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06.11.1992 - 

AS400: Es fehlt an komplexen Entwicklungsumgebungen

"Der Softwaremarkt beginnt sich von IBM abzukoppeln"

Wenn vom Betriebssystem OS/400 und seiner festverdrahteten Datenbank die Rede ist, geraten viele AS/400-Anwender ins Schwärmen. Frustration kommt dagegen auf, wenn die unterdurchschnittliche Bürokommunikations-Umgebung, die mangelhaften Grafikmöglichkeiten und der chronische Mangel an CASE-Tools zur Sprache kommen.

Darüber hinaus besteht bei AS/400-Anwendern Unsicherheit über die Entwicklung des Softwaremarktes: Immer mehr Anbieter spezialisieren sich auf Unix. Bei mittleren Mehrplatz-Systemen, deren Kaufpreis zwischen 100000 und 250000 Mark liegt, wächst nach einer Diebold-Studie der Anteil der in Deutschland verkauften Unix-Rechner in den nächsten Jahren von 38 (1989) auf etwa 75 Prozent (1993/94). Nicht ganz so kraß ist die Entwicklung bei den größeren Midrange-Rechnern, die 1989 zu gut einem Viertel mit einem Unix-Betriebssystem bestückt waren.

Etwa die Hälfte dieser Systeme, deren Kaufpreis zwischen einer vierter und einer halben Million Mark liegt, wird laut Diebold 1993/94 mit dem Betriebssystem Unix arbeiten. Wie wirkt sich dieser Trend auf den Softwaremarkt aus? Wer entwickelt unter diesen Bedingungen noch Software für die AS/400?

IBM setzt auf AS/400- und auf Unix-Systeme

"Ich sehe das Problem, daß sich der Softwaremarkt von IBM abzukoppeln beginnt", diagnostiziert zum Beispiel Reinhard Pelz von der Bad Nauheimer Heyde und Partner GmbH. Dem Unix-Markt komme eine immer wichtigere Rolle zu: "Wenn die Anwender sehen, daß es interessante Produkte gibt, dann geht es richtig los!" Pelz kennt eine Reihe führender deutscher Softwarehäuser, die ähnlich denken.

IBM ist derzeit eher auf einen AS/400-Boom als auf einen Unix-Run vorbereitet. "Heute ist die Situation die, daß wir kaum Software für die RS/6000 anbieten können", bekennt Andreas Görög, Geschäftsführer des in Zürich ansässigen, aber auch in Deutschland aktiven IBM-Agenten IBV AG. Der Markt sei jedoch gewaltig im Kommen und IBM könne es letztendlich egal sein, welche Maschine sich besser verkaufen lasse - die AS/400 oder die RS/ 6000. "IBM läßt den Markt entscheiden", so auch die Vermutung von Reinhard Pelz.

Während diese beiden Software-Experten davon ausgehen, daß in der kommerzielle Datenverarbeitung - traditionell ein IBM-Midrange-Terrain - zunehmend Unix-Umgebungen Fuß fassen, stellt sich die Marktsituation aus IBM-Sicht anders da.

"Es gibt zweifellos einen steigenden Anteil an kommerziellen Anwendungen für RISC-Systeme", erläutert Axel Hein, verantwortlich für Produkt-Management und Marketing der AS-Systeme bei der deutschen IBM-Filiale in Stuttgart. "Wir haben aber genauestens analysiert: Unser RS/6000-Geschäft basiert nur zu einem geringen Anteil auf ehemaligen /36-Anwendern, die aus einer Konzernentscheidung heraus den Unix-Weg gehen wollen."

Offensichtlich geht Hein davon aus, daß /36-Aussteiger der IBM-Welt auch dann treu bleiben, wenn sie sich für die Einführung von Unix-Rechnern entscheiden.

Der IBM-Manager gibt sich zuversichtlich: "Eine anfängliche Angst vor Unix ist dem Realismus gewichen. Mir ist kein Fall bekannt, wo ein Software-Anbieter von der AS/400-Softwareschiene weg in Richtung Unix geht."

Allerdings wollen einige IBM-Softwarepartner mit einem zusätzlichen Unix-Angebot vom derzeitigen Boom profitieren und sich in diesem Bereich ein zweites Standbein schalten.

Tatsächlich scheint der jüngste Trend im Softwaregeschäft eher dahin zu gehen, ein möglichst breites Angebot an Produkten für die verschiedenen Rechnerwelten anzubieten. "Wenn wir heute anfangen zu entwickeln, stellen wir unsere Produkte in einer sogenannten Schichtenarchitektur her, die eine breite Portabilität ermöglicht", erläutert Reinhard Pelz. So wird die Heyde-und-Partner-Tochter Aperia Software zur CeBIT eine PPS-Software vorstellen, die der Anwender sowohl auf den SAA-Plattformen als auch auf einer DEC/VAX, auf Unix-Rechnern und unter MS-DOS einsetzen kann, ohne daß die Anwendungen angepaßt werden müssen.

Ähnlich wie Pelz sieht Bernd Röhrs, Geschäftsführer der Frankfurter Cognos GmbH, die Lage: "Wir können nicht nur für Unix oder OS/400 anbieten. Im Midrange-Bereich werden in den nächsten Jahren verschiedene Rechner im Verbund arbeiten." Dazu zählen auch Systeme von Digital Equipment und Siemens Nixdorf. Für Cognos sei es jetzt wichtig, eine portable Anwendungsentwicklungs-Umgebung anbieten zu können.

Gerade beim Thema Anwendungsentwicklung auf der AS/400 scheiden sich jedoch die Geister. "Die AS/400 ist und bleibt eine 'Paketfamilie', auf der Standardsoftware eingesetzt wird", so Heyde-und-Partner-Geschäftsführer Pelz. Die Vorstellung, intensive Anwendungsentwicklung auf einer AS/400 zu betreiben, erheitert den Bad Nauheimer. Schon allein die Tatsache, daß die AS/400 im SAA-Anwendungsentwicklungs-Konzept AD/Cycle im Gegensatz zur /370 und den PS/2-Rechnern unterrepräsentiert sei, zeige, daß IBM diese Pläne bisher noch nicht wirklich verfolgt habe.

Sicher ist hingegen, daß die AS/400 im IBM-Konzept ein Rechner bleibt, der im Midrange-Sektor die verschiedenen Level abdecken soll. Im unteren Leistungsbereich rechnet Big Blue weiterhin mit der Migrationsbereitschaft der etwa 20000 verbliebenen deutschen Anwender der /36-Maschine. Um diese Anwender dazu zu bewegen, in eine AS/Entry- oder AS/400-Umgebung umzusteigen, muß IBM ihnen garantieren können, daß sie ihre RPG-Programme auch in der neuen Systemumgebung vollständig nutzen können.

IBM will ein neues Migrations-Tool anbieten

Sollen die Anwendungen eins zu eins in den /36-Modus der AS/400 übernommen werden, so müssen die Anwender einen Performance-Verlust von bis zu 30 Prozent und einen höheren Plattenspeicher-Bedarf in Kauf nehmen. Mit entsprechenden Werkzeugen, die IBM selbst anbietet, läßt sich der Leistungsverlust inzwischen weitgehend auffangen.

Der Sinn eines Wechsels wird aber in erster Linie darin liegen, die fortschrittlichere AS/400-Architektur zu nutzen - nicht nur für Neuentwicklungen im Native Mode, sondern auch, um die alten Anwendungen aus der /36-Ära zu optimieren. Mit anderen Worten: /36-Programme müssen mit entsprechendem Aufwand in den AS/400-Native-Mode überführt werden. Die größten Schwierigkeiten mit ihren Anwendungen haben dabei User, die zuvor bereits von der /34 zur /36 migriert waren.

Umstellungszeiten von mehreren Wochen, Schulungskosten und überdurchschnittliche Belastungen des Personals müssen von den Unternehmen in Kauf genommen. Die inzwischen zahlreich vorhandenen Migrations-Tools helfen dabei nur zum Teil. Fast immer sind die IBM-Kunden gezwungen auf die kostspielige Unterstützung von System- und Softwarehäusern zurückzugreifen.

Nicht wenige der /36-Anwender schrecken vor diesem Aufwand noch zurück. Um auch sie in die AS/400-Welt zu locken und um vom Servicegeschäft mit den migrationswilligen Usern zu profitieren, will Big Blue jetzt neue Wege gehen: Die italienische IBM-Niederlassung hat von dem Turiner Softwarehaus Eniac die Lizenzrechte für ein Tool erworben, das RPG-II-Programme nahezu vollautomatisch in RPG/400-Anwendungen umsetzt.

Die Umstellung der alten RPG-Programme wird von IBM Italien als Serviceleistung angeboten, ein Vorbild, dem Big Blue möglicherweise weltweit folgen wird. "Unsere Software-Experten haben das Tool gesehen und waren sehr beeindruckt", schwärmt Axel Hein.

Die deutschen Vertriebsrechte für dieses Werkzeug hat derzeit die Münchner Filiale von Cap Gemini. Der französische Softwareriese ist auch auf die Umstellung von RPG-II-Anwendungen nach Cobol spezialisiert. Ein ähnliches Service-Angebot für die Migration nach Cobol liefert in Deutschland unter anderem auch die "WIR" EDV-Beratung GmbH in Sindelfingen. Wer noch weitergehen und in eine 4GL-Umgebung wechseln will, dem steht mit dem Powerhouse-Converter von der Frankfurter Cognos GmbH ein entsprechendes Tool zur Verfügung.

Anwender kleinerer und größerer AS/400-Maschinen bemängeln neben den mit hohen Kosten verbundenen Migrationsschwierigkeiten vor allem zwei Dinge: das unzureichende Angebot an Bürosoftware und vor allem die geringen Möglichkeiten zur grafischen Darstellung von Daten auf der AS/400.

Uwe Goldenbaum, beim Dachverband der IBM-Midrange-Anwendergruppe Common Europe für den Gesamtbereich AS/ 400 zuständig, schildert die Situation der Anwender: "Grundsätzlich gibt es das Problem, Zahlen darstellen zu müssen. Da hat man natürlich die Möglichkeit, 100000 Listen auszudrucken... - Legen Sie doch mal so eine Tonne Papier dem Geschäftsführer vor!" "Abgespeckte Grafik-Möglichkeiten", die bei weitem nicht ausreichen, habe es auch schon auf der /38 mit der Business Grafic Utility (BGU) gegeben.

Die Grafik-Verarbeitung wandert auf PS/2-Rechner

Die grafische Darstellung de AS/400-Daten, so die Prognose Goldenbaums, wird demnächst auf OS/2-Rechnern als "intelligente Datenstationen" stattfinden. "PS/2 wird als grafikfähige Station für die AS/400 zum Einsatz kommen", ein Trend, de laut Goldenbaum zu einer enormen Entlastung des Rechner führen wird. Der Anwendersprecher begrüßt diese Entwicklung, weil damit grafische Verarbeitung auf einem Niveau möglich werde, das mit der AS/400 selbst niemals zu erreichen sei. Erstmals, so Goldenbaum, werden die Grafikmöglichkeiten bis in den CAD/CAM-Bereich hineingehen.

IBM-Vertreter wissen um die Grafik-Schwäche ihrer Midrange-Rechner. Rainer Angermaier, verantwortlich für das AS/400-Softwaremarketing, gibt zu: "Das ist im Moment sicher nicht die Stärke der AS/400. Die grafischen Fähigkeiten des Rechners werden aber noch ausgebaut." Über Termine gibt es allerdings noch keine Angaben.

"Wir haben die grafische Oberfläche in der Prioritätenliste und da wird sich demnächst einiges verbessern", erläutert Angermaier, meint damit aber nicht die AS/400 selbst. Vielmehr geht er davon aus, daß für Entwicklung und grafische Aufbereitung von Anwendungen PS/2-Rechner eingesetzt werden. Eine Windows-Technologie auf den nicht-programmierbaren Terminals der AS/400 selbst kann es aber schon deshalb nicht geben, weil die Windows-Oberfläche von Microsoft derzeit Intel-Prozessoren voraussetzt.

Bei der Anwendungsentwicklung auf dem PC dagegen setzt IBM voll auf die grafischen Eigenschaften der verschiedenen CASE-Werkzeuge. Diese Produkte arbeiten bereits mit dem Presentation Manager zusammen.

Anwender warten auf Officevision, Version 2

Der Ablauf sogenannter "passiver" AS/400-Anwendungen unter dem Presentation Manager oder unter Windows ist dagegen noch nicht möglich. Allerdings gibt es schon Werkzeuge wie das von IBM vermarktete objektorientierte "Easle", mit denen Anwendungen für den Presentation Manager entwickelt werden können.

Die Verfügbarkeit einer grafischen Oberfläche für die AS/400 ist für Software-Anbieter wie Andreas Görög ein entscheidendes Kriterium für die langfristige Überlebensfähigkeit der Maschine. "Es muß eine grafische Oberfläche geben, sonst ist die AS/400 bald tot", orakelt der IBV-Geschäftsführer. Bei vielen Anwendern sei eine grafische Benutzerschnittstelle ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Anschaffung einer Maschine. Mit Windows-Technologie und einer grafischen Oberfläche, so der Schweizer, ließe sich die AS/400 noch viel besser verkaufen als bisher.

Die Diskussion um das Thema Bürosoftware für die AS/400 ist derzeit durch das Warten auf Officevision/400, Version 2, geprägt. Obwohl das Bürokommunikations-Paket schon seit Monaten auf dem Markt sein sollte, können IBM-Verantwortliche auch jetzt noch keine Auslieferungstermine nennen. Dabei ist das Anwenderbedürfnis groß: "Die Anwender möchten Officevision unbedingt weiterentwickelt haben", lautet die dringende Forderung von Anwendersprecher Uwe Goldenbaum.

Zwar deckt das untergeordnete Paket "Büro" die wichtigsten Bürofunktionen ab, doch kann diese Software mit entsprechenden Angeboten des Mitbewerbs kaum konkurrieren. Zudem wird im Officevision-Konzept die angekündigte grafische Oberfläche schmerzlich vermißt. Ebenso beklagen Anwender das unzureichende Schulungsangebot seitens der IBM im Bereich Bürosoftware.

Zur Verfügbarkeit von Officevision/400, Version 2, kann auch IBM-Mitarbeiter Angermaier keine genauen Angaben machen: "Ich hoffe, daß das nicht mehr allzu lange dauert!" Die jüngsten Meldungen von der IBM-Front geben indes wenig Anlaß zur Hoffnung. Die Software soll nämlich als Kern einer unternehmensweiten Datenkommunikation auf allen SAA-Plattformen gleichermaßen zur Verfügung stehen - ein Projekt, das bereits vor neu Monaten beendet hätte sein sollen, und dessen Komplexität die Armonker offensichtlich weit unterschätzt haben (Vgl. CW Nr. 1 vom 4. Januar 1991, Seite 1: "Big Blue kann Officevision 2 nicht termingerecht ausliefern").

Wichtiger als Bürokommunikation ist vor allem für die Anwender der AS/400-High-end-Modelle die Möglichkeit der Anwendungsentwicklung. Hier hat die Verfügbarkeit der Programmiersprache C, die als C/400 von IBM und als Diploma-C von der im englischen Surrey ansässigen Asna Ltd. angeboten wird, Bewegung in den Markt gebracht. Software-Anbieter wie die Kölner Progress Software GmbH schwören dabei auf den ausgereifteren Asna-Compiler.

Bernd Röhrs, Geschäftsführer der Frankfurter Cognos GmbH, sieht in den größeren AS/400-Modellen bereits potentielle Entwicklermaschinen: "Der Rechner hat eine neue Bedeutung erhalten, nachdem dort die Programmiersprache C und entsprechende 4GLs verfügbar sind."

Im unteren Bereich behalte RPG seine große Bedeutung, obwohl "das Zeitalter der Generatortechnik eigentlich vorbei sein sollte". Eine positive Entwicklung am AS/400-Softwaremarkt durch die Verfügbarkeit der verschiedenen C-Versionen beobachtet auch IBV-Geschäftsführer Andreas Görög: "Die Hersteller von 4GLs oder CASE-Tools, die zuletzt im Unix-Bereich oder für Rechner von Hewlett-Packard oder DEC entwickelt haben, können jetzt im IBM-Midrange -Bereich auf den fahrenden Zug aufspringen."

C-basierte Produkte sind im Kommen

Noch in diesem Jahr stehen interessante C-basierte Produkte wie die Entwicklungsumgebung Progress oder die Textverarbeitung Wordperfect auf de Midrange-Rechner zur Verfügung. Progress-4GL und das Data Dictionary arbeiten mit der im Betriebssystem OS/400 festverankerten Datenbank zusammen. Die Produkte sollen dem dritten oder vierten Quartal dieses Jahres zu beziehen sein. Wordperfect steht nach Angaben der Eschborner Filiale in etwa vier Monaten zur Verfügung.

Früher, so IBV-Geschäftsfürer Görög, habe es nur RPG und verschiedene Cobol-Programme gegeben. Für die Zukunft erwartet der IBM-Partner einen starken Rückgang bei den RPG- und Cobol-Anwendern und eine florierenden Markt für 4GL-Tools im AS/400-Bereich.

Realistische Markteinschätzung oder Phantasien von Geschäftemachern? Uwe Goldenbaum kennt die Anwender der AS-Reihe und kommt zu einer eher nüchternen Einschätzung: "Die wenigsten AS/400-Anwender setzen sich mit C auseinander. Von der klassischen Anwendung her werden Cobol und RPG genutzt!" Die ursprüngliche Idee der IBM-Midrange-Systeme sei, den Usern eine Anwendung bereitzustellen und ihre unmittelbaren Bedürfnisse zu befriedigen. Die AS/400-Anwender wollen laut Goldenbaum keine Anwendungsentwicklung betreiben, sondern lediglich die bestehenden und angebotenen Anwendungen nutzen.

Trotz dieser Ausgangssituation sieht der Anwendersprecher durchaus eine Zukunft für die AS/400 als Maschine für den Anwendungsentwickler. Der Rechner werde zweigleisig einsetzbar sein, zum einen als reine Anwendermaschine, zum anderen als Entwicklersystem. Durch die Verfügbarkeit der Programmiersprache C könnten auf der AS/400 künftig neueste Trends in den Bereichen Bild- und Sprachverarbeitung berücksichtigt werden.

Allerdings steht nach Einschätzung von Software-Anbietern und Anwendern der AS/400-Karriere noch ein entscheidendes Hindernis im Wege: das Fehlen komplexen Anwendungsentwicklungs-Umgebungen. IBM setzt hier auf die AD/Cycle-Business-Partner Knowledgeware, Index Technology und Synon sowie demnächst wenn erste Tools für die AS/400 am Markt sind - auch auf Bachman.

Synon/2 ist der AS/400-Code-Generator

In einem CASE-Rahmen setzt die Software-Entwicklung auf der AS/400 erst mit der Phase der Code-Generierung ein. Hierzu sollte nach IBM-Vorstellungen das Werkzeug Synon/2 von der Londoner Synon Ltd. zum Einsatz kommen. Die vorhergehenden Phasen Planung, Analyse und Design sollen mit Hilfe entsprechender CASE-Tools wie IEW und ADW von Knowledgeware oder Excelerator von Index Technology auf IBMs PS/2-Modellen laufen.

Eine Schlüsselfunktion in diesem Konstrukt erhält die Schnittstelle zwischen den Knowledgeware-Tools und dem Code-Generator. Derzeit gibt es ein von Synon angebotenes Interface, das eine Datenübergabe von IEW beziehungsweise ADW nach Synon/2 erlaubt. "In Zukunft wird diese Funktion das External Source Format übernehmen", kündigt IBM-Mitarbeiter Angermaier an.

IBM mußte auf das Code-Generierungswerkzeug Synon ausweichen, weil der eigene Code-Generator Cross System Product (CSP), der auf den /370-Mainframes zum Einsatz kommt, nicht zu akzeptablen Bedingungen auf der AS/400 eingesetzt werden kann. "Kunden, die eine /370 und eine AS/400 einsetzen, und die besonderen Wert auf eine einheitliche Anwendungsentwicklung legen, können nach wie vor CSP benutzen", erläutert Angermaier. Allerdings macht der IBMer aus den gravierenden Nachteilen keinen Hehl: "Der CPU-Bedarf ist extrem hoch - entsprechend muß die Maschine geplant werden. Der CPU-günstigere Generator heißt klar Synon."

Allerdings erfreut sich der Code-Generator CSP offensichtlich auch im Großrechnerbereich keiner allzu großen Beliebtheit. "Man sieht bei der Programmierung, daß der Zeitpunkt des Designs 15 Jahre zurückliegt", kritisiert Bernd Röhrs, Geschäftsführer der Frankfurter Cognos GmbH. "Die Mächtigkeit der Sprache, die Art, wie man mit dem Editor umgeht - das ist nicht mehr State of the Art."

Kritiker aus der Softwarebranche bemängeln an dem IBM-Phasen-Konzept, in dessen Mittelpunkt die CASE-Tools für den PS/2-Rechner und die Generierungswerkzeuge für AS/400 und /370 stehen, das Fehlen einer geschlossenen Anwendungsentwicklungs-Umgebung von einem Hersteller. "Es gibt nur Programmgeneratoren für die AS/400, keine richtigen Entwicklungsumgebungen; Synon/2 oder Lansa - das ist nicht das, was wir unter guten Entwicklungswerkzeugen verstehen", kritisiert zum Beispiel IBV-Geschäftsführer Görög. Der IBM-Agent möchte eine komplette Entwicklungsumgebung auf der AS/400 sehen.

Auch Anwendersprecher Goldenbaum hält das Angebot an CASE-Tools für die AS/400 eher für dürftig. Das Paket Synon/2 sei gemessen an der relativ kurzen Entwicklungszeit zwar insgesamt "super", aber für den Software-Entwickler entständen immer dann große Probleme, wenn existierende Anwendungen überarbeitet werden sollten.

"Man kann mit Synon nur neu entwickeln", moniert der Anwendersprecher. Goldenbaum weiß von einem neuseeländischen Anbieter, der inzwischen auch Tools anbietet, die auf bestehende Anwendungen aufsetzen und mit denen weiterentwickelt werden kann. Zweiter Kritikpunkt des AS/400-Kenners ist die allzu komplizierte Benutzeroberfläche des Code-Generators von Synon. Allerdings schränkt Goldenbaum wohlwollend ein: "Hauptsache, es funktioniert!"

"Power-CASE" möglich als Alternative

Eine der wenigen Alternativen zu den im AD/Cycle-Konzept berücksichtigten Produkten kann möglicherweise die CASE-Umgebung "Power-CASE" von der Frankfurter Cognos GmbH werden.

Die in etwa zwei bis drei Monaten verfügbaren Werzeuge kommen ausschließlich auf den OS/2-Rechnern von IBM zum Einsatz. Auch der Code wird auf den PS/2-Rechnern erstellt, eine 4GL, die laut Cognos-Geschäftsführer Bernd Röhrs auf der AS/400 weitaus effizienter läuft als Cobol- oder RPG-Programme.

Ihre "Powerhouse-4GL" geben die Frankfurter zum 25. Januar 1991 als Beta-Release auf der AS/400 frei.