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22.10.1976 - 

Entscheidungstabellen und Bildschirme unterstützen die Auftragsbearbeitung

Der Sachbearbeiter hat die Verantwortung

Nach gut einem Jahr Bildschirmanwendung bei der Auftragsdatenerfassung und Auftragsabwicklung im Online-Betrieb sind die Startschwierigkeiten vergessen: "Die Wirtschaftlichkeit unserer Datenverarbeitung hat sich erhöht" heißt es heute bei der Firma Justin Hüppe. Hauptvorteile durch den Einsatz von Bildschirmen: Die Datenerfassung wurde wesentlich sicherer, es ergab sich eine spürbare Entlastung des Lochsaales, durch die Verringerung der Zahl, manueller Eingriffe wurden die Abläufe beschleunigt und Fehlerquellen beseitigt.

Jeder Auftrags-Sachbearbeiter bei Hüppe hat einen bestimmten Schlüssel, um Transaktionen für die Auftragsabwicklung auszulösen. Dieser Code enthält die Sachbearbeiter-Nummer, die automatisch jedem Auftrag zugeordnet wird. Der Sachbearbeiter übernimmt somit zwangsläufig die Verantwortung für die von ihm eingegebenen Daten.

Für Eingabe und Erfassung eines Auftrages können bis zu 37 Programme und 12 Bilder herangezogen werden. Die Zahl der Bilder ist identisch mit der Zahl der Transaktionen - jede Transaktion endet also mit einer: Bildausgabe. Damit ist gewährleistet, daß die dem jeweiligen Bildschirm zugeordneten Arbeitsbereiche im Hauptspeicher nach der Bildausgabe wieder zur Verfügung stehen.

Um eine logische und vollständige Eingabe der Auftragsdaten zu gewährleisten, werden bestimmte Folgetransaktionen automatisch generiert. Der Transaktionscode für die weitere Folge wird bereits durch das Bild vorgegeben oder durch eine Programmentscheidung ermittelt und in die Ausgabemaske gestellt. Dieses Feld ist geschützt und kann am Bildschirm nicht verändert werden.

Nachdem die Freigabe für ein Bild erfolgt ist, werden sämtliche Daten, die eingegeben wurden, über Entscheidungstabellen auch in Abhängigkeit zu vorangegangenen Bildern geprüft. Mögliche Fehlerhinweise erfolgen im Klartext im unteren Teil des Bildes, der Positionsanzeiger wird auf das fehlerhafte Feld gestellt. Handelt es sich um einen Folgefehler, hat der Bediener die Möglichkeit, "zurückzublättern".

Ein Auftrag besteht aus den folgenden fünf wesentlichen Teilen:

1. Auftragsdaten

Alle Informationen, die für den gesamten Auftrag gültig sind, werden hier erfaßt und gespeichert. Kundenangaben für diesen Auftrag, die von den gespeicherten Stammdaten abweichen, können am Bildschirm eingegeben werden. (Beispiel: Versandbedingungen.) Aufgrund gespeicherter Merkmale im Kundenstammsatz wird maschinell die Bonität des Kunden geprüft.

2. Positionsdaten

Im Normalfall kann der Sachbearbeiter mit wenigen Vorgaben eine Jalousienposition erfassen. Alle übrigen technischen Werte werden über Entscheidungstabellen ermittelt und in den Positionsdatensatz gespeichert. Abweichungen von der Standardausführung werden von dem Sachbearbeiter über die Datensichtstation eingegeben.

3. Standardzubehör

Zu jeder Jalousien-Position kann Standardzubehör ermittelt werden. Abhängig von den Positionsdaten werden durch Entscheidungstabellen bestimmte Programme aufgerufen und durchschnittlich 8 Standardzubehörsätze generiert.

Der Sachbearbeiter hat die Möglichkeit, die ermittelten Zubehörteile am Bildschirm anzeigen zu lassen, unter bestimmten Voraussetzungen zu ändern und auszutauschen.

4. Wahlzubehör

Über das Standardzubehör hinaus kann Wahl-Zubehör für eine Position erfaßt werden. Der Bediener gibt die Teile-Nummer an und bekommt das Zubehörteil angezeigt. Die Menge und möglicherweise Maßangaben muß er hinzufügen.

5. Kalkulation

Für einige Aufträge wird positionsweise am Bildschirm kalkuliert. Der Bediener hat die Möglichkeit, durch Veränderung bestimmter Konstanten einen Auftrag unter verschiedenen Gesichtspunkten zu kalkulieren.

Eine Auftragsfreigabe erfolgt erst, wenn alle Positionen erfaßt sind und die Preise dazu ermittelt wurden.

Terminierung im Batch

Die vollständigen Aufträge werden einmal täglich in die Batch-Auftragsdatei übergeben.

Es erfolgt die maschinelle Ermittlung der Vorgabezeiten und die Bestimmung des Fertigungs- und Liefertermins aufgrund der Zeiteinheiten und der Kapazitätendatei. Da Aufträge mit geringen Stückzahlen über Zustellrouten ausgeliefert werden, muß der Tourenplan als zusätzlicher

Faktor bei der Terminfindung berücksichtigt werden. Großaufträge

werden für die Verplanung der Fertigungskapazitäten aufgeteilt, damit nicht Tageskapazitäten für weitere Aufträge blockiert werden.

Fertigungspapiere nach Bedarf

Die maschinelle Terminierung stellt sicher, daß nur die Fertigungsunterlagen erstellt werden, die aufgrund der Fertigungszeiten und der Liefertermine unmittelbar zur Verfügung stehen müssen. Die fälligen Aufträge werden aus der Auftragsdatei ausgewählt, nach fertigungstechnischen Gesichtspunkten sortiert und zu Fertigungsaufträgen zusammengefaßt. Diese Fertigungsaufträge werden gelistet und die Daten für die Terminkontrolle bestimmter Fertigungsstufen in eine Datei gespeichert.

Für alle neuen Aufträge werden sofort Auftragsbestätigungen und Versandpapiere geschrieben. Bei Terminüberschreitungen wird eine Rückstandsliste gedruckt. Die Versandmeldungen für die fertiggestellten Aufträge werden in das System eingespeichert und lösen die maschinelle Fakturierung aus.

Realisierung in zwei Phasen

Die Bildschirmprogramme wurden so geschrieben, daß sie zunächst nur die Minimalanforderungen abdeckten, auf logische Prüfungen wurde weitgehend verzichtet. Die Funktionen der Programme bestanden im wesentlichen aus dem Einlesen von Bildern und Dateien, Aufbereiten von Daten sowie der Ausgabe von Dateien und Bildern. Diese Vorgehensweise hatte folgende Vorteile:

- Programmfehler konnten schnell erkannt werden, da nur wenige Funktionen zu testen waren.

- Die Programme waren wesentlich früher einsatzfähig und die Mitarbeiter der Fachabteilung konnten sich bereits mit den Datensichtstationen und den erzeugten Bildern vertraut machen.

Programm wird seitenweise eingelesen

Der Hauptspeicher wurde in 60 K für Supervisor, 140 K für F 1 für Online-Betrieb, 20 K für BG und 36 K für Pagepool aufgeteilt.

Die Bildschirm-Anwendungsprogramme werden bei dem Start des Systems aus der Core-Image-Library über einen virtuellen Bereich von 1050 K auf eine Magnetplatte ausgegeben. Durch diese Möglichkeit wird die Anzahl der Plattenzugriffe reduziert, da bei einem Aufruf das entsprechende Programm serienweise (= 2 K - VS-Prinzip) in den Hauptspeicher eingelesen wird gegenüber jeweils nur 1 K aus der Core-Image-Library. Außerdem wurde beachtet, daß die Reihenfolge der Programme der Häufigkeit der Aufrufe entspricht.

Nach dieser Phase wurden die Programme um die logischen Prüfungen und Vorgaben mit Hilfe des Entscheidungstabellen-Vorübersetzers advor641 Vorelle erweitert. Die Sachbearbeiter hatten nun bereits die entsprechenden Erfahrungen für die Dateneingabe an den Bildschirmen und konnten die vervollständigten Programme testen.

Testergebnis enttäuschend

Vor der Einführung wurde ein Massentest mit dem gleichzeitigen Einsatz aller 8 Datensichtstationen durchgeführt. Die dabei erreichten Antwortzeiten ließen erkennen, daß das geplante tägliche Eingabevolumen nicht zu bewältigen war. Die Antwortzeiten stiegen sprunghaft an, wenn Eingaben von mehr als 4 Terminals gleichzeitig erfolgten. Das Verhältnis war so ungünstig, daß die gleiche Datenmenge an 4 statt an 8 Bildschirmen eingegeben werden konnte. Messungen ergaben, daß aufgrund des virtuellen Speicherprinzips die Anzahl der Plattenzugriffe (Paging) erheblichen Einfluß auf die Antwortzeiten hatte.

Erfolg mit mehr K und neuen Releases

Eine Erweiterung des Hauptspeichers von 192 auf 256 K brachte eine Verbesserung, die aber noch immer unbefriedigend war. Eine Untersuchung der Bildschirmprogramme und des Datenverwaltungsprogramms zeigte, daß hier noch I/0-Befehle eingespart werden konnten. Nach diesen Änderungen waren die Antwortzeiten annehmbar. Eine weitere Verbesserung brachte der Einsatz von Release 31 und die CICS-VS-Version 1.1.1. Bisher wurden für diese Anwendung keine Fehler in der CICS-VS-Version 1.1.1 festgestellt. Dagegen führten Fehler in der Version 1.1.0 zu erheblichen Schwierigkeiten, die auch entsprechende Verzögerungen für die Dateneingabe bedeuteten.

Das Projekt hat gezeigt, daß der Hauptspeicherbedarf bei vielen unterschiedlichen Terminalprogrammen nicht unterschätzt werden darf, auch das virtuelle Speicherungsprinzip kann hier nur bedingt Abhilfe schaffen. Eine größere und anspruchsvolle Bildschirmanwendung sollte nicht mit einem Hauptspeicher von unter 192 K geplant werden. Als weiterer Punkt müssen die Anzahl der Plattenzugriffe, die durch VS noch erhöht werden, in die Überlegungen einbezogen werden. Die Batch-Laufzeiten erhöhen sich und umfangreiche, besonders I/0-intensive Batch-Programme wirken sich negativ auf die Antwortzeiten aus.

*Günther Schumann ist Hauptabteilungsleiter DV bei Justin Hüppe, Uwe Haun Projektleiter bei ADV/Orga.