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06.05.1988 - 

"EDV-Fachmann Standard Personalsysteme" hat Zukunft:

Der Personal Computer schafft ein neues Berufsbild

Der absehbare Markt für OS/2-Systeme hat eine Nachfrage nach geeigneten Fachleuten für die neue Systemumgebung und ihre Anwendung erzeugt. Das Berufsbild EDV-Fachmann Standard-Personalsystem war geboren. Christl Ziegler-Pirthauer beschreibt hier Voraussetzungen, Ausbildung und Tätigkeitsfeld.

Die Software-Entwickler sind zufrieden. Das Betriebssystem OS/2 von Microsoft ermöglicht eine Vielzahl neuartiger Anwendungen. Vom kommenden Industriestandard für Personal Computer ist die Rede. Der Vorsprung der PC-Software gegenüber der Hardware, den Experten der Branche bisher auf gut ein bis zwei Jahre schätzen, scheint sich damit zu verkürzen. Mit der technologischen Entwicklung des Personal Computers zu mehr Leistungsfähigkeit steigen allerdings auch, die Anforderungen an DV-Spezialisten. Die Zukunft der Informations- und Kommunikationstechnik vor dem Hintergrund der vollkommenen Verknüpfung von Mainframe und PC verlangt nach DV-Fachleuten für diese neuen Personalsysteme.

Alte MS-DOS-Schranken sollen jetzt fallen

"Ein tolles Entwicklungsteam, ein großes Projekt, ein scharfes Projekt", kommentiert Christian Wedell, Geschäftsführer der Microsoft GmbH in München sein Produkt, MS-OS/2. In der Tat steckt mehr dahinter als nur die notwendige Weiterentwicklung des bisherigen PC-Standards, MS-DOS mit seinen 640 KB direkt adressierbaren Speicherbereichs. Gerade im Zeichen immer umfangreicherer und komplexerer Anwendungen gerät die Speicherplatz-Knappheit zum Ärgernis für so manchen professionellen PC-Benutzer.

Dem neuen Betriebssystem ist ein Abkommen zwischen dem umsatzstärksten Hardware-Hersteller, IBM und dem umsatzstärksten PC-Softwareentwickler, Microsoft, vorausgegangen. Vor Jahren haben sich beide auf eine gemeinsame Technologieentwicklung geeinigt, mit dem Ziel, die alten MS-DOS-Schranken niederzureißen. Microsofts OS/2 beziehungsweise BS/2, wie die IBM-Version des Produkts heißt, ist ein multitaskingfähiges, im Multiuser-Betrieb einsetzbares Betriebssystem.

Der Druck der Anwender steigt immer mehr

Im Frühjahr vergangenen Jahres präsentierte IBM mit der Vorstellung der neuen Rechnerfamilie, dem bislang bereits über zwei Millionen Mal verkauften Personal System /2, auch ein neues Betriebsystem mit Namen BS/2. Die Microsoft-Experten blieben dagegen bei der Abkürzung OS (Abkürzung für den englischen Begriff "Operating System"). Im Gegensatz zu BS/2 läuft die Microsoft-Systemsoftware auf allen IBM-kompatiblen Rechnern.

Parallel zum neuen Betriebssystem MS-OS/2 kündigten nahezu alle größeren Hardware-Hersteller Rechner für den neuen Standard an. Der Druck der Anwender, die zunehmend Arbeitsplätze mit Multitasking-Aufgaben fordern, steigt ständig. Dies gilt vor allem in jenen Bereiche in denen integrierte Softwarepakete eingesetzt werden. Diese leistungsfähigen Programme enthalten verschiedene Einzelsoftware, so zum Beispiel Textverarbeitung, Finanzbuchhaltung, Grafikprogramm und Datenbank. MS-OS/2 unterstützt solche anspruchsvollen Pakete, ebenso wie speicherplatzintensive CAD/ CAM-Anwendungen oder die Verwaltung großer Datenbankbestände.

Um die Vielseitigkeit des neuen Systems optimal ausschöpfen zu können, bedarf es Spezialisten mit einem breiten Spektrum zum Teil neuartiger Qualifikationen. Arbeitslosen Akademikern aller Fachrichtungen etwa, die sich für einen beruflichen Neubeginn in der Informationsindustrie entscheiden, bietet sich hier die Chance, dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die dreizehn Monate dauernde Qualifizierungsmaßnahme EDV-Fachmann/-frau Standard-Personalsysteme", wie sie Control Data Institut als erster Bildungsträger anbietet, wendet sich nach vor allem an Hochschulabsolventen mit logisch-analytischen Fähigkeiten.

Der EDV-Fachmann Standard-Personalsysteme, so Hermann J. Altenhofen, Leiter Produktstrukturierung bei Control Data Institut in München, "ist ein EDV-Spezialist, der umfassend über die neue Qualifikation verfügt". Mit den Personalsystemen und ihrer Einbindung in die IBM-Mainframewelt zeichnet sich ein neuer Industriestandard für die professionelle Anwendungsentwicklung ab. So gehen die Planer im Bildungsinstitut davon aus, daß EDV-Fachleute für Standard-Personalsysteme maßgeblich mitwirken bei Entwicklung und Ausbau von Informations- und Kommunikationssystemen innerhalb der neuen strategischen Linie bei IBM, dem SAA-Konzept. Mit SAA verfolgt IBM ein Büro-Kommunikationskonzept, wofür künftig sämtliche Soft- und Hardware zueinander kompatibel sind.

Fachleute sind sehr gefragt

Der sich entwickelnde Markt für PS/2-Systeme, dessen Umsätze laut IBM "über den Erwartungen" liegen, hat eine starke Nachfrage nach geeigneten Fachleuten für Standard-Personalsysteme nach sich gezogen. In der Praxis sehen die Anforderungen an diese Berufsgruppe folgendermaßen aus:

- Untersuchen von Aufgabenstellungen hinsichtlich ihrer Lösbarkeit mit EDV (Durchführbarkeitsstudien) und Ausarbeitung entsprechender Fach- und EDV-Konzepte

- Entwurf von Fachkonzepten für einheitliche Anwendungsentwicklungen auf der Grundlage von SAA, - Entwicklung von Programmvorgaben für Informations- und Kommunikationssysteme,

- Integration von PS/2-Leistungen in unternehmensweite EDV-Anwendungen, die in Kommunikationssystemen mit Datenbanken realisiert werden.

Durch eine an den Bedürfnissen des Marktes orientierte Qualifizierung wird der PS/2-Fachmann auf kommende Aufgaben vorbereitet. Der Einstieg in die auf dem Arbeits-Markt am häufigsten verlangte Programmiersprache, Cobol, basiert auf Grundkenntnissen sowohl in Datenverarbeitung und Programmierung als auch in Betriebswirtschaft und betrieblichem Rechnungswesen.

Frischgebackener Softwerker im Benutzerservice

Um die Leistungsfähigkeit - der neuen Personalsysteme nutzen zu können, trainiert der angehende PS/2-Fachmann das Einrichten einer MS-OS/2-Entwicklungsumgebung unter Anwendung der jeweiligen Kommandos und Dienstprogramme. In C erstellt er Anwendungs- und systemnahe Programme, mit MS-Windows programmiert er Benutzeroberflächen, Anwendungen zur Verwaltung großer Datenbestände entwickelt und pflegt er mit Hilfe der Betriebssystemerweiterung SQL-Datenbankmanager. In diesem Zusammenhang lernt er Aufbau und Arbeitsweise von SNA-Netzen kennen sowie die Möglichkeiten, PS/2-Systeme darin einzubinden.

In Fallstudien trainiert der künftige PS/2-Fachmann Arbeitstechniken der Software-Entwicklung vom Konzeptentwurf bis zur Dokumentationserstellung. Im letzten Abschnitt des auf dem Bausteinsystem basierenden Unterrichtsprogrammes beschäftigt er sich mit IBMs PS/2-Systemarchitektur und deren Komponenten, wie Mikrokanal und Programmierschnittstelle API. Programmieren in MS-Makro-Assembler bildet die Grundlage, um die Anwendung von PS/2 und die Handhabung von Schnittstellen in Fallstudien zu testen.

Nach der Ausbildung kann der frischgebackene Fachmann zum Beispiel als Software-Entwickler in den mittlerweile von vielen Großunternehmen eingerichteten Benutzerservice-Zentren anfangen.

*Christl Ziegel-Pirthauer ist EDV-Fachjournalistin und arbeitet in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Control Data Instituts, München.