Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.07.2004 - 

Zusatzstudiengänge vermitteln kein tiefes IT-Wissen, aber:

Der richtige MBA-Abschluss öffnet Türen

Management-Wissen, Internationalität, betriebswirtschaftliches Know-how, soziale und kommunikative Kompetenz - all dies wollen MBA-Studiengänge vermitteln, die mittlerweile in Deutschland Schule machen: 90 Lehrinstitute bieten insgesamt 140 solche Programme an. Das Vorbild der Master-Studiengänge kommt aus den englischsprachigen Ländern. Ein MBA-Examen renommierter Hochschulen wie Harvard, Columbia oder Stanford in den USA oder der London Business School in England gilt als Eintrittskarte in die Führungsetage internationaler Unternehmen.

Aber MBA ist nicht gleich MBA. Schon bei den Studiengebühren tut sich eine große Spanne von 2500 bis über 60000 Euro auf, wobei die renommierten amerikanischen Institute jeweils über 60000 Dollar für ein 16- bis 20-monatiges Studium verlangen. Auch thematisch gibt es hierzulande große Unterschiede, da die Anforderungen an die Lehr- und Prüfungsinhalte sowie die Anerkennung der Studienabschlüsse der Kulturhoheit der einzelnen Bundesländer unterliegen. Da kann es gelegentlich sogar passieren, dass ein MBA-Titel von einem Bundesland anerkannt wird und von einem anderen nicht. Generell lassen sich die deutschen MBA-Angebote aufgrund ihrer jungen Geschichte und geringeren Internationalität nur sehr bedingt mit der Konkurrenz im Ausland vergleichen. Nur wenige erreichen das Niveau der angelsächsischen Vorbilder oder verfügen über eine international anerkannte Zertifizierung.

Internationale Programme fördern die Karriere

"Das heißt aber nicht, dass man schlechthin von Studiengängen in Deutschland abraten muss", sagt Birgit Giesen, Geschäftsführerin der Personalberatung Staufenbiel und Autorin des Buches "Das MBA-Studium"**. "Bei der Auswahl des Studienganges und der Hochschule kommt es vor allem darauf an, welche Ziele man mit dem Examen verfolgt." Wer mit dem MBA seine Karriere beschleunigen und diese auch international ausrichten wolle, sollte auf ein renommiertes Institut setzen - am besten im Ausland. Denn die internationale Ausrichtung deutscher Studiengänge - und speziell das Studium in englischer Sprache - kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. "Es gibt Hochschulen, an denen mehr als 80 Prozent der Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfindet, aber auch welche, an denen fünf bis zehn Prozent englischer Unterrichtsanteil eher als Feigenblatt dienen", hat Giesen beobachtet. Trotzdem: Wem es im Wesentlichen um die eigene Fortbildung, betriebswirtschaftliches Wissen und kommunikative Fähigkeiten geht, für den ist die regionale Hochschule oft die richtige Wahl.

Viele deutsche Hochschulen bieten MBA-Titel mit unterschiedlichsten Schwerpunkten an: Von "Internationales Immobilien-Management", "Industrie-Marketing und technischer Vertrieb" über "Management for Central and Eastern Europe" und "Medien und Event-Management" bis zum Gesundheits- oder Informations- und Kommunikations-Management reicht die Palette. Zwar erlauben auch die Vorbilder in den USA und im europäischen Ausland eine gewisse thematische Vertiefung, "aber das MBA-Studium ist eher generalistisch angelegt - die Ausprägung und Zusatzbezeichnungen sind typisch deutsche Eigenheiten", sagt MBA-Expertin Giesen.

MBA vermittelt ganzheitliche Sichtweise

Auch MBA-Studiengänge mit IT-Schwerpunkt gibt es an unterschiedlichen deutschen Hochschulen. Professor Thomas Kattler ist beispielsweise Initiator und Studiengangsleiter für das MBA-Programm "Informations- und Kommunikations-Management" am Internationalen Hochschulinstitut Lindau, das zur Fachhochschule Kempten gehört. Sein Programm richtet sich sowohl an IT-Fachleute und Techniker, die ihr betriebswirtschaftliches Wissen ausbauen wollen, als auch an Business-Manager, die ihre IT-Kenntnisse vertiefen möchten. Je zur Hälfte kommen seine Teilnehmer aus dem BWL- sowie dem IT-Bereich.

Kattler sieht seinen Studiengang mit IT-Schwerpunkt nicht als Abkehr vom generalistischen Prinzip: Rund zwei Drittel der Pflichtfächer haben betriebswirtschaftliche Inhalte, etwa ein Sechstel behandelt Inhalte der Informatik oder Wirtschaftsinformatik. Themen wie Programmierung oder Prozessorarchitektur allerdings sucht man auf dem Lehrplan vergeblich. Ein Informatikstudium könne dieser MBA nicht ersetzen, räumt der Hochschullehrer ein. Das müsse er aber auch nicht, schließlich komme es eher auf eine ganzheitliche Sichtweise an: "Informatik ist ein technologisches Hilfsmittel, um Daten zu strukturieren und auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen - deshalb wird das Wissen um IT-Zusammenhänge für Führungskräfte unverzichtbar." Zudem sollen die verschiedenen Sprachen der Betriebswirtschaftler und Informatiker "in Einklang" gebracht werden, weshalb auch die Vermittlung von Teamfähigkeit, Kommunikation und andere Soft Skills auf der Agenda steht.

Nikolaus Scholz gehörte zu den ersten Absolventen des Lindauer MBA-Studiengangs. "Meine Erwartungen an das Studium haben sich weitgehend erfüllt", sagt der 34-jährige Maschinenbauingenieur, der sich das knapp 16000 Euro teure Aufbaustudium selbst finanzierte. Er ist bei dem mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer Lindauer Dornier GmbH im Bereich der technischen Dokumentation tätig: "Die entwickelt sich bei uns mehr und mehr zur Informationszentrale für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit meiner technischen Ingenieursausbildung langsam an meine Grenzen stoße." Vor allem fehlte ihm der Zugang zu den immer komplexeren IT-Zusammenhängen.

"Oft mangelt es an der Kommunikation"

Für das Programm "Informations- und Kommunikations-Management" hat er sich entschieden, weil es exakt auf seine Ansprüche zugeschnitten schien - aber eben auch wegen der räumlichen Nähe. "Wenn die Hochschule erheblich weiter entfernt wäre, hätte ich die zweijährige Weiterbildung neben meinem Vollzeitjob nicht machen können", erzählt der Ingenieur. Zwar hat er nicht für alle konkreten IT-Fragen aus seinem Arbeitsalltag Antworten gefunden, aber dafür erfahren, wie man solche Probleme angeht. "Ich hatte anfangs die Hoffnung, dass auch technische Fragen auf dem Programm stehen - aber das war wohl ein wenig naiv", sagt Scholz, dem bald klar wurde, dass in diesem Rahmen nicht über Probleme mit Dateiaustauschformaten diskutiert wird. Sein Fazit fällt dennoch positiv aus: "Neben den BWL- und IT-Inhalten waren es auch Soft Skills, die sich als äußerst hilfreich erweisen. Denn häufig mangelt es nicht an technischen Möglichkeiten, sondern nur an der Kommunikation." So hat der Ingenieur das Gefühl, ein besseres Verständnis für die Unternehmenszusammenhänge bekommen und sich auch für künftige Führungsaufgaben qualifiziert zu haben.

Informatikern rät MBA-Spezialistin Giesen nicht unbedingt zu IT-lastigen Zusatzstudiengängen: "Ein IT-Experte ist möglicherweise mit einem Programm besser bedient, das ihm neue Optionen eröffnet." Das könne zum Beispiel ein Branchenfokus, die Ausrichtung auf eine Weltregion oder einen Funktionsbereich wie Controlling sein. Andererseits eröffne eine Spezialisierung auf IT-Strategie und Informations-Management natürlich auch für den IT-Fachmann eine übergreifende Sichtweise. Für die berufliche Perspektive sei in vielen Fällen aber die Auswahl der passenden Business School wichtiger als die spezieller Inhalte. Laut Giesen entscheidet auch die Art des Studiums über das Renommee des Titels. Für Arbeitgeber gebe es eine klare Rangfolge: Ganz oben rangiert die zweijährige Vollzeitausbildung, gefolgt von dem einjährigen Vollzeitstudium und der Teilzeitausbildung. Am wenigsten schätzen sie das nebenberufliche Fernstudium.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt erfreut sich das MBA-Studium keineswegs überall der ungeteilten Anerkennung, die ihm in den angloamerikanischen Ländern entgegengebracht wird: Etabliert hat sich der MBA-Titel vor allem bei international tätigen Konzernen sowie in den Branchen Banking und Consulting. Viele der großen Unternehmensberatungen unterstützen ihre Mitarbeiter auch finanziell oder stellen sie frei, wenn diese den MBA erwerben oder auch promovieren wollen. Der produzierende Mittelstand dagegen betrachtet das international geprägte Studium oft noch mit Skepsis und bevorzugt nach wie vor Bewerber mit den gängigen deutschen Abschlüssen wie Diplom oder Doktor-Titel.

Auch spezielle Ausprägungen von MBA-Programmen - wie etwa ein IT-Schwerpunkt - spielen für Arbeitgeber eine eher untergeordnete Rolle. "Personalchefs sehen den MBA eher als generalistischen Studiengang, der auf BWL, Internationalität und Soft Skills ausgerichtet ist", sagt Anna Beeger, Recruiting-Managerin beim Personaldienstleister Hays Ascena.

Besonders bei IT-Experten spielten Erststudium und Berufserfahrung eine wesentlich wichtigere Rolle: "Der MBA ist meistens draufgesattelt - für IT-Fachleute bringt hier ein Studiengang mit IT-Schwerpunkt keine weiteren Pluspunkte", hat die Personalexpertin beobachtet. Gegen Teilzeitstudiengänge hat Beeger keine Vorbehalte, eher im Gegenteil: "Wir schätzen es als positiv ein, wenn jemand neben seinem Beruf noch ein MBA-Examen absolviert." Auch die Hochschule spielt eine Rolle: "Ausland ist immer besser."

"Es gibt nicht das beste MBA-Programm schlechthin - das Studienangebot muss nur auf die eigene Berufssituation und Karriereplanung passen", sagt Personalberaterin Giesen. Deshalb rät sie allen Interessenten, die eigene Motivation gründlich zu prüfen, die Hochschule, das Programm und die Art des Studiums sorgfältig auszuwählen. Nicht zuletzt aufgrund der in der Regel sehr hohen Studiengebühren lohnt sich eine genaue Planung. (hk)

*Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.

**Literaturtipp: Birgit Giesen, Claudia Pahlich: "Das MBA-Studium. Mit ausführlichen Porträts der besten Business Schools weltweit", Staufenbiel Köln, 2003 ISBN: 3-922132-15-4, Preis: 18 Euro.

Ausgewählte MBA-Studiengänge in Deutschland mit IT-Schwerpunkt

Institut / Studienprogramm / Abschluss / Dauer / Kosten / Kontakt

SIMT Stuttgart Institute of Management and Technology / Vertiefungsmöglichkeit: Management Information Systems / MBA / Vollzeit: 16 Monate Teilzeit: 20 Monate / 24 000 Euro / Stuttgart 0711/45 10 01 - 0 info@uni-simt.de

FH Offenburg / Schwerpunkte (u.a.): General Management, Information Technology, Logistics / MBA International Business Consulting / Vollzeit: 14 Monate / 5300 Euro / Offenburg 07803/96 98 -43 bc@hf-offenburg.de

FH-Pforzheim / Schwerpunkte (u.a.): Informationstechnologie, Process-Engineering, Logistik, Multimedia, Supply Management / MBA - Master of Business- Administration and Engineering / Vollzeit: 3 Semester Berufsbegleitend: 6 Semester / 92 Euro je Semester (Studentenwerksbeitrag) / Pforzheim 07231/28 -6617 mbae@fh-pforzheim.de

Institute of Electronic Business e.V. / Schwerpunkte (u.a.) IT als Enabler, Kommunikations-, Medien, Projekt- und - Prozess-Management / Executive MBA in Business Engineering (der Universität St. Gallen) / Berufsbegleitend: 18 Monate / ca. 40 000 Euro / Berlin 030/726 29 83 -0 mba@ieb.net

IBR Institute of International Business Relations / Schwerpunkte (u.a.) Strategisches Management und IT for Management / International MBA / Berufsbegleitend: 18 Monate / 18 000 Euro / Neustadt/ W. 06321/670 -343 andreas.kelling@ibr-network.com

Internationales Hochschulinstitut Lindau/Bodensee / Schwerpunkte (u.a.) Informations- und Kommunikationstechnologie, Betriebliche Informationssysteme, Datenbanken, ERP-Systeme, Prozess-Management / MBA Informations- und Kommunikationsmanagement (der FH Kempten) / Berufsbegleitend: 18 Monate / 14 400 Euro / Lindau 08382/277549-0 info@ih-lindau.de

Universität Köln / Schwerpunkte (u.a.): Electronic-Marketing, Economics in a digital Economy, E-Applications, E-Solutions, E-Security / Global E-Management MBA / Berufsbegleitend: 18 Monate / ca. 30 000 Euro / Köln 0221/470 -427 info@isemkoeln.net

Universität Würzburg / Schwerpunkte (u.a.): Management im Zeitalter integrierter Geschäftsprozesse, SAP R/3, Standard-Anwendungssoftware, Integrierte Informationsverarbeitung / MBA Business- Integration / Berufsbegleitend: 24 Monate / ca. 3000 Euro pro Semester, zzgl. 2500 Dollar für Boston University / Würzburg 0931/31 -2450 info@businessintegration.de

Virtual Global University / Schwerpunkte (u.a.): Management Information Systems, Introduction to Computer Science / International Master of Business Informatics (MBI) (der Universität Viadrina Frankfurt/Oder) / Berufsbegleitend, Teilzeit: 24 Monate / ca. 9000 Euro / Berlin 030/32 30 19 46 administration@vg-u.de

Quelle: Birgit Giesen, Claudia Pahlich