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30.06.2005

Der schnelle Weg durch den Zoll

Peter Friesenhahn
Über das IT-Verfahren Atlas lassen sich Einfuhrformalitäten nahezu papierlos erledigen. Gut 5000 Speditionen und andere Unternehmen nutzen die Schnellabwicklung bereits.

Angesichts der zunehmenden Zahl an Ein- und Ausfuhren ist die IT-gestützte Zollabfertigung unverzichtbar geworden. Mit dem Automatisierten Tarif- und lokalen Zollabwicklungssystem (Atlas) der deutschen Zollverwaltung wurde die Ära der reinen Papierverfahren abgelöst. Heute bildet das System alle mit einer Zollanmeldung einhergehenden Vorgänge durchgängig elektronisch ab und schafft so eine transparente Kette sämtlicher zollrechtlichen Schritte.

Atlas ersetzt schriftliche Zollanmeldungen, Einfuhrabgabenbescheide und Verwaltungsakte durch elektronische Nachrichten. Zudem verzichtet der Zoll bei der Zollanmeldung weitgehend auf die Vorlage von Papierunterlagen: Originalbelege sind nur noch in wenigen Fällen vorzulegen.

Die automatisierte Zollabfertigung und -sachbearbeitung reduziert aber nicht nur Papierberge, sondern verkürzt auch Kommunikationswege sowie Verwaltungs- und Verfahrensabläufe. Über 400 Zollstellen arbeiten heute flächendeckend mit dem Atlas-Verfahren. Die Teilnahme bleibt allerdings freiwillig, so dass Zollanmeldungen auf Papier nach wie vor manuell in Atlas nacherfasst werden müssen.

Die Software

Die Atlas-Software besteht aus dem "Elektronischen Zolltarif", den Stammdaten und den Bewilligungen sowie den eigentlichen Zollverfahren inklusive der automatisierten Abgabensatzberechnung. Im aktuellen Release 7.0 behandelt Atlas die Einfuhr, die summarische Anmeldung und das Versandverfahren. Für Fälle, in denen die Beförderung der Waren mehr als einen Staat berührt, wurde eine Schnittstelle zum EU-weiten Versandverfahren NCTS (New Computerised Transit System) geschaffen. Diese regelt die Kommunikation mit allen 28 Partnerländern des NCTS - hierzu zählen neben den 25 EU-Staaten die Schweiz, Norwegen und Island.

Eine Zollabfertigung besteht im Wesentlichen aus drei Schritten: Zunächst prüft ein Zollbeamter, ob die Zollanmeldung zulässig, inhaltlich vollständig und schlüssig ist. Danach entscheidet er nach gewissen Risikogesichtspunkten, ob eine physische Überprüfung der Waren notwendig ist. Zuletzt werden die angemeldeten Waren dem beantragten Zollverfahren überlassen. Die Überführung in den zoll- und steuerrechtlich freien Verkehr ist im Normal- und in vereinfachten Verfahren möglich. Letztere setzen künftig die Nutzung von Atlas voraus.

Teilnahmebedingungen

Mit der Atlas-Teilnahme beantragen Firmen auch die Erfassung ihrer für die Zollverwaltung relevanten Stammdaten und erhalten daraufhin eine individuelle Zollnummer. Sie dient der Teilnehmeridentifikation. Ferner bekommt jeder Teilnehmer eine Beteiligten-Identifikations-Nummer (BIN), die die handschriftliche Signatur ersetzt und primär zur Autorisierung dient.

Wer Atlas nutzen will, muss eine von der Zollverwaltung zertifizierte Schnittstellensoftware einsetzen, wie sie eine Reihe von Dienstleistern anbieten. Das Spektrum der Zugangsmöglichkeiten reicht dabei - je nach Anzahl der Abfertigungen - von der kompletten Inhouse-Lösung bis hin zum Online-Zugang über ein Clearing-Center.

Für den Nachrichtenaustausch zwischen Teilnehmer und Zollverwaltung wird das Edifact-Format (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) genutzt. Die Datenübertragung erfolgt auf Basis eines File-Transfers (FTAM) oder von X.400. Für den verschlüsselten Transfer bieten sich Krypto-Boxen an.

Integration in IT-Systeme

Der größte Nutzen lässt sich durch die Integration der Atlas-Teilnehmersoftware in die firmeneigenen Warenwirtschaftssysteme erzielen. Über Schnittstellen werden alle für die Zollabwicklung relevanten Daten direkt vom Warenwirtschafts- in das Zollsystem des Teilnehmers übernommen und anschließend an den Zoll übermittelt.

Neben den Stammdaten und dem Produktkatalog regelmäßig importierter Waren enthalten die Warenwirtschaftssysteme der Unternehmen auch zolltariflich relevante Angaben über Herkunfts- und Ursprungsland sowie präferenzrechtliche Ursprungseigenschaften. Diese Daten werden zur Zollanmeldung verdichtet und an das Atlas-Rechenzentrum der Bundeszollverwaltung in Frankfurt am Main gesendet. Eingehende Nachrichten werden in Sekunden verarbeitet, der gesamte Vorgang kostet die Zollbeamten wenige Minuten. Die Einfuhrabgaben berechnet Atlas automatisch und schickt den Bescheid als Edifact-Nachricht an das Unternehmen. Im Warenwirtschaftssystem können diese Daten dann direkt verarbeitet werden.

Schalter ohne Schlangen

Dank spezieller Schnellschalter bleibt Atlas-Teilnehmern an den Zollstellen das lange Warten bei der Wareneinfuhr erspart. Zudem liegen dort die Anmeldungsdaten bereits vor, so dass eine Durchsicht der Einfuhrpapiere zum Zeitpunkt der Zollabfertigung häufig entfällt. Eine durchgängig elektronische Abwicklung ist allerdings nicht in jedem Fall möglich: Für bestimmte Waren - etwa Betäubungsmittel, Rüstungsgüter, Frischfleisch, Tiere und Pflanzen - sind Originalpapiere wie Ursprungszeugnisse vorzulegen.

Für Firmen, die seltener Waren zu verzollen haben, gibt es die Zollanmeldung übers Internet. Hierzu füllen die Anmelder ein Online-Formular aus. Plausibilitätsprüfungen, voreingestellte Scroll-Boxen und Wertelisten aus den Anhängen des Merkblatts zum Einheitspapier unterstützen die Eingabe. Mit dem ausgedruckten und unterschriebenen Formular, der importierten Ware und den zugehörigen Unterlagen geht es schließlich zum Zollamt, wo die Anmeldungsdaten bereits vorliegen. Nach dem Erhalt seines Einfuhrabgabenbescheids kann der Anmelder vor Ort seine Abgaben entrichten. Einer weiteren Vereinfachung durch die digitale Signatur steht der Zoll offen gegenüber, wenn sich das Verfahren am Markt weiter durchsetzt.

Für Unternehmen bedeutet die Atlas-Nutzung aber auch, dass sie vorab sehr genau spezifizieren müssen, was sie anmelden wollen. Ungenauigkeiten, wie sie beim Papierverfahren oft vorkamen, duldet das IT-Verfahren nicht. Präzision wird auch dem Zoll abverlangt, denn Atlas-Daten werden - unter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien - auch an das Statistische Bundesamt weitergeleitet.

Tagesaktueller Zolltarif

Als Hauptinformationsquelle nutzt Atlas den Elektronischen Zolltarif (EZT), der seit 1999 den zuvor als Druckwerk vorliegenden "Deutschen Gebrauchszolltarif" ersetzt und als erste Komponente des Atlas-Systems in Betrieb genommen wurde. Dabei handelt es sich um eine täglich aktualisierte Datenbank, die alle weltweit gehandelten Waren codiert, die anzuwendenden Zollbestimmungen verknüpft und zugehörige Zollsätze enthält. Ab Anfang 2006 steht der EZT als Download auch der Wirtschaft zur Verfügung.

Das Frankfurter Atlas-Rechenzentrum arbeitet verteilt auf zwei Standorte des ZID (Zentrum für Informations- und Datentechnik der Bundesfinanzverwaltung). Sollte eines dieser Rechenzentren ausfallen, springt - im Rahmen eines Fail-over-Konzepts - das jeweils andere ein. Zollteilnehmer sind über Stand- oder Wählleitungen an die Rechenzentren angebunden. Atlas basiert auf einer Three-Tier-Architektur mit einer sicheren und skalierbaren Hochverfügbarkeitslösung. In den Zollstellen wird für den Atlas-Zugriff lediglich ein Standard-Web-Browser benötigt. Neue Verfahrensteile wie die künftige Internet-Versandanmeldung sollen unter Nutzung von Bund-Online-Basiskomponenten entwickelt werden.

Atlas, eine Gemeinschaftsentwicklung des ZID und des IT-Dienstleisters Materna, wird weiter ausgebaut: Derzeit befindet sich das Atlas-Ausfuhrverfahren in Vorbereitung, dessen Fertigstellung für das dritte Quartal 2006 geplant ist. (kf)