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15.04.1994

Der Test von Multiprotokoll-Druckern (Teil 1) Das Modewort der DV-Branche: Die neue Generation von "xyz"

Von Nicholas Petreley und

Laura Wonnacott*

Heute nehmen wir den Redaktionskatalog mit Modewoertern der DV- Industrie in die Hand und machen uns an den Test des Laserdruckers Newgen Imageplus 12. Gesucht wird der Plug-and-play-(= einfach zu bedienende)Multiprotokoll-Drucker. Dazu werden unsere Testgeraete an ein IPX-, ein Appletalk- und ein TCP/IP-Netz angeschlossen und sollen Postscript- und PCL5-Dateien zu Papier bringen.

In der Verpackung des Newgen findet sich ein Ding, das zwei zusammengeleimten Werkbaenken nicht unaehnlich ist. Es hat alle Schnittstellen eingebaut: Wir finden einen seriellen und einen parallelen Anschluss, eine SCSI- sowie eine Appletalk- Schnittstelle. Auf der Netzplatine befinden sich AUI-, Twisted- Pair- und BNC-Stecker.

Der Newgen ist objektorientiert. Nachdem wir das Objekt zusammengebaut haben, orientiert er sich an unseren Wuenschen. Alles, was wir uns wuenschen koennen, ist die Fehlermeldung, dass der Drucker geoeffnet ist. Alle Beteiligten sind indes der Meinung, dass das Gehaeuse geschlossen ist. Wir probieren alles Moegliche, sogar einen netzunabhaengigen Holzhammer, doch die Fehlermeldung laesst sich nicht beseitigen.

Ohne Schraubenzieher laeuft in dieser Branche nichts

Wir nehmen also einen Schraubenzieher (De-facto-Standard in der DV-Industrie) und machen den Drucker zu einem offenen System. Ob wir den Schalter finden, der fuer die Fehlermeldung verantwortlich ist? Was wir entdecken, ist die verteilte Architektur des Druckers - zwei Objekte, ein Stueck Plastik und eine Feder, urspruenglich wahrscheinlich irgendwo befestigt, stehen ohne Verbindung zum Rest des Drukkers und liegen auf dem Boden des Geraets. Es sieht nicht gut aus. Doch es kommt noch schlimmer: Laura bleibt mit ihrem parallelgestrickten Pullover am Gehaeuse haengen und zieht mehrere Maschen aus dem Gewebe. In der Zwischenzeit ruft Nick bei Newgen an und bestellt einen neuen Drucker, waehrend Laura sich dem Re- Engeneering des Pullovers widmet.

Der Newgen Imageplus 12 enthaelt einen Prozessor, eine Festplatte und wahrscheinlich auch eine Art Betriebssystem, denn es dauert geraume Zeit, bis er betriebsbereit ist. Man wartet. Und wartet. Holt sich eine Tasse Tee, pfeift ein kleines Liedchen. Wechselt den Arbeitsplatz. Da capo. Der Drucker ist betriebsbereit. Der Anschluss an das Appletalk-Netz ist ein Kinderspiel. Der Standardname des Druckers lautet "Imageplus 12" und ist sofort auf allen Apple-Rechnern sichtbar, wenn die Stecker verbunden werden. Aehnlich einfach laesst sich die Netware-Verbindung aufbauen. Man erzeugt eine Druckerwarteschlange, und der Imageplus 12 unterscheidet automatisch zwischen Postscript- und PCL5-Dateien. Newgen empfiehlt allerdings, jeweils eine Warteschlange pro Dateityp einzurichten.

Es laeuft alles hervorragend, und wir bereiten den TCP/IP-Anschluss vor. Wir benutzen einen Hochgeschwindigkeitsschalter (soll heissen: Wir tippen extrem schnell) und arbeiten uns durch das benutzerfreundliche Menue fuer die Druckereinstellungen, fuer die IP- Adresse und die anderen TCP/IP-Parameter. Wir schicken eine Datei von unserer Unix-Workstation, doch nichts passiert. Obwohl kein Hinweis in den Handbuechern zu finden ist, schalten wir den Drucker aus und wieder ein und siehe da - es funktioniert.

Am naechsten Tag uebernimmt der Newgen keine Dateien mehr vom Novell-Netz. Wir starten einen Selbsttest und drucken die Seite mit den Druckparametern. Prima Aufloesung. Hervorragende Aufloesung. Unuebertrieben - laut AAATTTMMM (Adobe Asynchronous Automatic Type Transfer Teller Management Mode Machine) sind die Buchstaben 1,3 mal zehn hoch minus drei Punkt klein.

Wir haben kein Mikrofiche-Lesegeraet zur Verfuegung und wenden uns an den technischen Kundendienst. Dort kennt man dieses Downsizing- Problem und entschuldigt sich. Man vermutet, dass die Druckereinstellungen sich im Betrieb geaendert haben, weil der Drucker falsch am Hub angeschlossen ist. Wir verstehen das nicht, probieren aber verschiedene Anschluesse aus. Nichts passiert.

Wir machen uns wieder selbst mit Hilfe von PCONSOLE an die Arbeit, Novells Hilfsprogramm fuer die Konfiguration von Drukkern. Das Programm sagt, dass eine Warteschlange fuer den Newgen angelegt wurde, doch zwischen beiden keine Verbindung existiert. Weitere Tests zeigen, dass der Imageplus 12 den Druck-Server unter einer falschen Adresse sucht. Es bleibt schleierhaft, wie es dazu kommen konnte, doch wir aendern die Adresse und starten einen weiteren Versuch.

Ein Grossteil der Seite erscheint wie erwartet auf Papier, doch der Rest wird besonders hochaufloesend gedruckt. Hochaufloesend heisst in diesem Fall, dass der Drucker wieder den AAATTTMMM-Zeichensatz verwendet, der die Testseite auf die Groesse eines Mikrofiches brachte. Ein Fall fuer den technischen Kundendienst. Man empfiehlt uns, den Drucker in den Ausgangszustand zurueckzusetzen. Getreu den Anweisungen im Handbuch schalten wir dazu den Drucker ein und halten gleichzeitig die Tasten fuer Seitenvorschub, Cursor-nach- oben und Bild-nach-unten. Wir zitieren ein Gedicht von Edgar Allan Poe auf Franzoesisch und - es funktioniert.

Unser Test ist noch lange nicht abgeschlossen, aber, wie auch immer, wir moegen den Drucker von Newgen. Er ist noch immer der einzige, der mit allen Druckaufgaben zurechtkommt, auch mit Warteschlangen oder dem LPD-Daemon des Unix-Betriebssystems.

Wird fortgesetzt