Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.06.1984

Der PC-Standard heißt "Nassau"

Standard - das klingt nach Maßstab, Kontinuität und Kompromiß, dabei denkt man an ein hohes Niveau, sowohl technisch als auch in bezug auf Sinngehalt und Form. Wenn heute in Zusammenhang mit der "kleinen" Datenverarbeitung, bei der die Benutzer selbst Hand anlegen, von "lndustrie-Standard" die Rede ist, dann meint man die Welt des IBM PC.

Es läßt sich in der Tat statistisch leicht nachweisen, daß 16-Bit-Prozessoren, 128 KB Hauptspeicher, 51/4-Zoll-Diskettenlaufwerke, Matrixdrucker sowie die Betriebssysteme MS-DOS und PC-DOS die typischen Ingredienzen moderner Tischrechner-Konfigurationen sind. Auf den IBM PC paßt diese Beschreibung - wie auf die meisten sogenannten "IBM-PC-Kompatiblen". Daß es sich bei dem im IBM PC verwendeten Intel-Prozessor genaugenommen um einen 8-Biter handelt, scheint die IBM-Konkurrenten nicht zu stören - der DV-Einsteiger blickt eh nicht durch. Die Bosse der IBM-Nachahmer sind es denn auch - keineswegs etwa die "blauen" Marketingstrategen -, die vom "lndustrie-Standard des IBM PC" sprechen: schon Realität oder noch "Wishfull Thinking"?

Einige wenige Blicke in die Nähkästchen der Mikro-Hersteller lassen bereits an der Industriestandard-These zweifeln. Da wird eifrig an neuen Hardware- und Software-Architekturen gestrickt (32-Bit-Prozessoren, Unix-Implementierungen) - die Dinge sind im Fluß. Noch kann niemand sagen, wie die Entwicklung weitergeht. Kaum verwunderlich: Die Mikrocomputer-lndustrie ist ein junger Wirtschaftszweig, es scheint verfrüht, Standards festzuschreiben. Mehr noch: Eine Normierung zum jetzigen Zeitpunkt würde den Fortschritt hemmen.

Die IBM selbst macht auch kein Hehl daraus, daß der PC in seiner jetzigen Ausprägung, als "offenes" System konzipiert, nicht der Mikro-Weisheit letzter Schluß ist. Der wichtigste Indikator der Anwendungsqualität in der Arbeitsplatzcomputerei ist der Wunsch der Benutzer, miteinander zu kommunizieren, auf große zentrale Datenbestände zugreifen zu können. Die DV-Leiter und -Organisatoren in großen Unternehmen aber hätten bald den größten Verhau, würden sie Mikro-Wildwuchs unbegrenzt zulassen. Für die Integration in Netzwerke, dies die Konsequenz, müssen die Kleinrechner erst gerüstet werden - die IBM arbeitet fieberhaft daran, schafft damit neue Fakten.

Aus welchem Grund also jubelt die Mikrobranche den IBM PC zum Industrie-Standard hoch? Die Erklärung liegt auf der Hand: Das Mikro-Business ist vom Marktpotential her ein Massengeschäft, in dem Werbung die Nachfrage kreiert. Nun ist der Mikro-Boom, zumindest im professionellen, gewerblichen Bereich, bisher ausgeblieben. Big Blue aber steckt Unsummen in die Werbung, um das Geschäft anzukurbeln. Dem Mainframe-Marktführer wird zugetraut, das Mikro-Eis brechen zu können. Was liegt da für die IBM-Konkurrenten näher, als über sogenannte "Kompatibilität" zu nassauern. Wer sich für das "Mikro-Urmeter" interessiert, wird womöglich an einer originalgetreuen Nachbildung hängenbleiben. Kurz: Der PC-Standard heißt "Nassau", sprich: auf Kosten anderer mitnaschen - on y soit qui mal y pense.

Die Kompatiblen werden fragen, was sie gegen die vermeintliche IBM-Übermacht tun können. Die Antwort kann, auch wenn sie banal klingt, nur lauten: innovative Produkte entwickeln, die sich am Markt orientieren -nicht an IBM. Der Anwender wird es zu schätzen wissen.