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21.01.1994

Der Siemens AG steht schwieriges Jahr bevor Die Restrukturierung bei SNI bezieht Vorstandsetage mit ein

MUENCHEN (ciw) - Nach weiteren Verlusten bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) erwartet Siemens-Chef Heinrich von Pierer auch fuer die naehere Zukunft keine nachhaltige Besserung.

An der SNI-Fuehrungsspitze wurden indes die Weichen fuer eine Wende gestellt: Der Vorsitzende des SNI-Vorstandes, Hans-Dieter Wiedig, wird im kommenden Oktober seinen Platz fuer den bisherigen ABB- Manager Gerhard Schulmeyer raeumen (siehe auch CW Nr. 2 vom 14. Januar 1994, Seite 1).

Wiedig, ueber dessen Ruecktritt in Branchenkreisen bereits mehrmals spekuliert worden war, unterrichtete die SNI-Belegschaft am Mittwoch letzter Woche per Mitarbeiterinformation von seinem Schritt (siehe Kasten Seite 6).

Bereits im Fruehjahr des vergangenen Jahres habe er den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der SNI, Hermann Franz, darueber informiert, dass er nach "ueber zehn Jahren Fuehrungsverantwortung fuer das Geschaeftssegment Datentechnik im Hause Siemens fuer eine weitere Amtsperiode als Vorsitzender des Vorstandes der SNI nicht mehr zur Verfuegung stehen moechte".

Schon damals habe er, so Wiedig weiter, seine Bereitschaft erklaert, "den Stab" gegebenenfalls auch vor Auslaufen seines Vertrages am 30. September 1995 "an einen externen Nachfolger" zu uebergeben. Mit Schulmeyer, zuletzt Mitglied des Zentralvorstandes von ABB Brown Boveri und Executive Vice-President USA, sei ein geeigneter Mann gefunden worden. Der Aufsichtsrat werde Schulmeyer, der vor seiner Zeit bei ABB dem Topmanagement von Motorola angehoerte, mit Wirkung vom 1. Juli 1994 in den Vorstand der SNI berufen und ihn zum 1. Oktober zum Vorsitzenden des Vorstandes machen.

Nach einer Zeit - "gewissermassen Jahre, die doppelt zaehlen" -, die ihm und der gesamten SNI-Belegschaft ein "Hoechstmass an Engagement und Einsatz abverlangt hat", gab sich Wiedig ueberzeugt, dass es gelingen wird, "im naechsten Geschaeftsjahr den Schritt in die Gewinnzone zu schaffen".

Siemens-Chef von Pierer sagte auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens, Wiedig habe sich "bei der Suche nach einem Nachfolger von Anfang an beteiligt". Die Tatsache, dass der SNI- Vorsitzende zum 1. Oktober nicht nur eine andere Aufgabe innerhalb des Siemens-Konzerns wahrnehme, sondern auch in den Aufsichtsrat der SNI wechsle, zeige, "wie wir die Verdienste von Herrn Wiedig einschaetzen". Trotz der desolaten Lage des Unternehmensbereiches glaubt von Pierer, "dass sich SNI besser schlaegt als viele andere".

Allerdings geht der Siemens-Boss, der ab Oktober 1994 den Vorsitz des SNI-Aufsichtsrates von Hans Baur uebernimmt, nicht davon aus, dass die IT-Sparte seines Unternehmens bereits im naechsten Jahr wieder die Gewinnzone erreichen werde.

Er haelt, "abhaengig von der Konjunktur und dem Markt", eine Rueckkehr in die schwarzen Zahlen erst in zwei Jahren fuer moeglich. Zwar sei der Verlust im abgelaufenen Geschaeftsjahr um weitere 100 Millionen auf 419 Millionen Mark abgetragen worden, allerdings "wird SNI auch 1993/94 rote Zahlen schreiben". Es duerfe jedoch "nicht mehr viel laenger als zwei Jahre dauern", bis SNI wieder profitabel arbeite, betonte er.

Siemens-Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann rechnet im laufenden Geschaeftsjahr beim SNI-Umsatz "mit Stagnation beziehungsweise einem leichten Rueckgang". 1993/94 werde der Verlustabbau mit 100 Millionen Mark das gleiche Niveau erreichen wie im Vorjahr. Baumann stellte ausserdem klar, dass auch heuer bei SNI mit einem Personalabbau von ueber 5000 Mitarbeitern zu rechnen ist.

Nach Ablauf des ersten Quartals des laufenden Geschaeftsjahres (Ende: 31. Dezember 93) scheint fuer die Unternehmenssparte jedenfalls keine Besserung in Sicht. Der Auftragseingang ging gegenueber der Vergleichsperiode des Vorjahres um sechs Prozent auf 2,4 Milliarden Mark zurueck, und der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf ebenfalls 2,4 Milliarden Mark.

Ebenfalls mit Sorge duerfte von Pierer die Entwicklung in den anderen geschaeftsfuehrenden Bereichen des Konzerns erfuellen. Obwohl sich der Auftragseingang im ersten Quartal vor allem dank des internationalen Geschaefts um 15 Prozent auf 21,4 Milliarden Mark und der Umsatz um zwei Prozent auf 17,3 Milliarden Mark erhoehte, zeigten verschiedene wichtige Segmente erschreckende Schwaechen. Das zusammen mit der SNI umfangreichste Geschaeft, der Bereich Oeffentliche Kommunikationsnetze (OEN), wies im ersten Quartal einen Umsatzrueckgang von 15 Prozent auf 2,4 Milliarden Mark aus. Ebenfalls ruecklaeufige Einnahmen verzeichnen die wichtigen Sektoren Private Kommunikationstechnik, Automatisierungstechnik, Energieuebertragung und -verteilung sowie die Medizintechnik.

Wesentlich gewachsen ist neben der Sparte Energieerzeugung (um 38 Prozent) lediglich der Halbleiterbereich, der gegenueber der Vergleichsperiode des Vorjahres ein Wachstum von 54 Prozent auf 700 Millionen Mark aufwies. Hier zeigte sich von Pierer zuversichtlich, bereits am Ende des Geschaeftsjahres die "Null- Linie durchschreiten zu koennen".

Das laufende Jahr werde, so von Pierer, aller Voraussicht nach noch keine Verbesserung fuer den Konzern bringen. "Wir erwarten deshalb fuer 1993/94 insgesamt eine Seitwaertsbewegung. Ein allenfalls geringes Wachstum im Auftragseingang und im Umsatz wird sich wohl lediglich durch die zum 1. Oktober 1993 erstmals vorgenommene Konsolidierung der nordamerikanischen Osram Syl- vania einstellen."

Beim Ergebnis werde man das Niveau des Vorjahres nicht wieder erreichen, die Resultate der operativen Einheiten wuerden sich "nicht wesentlich erholen koennen", so der Siemens-Chef weiter. Die Mitarbeiterzahlen bleiben unter Druck. Wahrscheinlich muessen auch im Geschaeftsjahr 1993/94 10000 Siemens-Angestellte gehen.

Ausserdem baue man nicht darauf, dass die Bedingungen des Kapitalmarktes bis zum 30. September 1994 unveraendert guenstig blieben, warnte von Pierer. Deshalb seien fuer das Finanzergebnis, das 1992/93 mit 2,1 Milliarden Mark knapp zwei Drittel des vorsteuerlichen Gewinns ausgemacht hat, im laufenden Geschaeftsjahr niedrigere Vorgaben gemacht worden.