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02.04.1976

Der stern setzt dem Faß die Krone auf

"Wie in einem Netz ist der Bundesbürger von der Datenverarbeitung eingefangen. 22 000 Computer speichern alles über alte." So die Bildunterschrift zu einem Foto-Schocker im letzten stern (Titelbild mit appetitlichem Nackedei in grünem Grottenwasser). Der dazugehörige Bericht (Dachzeile: Datenbanken, Hauptüberschrift: Keiner kann entkommen), mit etwa zwei ganzen Textseiten von beachtlicher Länge und drei gießen Fotos lehrt den gut 5 Millionen stern-Lesern das Gruseln durch Neuauflage der Computer-Mythologie aus den frühen 60er Jahren: "Das hilfreiche Elektronengehirn mit dem nahezu unbegrenzten Gedächtnis kann... aber auch gefährlich werden, wenn es sein Wissen unkontrolliert weitergibt. Denn wo immer der Bürger ... ein Lebenszeichen in Form von Daten und Taten hinterläßt, wird es auf der Magnetbändern oder -platten eines der 22 000 Computer gespeichert, die für Städte und Gemeinden, Bundesbehörden, Landesämter und in vielen Privatfirmen der Bundesrepublik arbeiten. In der EDV allein der Behörden werden durchschnittlich 300 Daten von jedem Bürger festgehalten." - Fragt sich, was eine Date ist.

Da überwachen Gedächtniszellen elektronisch, da werden Dinge als möglich, wenn nicht als üblich dargestellt, die eindeutig strafbare Handlungen sind - geradezu, als ob es keine Grundrechte und Gesetze mehr gäbe: Die Einführung des Personenkennzeichens "für alle 22 000 Amts- und Wirtschaftscomputer ... macht es technisch möglich, alle Behörden-Datenanlagen miteinander zu verbinden." Dergleichen kann "unkontrolliert den einzelnen Menschen, dessen ganze Lebensgeschichte auf einem daumenkuppengroßen Stück Magnetband Platz hat, zum hilflosen Objekt des alleswissenden Staatsapparats machen".

Nach Gruselgeschichten über Computer-Kriminalität ("Wie man einen Computer manipulieren kann, zeigt...") folgt die Beschimpfung des ganzen Datenverarbeitungs-Berufsstandes: "Nicht der Computer ist gefährlich, sondern der Mann, der ihn bedient." Der ganz klare Schluß: "Deshalb müssen beide kontrolliert werden."

Rechtzeitig zum Datenschutz-Hearing des Bundestags-Innenausschusses wird so Stimmung für ein verschärftes Bundesdatenschutzgesetz gemacht. Daß dabei Einzelfälle verallgemeinert und strafbare Handlungen als das allgemein Übliche dargestellt werden, nahm Redakteur Kurt Breme aus dem Bonner stern-Büro in bester Absicht offenbar in Kauf. Dem Fachmann kommt die Galle hoch. -m-