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20.11.1992 - 

Betriebsrat: Blinder Eifer beim Stellenabbau bringt nichts

Der Silberstreif am Horizont wird für SNI immer schmaler

MÜNCHEN (see) - Deutlich kleinlauter als im Vorjahr präsentierte Vorstandschef Hans-Dieter Wiedig das vorläufige Ergebnis 1991192 der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI). Die Ziele bezüglich Umsatzwachstum und Verlustreduzierung seien nicht erreicht worden - vor allem wegen der schlechten Konjunktur. Branchenkenner sehen indes auch hausgemachte Probleme mit Langzeitwirkung.

Vor einem Jahr hatte Wiedig angekündigt, man werde den Verlust auf zirka 400 Millionen Mark halbieren und den Umsatz auf 14 Milliarden Mark steigern können. Damals ging er - analog zu den fünf Weisen - von einem Konjunkturwachstum von 2,5 Prozent aus. Tatsächlich betrug das Minus nun 513 Millionen Mark, und das Geschäftsvolumen wuchs nur um sieben Prozent auf 13 Milliarden Mark. Um die Kosten zu decken, hätte SNI laut Wiedig 14,5 Millionen Mark einnehmen müssen.

Außer der Wirtschaftslage machte der SNI-Chef den Hardware-Preisverfall - mittlerweile auch bei Großsystemen - für das schlechte Jahresergebnis verantwortlich.

Restrukturierungskosten in Höhe von 190 Millionen Mark - davon 150 Millionen für den Abbau von mehr als 3000 Stellen - hätten darüber hinaus den Ertrag reduziert. Doch auch ohne Sonderausgaben arbeitete SNI mit Verlust. Das operative Minus wollte Wiedig indes nicht spezifizieren.

Der Stellenabbau - am 30. September 1992 standen hoch 48 430 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste - soll im gleichen Ausmaß wie 1991/92 bis auf "eine Zahl mit einer 44 am Anfang" fortgesetzt werden, so Wiedig. Dennoch wage er angesichts der Konkjunkturlage keine Voraussage, wie das SNI-Ergebnis am Ende des Geschäftsjahres aussehen werde. Realistische Aussichten auf Besserung bestanden erst für das

Geschäftsjahr 1993/94, zumal im laufenden Jahr erneut Folgekosten der Nixdorf-Integration und des Unternehmensumbaus in gleicher Höhe wie 1991/92 anfallen würden. Für 1992/93 sei bisher zwar ein "positiv" verlaufender Auftragseingang in den einzelnen Werken festzustellen; zusammenfassende Zahlen könne man jedoch erst Anfang Dezember vorlegen.

Je ein Drittel Umsatz machte SNI mit BS2000-Großsystemen und mit vorwiegend Sinix-basierten "Small Systems" - jeweils einschließlich Dienstleistungen. PCs, Workstations, Hochleistungsdrucker, Supercomputer sowie Beratung und Schulung hätten das verbleibende Drittel beigesteuert. Rechnet man den Serviceanteil aus den Einkünften heraus, ergibt sich Wiedig zufolge ein Patt-Verhältnis mit dem Hardware-Umsatz. Bis 1994 wolle man den Dienstleistungsanteil auf 60 Prozent steigern, wozu Systemintegration in Multivendor-Projekten und gemeinsame Aktivitäten mit anderen Siemens-Bereichen beitragen sollten.

Service und Support sind nach Auffassung der Marktforschungsgesellschaft Gartner Group die Stärke europäischer Unternehmen. Gartner-Forscher Chuck White stellte auf einem Branchen-Meeting fest, die Europäer müßten jedoch radikale Eingriffe in ihre Strukturen wagen, um eigenständig bleiben zu können. Ansonsten seien sie attraktive Ziele für ausländische, vorwiegend japanischen Investoren "mit tiefen Taschen". SNI - deren "ideales Kampfgewicht" White mit

30 000 Mitarbeitern bezifferte - sei durch die historische Alleinstellung im Heimmarkt unbeweglich und bequem geworden. Notwendige Rationalisierungen würden, wenn überhaupt, zu langsam angegangen.

Ob tatsächlich die Mitarbeiterzahl das wichtigste Kriterium für die Überlebensfähigkeit ist, bezweifelt Franz Tölle. Als Mitglied des Paderborner SNI-Betriebsrates und des Aufsichtsrates sowie als Sprecher des Wirtschaftsausschusses im Gesamt-Betriebsrat ist sein Standpunkt ein anderer: SNI muß nach seinen Worten "erst das Geschäft in Ordnung bringen".

"Erst mal die Kopfzahl runterzubringen und dann die anstehenden Aufgaben, womöglich mit Überstunden, zu erledigen", ist für den Arbeitnehmer-Vertreter keine Lösung. Trotz einschneidenden Personalabbaus (3000 Stellen in Paderborn, Werksschließungen in Berlin und Köln), so Tölles Beleg, "hat sich am letzten Jahresverlust zu wenig Gravierendes geändert". Außerdem werde zuviel von Altlasten geredet und zu wenig Verantwortung getragen. Diese werde durch die Strukturveränderungen oft verwischt.

Zu hohe Produktionskosten im allgemeinen macht der Analyst einer Frankfurter Großbank als Manko von SNI aus. HP und Sun beispielsweise fertigen nach seinem Kenntnisstand viel billiger - wenn auch nicht in besserer Qualität - als die Deutschen.

Ein Joint-venture oder eine gemeinsame Produktionsgesellschaft mit einem "leistungsfähigen Workstation-Hersteller" sind nach Ansicht des Bankers, der nicht genannt werden will, auf Dauer die einzige Chance für SNI, nicht vom Weltmarkt abgekoppelt zu werden. Zumindest müsse man Produktionsteile an billigere Standorte auslagern. Für einen der von der CW befragten Bankanalysten ist zudem der Verkauf von Neben-Geschäftsfeldern, etwa der Hochleistungsdrucker, eine Notwendigkeit.