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20.08.2004 - 

Geschäfte der Betriebsdienstleister laufen an, die Consulting-Branche hat Probleme

Der Servicemarkt steht vor einem Umbruch

Die guten Quartalsresultate der IT-Dienstleister häufen sich. Der Umsatz des US-amerikanischen Anbieters CSC wuchs in dem am 2. Juli beendeten ersten Geschäftsquartal 2005 um 5,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. In den folgenden drei Monaten erwartet der Outsourcing-Spezialist um bis zu neun Prozent wachsende Einnahmen. Immerhin ein Plus von 1,7 Prozent im zweiten Geschäftsquartal schaffte Capgemini. Deutlicher wuchsen hingegen Accenture und IBM Global Services. Big Blues Serviceabteilung meldete um sieben Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar gestiegene Umsätze, und das Beratungshaus Accenture glänzte dank guter Regierungsaufträge mit einem Plus von 13 Prozent. Die Einnahmen des letzten Quartals beliefen sich damit auf 2,33 Milliarden Dollar.

SAP-Systemhäuser schrumpfen

Die Liste der Anbieter auf der Schattenseite des Servicemarktes ist allerdings nicht minder lang. Zwar konnte EDS steigende Umsätze verbuchen, gleichzeitig wollen die Hiobsbotschaften über unzufriedene Kunden und problematische Projekte nicht enden. Die Siemens-Tochter SBS wies jüngst einen operativen Verlust von zwei Millionen Euro aus, und der Umsatz schrumpfte im Jahresvergleich um elf Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Und schließlich haben SAP-Systemhäuser wie Novasoft, Itelligence und Realtech mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen.

"Der Markt springt im traditionellen Geschäft nicht stark genug an, um die Einnahmen, die in den letzten Jahren verloren gegangen sind, wieder aufzufangen", schildert Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung in Bonn. Die unterschiedlichen Entwicklungen bei den Anbietern erklärt er folgendermaßen: "Gut aufgestellte Dienstleister, die ihre interne Restrukturierung abgeschlossen haben, profitieren davon, dass sie sich für die Anforderungen der neuen Märkte, insbesondere des Business Process Outsourcing (BPO), rechtzeitig in Stellung gebracht haben. Viele Kunden werden nicht umhinkommen, im Bereich der Verwaltungsfunktionen ihre Fertigungstiefe zu senken."

Preisdruck belastet den Markt

Während die BPO-Anbieter allmählich eine bessere Auftragslage melden, bleibt das Geschäft mit SAP-Beratungs- und -Integrationsleistungen vorerst flau. Die Umsatzeinbrüche der Systemhäuser sind zum Gros dem starken Preisdruck geschuldet, gelitten haben insbesondere Anbieter ohne klaren Fokus. "Die Generalisten in diesem Markt haben 20 bis 25 Prozent ihres Geschäfts verloren", vermutet Nicola Glowinski, CEO von Realtech. "Die spezialisierten Anbieter waren stabil." Doch auch Realtech wurde von der Branchenkrise nicht verschont: Das Consulting-Geschäft brach im ersten Halbjahr 2004 um 16 Prozent ein. Dass der Anbieter unterm Strich nur ein Minus von zwölf Prozent zu beklagen hatte, war dem guten Absatz der System-Management-Software "The Guard" zu verdanken.

Trotz anhaltend schwindender Einnahmen der SAP-Beratungshäuser ist von einer Konsolidierung kaum etwas zu sehen. "Die IT-Dienstleister können skalieren. Sie reduzieren ihre Belegschaft und überleben auch mit wenigen Mitarbeitern", schildert Thorsten Wichmann, Geschäftsführer der Berlecon Research GmbH, Berlin. "Das ist eine sehr verbreitete Strategie, mit der die Anbieter auf die schleppend verlaufenden Geschäfts reagiert haben." Diese Maßnahmen haben vielleicht die eigene Personalskosten reduziert, dem Markt haben sie keine Entlastung gebracht. "Das Geschäft mit IT-Services funktioniert anders als das der klassischen Industrien. Wenn ein Stahlwerk geschlossen wird, ist die Kapazität gleich aus dem Markt. Entlässt ein IT-Dienstleister Mitarbeiter, arbeiten diese als Freiberufler weiter", erklärt der Berlecon-Manager. "Die Beratungskapazität bleibt demnach erhalten, so dass zwangsläufig auch der Druck auf die Preise zunächst anhält und nur langsam weicht."

Dennoch präsentieren die Marktforscher auch der Beraterbranche einen kleinen Hoffnungsschimmer (siehe Kasten "Betriebsservices sind gefragt"). Im nächsten Jahr werden die Einnahmen laut einer Erhebung der Meta Group wieder zulegen. Mit steigenden IT-Budgets im SAP-Markt rechnet auch Branchenkenner Fink von der FH Bonn-Rhein-Sieg. Er beruft sich dabei auf eine kürzlich betriebene Untersuchung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung: "Das in der Industrie bereitgestellte Budget für die IT-gestützte Prozessoptimierung hat kurz- und mittelfristig Vorrang vor anderen Ausgaben. Davon können auch die kleineren IT-Dienstleister profitieren", schildert er. "Wachsenden Bedarf hat der Mittelstand. Um diese Klientel zu bedienen, sind die kleinen Dienstleister gut aufgestellt." Spannend bleibt indes, ob es sich bei der sich abzeichnenden Markterholung nur um ein Zwischenhoch handelt, weil die Anwender die in der Vergangenheit zurückgestellten Vorhaben wieder aufnehmen. Bislang liefern auch die Marktforscher keine Hinweise darauf, wie nachhaltig die Zuwächse sind.

Betriebsservices sind gefragt

Das Geschäft mit IT-Outsourcing wächst in Deutschland laut einer Erhebung der Meta Group von aktuell 10,8 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf 13,1 Milliarden Euro im Jahr 2005. Zunehmend trifft das On-Demand-Thema auf Resonanz.

Business Process Outsourcing wird in den kommenden Jahren um durchschnittlich 15 Prozent zulegen. Das Volumen soll sich im Jahr 2005 auf 750 Millionen Euro belaufen. Häufig werden die Finanz- und Personalbuchhaltung sowie der Einkauf ausgelagert.

Das Problemkind der IT-Dienstleistungsbranche bleibt die IT-Beratung und Systemintegration. Die Meta Group rechnet mit einem weiterhin schrumpfenden Markt. Erst im Jahr 2005 werden die Einnahmen in Deutschland wieder auf 11,4 Milliarden Euro steigen.

Wichtige IT-Dienstleister

Accenture ist aufgrund der Kombination von Beratung und Betrieb derzeit gut aufgestellt. Der Anbieter punktet im Business Process Outsourcing.

Capgemini scheint die finanziellen Probleme der Vergangenheit überwunden zu haben. Dem kräftigen Standbein im Consulting- und Integrationsgeschäft fehlt jedoch ein Pendant im Outsourcing-Markt.

CSC kann auf ein starkes Outsourcing-Geschäft in den USA vertrauen. Berater hat CSC aufgrund der Ploenzke-Übernahme nur in Deutschland im nennenswerten Umfang in Lohn und Brot.

EDS leidet vor allem unter den Altlasten. Neben dem soliden IT-Outsourcing-Geschäft fehlt allerdings der klare Fokus im Business Process Outsourcing (BPO). Die Strategieberater der Tochter A.T. Kearney könnten helfen.

Hewlett-Packard wächst vornehmlich mit einfachen Infrastrukturdiensten. Es fehlen spezialisierte Berater, um höherwertige Services anbieten zu können.

IBM Global Services beschäftigt derzeit noch die Integration des IT-Beratungshauses Pricewaterhouse-Coopers. Mittelfristig wird sich die Strategie auszahlen, Prozessberatung, Betriebsdienstleistungen und On-Demand-Services unter einem Dach anzubieten.

SBS enttäuschte jüngst mit schlechten Zahlen. Problematisch ist vor allem das schleppend verlaufende SAP-Geschäft in Deutschland. Überkapazitäten belasten das Ergebnis.

T-Systems fehlt es an Profil im Geschäftsprozess-Outsourcing. Mit den Beratern der Firmentochter Detecon sowie einem ausgeprägten Outsourcing-Geschäft wäre eine gute Basis vorhanden.

Abb: Listenpreise sind Makulatur

Der Druck auf die Tagessätze im IT-Beratungs- und -Systemintegrationsgeschäft hält einer Untersuchung der Meta Group zufolge an. Die Listenpreise sind längst Makulatur. Die gezahlten Honorare liegen in Einzelfällen bis zu 47 Prozent unter den offiziellen Angaben. Quelle: Meta Group