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12.04.1979 - 

Genossenschaftsinstitut sieht IBM-Announcements als "Trendsetter"

Der Technologiewechse wird sieh verlangsamen

Die zukünftige Entwicklung der Datenverarbeitung wird von einem technologischen Trend bestimmt, der zu einer weiteren Verbesserung des Preis/Leistungsverhältnisses führen wird, die durchaus in der Größenordnung einer erneuten Halbierung der Preise für eine gegebene Leistungseinheit liegen kann, vermutet das betriebswirtschaftliche Institut der Deutschen Kreditgenossenschaften (BIK) in seinem Geschäftsbericht für 1978. Ermöglicht wird diese Entwicklung durch die Einführung neuer Technologien zur Darstellung von Schaltkreisen - vom Transistor über die zur Zeit verwendeten miniaturisierten Halbleiter zu Supra-Leitern -, die von einer weitergehenden Automation der Fertigungsprozesse für Computerbausteine, insbesondere eben für miniaturisierte Schaltungen, begleitet wird. Allerdings wird allgemein eine Verlangsamung in der Abfolge der Technologie- und damit der Computergenerationen-Wechsel erwartet; es scheint jedoch andererseits keinen Hinweis darauf zu geben, daß sich die positive Entwicklung des Preis/Leistungsverhältnisses in absehbarer Zukunft nicht fortsetzen sollte, schreibt das BIK und nimmt die Ankündigung der neuen IBM-Systeme 8100, 4300 und /38 als Bestätigung für den vorgezeichneten Trend in der kommerziellen Datenverarbeitung.

Die Folgen dieser Entwicklung für die Computer-Hardware sind eine ständig breiter werdende Palette unterschiedlich leistungsfähiger Computer vom Großsystem bis zur MT als

- universeller Großrechner

- "portionierte Hardware" in Form von mehr oder weniger intelligenten Datenstationen sowie

- "spezialisierte Hardware" als Systeme der mittleren Datentechnik, als Miniund Taschencomputer.

Der gelegentlich geäußerten Befürchtung einer Revolutionierung der Datenverarbeitung durch die "Minis" steht die Einschätzung über die Verteilung der Ausgaben für Computer-Hardware von 1975 bis 1980 gegenüber, die zwar eine Verdoppelung der Ausgaben für Kleincomputer annimmt, aber ebenso eine Verdoppelung der Investitionen in Großsysteme, für die dann immer noch mehr als zweimal soviel aufgewandt werden wird wie für die Minis; allerdings wird nahezu eine Vervielfachung des Aufwandes für Terminalsysteme erwartet.

Die Folgen des beschriebenen technologischen Trends für die Entwicklung von Computer-Software sind erheblich. Die Entwicklungskosten steigen infolge der Veränderung des Preis/Leistungsverhältnisses der Hardware nicht nur relativ, sondern wegen der komplexeren Anwendungsgebiete, die in Zukunft auf den Computer gebracht werden sollen, auch absolut; zugleich wird der Charakter dieser Aufwendungen als Investitionen immer deutlicher, zumal sie bereits heute in vielen Fällen den Wert der Investitionen in Hardware übersteigen.

Diese Entwicklung verlangt relativ längere Nutzungsdauer der Programmpakete und daraus folgend als wichtigstes Qualitätsmerkmal ihre Kompatibilität in mehrfacher Hinsicht:

þhorizontal: versehen mit Schnittstellen zu weiteren, zunächst noch unbekannten Anwendungen;

þvertikal: geeignet für den Ablauf auf größeren Anlagen und möglicherweise unter größeren Betriebssystemen;

þentwicklungs- oder zeitbezogen: ablauffähig auf Folgesystemen und -technologien;

þherstellerbezogen: ablauffähig auf Systemen verschiedener Hersteller; das bedeutet zunächst eine Forderung nach verstärkter Normung.

Zugleich ergibt sich die betriebswirtschaftliche Forderung nach dem Vermeiden von Mehrfachauwendungen für die gleiche Anwendung, zumindest innerhalb von Gruppen geschäftspolitisch verbundener Unternehmen, wenn nicht sogar ganzer Branchen.

Dieser Entwicklungszusammenhang von Computer-Hardware und -Software sollte dazu führe, daß die Anwender solche Hardware-Installationen unterlassen, die lediglich durch den Anschluß an die jeweils neueste Technologie mit ihrem - zunächst nur auf physikalische Meßgrößen bezogenen - besseren Preis/ Leistungsverhältnis begründet sind; es sei denn, sie bieten zugleich eine echte Kompatibilität - nicht eine Quasi-Kompatibilität im Wege der Emulation, welche bei gleichem Anwendungsniveau prinzipiell zu höheren absoluten Hardware-Aufwendungen trotz günstiger Preis/Leistumpnrerhältnisse für die physikalische Leistungseinheit führt. Daß dieser Zusammenhang auch von den genossenschaftlichen Rechenzentralen gesehen wird, beweist der Anteil von gekauften Systemen, der inzwischen den von Systemen mit 2-Jahres-Mietverträgen bei weitem überwiegt.

Auch die Computer-Hersteller beurteilen die Entwicklung offensichtlich ähnlich. Deshalb erscheint die Prognose zulässig, daß vorhandene Systeme und Prinzipien wie Programmiersprachen, Betriebssysteme, Datenbank- und Datenfernverarbeitungs-Monitore und - das ist besonders wichtig- damit auch das Know-how unserer Mitarbeiter bis in die 80er Jahre lebensfähig bleiben werden.

Welche Folgen hat diese allmähliche Veränderung des Umfeldes für die zukünftige Entwicklung von Anwendungen, wenn wir diese zunehmend als komplexe Systeme aus Organisation, Hardware und Software begreifen, deren Strukturierung insbesondere auch entwicklungsgeschichtlichen und geschäftspolitischen Faktoren unterliegt? Als Beispiel kann die mögliche zukünftige Konfiguration eines Datenverarbeitungs-Verbundes dienen.

In einer solchen, auf den ersten Blick großzügigen Konfiguration kommt zum Ausdruck, daß der technologische Trend zur weiteren Verbesserung des Preis/ Leistungsverhältnisses letzten Endes vom Zwang zur Vollauslastung der Hardware befreit, ohne daß damit ein betriebswirtschaftlicher Fehler begangen würde; wir haben Beispiele für die Berechtigung solcher Nutzungsformen in anderen, ausgereiften Kommunikationssystemen wie zum Beispiel Telefon oder Fernsehen. Zugleich steigt die Chance, Datenverarbeitung stärker als zuvor an den eigentlichen Anwender, die Fachabteilung, heranzubringen; eine Einschätzung, die sicher auch die Prognose über die Entwicklung des Terminalmarktes in den nächsten Jahren beeinflußt hat.

Dieses Heranbringen der Datenverarbeitung an viele Anwender kann nur in Netzwerken geschehen, welche durch geordnete Verteilung von Intelligenz und Verarbeitungskapazität auf unterschiedliche Knoten und Ebenen ein Optimum an Anwendungsverfügbarkeit anstreben, die letzten Endes bei gegebener Verarbeitungsqualität das eigentliche Leistungskriterium eines Datenverarbeitungssystems ist. Da in solchen Netzwerken Steuerungsinformationen für die Verarbeitung nicht nur von oben nach unten, sondern auch umgekehrt und horizontal abgegeben werden können, liegt es nahe, für solche Systeme das Wort vom Distributed Processing durch den Begriff des "Cooperative Processing" zu präzisieren.

Zugleich soll mit diesem Konfigurationsbeispiel deutlich gemacht werden, daß nach unserer Auffassung Großsysteme als Allzweckrechner mit höchster Leistungsfähigkeit an Bedeutung gewinnen und nicht etwa verlieren werden. Sie werden insbesondere benötigt für die logische Steuerung umfangreicher Netzwerke - die Datenfernverarbeitungs-Steuerung im engeren Sinne werden spezialisierte Minis übernehmen - und damit für die datenverarbeitungstechnische Realisierung der Forderung nach zentraler Entwicklung und Steuerung der dezentralen Verarbeitung in Verbundnetzen. Sie werden weiter nach wie vor benötigt für die Verarbeitung großer Datenvolumina, für den Aufbau und die effektive Verwaltung großer Datenbanken und für die vielfach organisatorisch erforderliche Anwendungsvielfalt in einem einzigen System.

Die Ankündigung von drei neuen Systemkonzeptionen durch den Marktführer IBM in den Jahren 1978 und 1979, die Systeme 8100, 4300 und /38, die - wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen - den Aufbau derartiger "kooperativer" Netze ermöglichen, scheinen diese Prognosen über die zukünftige Entwicklung in der kommerziellen Datenverarbeitung zu bestätigen.