Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.10.2006

Der Tariflohn ist nur die Basis

Veronika Renkes
Ingrid Mai, Vergütungsexpertin der IG-Metall verrät im CW-Gespräch mit Veronika Renkes*, wie viel der einzelne IT-Mitarbeiter für sich herausholen kann.

CW: Nach welchen Kriterien haben die Unternehmen in Zeiten des IT-Booms Gehälter bezählt?

So kommen Gehälter zustande

Wie viel kann ich als Berufsanfänger oder Berufsanfängerin verdienen? Was muss ich beim Abschluss eines Arbeitsvertrags beachten? Die IG Metall gibt Tipps für die Jobsuche und den Berufseinstieg.

Jedes Jahr erhebt die Gewerkschaft die Einstiegsgehälter in großen Unternehmen in der Automobil-, Elektro-, IT-, Maschinenbau-, Stahl- und Telekommunikations-Industrie. Eine Aussage über Einstiegsgehälter macht nur Sinn, wenn genau definiert ist, welche Komponenten in die Betrachtung einfließen und wenn nur die harten Gehaltsbestandteile berücksichtigt werden.

Harte Gehaltsbestandteile sind üblicherweise das fixe Monatsgehalt sowie zusätzliche Komponenten wie das 13. Gehalt, Leistungszulage, Urlaubsgeld, Sonderzahlung und Ähnliches. Diese zusätzlichen Komponenten werden keineswegs überall gezahlt, sondern sind von Unternehmen zu Unternehmen verschieden.

Zusagen der Unternehmen wie Firmenwagen oder Firmenhandy sind in der Regel nicht arbeitsvertraglich garantiert und können daher einseitig vom Unternehmen geändert werden. Zudem erfolgen diese Leistungen nicht als "Cash". Deshalb finden diese weichen Gehaltsbestandteile keine Berücksichtigung.

Entscheidend sind die Details: Wenn von Jahresgehalt gesprochen wird, ist oft Unterschiedliches gemeint, je nachdem, bei welchem Unternehmen Sie anfangen und was Sie im Arbeitsvertrag aushandeln.

Viele Unternehmen zahlen zwölf Monatsgehälter, andere gewähren ein zusätzliches 13. Monatsgehalt. In tarifgebundenen Unternehmen gibt es zusätzlich eine Leistungszulage, je nach Tarifvertrag durchschnittlich vier bis zehn Prozent des Gehalts, und weitere tarifliche Leistungen, etwa zusätzliches Urlaubsgeld sowie vermögenswirksame Leistungen.

Dazu können noch freiwillige Zulagen kommen. Diese sollten aber schriftlich festgehalten und bei variablen Zulagen möglichst konkretisiert werden.

MAI: Nach Marktpreisen und darüber hinaus, um die Konkurrenz außen vorzuhalten. Viele Bewerber und Mitarbeiter haben alles bekommen, was sie wollten. Das waren paradiesische Zustände.

CW: Nach welchen Kriterien legen Unternehmen heute Gehälter fest?

MAI: Viele Unternehmen sind heute sehr gut untereinander vernetzt und gleichen die Gehälter untereinander ab. Beispiel Microsoft: Dort lautet die Strategie: Gehälter im oberen Drittel zahlen, aber nicht an der Spitze stehen. Solche Firmen vergleichen die Gehälter dann mit Unternehmen, die in dieser Liga mitspielen, und richten danach ihre Gehälter aus. Ausnahmen gelten für Spezialisten, die dringend gebraucht werden. Hier wird nach wie vor wesentlich mehr gezahlt.

CW: Orientieren sich die Gehälter an den Tarifverträgen?

MAI: Die meisten bewegen sich in diesem Rahmen. Viele große Unternehmen sind tarifgebunden, und das hat natürlich eine Signalwirkung auf die Gehaltsangebote anderer Firmen. Immerhin gehören rund 200000 IT-ler zur Metall- und Elektrobranche, die mit der IG Metall einen Tarifvertrag abschließt.

Der Tarif ist also meist eine Basis, wonach sich die anderen Unternehmen und Manager orientieren. Wenn das Unternehmen klein ist und boomt, legt es auf das Tarifgehalt noch was drauf, um attraktiv für Mitarbeiter zu sein.

CW: Wenn die Gehälter sowieso festliegen, wäre es da nicht klüger, dem Arbeitgeber die Gehaltsfrage zu überlassen?

MAI: Ich glaube nicht, dass das in einem Unternehmen gut ankommt. Man sollte auf jeden Fall einen Verhandlungsvorschlag machen und ein offenes Gespräch über das Gehalt einleiten. Wichtig ist dabei, dass man als Person gut rüberkommt.

CW: Zahlen die Unternehmen schlechtere Löhne angesichts der hohen Arbeitslosigkeit?

MAI: In manchen Unternehmen ist das wohl so. Generell kann man das aber nicht sagen. Meine Studie zeigt, dass die Löhne in allen Gruppen - bis auf Hardware-Engineering - in allen Gruppen gestiegen sind. Die gut bezahlten Jobs gibt es bei Dienstleistern, in der Beratung und im Software-Engineering.

CW: Welche Rolle spielen die variablen Gehaltsanteile?

MAI: Vor allem in den Führungs- und Top-Spezialisten-Funktionen, auf dem Beratungsleiter-Level und bei den Top-Consultants spielen die variablen Gehaltsanteile eine große Rolle. Wie hoch die variablen Anteile im Verhältnis zu dem Festgehalt sind, hängt von der Firmenphilosophie ab.

CW: Mit welchen Problemen hat man bei den Gehaltsverhandlungen zu kämpfen?

MAI: Wenn das Unternehmen tarifgebunden ist, gibt es feste Regeln. Ist das nicht der Fall, muss man aufpassen, dass keine Wildwest-Methoden angewendet werden. Wichtig ist auch, keine Ziele zu vereinbaren, die man selber nicht beeinflussen kann.