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25.08.1978

Der Trend geht klar zum Endlosformular

Mit Gyso Boeder von der Papierindustrie Döbbelin & Boeder sprach Elmar Elmauer

- Der Traum vom papierlosen Büro ließ sich ja noch nicht realisieren: Papier bleibt wohl auf Jahre ein wichtiger Datenträger für die EDV. Aber, Herr Boeder, wächst der Bedarf noch so sprunghaft, vor allem angesichts der Tatsache, daß die Millionen-Endlos-Formular-Aufträge für große EDV-Zentralen im Zeichen des Distributed Processing rarer werden?

Der Bedarf ist da, aber man kann nicht direkt von steigendem Bedarf sprechen. Denn es findet eine Verlagerung von den hohen Mehrfachsätzen mit Sechs-, Sieben- und Achtfachsätzen runter auf maximal Vierfach-Sätze statt. Dadurch erhöht sich zwar insgesamt die Anzahl der Sätze enorm, aber mengenmäßig steigt der Papierverbrauch nicht so stark.- Nun gibt es in der Bundesrepublik etwa 250 Anbieter von Endlos-Formular-Sätzen. Welches Quantum drängt hier eigentlich auf den Markt?

Ich schätze, etwa 45 bis 50 Milliarden Formulare im Jahr, plus minus zehn Prozent.

- Und dafür gibt's Bedarf?

Nein. Dieser Markt hat kaputte Preise, die unheimlich viele Mitbewerber versuchen, die Überkapazitäten mit Schleuderpreisen zu unterlaufen.

- Wieviel Prozent unter dem Marktniveau bewegen sich diese Schleuderpreise?

Etwa 25 bis 30 Prozent.

- Und wie groß ist die Überkapazität?

Ich glaube, daß das, was heute auf dem Markt ist, den Bedarf bis 1982 decken könnte.

- Anhaltende Dumping-Preise kosten über kurz oder lang manche Unternehmen das Leben. Teilen Sie diese Angst?

Ich bin sicher, daß in der nächsten Zeit einige Firmen dranglauben müssen. Vielleicht werden von den 250 Anbietern 50 übrigbleiben. Und zwar werden das jene sein, die jetzt schon den Markt anführen.

- Und Sie selbst? Wir haben eine breite Palette, achten auf Qualität, sind seit 75 Jahren im Markt, exportieren in achtzig Länder der Welt und machen noch Gewinn.- Donnerwetter. Und der Gewinn ist sicher extraordinär gut?

Wenn einer in dieser Branche fünf Prozent brutto macht, ist er schon gut bedient.

- Und an höhere Preise ist nicht zu denken?

Doch. Ich rechne damit zum ersten Januar.

- Und wieviel soll's denn werden?

Etwa sieben bis neun Prozent.

- Typisch für den Papiermarkt, auch soweit er EDV-Papiere betrifft, war stets der Kauf auf Lager.

Das ist, zumindest im Augenblick, nicht der Fall. Aber wenn bei den Papiermachern die Preise wieder anziehen - und in der Krise 1974/75 waren die Preise ja doppelt so hoch wie heute -, dann könnten höhere Rohstoffpreise schon wieder solche Einkaufslawinen entstehen lassen, die nicht zu bewältigen sind. Nur jetzt haben die Firmen ihre Läger eben stark abgebaut und die großen Aufträge von früher, die sind auch nicht mehr da. Die Mengen werden zwar gebraucht, doch die Aufträge werden gestückelt und auf Abruf geordert.

- Liegt das nicht auch daran, daß es einen Trend zu Spezialpapieren gibt, wie manche Branchenauguren meinen?

Der Trend geht ganz klar zum Endlosformular, das in enormen Mengen gebraucht wird. Sicher gibt es auch einen großen Bedarf an Spezialpapieren. Doch die sind heute immer noch um das Vier- bis Fünffache teurer als normales EDV-Papier.

- Nun bringen manche der neuen Techniken das Papier an die Grenze seiner mechanischen Festigkeit, zum Beispiel.

Ja. Deshalb stecken in neuen Papieren horrende Entwicklungskosten. Und das hört auch in Zukunft nicht auf, wenn wir die Entwicklung mitmachen wollen, die dem Papierlieferanten vom Büromaschinen-Hersteller abverlangt wird. Wir alle müssen uns etwa für die Anforderungen aus der MDT, sehr intensiv mit der Beschichtung der Papiere befassen. Bei uns liegt dieser Aufwand jährlich bei etwa 200000 Mark.

- Wieviel Prozent vom Umsatz sind 200000 Mark?

Das möchte ich nicht sagen.

- Gut, lassen Sie mich anders fragen: Wieviel Thermopapier mußten Sie verkaufen, um Break even-point zu erreichen?

Na, für eine bis zwei Millionen Mark. Das wär' das Minimum.