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15.10.1999 - 

Interview

"Der Portalmarkt ist noch rein spekulativ"

Mit Hans Seidel, dem seit August amtierenden Peoplesoft-Geschäftsführer, sprach CW-Redakteur Hermann Gfaller

CW: Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Seidel: Meine Aufgabe wird etwas anders. Unter der Leitung von Ulrich Lindner wurde die Startup-Phase des Unternehmens hierzulande mehr oder weniger abgeschlossen. Jetzt geht es um die Etablierung der Komponenten, die über Personal-Management hinausgehen. Meine Aufgabe ist es, darauf zu achten, inwieweit sich die von der US-Zentrale angekündigten Produkte für den hiesigen Markt eignen. Ich möchte mich auf das Wesentliche konzentrieren und daher keine zu breite Produktpalette anbieten.

CW: Wo positionieren Sie Ihr Unternehmen im deutschen, von der SAP dominierten Markt?

Seidel: Lassen Sie es mich so formulieren. Wenn wir versuchen, hier als betriebswirtschaftlicher Vollsortimenter aufzutreten, dann wird der Erfolg vermutlich sehr lange auf sich warten lassen.

CW: Sie suchen also nach Nischen.

Seidel: Wir suchen uns Produktbereiche, in denen der Wettbewerb nicht ganz so hart ist, und Branchen, für die unsere Software paßt.

CW: Können Sie konkreter werden?

Seidel: Unsere Human-Resource-Software ist eine so gute Basis, daß wir uns hier nicht auf Branchen festzulegen brauchen. Wir bauen den Dienstleistungsbereich aus, bieten Lösungen für den Behördenmarkt an und zielen mit unserer Finanzsoftware auf Banken und Versicherungen.

CW: Die Unternehmen der Versicherungs- und Finanzbranche gelten eher als Abnehmer von hochkomplexer Individualsoftware. Außerdem ist diese Gruppe nicht allzu groß. Lohnt sich dieser Markt?

Seidel: Es gibt bei den Versicherungen Bedarf, etwa im Bereich Enterprise-Performance-Management. Tatsächlich rechnen wir hier nicht mit großen Kundenzahlen, sondern mit wenigen lukrativen Projekten. Wir verstehen uns als Lösungsanbieter.

CW: Sie bauen Ihren Dienstleistungsbereich aus?

Seidel: Schon jetzt bringt der Dienstleistungsbereich mehr als das Lizenzgeschäft. Für uns sind Geschäfte erst dann abgeschlossen, wenn der Kunde mit unserer Software produktiv wird.

CW: Im Vorfeld Ihrer weltweiten Anwenderkonferenz wurde der Zukauf von Clarify oder Vantive erwartet, womit Sie sich um Produkte für Customer-Relationship-Management verstärkt hätten. Warum ist daraus nichts geworden?

Seidel: Ich kann nicht ausschließen, daß es noch zu Zukäufen kommt, aber das liegt nicht in meiner Zuständigkeit*. Wir sind aber bislang auch ganz gut damit gefahren, unsere Produkte durch Partnerschaften zu ergänzen. Wichtig ist lediglich, daß der Kunde eine Lösung erhält, als käme sie aus einem Guß.

CW: Sie rücken Internet und Analyse-Instrumente in den Vordergrund. Bremsen Sie den Ausbau Ihrer ERP-Funktionen zugunsten des Internet und Ihrer Kernkompetenz im Bereich Human Resources?

Seidel: Wir verfolgen nach wie vor den Weg zum umfassenden ERP-Anbieter. Das Internet ist hier eine der Erweiterungen. Die von Ihnen angesprochenen Analyse-Instrumente gehen über den Personal-Management-Bereich hinaus und sollen besser fundierte Unternehmensentscheidungen ermöglichen.

CW: Portaltechniken sind bei Ihren Wettbewerbern derzeit groß in Mode. Wie sieht denn Ihre Internet-Strategie aus?

Seidel: Wir haben dafür gesorgt, daß unsere Software Internet-fähig ist und um Internet-Produkte angereichert wird.

CW: Um welche?

Seidel: Es gibt Web-Portale für den Ein- und Verkauf. Die anderen von uns angekündigten Produkte sind eher für den US-Markt gedacht.

CW: Für die Beschaffung haben fast alle Ihre Mitbewerber Portale angekündigt. Läge es nicht näher, sich auf Angebote aus dem Bereich Human Resources zu konzentrieren?

Seidel: Ich kann nur sagen, daß wir in England und in den USA Partner für die Beschaffung via Web gefunden haben.

CW: Womit wollen Sie hier Geld verdienen?

Seidel: Diese Frage kommt noch etwas zu früh. Wir befinden uns bei den Portalmärkten noch im rein Spekulativen.

CW: Investieren Sie ins Blaue hinein?

Seidel: Alle Analysten sagen, daß hier Geld zu vedienen ist. Womit genau, weiß noch keiner. Jeder, der hier schon eindeutig Stellung bezieht, läuft Gefahr, seine Haltung in zwei Wochen wieder revidieren zu müssen.