossen Schritt vor uns. Das wuerde uns allein eine Milliarde Dollar einbringen. Hinzu kommt ein leichtes Wachstum im Geschaeft mit Standard-PCs und bei Server- Systemen.

CW: Neue Notebooks sind ein guter Punkt. Im Moment bieten Sie nur das Modell "Latitude" an, das AST fuer Sie fertigt. Wann kommt eine Dell-Eigenentwicklung auf den Markt?

Dell: Wir werden noch in diesem Jahr jedes der drei Notebook- Marktsegmente bedienen: professionelle Portables, leistungsfaehige Modelle fuer den Masenmarkt und Subnotebooks, die kleiner als eine DIN-A4-Seite sind. In meinem Koffer ist der Prottyp eines Geraetes, das bis zum Sommer ausgereift sein wird: Mit einem Intel-486DX4- Prozessor mit 75 oder 100 Megahertz Taktfrequenz, zwei PCMCIA- Steckplaetzen, einer 400-MB-Festplatte und neuen Lithium-Ionen- Batterien.

CW: Bleiben Sie auf der Schiene Intel - Microsoft?

Dell: Wir bleiben bei den x86-Prozessoren von Intel. Grundgedanke ist, dass die Wuensche der Anwender sich zuallererst auf die Anwendungen konzentrieren. Otto Normalverbraucher will heute Microsoft Excel und Word benutzen oder eines der anderen gaengigen PC-Programme. Folglich dominiert heute das Betriebssystem Windows, und morgen wird es Chicago sein (das erwartete Windows, Version 4.0, Anm. d. Red.). Die Power-PC-, Alpha- und Mips-CPUs werden sich dagegen nicht durchsetzen.

CW: Der Power-PC-Chip steckt heute schon in Rechnern von Apple, IBM und in den Autos von Ford. Sollte er wirklich keine Chance auf dem Massenmarkt haben?

Dell: Apple wird ein oder zwei Millionen Power-PC-Rechner pro Jahr verkaufen. IBM wird einige Prozessoren in Workstations und Parallelrechnern verwenden. Doch IBMs PC-Abteilung baut 486- Prozessoren.

Interessanter noch ist die Tatsache, dass jede Abteilung der IBM fuer den Power-PC-Chip ein anderes Betriebssystem verwendet. Apple wird das Mac-OS nutzen. Fuer den Anwender ist das Ganze wie bei Unix oder sogar noch schlimmer: Es klingt alles aehnlich, ist aber unterschiedlich. Anwendungen koennen nicht von einem auf den anderen Rechner mit Power-PC portiert werden. Andere Prozessoren werden erst interessant, wenn Applikationen auf den Markt kommen, die unabhaengig von der Hardware sind, weil das Betriebssystem eine einheitliche Programmier-Schnittstelle zur Verfuegung stellt. Windows NT erfuellt diese Anforderung nicht, doch der Nachfolger Cairo wird es eventuell schaffen.

CW: Windows here, Windows there, Windows everywhere. Was ist an dem Geruecht wahr, dass Sie an einer Lizenz von Apples Betriebssystem "System 7" interessiert sind?

Dell: Das Geruecht wuerde gut in das Jahr 1988 passen, 1994 ist es dafuer ein bisschen zu spaet. Auf eine installierte Version von System 7 kommen heute zwoelf Windows-Installationen.