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02.06.2000 - 

13. Jahrestagung der CECMG in Berlin

Der Servicegedanke hat die IT-Abteilungen verändert

BERLIN (jha) - Die IT-Abteilung als interner Dienstleister ist in den meisten Unternehmen Realität geworden. Damit haben sich die Kundenanforderungen geändert. Über Antwortzeiten, Verfügbarkeit oder Wiederherstellung wollen die Anwender nicht mehr sprechen, sondern über Applikationen, Dienste und ihre Preise.

Seit mittlerweile 13 Jahren ist die Central Europe Computer Measurement Group (CECMG) die Diskussionsplattform für Anwender von System-Management-Tools. Entstanden in der Blütezeit der Großrechner, haben viele der CECMG-Mitglieder sämtliche Wandlungen und Wirrungen des Marktes miterlebt und registrieren nun - teils mit Genugtuung - die Renaissance des Mainframes.

Eine Rückkehr in vergangene Zeiten, als die IT-Mitarbeiter als "Götter in Weiß" galten und nach eigenem Gutdünken über die angebotenen IT-Leistungen entscheiden konnten, wird es dennoch nicht geben. "Früher war es gang und gäbe, dienstags zwischen 9 und 10 Uhr den Rechner zu Wartungszwecken herunterzufahren", beschreibt Alexander Röder, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Telekom-Tochter DeTeCSM, Darmstadt, übliche Verfahrensweisen im Großrechnerumfeld der 70er und 80er Jahre.

Heute mausern sich die Boliden in vielen Unternehmen zum zentralen Backend-Server für den elektronischen Handel via Internet. In einer solchen Umgebung ist undenkbar, dass externe wie interne Kunden geplante oder ungeplante Ausfallzeiten kommentarlos akzeptieren. Vor allem die Fachbereiche eines Unternehmens fordern verlässliche Leistungen, die im Rahmen von Service-Level-Agreements (SLAs) fixiert werden.

Auf dem Weg einer IT-Abteilung zum IT-Dienstleister müssen einige Hürden übersprungen werden. Bevor die DeTeCSM sich beispielsweise als Serviceeinheit innerhalb des Telekom-Konzern aufstellen konnte, musste ein schmerzlicher Prozess der Reorganisation vollzogen werden. Eine der Hauptaufgaben bestand darin, die verteilten Server in den Fachbereichen (im DeTeCSM-Jargon "U-Boote") wieder in die IT-Zentrale zurückzu holen. Dieser Prozess ist weitgehend abgeschlossen. Durch die Server-Konsolidierung konnte die Telekom im letzten Jahr allein 35 Millionen Mark an IT-Kosten einsparen.

Auch in anderen Bereichen bemühte sich die DeTeCSM um eine Konsolidierung ihres IT-Portfolios. So mussten die Verantwortlichen etwa im Zuge der Jahr-2000-Arbeiten festellen, dass im Telekom-Konzern 17 unterschiedliche Versionen der Informix-Datenbank im Einsatz waren. Bei den Unix-Derivaten registrierten die Manager 20 verschiedene Varianten. Mittlerweile wurde die Zahl auf elf reduziert. Über die gesamte IT-Architektur legte die DeTeCSM eine Management-Plattform, um die Verwaltung der IT-Ressourcen zu vereinfachen.

Anhand eines Beispiels aus dem Bereich des Storage-Managements verdeutlicht Röder den Stellenwert des System-Managements: Weil die Preise im Hardwarebreich ständig fallen, hat sich das Verhältnis zwischen Hardware- und Personalkosten umgekehrt. Entfielen vor wenigen Jahren noch 60 Prozent sämtlicher IT-Kosten im Speichersegment auf die IT-Komponenten, sind es heute nur noch 30 Prozent.

"Durch den Preisverfall werden die Personalkosten zu einem immer wichtigeren Faktor in der Kostenbetrachtung", erläutert Röder. Als Lösung bieten sich System-Management-Tools an. Sie befreien das Personal der IT-Abteilung von lästigen Routineaufgaben und schaffen Freiräume für kreative Aufgaben wie die Konzeption neuer Dienste.

"Die IT darf nicht länger als Kostenfaktor verstanden werden. Sie muss stattdessen ihren Beitrag zum Geschäftserfolg liefern", appellierte Röder an das Auditorium. Noch optimistischer formulierte es Stefan Albert, Leiter der Abteilung Practice Technology beim Beratungshaus CSC Ploenzke AG: "Nie war die Zeit für eine Einflussnahme der IT auf die strategische Ausrichtung eines Unternehmens günstiger als heute." Seine Begründung: Die IT-Infrastruktur wird zum Standard für die Kommunikation zwischen Kunde, Partner und Unternehmen. Die IT-Abteilung wird somit zwangsläufig zur wichtigsten Schaltstelle im Unternehmen.

Geschäftsführung und Fachbereiche wollen von Protokollen, Middleware, Betriebssystemen und Messgrößen nichts hören. Sie interessieren sich für die fertige Anwendung, die zum Unternehmenserfolg beiträgt. Diesem Interesse müssen die IT-Mitarbeiter Rechnung tragen, sich von althergebrachten Gepflogenheiten verabschieden und die Organisation auf Kunden- und Prozessorientierung abstimmen. Künftig ist die Definition von Diensten abseits der technischen Merkmale gefragt.

Das schlägt sich auch in den Abrechnungsverfahren nieder: "Der Kunde will mit uns als IT-Dienstleister in seiner eigenen Nomenklatura reden", erläutert Röder. Im Falle der DeTeCSM heißt das beispielsweise, dass die T-Mobil fragt: "Was kostet es mich an IT-Diensten, um einen neuen D1-Kunden anzuschließen?"

Problematisch gestaltet sich in der Beziehung zwischen Fachabteilung und IT-Shop häufig das Abrechnungsverfahren. Hierzu stellte Harald Funke aus der Abteilung DV-Revision bei der Datev in Nürnberg ein neues Konzept vor, das er im Rahmen einer Promotion gemeinsam mit seinem Doktorvater, Werner Dirlewanger von der Universität Gesamthochschule Kassel, entwickelt hat.

Funke zielt mit seinem Modell, das auf der technischen DIN-Norm 66 273 (Messung und Bewertung von DV-Leistung) beruht, darauf ab, Anwendern ein von technischen Größen losgelöstes Abrechnungs- und Planungsverfahren für IT-Leistungen anzubieten. Für die IT-Abteilung der Datev bedeutet das Modell, dass sie zusammen mit den Fachabteilungen das DV-Produkt und dessen Fertigstellungstermin gemäß DIN vereinbart. Für das so definierte DV-Produkt (etwa eine Gehaltsabrechnung oder eine Anfrage an das Data Warehouse) kann die IT-Abteilung nachvollziehbare Preise zur DV-technischen Bearbeitung vorlegen.

Solche Servicedefinitionen geben den Fachabteilungen Messgrößen an die Hand, mit denen sich IT-Dienstleistungen mit den Angeboten fremder Dienstleister vergleichen lassen. Das setzt wiederum die IT-Abteilungen unter Druck, denn sie können sich bei der Preisgestaltung nicht wie heute üblich nur an den Entstehungskosten orientieren, sondern müssen sich mit marktüblichen Preisen auseinander setzen.

Die auf der CECMG-Jahrestagung präsentierten Ansätze sorgten unter den anwesenden IT-Leitern für eine kontroverse Diskussion. Vor allem die Vergleichbarkeit der Preise standen im Kreuzfeuer der Kritik. Sehr wohl, so der Tenor des Auditoriums, müssten die Entstehungskosten berücksichtigt werden, denn niemand werde sich darauf einlassen, Dienste für Preise anzubieten, die die eigenen Kosten nicht decken. Dennoch weist der Ansatz des Datev-Managers in die richtige Richtung. Denn wenn die IT-Abteilungen sich künftig als Dienstleister aufstellen müssen, werden viele IT-Manager gezwungen sein, sich mit einer derartigen oder ähnlichen Preisgestaltung auseinander zu setzen.

Die CECMGDie Central Europe Computer Measurement Group e.V. (CECMG) wurde 1988 gegründet. Sie versteht sich als Informations- und Diskussionsplattform für System-Management-Anwender und -Anbieter. In ihr sind derzeit über 160 namhafte Unternehmen als aktive Mitglieder vertreten. Ihr Ziel ist es, den Verantwortlichen für Planung und wirtschaftlichen Einsatz von DV-Ressourcen in Unternehmen aktuelle und praxisbezogene Hilfestellungen bei ihrer Aufgabe zu geben. Der Ursprung dieser Benutzervereinigung liegt in den USA. Dort wurde 1974 die CMG gegründet.

Die hiesige CECMG unterhält die drei Organe Vorstand, Beirat und Vollversammlung. Sprecher des Vorstandes war bislang Uwe Schwarz, hauptberuflich bei der DVG Gesellschaft für Datenverarbeitung der badischen Sparkassenorganisation mbH in Karlsruhe beschäftigt. Schwarz legte diesen Posten auf der diesjährigen Jahreskonferenz der CECMG nieder. Zum Nachfolger wurde Wolfram Greis, Geschäftsführer des Beratungshauses TPS Data AG in Zug, Schweiz, gewählt.

Den Mitgliedern bietet die CECMG die Teilnahme an der Jahreskonferenz (zu ermäßigten Gebühren). Die Vortragsreihen sind geprägt durch Erfahrungsberichte von Anwendern und Beratern sowie Lösungsvorschlägen und Produktpräsentationen der Anbieter. Neben dieser zentralen Veranstaltung unterhält die CECMG zurzeit acht Arbeitsgruppen, die sich in unregelmäßigen, von den Teilnehmern eigenverantwortlich vereinbarten Zeiträumen treffen. Zu den in diesen Gruppen diskutierten Themen zählen beispielsweise System-Management, Accounting, C/S-Benchmarking sowie Planung und Modellierung. Über die Aktivitäten unterrichtet die Mitglieder ein Newsletter. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Web-Seite www.cecmg.de.

Abb: Die Nachfrage an Mainframe-Leistung steigt. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die Unix- und Internet-Fähigkeit der Boliden. Quelle: IDC