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15.06.1990 - 

Fachliche Weiterbildung reicht nicht aus

Der Programmierer muß das Kommunizieren noch lernen

Qualifikationsprofile zeigen, daß Kommunizieren in Wort, Bild und Schrift nicht die Stärke von Programmierern ist. Die Folge: Unzureichender Wissenstransfer vom Programmierer zum Anwender. Ein Kommunikations- und Persönlichkeitstraining kann jedoch beiden helfen, aus frustrierten Gegnern kooperative Partner zu machen.

Gegenstand der meisten Anfragen sind Funktionen und Bedienung bestehender DV-Lösungen. Um so bedenklicher ist die Situation in Zeiten der "Hochkonjunktur" in der DV-Abteilung. Die Unterbrechungen der Programmierer verursachen einen Auftragsstau. Arbeiten bleiben liegen oder werden verschoben, zumindest dann, wenn die Ertragslage des Unternehmens oder der Arbeitsmarkt die Rekrutierung neuer EDV-Spezialisten verhindern. Ein gezieltes Kommunikations- und Persönlichkeitstraining kann hier Programmierkapazitäten freischaufeln.

Wie groß sich das Programmierpotential darstellt, das heißt, wie stark der Bedarf nach dem Kommunikations- und Persönlichkeitstraining ist, ergibt sich aus dem Umfang der Anwenderanfragen an die Programmierer. Ist es dem einzelnen Programmierer nicht gelungen, sein Know-how ausreichend in den Anwendungsbereich zu übermitteln, wird er sehr stark von den Anwendern frequentiert. Diesen Programmierern sollte ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. Häufig wird dann festgestellt, daß sie ihr Wissen nicht weitergeben wollen oder können. Ersteres ist eine Frage der Persönlichkeit, letzteres eine solche der Kommunikationsfähigkeit.

Wie sieht der Wissenstransfer um eine DV-Lösung in der Praxis aus? Findet überhaupt eine Präsentation der Problemlösungen der DV-Spezialisten statt, wird der Anwender häufig mit Spezialinformationen "zugeschüttet", die er überhaupt nicht verstehen, kanalisieren und umsetzen kann. Auch hier gilt: Für die meisten Programmierer ist Informationsmarketing nur ein Schlagwort geblieben. Ansonsten würden die Schulungsinhalte und -formen nach den Bedürfnissen der Anwender ausgerichtet, nicht nach denen der Programmierer und von letzteren zur Selbstdarstellung genutzt.

Kein Wunder, daß bei soviel Spezialistentum jetzt der eingeschüchterte Anwender nicht mehr vermag, seine "banalen" Fragen zu den eigentlichen Funktionen und zur Bedienung der Problemlösung loszuwerden. Damit kommt es schon bei einfachen Programmen zu zahllosen ungeklärten Fragen und Problemen. Viele mögliche Funktionen der Programme werden teilweise, da unbekannt, anschließend gar nicht benutzt. Dem Anwender wurde nicht genug Verständnis übermittelt.

In der Praxis bedeutet dies für den Anwender den Griff zum Telefonhörer und für den Programmierer eine der zahllosen Unterbrechungen in seiner Entwicklungstätigkeit. Je nach Anzahl der installierten Programme und Anwender läuft der Programmierer Gefahr, überproportional viel von seiner kostbaren, weil knappen Arbeitszeit zu verlieren.

Die große Frage bleibt: Wollen oder können die EDV-Spezialisten ihr Know-How nicht hinreichend transferieren? Der Fall des "Nicht Möchtens" entpuppt sich häufig als Persönlichkeitsproblem des DV-Spezialisten. Er möchte gefragt sein und zum Engpaß im Unternehmen avancieren. So kann man sich in eine uneinnehmbare Wasserburg begeben und unentbehrlich machen. Im Falle des "Nicht Könnens" liegt einfach nur ein Mangel der Kenntnis um die geeigneten Kommunikationsmethoden vor. Wie oben festgestellt wurde, schaffen hier Trainings Abhilfe.

Für das Kommunikationstraining sollte der Inhalt die Kommunikation in Wort, Bild und Schrift ausmachen. Bei den Kommunikationsschulungen für das gesprochene Wort gehören Themen wie Vortragstechnik, Zuhörereigenschaft, gezielte Interpretation von Anwenderfragen, Gesprächssensibilität und Fragetechnik in den Basisumfang. Die Programmierer müssen einfach darauf getrimmt werden, festzustellen, welche Probleme für den Anwender an Informationen in welcher Form zuzumuten ist. Kann sich der Anwender während einer Schulung nicht ausreichend artikulieren, muß der Programmierer durch gezieltes Hinterfragen den Anwender unterstützen.

Problemlösungen sind zudem verständlicher, wenn sie visualisiert werden. Ein Bild zählt mehr als tausend Worte! Wichtig ist es, dem Anwender die Funktionen und ihre Zusammenhänge darzustellen. Informationsflußdiagramme sind hierzu besonders geeignet. Alle die Funktionen und Dateien, die für den Anwender unwichtig sind, können als Black-Box dargestellt werden. Da der Programmierer die Anwenderlösung kennt, bedeutet es für ihn wenig Aufwand, eine Visualisierung vorzunehmen, für den Anwender jedoch einen um so höheren, sich das neue Programm zu veranschaulichen, wenn nichts visualisiert ist.

Zudem sollte der Anwender eine Anwenderdokumentation flankierend zur Demonstration einer neuen Problemlösung erhalten. Häufig sind nicht nur Zeitprobleme die wahre Ursache, die Programmierer von einer Anwenderdokumentation zurückschrecken lassen, sondern das "Nicht-Gewußt-Wie". Kommunikationsunterweisungen müssen daher auch Dokumentationsschulungen beinhalten.

Dort, wo der Programmierer aufgrund mangelnden Selbstvertrauens einen Wissenstransfer unterläßt, helfen Personalgespräche und Persönlichkeitstrainings. Es ist dem EDV-Spezialisten klar zu machen, daß eine "Mauerstrategie" auf lange Sicht niemanden nach vorne bringt. Vielmehr tritt der gegenteilige Effekt ein. Mit zunehmendem Ausmaß an installierten Problemlösungen, muß der Programmierer immer mehr Zeit aufwenden, um lästige Anwenderfragen zu beantworten.

Auf mittlere Sicht wird die verbleibende Zeit für Entwicklungsarbeiten schrumpfen. Irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, daß dem Programmierer aufgrund von Überlastung kein strategisch wichtiges Projekt mehr gegeben werden kann. Er gerät dann ins Abseits. Projekte werden von neuen Kollegen und Softwarehäusern an ihm vorbei entwickelt. Mit dem Ende der Lebensdauer seiner Software neigt sich dann auch die Ära des Programmierers dem Ende entgegen.

Zielsetzung des Persönlichkeitstrainings muß es sein, den Programmierer soweit aufzubauen, daß er seine Programmentwicklungen der Vergangenheit nicht als "Eintagsfliegen" betrachtet und einen tiefen Wassergraben um sie herum zieht. Er muß von seinem Stellenwert im Unternehmen und am Arbeitsmarkt überzeugt sein. Dann wird er seine Arbeit freiwillig transparent gestalten.

Der Wert am Arbeitsmarkt steigt

Durch fortwährende Teilnahme an immer wieder neuen Projekten wächst der Programmierer mit jeder neuen Aufgabenstellung und damit sein Wert am Arbeitsmarkt. Meint das Unternehmen, auf ihn verzichten zu können; nun gut, es gibt nicht nur einen Arbeitgeber. Nur der Ängstliche will sich in seiner Burg mit einem möglichst tiefen Wassergraben verschanzen.

Die Ausführungen zeigen, daß neben der fachlichen Schulung der Programmierer ein Kommunikations- und Persönlichkeitstraining seine Berechtigung hat. Sowohl Unternehmen als auch Programmierer profitieren davon. Knappe Personalkapazitäten können dann abermals für Neuentwicklungen freigesetzt, die Effizienz der DV-Abteilung gesteigert werden.