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22.10.1982 - 

BMFT wünscht mehr finanzielles Engagement bei Großprojekten

Der Postminister setzt auf Kupferkoaxialnetze

BONN - Erste Hinweise darauf, welche Initiativen die neue Bundesregierung bei der Anwendung und Förderung neuer Technologien ergreifen will, gab es jetzt durch die frisch bestallten Minister Dr. Heinz Riesenhuber (Forschung und Technologie) und Dr. Christian Schwarz-Schilling (Post). Der Forschungsminister will die Industrie einladen, sich bei Großprojekten finanziell stärker zu beteiligen: der Postminister setzt darauf, durch verstärkte Investitionen im Kommunikationsbereich neue Arbeitsplätze schaffen zu können.

In seiner Ansprache auf dem Symposium "Technologie-Transfer aus Forschungseinrichtungen" im Bonner Wissenschaftszentrum wies Riesenhuber darauf hin, daß der Anteil der Wirtschaft an der Grundlagenforschung in der Bundesrepublik lediglich drei Prozent beträgt. Er sprach sich daher für eine verstärkte Kooperation zwischen Großforschungseinrichtungen und Industrie bei Großprojekten aus, wobei die Wirtschaft bereits im Stadium der Definition und Planung einbezogen werden soll.

An die Adresse der zwölf Großforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder gerichtet, forderte Riesenhuber verstärkte Anstrengungen für die Umsetzung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse in die wirtschaftliche Nutzung. Seiner Meinung nach sind die Auswirkungen dieser Einrichtungen auf die Industrie in der betreffenden Region noch nicht voll ausgeschöpft. Als Beispiel für eine solche gelungene Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft nannte er das kalifornische "Silicon Valley".

Lobend äußerte sich der Forschungsminister dagegen insbesondere über die erfolgreiche Verwirklichung des Technologie-Transfers durch die Fraunhofer-Gesellschaft Um die Umsetzung von Forschungsergebnissen für kleine und mittlere Betriebe, die im Gegensatz zur Großindustrie keine eigenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten haben zu fördern, will Riesenhuber einen Preis in Höhe von etwa 30 000 Mark für einen besonders gelungenen Technologie-Transfer aussetzen.

Auf die Frage nach den künftigen Schwerpunkten bei der Forschungspolitik verwies der Forschungsminister auf die Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Dieser hatte betont, daß die Bundesregierung für die Anwendung moderner Techniken und die Entwicklung neuer Technologien "vor allem im Kommunikationswesen" eintrete. Eine besondere Verantwortung liege hierbei bei der Deutschen Bundespost, die zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und zur Überwindung der gegenwärtigen Wachstumsschwäche beitragen müsse.

Dies unterstrich auch der neue Bundespostminister Schwarz-Schilling in einem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in Bonn. Durch verstärkte Investitionen in die Kommunikationsnetze erwarte man sich vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen. Da die Glasfasertechnik noch nicht zur Verfügung stehe, will Schwarz-Schilling bei der Verkabelung auf die Kupferkoaxialtechnik - "eine ausgereifte Technik" - zurückgreifen. Außerdem soll der Postetat des nächsten Jahres für die Einführung neuer Dienste wie Bildschirmtext verwendet werden. Der Minister weiter: "Wir werden uns bemühen, sehr schnell die Satellitentechnik für Fernmeldeübermittlungen, sehr schneller Datenverkehre Telefon, vielleicht aber auch die Verteilung von Rundfunk und Fernsehen in unser Kommunikationsnetz einzubeziehen.

Auf die Frage, wie viele Arbeitsplätze man denn durch die Postinvestitionen, die im nächsten Jahr bei mehr als 14 Milliarden Mark liegen werden, erwarte, nannte Schwarz-Schilling als Orientierungszahl etwa 25 000 Arbeitsplätze pro eingesetzte Milliarde Mark. Die genannte Summe von 14 Milliarden sei allerdings der Gesamtetat der Post und nicht nur für neue Arbeitsplätze gedacht.

In derselben Sendung meinte Hans Matthöfer, der Vorgänger von Schwarz-Schilling im Amt des Postministers, ein reines Kupferkoaxialkabel-Verteilungsnetz sei eine "innovatorische Sackgasse". Der neue Minister unterschätze zum Beispiel die Lebensdauer von Kupferkabelanlagen, und er überschätze den Preis der Glasfaser. Für die deutschen Mikroelektronikhersteller sei es unter dem Aspekt des Exports und auch im Sinn einer weiteren technischen Entwicklung bei den Endgeräten viel besser, das neue dienstintegrierte Glasfaserkabel einzusetzen. Für die Arbeitsplätze habe es Überhaupt keine Auswirkungen, ob die Post in Kupferkoaxialkabelnetze investiere oder ob sie damit neue Technologien fördere, die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärkten.