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11.03.1988 - 

Debüt der Vertriebssysteme Amadeus und Galileo auf der ITB:

Der Reisemarkt wird zur DV-Service-Domäne

BERLIN - Wenn die CeBIT ihre Pforten öffnet, haben Anwender aus der Touristikindustrie ihre DV-Messe schon hinter sich. Schnelle Information stellt für diese Branche mittlerweile einen so wichtigen Wettbewerbsfaktor dar, daß auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Software und Vernetzung zu zentralen Themen geworden sind. Als Debütanten dabei: Amadeus und Galileo, die Reisevertriebssysteme der Airlines.

Vor acht Monaten kannte noch niemand die Namen, heute drängen sich bereits die Fachbesucher an den Ständen der beiden künftigen DV-Dienstleister. Bis zum Frühjahr 1989 wollen Amadeus, das Joint-Venture von Lufthansa, Air France, Iberia und SAS, und Galileo, das Konkurrenzunternehmen von British Airways, Swissair, Alitalia und KLM, ihre Startlöcher verlassen und die ersten Projektphasen abgeschlossen haben. Verläuft alles nach Plan, geht ab 1990 für größere Reisebüros in Europa ohne Anschluß an eines der beiden Systeme nichts mehr.

Ein halbes Jahr haben die Manager der beiden Distributionssysteme gebraucht, um die innereuropäischen Claims abzustecken. Inzwischen ist der Markt aufgeteilt. Amadeus, mit den traditionellen Univac-Anwendern als Kerngruppe, repräsentiert nun elf Fluggesellschaften mit einem jährlichen Aufkommen von fast 90 Millionen Passagieren und der entsprechenden neunstelligen Zahl an Buchungstransaktionen. Als vorerst letzter Partner kam im Februar die Finnair dazu (4,5 Millionen Fluggäste per annum).

Widerpart Galileo vertritt seit dem Einstieg der belgischen Sabena neun europäische Airlines; zusätzliches Mitglied des Konsortiums ist die United-Airlines-Schwestergesellschaft Covia, die das US-Reservierungssystem Apollo betreibt. Die europäischen Gründungsgesellschafter der Gruppe planen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge, für 350 Millionen Dollar einen 35-Prozent-Anteil an Covia zu kaufen. Bei Galileo wagt man die Prognose, daß 1990 ein Volumen von 657 Millionen Transaktionen abzuwickeln sein wird, bei kräftig steigender Tendenz in den Folgejahren.

Auf der ITB '88, die am 10. März zu Ende ging, zweifelte niemand daran, daß in der Bundesrepublik weder Galileo noch das amerikanische System Sabre (American Airlines) für Amadeus gefährlich werden können. Denn das Unternehmen mit dem Mozart-Vornamen wird seine Dienste anstelle der Lufthansa über das marktbeherrschende "Start"-System der deutschen Reisewirtschaft anbieten. Und weil Start gleichzeitig die Verbindung zur Bundesbahn und zu Tourveranstaltern wie Touristik Union International (TUI) herstellt, braucht jedes größere Reisebüro ein solches Terminal. Anbietern wie der mit aggressiver Verkaufspolitik auftretenden Sabre werden eher Chancen in Nischenmärkten beigemessen, etwa im USA-Geschäft.

Offiziell wird es keine "Amadeus-Terminals" geben. Dennoch muß die Reisebranche in solche Hardware investieren: Den vollen Funktionsumfang der Amadeus-Dienstleistungen kann der Anwender nur mit einem PS/2-System und der dann mitgelieferten Software nutzen. Trotz eines Dementi des bisherigen Start-Terminal-Lieferanten Siemens hielt sich auf der ITB die Meinung, dieser deutsche Konzern werde demnächst eine Lizenz für die PS/2-Architektur bei der IBM erwerben.

Das am heftigsten umstrittene Thema in der Branche ist derzeit, inwieweit die Reisevertriebssysteme bestimmte Airlines oder Anbieter zusätzlicher Produkte - etwa Hotels oder Mietwagen - begünstigen. Nach offizieller Darstellung sind alle Systeme "neutral und nicht-diskriminierend" ausgelegt (Galileo) oder "objektiv und wertneutral" (Amadeus). Andererseits richten die Galileo-Partner in ihrer Marketingabteilung eine "funktionale Einheit" ein, die den vielsagenden Titel "Display Policy" trägt.

Die Technik, mit deren Konkurrenten ihr Marktpotential erschließen wollen, ist weitgehend identisch. Sowohl das riesige Amadeus-Rechenzentrum, das in diesem Jahr in Erding bei München gebaut wird (IBM als Generalunternehmer, bis zu 12 CPUs, 200 Speichereinheiten Ó 4 Drives), als auch die deutlich kleinere Galileo-Datenzentrale im englischen Swindon werden mit Clustern aus Rechnern des Typs 3090-180E arbeiten.

Auch bei der Software und der Peripherie liefert Big Blue Identisches. Zunächst sollen die Systeme unter dem Betriebssystem TPF 2.3 HPO (TPF = Transaction Processing Facility; HPO = High Performance Option) laufen. Die Mehrprozessorversion TPF 2.4 ist in Vorbereitung, so daß ein Upgrade auf das 3090-Modell 400E denkbar wäre. Die angestrebte Verfügbarkeit beziffern Amadeus und Galileo auf 99,8 Prozent. Falls diese nicht erreicht wird, kommt IBM den Kunden gegenüber in die Bredouille: Diese Availability ist Vertragsbestandteil.