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19.06.1987 - 

Computerdisplays werden in der Zukunft Bilder und Daten wie zarte Gespinste erscheinen lassen:

Der Raum hat nicht nur drei Dimensionen

Mit den Schwächen der heutigen und den Stärken künftiger Computerdisplays befaßt sich Charles P. Lecht, der in Tokio als Korrespondent für den IDG News Service tätig ist. Dabei entwirft er eine kühne Vision der Bildausgabetechnik der Zukunft.

Das Computerdisplay stellt das einzige Fenster zum Innenleben eines Rechnersystems dar, das wir besitzen. Als solches ist seine Bedeutung kaum zu überschätzen. Doch von allen Fortschritten, die in den vergangenen Jahren erzielt wurden, waren wenige dazu geeignet, die grundlegenden Schwächen zu beseitigen, mit denen wir seit den Frühzeiten des Computerbildschirmes zu kämpfen haben: zu kleine Darstellung, für die Augen eine Tortur und zu teuer. In vielen heutigen Portables und Desktop-Systemen ist der mitgelieferte Bildschirm praktisch unlesbar. In Geräten, die neuere Technologien unterstützen, sind sie einigermaßen erträglich - für den jungen Anwender mit (noch) ungetrübtem Sehvermögen. Der typische Benutzer eines solchen Systems ist jedoch Angestellter mittleren Alters mit bereits einigen Sehschwächen.

Manche Bildschirme scheinen von ihrem Konstrukteur nicht für den menschlichen Bedarf entworfen zu sein, sondern für einen dieser Roboter, die normalerweise in Banken damit beschäftigt sind, jene seltsamen kleinen Zeichen am unteren Rand eines Schecks zu lesen. In allen Fällen ist die Position des Betrachters relativ zum Bildschirm von kritischer Bedeutung, und um zu erkennen, was immer der Benutzer erkennen will, ist ein sehr geringer Abstand von besagtem Bildschirm erforderlich.

Es ist unschwer einzusehen, warum nicht mehr Innovation in die Entwicklung moderner Displays investiert wurde: Unfähigkeit, nicht Mangel an Wille ist der Grund. Es ist schon ein kompliziertes Geschäft, Daten und Bilder in unseren Computersystemen zu erfassen, zu verschlüsseln und zu speichern - die Erzeugung von Resultaten und deren visuelle Darstellung auf elektronischem Weg ist meßbar schwieriger. Es ist nun einmal so: Computer haben weniger Schwierigkeiten beim Lesen als Menschen! Aber Abhilfe ist in Sicht, auf dem Gebiet der Display-Technologie stehen wichtige Durchbrüche ins Haus.

So sehen beispielsweise Probleme mit Bildschirmgröße und Betrachterposition einer Lösung entgegen. Auf der Tokioter Messe "Communication '87" war ein Display zu sehen, das bisher nur in Japan vorgestellt wurde und dessen Bedeutung nur als eminent bezeichnet werden kann. Es handelt sich um einen intelligentes Farbdisplay mit 93 Zentimeter Schirmdiagonale, präsentiert von Japans Elektroriesen Mitsubishi.

Intelligent ist der Bildschirm insofern, als er sich selbsttätig auf die Signale praktisch jedes derzeit marktgängigen Computers einstellen kann, ganz gleich ob PC, Textverarbeitungssystem oder CAD-Maschine. Das Gerät, Typenbezeichnung XC3710/XC3720, stellt gleichzeitig den ersten 37-Zoll-Monitor dar.

Die Bedeutung dieses Systems begreift derjenige sofort, der schon einmal versucht hat, Computer-Resultate auf einem Standard-Monitor mit 35 Zentimeter Diagonale einer Gruppe von zehn oder mehr Betrachtern vorzufahren.

Mit dem neuen Monitor kann nun eine solche Zuhörerschaft die Daten auf einem praktisch flachen Schirm betrachten - in einem Format, das zwei aufgeschlagenen Seiten des "Wall Street Journal" entspricht. Und man sitzt dabei auch noch entspannt und komfortabel in einer vernünftigen Distanz zum Bildschirm.

Das Bild ist heller als das von Standard-Bildröhren und kann aus jedem Winkel gleich gut betrachtet werden. Das Gehäuse ist mit einer Tiefe von 51 und einer Breite von 79 Zentimetern auch nicht so gigantisch, daß es nicht mehr in einen Konferenzraum passen würde. Warum ist ein Farbfernsehprojektor keine Alternative zu einem derartigen System? Nun, die meisten dieser Systeme funktionieren nicht eben sehr gut, außer man ist willens, gleich Zehntausende von Mark zu investieren, und sogar dann gibt es Probleme.

Es kann kaum Zweifel daran bestehen, daß viele Anbieter Mitsubishis Beispiel folgen und ähnliche oder sogar bessere Displaysysteme produzieren werden. Die Entwicklung geht zu immer größeren und flacheren Bildschirmen, bis sie eines Tages dünn wie Papier und biegsam sind.

Der nächste wirkliche Durchbruch wird ganz zweifellos in Systemen bestehen, die Computerdaten auf ein nahezu beliebiges Medium projizieren können, und das ganze auch noch bei Tageslicht. Damit würde die Notwendigkeit entfallen, einer Bildröhre gegenüberzusitzen, die uns Elektronen und Röntgenstrahlen entgegenschleudert, welche auch die widerstandsfähigsten von uns langsam braten und womöglich sogar sterilisieren - mit allen Folgen für die Gesundheit.

Ist das Projektionsproblem erst einmal gelöst, können wir die Herausforderung der Darstellung dreidimensionaler Bilder in Angriff nehmen. Nachdem hier bereits eine Reihe von Versuchen mit Spezialbrillen ein unrühmliches Ende genommen hat, wird uns der nächste Durchbruch von der Notwendigkeit solcher Brillen befreien. Großwand-3D-Projektion computergenerierter Echtzeitbilder wird dann unseren Appetit auf das A und 0 der Computertechnik anregen: die holographische Darstellung. Wenn das soweit ist, werden Speicher in der Größenordnung von Terabytes und Maschinen, die in Picosekunden arbeiten, unsere Schreibtische zieren.

Anfangs in Glasrahmen vom Format heutiger Bildschirme werden uns holographische dreidimensionale Darstellungen von Bildern und Daten wie zarte Gespinste erscheinen, schwebend und bewegungslos. In einer weiteren Entwicklungsstufe werden uns bewegte Bilder mit immer naturgetreueren Darstellungen der Wirklichkeit immer näher bringen. Dann, eines Tages in ferner Zukunft, wird dieses Fenster so weit gewachsen sein, daß es die Abmessungen des Systems sprengt, in die es bisher eingesperrt war. Dann werden wir das Fenster zu unserer Welt der Computer betreten haben und von innen heraus sehen und erkennen können, wo wir einmal waren.